Sharkwater

Regisseur: Rob Stewart
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Erscheinungstermin: 2010
Spieldauer: 89 Minuten

Special Features
Making of (24 Min.)
Original ‚United States Air Force‘ Training Film (11 Min.)
Diverse Trailer

http://www.sharkwater.de/

Eigentlich wollte Rob Stewart einen Film über Haie und ihre wahre Natur drehen; den Menschen zeigen, dass der Hai kein Mordmonster ist, sondern ein sensibles und scheues Tier. Doch die Dreharbeiten verselbstständigten sich und zogen Stewart in einen schrecklichen Strudel aus Gier und Korruption. Mehr als vier Jahre verbrachte der passionierte Hai-Kenner und Unterwasserfilmer auf der Spur von Haifischjägern, Flossenköchen und Mafiosi. Zusammen mit Paul Watson – von der Sea Shepherd Conservation Society (SSCS) – machte sich Stewart an Bord der Ocean Warrior auf die Jagd nach üblem Gesindel und lieferte sich das ein oder andere lebensgefährliche Duell auf dem Meer.

„Sharkwater“ ist kein simpler Naturfilm geworden, sondern eine handfeste Dokumentation, die hinter die Kulissen eines expandierenden Geschäfts blickt. Dieses Geschäft sorgt dafür, dass der Hai am Rande der Ausrottung steht und somit unser gesamtes Ökosystem zu kippen droht. Immerhin sind die Ozeane die Klimaanlage der Welt und die Haie deren Wartungstechniker. Mit diesem Wissen im Hinterkopf, fällt es um so schwerer die Menschen zu verstehen, die aus reinem Profit Haien bei lebendigem Leib die Flossen vom Körper schneiden – und dadurch auch den Lebensraum des Menschen Stück für Stück vernichten.

Rob Stewarts Dokumentation ist sehr eindringlich. Es ist ihm anzumerken, dass er mit seinem Herzblut bei der Sache ist und den geldgierigen Haimördern weltweit hinterherspürt. Dabei bringt er sich oft in Lebensgefahr und zeigt, dass er ebenso fanatisch die Haie schützen möchte, wie die Gegenseite die Haie jagt. Hier stehen sich zwei Arten von Mensch gegenüber, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten – und dennoch ist ihr Fanatismus eine Gemeinsamkeit.

Das Engagement von Stewart ist stellenweise ziemlich befremdlich und nimmt ihm ein wenig die Glaubwürdigkeit. Sein großer Eifer wirft die Frage auf, in wie weit seine Argumente stimmen und ob Stewart vielleicht nicht ebenfalls zu Übertreibungen neigt, wie die Menschen die er an den Pranger stellt. Das ist Schade, denn tatsächlich hat Stewart recht und legt mit seiner Dokumentation den Finger in eine offene Wunde: Der Hai hat keine Lobby und so schmerzt es, dass scheinbar nur wenige diesem anmutigen und scheuen Jäger der Meere beistehen wollen. Dabei sollte im Auge behalten werden, dass mehr Menschen durch Getränkeautomaten sterben, als durch Haiattacken. Diese sind nämlich überaus selten und vor allem wenig tödlich. Schnappt ein Hai mal zu, dann ohne Absicht zu töten. Elefanten und Schildkröten sind dagegen tödlicher.

„Sharkwater“ ist nun mehr als eine lupenreine Unterwasseraufnahme, denn Rob Stewart vermischt seine Aufnahmen mit Bildern aus Archiven und Handkameramaterial. So entstehen ständig starke Kontraste und Gegensätze. Die Unterwasseraufnahmen sind wunderbar fotografiert und überzeugen mit scharfen und brillanten Bildern. Das Material aus dem Archiv ist dagegen grobkörnig und kommt manchmal mit einem starken Rauschen daher. Das trägt zwar zur Authentizität bei, stört aber die scharfen Konturen und exzellenten Farben der Unterwasseraufnahmen. Dadurch werden die Möglichkeiten einer Blur-ray künstlich beschnitten. Einerseits störend für Technikenthusiasten, andererseits zeigt Stewart wie wichtig ihm das Thema ist und dass er Hochglanzoptik hinter Umweltschutz stellt. Dafür – und für seine Arbeit – gebührt ihm eine Menge Respekt.

Mit „Sharkwater“ schuf Stewart eine eindringliche Dokumentation, die hoffentlich wenigstens im Ansatz für den Hai wirbt und den Menschen die Angst vor diesem Fisch nimmt. Den Hai zu schützen, das ist auch gleichzeitig Selbstschutz. Rob Stewart weist eindringlich darauf hin, auch wenn er manchmal ein wenig über die Stränge schlägt.

Von der technischen Seite unterwirft sich das Medium der Dokumentation, trotzdem ist das Bild von guter Qualität. Vor allem die Unterwasseraufnahmen sind grandios. Auch der Ton weiß zu überzeugen, was ebenfalls bei den Unterwasseraufnahmen sehr gelungen ist. Das Bonusmaterial ist leider unterster Standard. Eine Blu-ray kann mehr, viel mehr, und sollte das auch zeigen. Hier gibt es etliche Minuspunkte. Einen dicken Pluspunkt gibt es aber für das Wendecover. Schick! Zusammengenommen ist die „Sharkwater“-Blu-ray eine überzeugende Sache.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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