Martin Durkin
The Great Global Warming Swindle

Sunfilm Entertainment, München, 31. Januar 2008
1 DVD, Dokumentation, ASIN: B000YI8W1C, Laufzeit: ca.  61 Min., gesehen 10/08 für EUR  17.95
Darsteller: Tim Ball, Ian Clarke, Paul Reiter
Format: Anamorph, Dolby, DTS, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (Unknown), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9

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Irgendetwas geht mit unserem Planeten vor, soviel dürfte inzwischen selbst dem Letzten aufgefallen sein. Die Fragen aber lauten: Was und Warum?

Uns steht eine Klimakatastrophe biblischen Ausmaßes bevor, sagen die einen. Die anderen allerdings behaupten, dem sei nicht so; die Entwicklung, wie sie die Erde im Moment durchmacht, sei vollkommen normal und natürlich. Da bleibt man als Nicht-Wissenschaftler schnell ratlos zurück und fragt sich, ob man überhaupt noch atmen darf.

Nachdem die Befürworter der Klimawandel-Experten schon so oft zu Wort gekommen sind, hat sich jetzt der umstrittene englische Regisseur Martin Durkin eines anderen Standpunktes angenommen und versucht, in seinem Film die Klimaerwärmung wegzudiskutieren und andere Erklärungen zu finden.

Teils tut er dies auf recht reißerische Art und Weise, womit er den Panikmachern in Nichts nachsteht – das sollte erwähnt werden. Ob nun der CO2-Ausstoß der Übeltäter ist oder doch ‚nur’ die Sonne – nun, man kann mit Diagrammen alles erklären und verständlich machen, sagte einmal ein weiser Mann. Durkin bedient sich diverser Kurven und Elemente aufs Dankbarste, setzt sogar auf Computeranimationen, was das angeht: alles, um zu verdeutlichen, wie falsch doch die Mehrzahl der Wissenschaftler steht. Dabei holt er sich dann auch selbst Forscher ins Boot, die ihre Erkenntnisse bekannt machen.

Am Ende allerdings bleibt der Zuschauer ebenso ratlos wie am Anfang zurück. Dabei hat der Regisseur schon selbst die Beweise vorgelegt, die wichtig und relevant sind. Dennoch aber bleibt es dabei, dass man sich unwillkürlich fragt, ob man die letzten 20 Jahre vielleicht auf irgendeiner einsamen Industrie-Insel im Nimmerland verbracht hat.

Woran liegt es jetzt? Sind wir tatsächlich vollkommen unschuldig an dem, was da um uns herum vorgeht, wie Durkin uns Glauben machen möchte? Haben vielleicht doch die anderen – die populären Wissenschaftler – Recht, wenn sie behaupten, die Treibhausgase würden uns langsam aber sicher umbringen? Müssen wir am Ende noch das Atmen einstellen, da wir ja selbst auch zu dem beitragen, was da geschieht?

Betrachtet man den Film mit einer gesunden Skepsis so ist er durchaus informativ und nutzt seine Quellen. Ja, er wirft auch ein gewisses Licht auf Vorgänge innerhalb der breiten Lobby. Ein wenig merkwürdig mutet es schon an, dass zu einer wissenschaftlichen Klimakonferenz politische Redner geladen werden – aber möglicherweise hatten die die Forscher ja im Handgepäck? Andererseits lässt der Regisseur bewusst einige relevante Daten unter den Tisch fallen, um seine eigene Theorie vertreten zu können und zu untermauern. Schlecht dabei ist nur, wenn seine Zuschauer ein wenig im Geschichtsunterricht aufgepasst haben…

Interessant ist vor allem eine angedeutete Theorie, die kaum je beachtet wird innerhalb der Klimaforschung. Fast wäre sie auch noch in diesem Film unter den Tisch gefallen, wäre sie nicht mehr oder weniger in einem Nebensatz angesprochen worden: der Polwechsel, der laut allen Forschungsergebnissen in den nächsten Jahrzehnten bis Jahrhunderten ansteht und der ganz sicher auch seinen Teil zu den momentanen Umwälzungen beiträgt.

Sich von der Schuld allerdings ganz freizusprechen und pure Eifersucht der Dritten Welt gegenüber den Industriestaaten zu unterstellen, ist denn doch ein wenig zuviel des Guten. Hier hätte Durkin den Vorschlaghammer ruhig eingepackt lassen können; er war nicht nötig. Der vorige, wesentlich diskretere Hinweis über die politischen Verstrickungen der ‚Weltverschwörung zur Welterwärmung’ war durchaus besser gewählt und hätte dieses letzten Tropfens nicht gebraucht, es sei denn, um sich selbst ad absurdum zu führen.

Unschuldig sind wir Menschen ganz sicher nicht an dem Klimawandel, dem die Erde im Moment unterworfen ist. Allerdings sollte doch wohl eher von vielen Faktoren ausgegangen werden, die zu diesem Zustand geführt haben, statt sich auf einen zu versteifen und diesen immer und immer zu wiederholen. Durch ein Mantra ähnliches Dahinbeten wird diese Theorie auch nicht besser, höchstens beginnt der Zuschauer nachzugrübeln, was Autor, Produzent und Regisseur sich dabei wohl gedacht haben…

Eines noch über die DVD selbst: Da nur ein Screener zur Rezension vorlag, kann nichts über eventuelle Specials gesagt werden. Ebenso wenig darüber, ob die Übersetzung des Filmes dem Original gleichkommt, da auf dem vorliegenden Material nur und ausschließlich die englische Tonspur enthalten ist, es fehlen selbst Untertitel.

Alles in allem bleibt am Ende aber doch eine nachdenklich machende Dokumentation, die zwar über das Ziel hinausschießt, aber durchaus auch einmal einem anderen Standpunkt das Wort lässt. Ein wenig weniger Polemik wäre allerdings in diesem Falle wesentlich mehr gewesen. (RSch)

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The Great Global Warming Swindle