Bei Amazon.deFidel Castro – Das Ende Einer Ära

Autorin, Produzentin, Regisseurin: Adriana Bosch
Label: edel motion
Laufzeit: ca. 120 min
Sprache: Deutsch / Englisch
FSK: Info-Programm

1959 wurde auf Kuba der Diktator Fulgencio Batista durch eine Revolution gestürzt, die von Fidel Castro Ruz und seinen Untergebenen angeführt wurde. Anlässlich dieses fünfzigjährigen Jubiläums, veröffentlicht edel motion die zweistündige ZDF/arte-Dokumentation „Fidel Castro – Das Ende einer Ära“ auf DVD. Buch, Produktion und Regie lagen dabei alleine in der Hand von Adriana Bosch.

Im Zentrum der Doku steht natürlich der „Máximo Líder“ Fidel Castro selbst, doch von seiner Geburt an, bis hin zu seinem durch Krankheit bedingten Abschied aus der Politik, wurde er von unterschiedlichen Menschen begleitet, die ihn auch prägten. Das wird besonders durch die geraffte Darstellung von Castros Leben und Wirken deutlich.

Seine Geburt, Kindheit und Jugend zeigen schon einen willensstarken Charakter, der später zu einem unbeugsamen und starrsinnigen Mann wird, der sich mit den USA ein großes, scheinbar übermächtiges Feindbild aufbaut. David gegen Goliath – so mutet es an. Doch Castro hat die USA nicht bezwungen, aber er hat allen Erschwernissen zum Trotz Widerstand geleistet. Fidel Castro und sein Regime haben selbst die Sowjetunion überlebt.

Adriana Bosch hat ganze Arbeit geleistet, um Fidel Castro und sein Leben zu porträtieren. Gespickt mit unzähligen Archivaufnahmen, alten Fotos und Interviews von Zeitzeugen, zeichnet sie den Lebensweg des Mannes nach, der das moderne Kuba  prägte und auch der Welt trotzig seinen Stempel aufdrückte. Um Objektivität bemüht zeigt Frau Bosch auf, warum Castro als dermaßen polarisierende Persönlichkeit gilt. Sieg und Niederlage, Ehre und Schande, Genialität und Dummheit, Liebe und Hass – all diese Dinge vereinbart Fidel Castro in sich. Dabei wird auch gezeigt, wie Castro im Laufe der Historie sich selbst und seine Ideale verliert und schlussendlich neu definiert.

Großes hat er geleistet, Schlimmes hat er getan. Fidel Castro ist ein Mann der Widersprüche. Zusammen mit Ernesto „Che“ Guevara hat er das neue Kuba geformt, seinen Freund schlussendlich still und heimlich ans Messer geliefert und ihn dann als Nationalheld vor den Propagandakarren gespannt. Castro hat Weltpolitiker gespielt, sich im Beistand der Sowjetunion gesonnt und alterte nach deren Zusammenbruch sichtbar. Zigarre, Stiefel und Uniform – so kennen ihn die Leute, so wird er geliebt, so wird er gehasst. Noch zu Lebzeiten ein Mythos, den Adriana Bosch unter die Lupe nimmt. Und das gelingt ihr außerordentlich gut.

Akribisch hat sie Bildmaterial zusammengetragen und Interviews mit Zeitzeugen geführt. Dazu gehören unter anderem Castro-Gegner wie dessen Tochter Alina Fernández oder Castros ehemalige Weggefährten. Das alles gibt ein scheinbar objektives und um Neutralität bemühtes Bild, lässt den Zuschauer sich seine eigene Meinung bilden. Trotzdem überwiegen die harten Aufnahmen, Fotos und Eindrücke: Hinrichtungen, Folter, Mord und Elend. Dem gegenüber steht jedoch auch Hoffnung, Freude und Erlösung – Fakten und Gefühle in einem Hexenkessel der Widersprüche.

Adriana Bosch setzt aus dem gesammelten Material eine faszinierende Gesamtheit zusammen. Dazu ein leiser, kubanischer Sound, der die Dokumentation begleitet, aufgebrochen von Originaltonaufnahmen. Und da gibt es tatsächlich den einzigen Haken an der Sache. Souverän führt ein Sprecher deutschsprachig durch die ganze Dokumentation, doch es gibt viele englische und spanische Tonspuren. Diese werden weder übersetzt, noch gibt es einen Untertitel. Der Zuschauer hat also keine Ahnung, was da gerade gesprochen wird – außer er ist des Englischen und Spanischen mächtig. Das hier eine Übersetzung fehlt ist sehr Schade, vor allem da oft Bezug auf das Gesagte genommen wird. Überhaupt fehlt die Möglichkeit einen Untertitel einblenden zu können.

Sehr positiv ist dagegen, dass der Sound in gutem Raumklang (5.1) daherkommt und mit kleinen Klangspielereien aufwartet. So kommen Nebengeräusche schon mal von den Seiten oder von hinten. Und das, obwohl der Ton angeblich nur in Dolby Digital 2.0 Stereo vorliegt. Auch die Bildqualität ist ziemlich gut, wobei man bei den Archivaufnahmen natürlich einige Abstriche machen muss.

„Fidel Castro – Das Ende einer Ära“ ist eine gelungene und spannende Dokumentation, die zu informieren und auch zu überraschen weiß. Adriana Bosch hat hier hervorragende Arbeit geleistet und das Bild eines Mannes gezeichnet, das man sich ansehen sollte.

(Günther Lietz)

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