2 Singles in L.A. (DVD)

– Darsteller: Sarah Jessica Parker, Jeanne Tripplehorn, Dylan McDermott
– Regie: Scott Winant
– FSK: 12
– Musik: Miles Goodman, Terence Blanchard
– Buch: Winnie Holzman
– Produktion: USA 1997
– Label: Concorde
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 109 Minuten
DVD Features:
• Trailer
• Hintergrundinfos

Liebeskomödien geringer Qualität überschwemmen oft die deutschen (und natürlich auch die internationalen) Kinos, umso verwunderlicher ist es, wenn ein Film wie „2 Singles in L.A.“ kurz vor der schon bekannt gemachten Kinopremiere im August 1997 zurückgezogen wird, und stattdessen nur auf Video und DVD veröffentlicht wird. Die Erwartungshaltung wird rapide heruntergeschraubt und man erwartet eigentlich nur noch einen vollends schrecklichen Filmen, und das obwohl (oder gerade weil) der Film mit vielen namhaften Darstellern aufwarten kann -, aber manchmal kann man sich da eben auch täuschen!

Nick (Dylan McDermott) und Gwen (Jeanne Tripplehorn) leben in Los Angeles, doch sie wissen nichts voneinander und das obwohl sie eine gemeinsam Vergangenheit haben: So wohnten sie im gleichen Ort, gingen auf die gleiche Schule und Nick rannte als 6jähriger Gwen einmal sogar über den Haufen, und sie gingen auch auf die gleiche Uni, wo sie wieder zusammenstießen. Eins von Nicks Architekturmodellen flog aus dem Fenster, und erschlug beinahe Gwen. Dabei verlor Gwen ein selbstgeschriebenes Gedicht, welches Nick tief berührte.

Sonst hat ihre Vergangenheit aber auch große Gegensätze: Gwen lebt in der perfekten Familie: Die Eltern sind beide wohlhabend, und Gwen bekommt jeden Abend vor dem Schlafen die Geschichte erzählt, wie ihre Eltern sich kennen lernten und sie träumt davon, dass dies ihr irgendwann auch einmal so passier mag. Ihre Beziehungen jedoch waren alle ein Fiasko! Einmal war der perfekte Mann plötzlich schwul, ein anderes mal ein arrogantes Arschloch, usw.

Nick kommt dagegen aus der alles andere als perfekten Familie: Seine Mutter hat zahlreiche Jobs um die Familie über Wasser zu halten, und sein Vater ist Alkoholiker. Inzwischen sind die beiden Mitte Dreißig und leben in L.A. und ihre Beziehung hat wieder einen gemeinsamen Nenner: Nick ist seit kurzem mit Francesca (Sarah Jessica Parker) liiert, dem ehemaligen Kinderstar aus Gwen und Nicks Lieblingsserie „Nur als Familie sind wir stark“ und Gwen arbeitet seit neustem für Francesca als Ghostwriterin für deren Biographie.

Bald schon bekommen die beiden noch eine weitere Gemeinsamkeit: Gwen zieht in die paradiesische Siedlung „La Paradisa“ und Nick bekommt als Architekt den Auftrag diese Siedlung abzureißen und dort ein neues Hochhaus zu errichten. Doch die Bewohner von „La Paradisa“, allen voran Gwen, wehren sich gegen den geplanten Abriss: Gwen schreibt Leserbriefe an eine Zeitung, welche Nick liest und dabei verliebt er sich in die anonyme Schreiberin der Leserbriefe.

Aus diesem Grund geht er nach La Paradisa, lernt dort die Nachbarin von Gwen Harriet (Alice Drummond) kennen, die schon seit den 30er Jahren in „La Paradisa“ lebt. Über sie erfährt er, wer „La Paradisa“ gebaut hat, seine ehemalige, mittlerweile verstorbene Lehrerin Sophia Monroe (Nina Foch). Schliesslich er auch gegen die Zerstörung von „La Paradisa“. Er beschliesst dagegen zu kämpfen und kommt dadurch auch seinem Vater wieder näher, mit dem er seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen hat.

Gwen muss währenddessen erkennen, dass die Beziehungen in ihrem Umfeld alle gar nicht so toll sind, wie sie dachte: Ihre Eltern etwa haben sich nie geliebt; ihre beste Freundin Debbie (Jennifer Aniston) hat Probleme mit ihrem Ehemann, usw. usf.

„2 Singles in L.A.“ ist fast ein Episodenfilm, bestehend aus nur zwei Episoden. Der Film erzählt die Geschichte von zwei Menschen, von Kindheit an, und der Zuschauer weiß von Anfang an, dass diese beiden zusammenkommen werden, doch bis dahin ist es ein weiter Weg, und dieser ist teilweise überraschend unterhaltsam gestaltet. Vor allem der erste Teil des Films, der in der Kindheit der Beiden spielt, ist köstlich.

Regisseur Scott Winant setzt gleich zu Beginn ein Stilmittel ein, dass er immer wieder gebrauchen wird: er lässt die eine Person einen Satz beginnen, welchen dann der/die andere beenden wird. So sitzen die beiden vorm Fernseher, unterschiedlicher wie sie kaum sein können, Gwen auf der einen Seite in einem schönen Haus, zusammen mit ihren Eltern, Nick auf der anderen Seite, in einem Dreckloch mit dem besoffenen Vater im Hintergrund, und beide sind glücklich, wenn sie ihre kitschige Serie schauen, über einen alleinerziehenden Vater von 3 Mädchen und eine alleinerziehende Mutter von 3 Jungen, die sich dann beide ineinander verlieben.

Und dann geht es weiter zur Studentenzeit der beiden, Nick als aufstrebender Architekt, der mit Frauen einfach nur ins Bett geht, Gwen als hoffnungsvolle Literaturstudentin, die sich nach dem Mann fürs Leben sehnt. Erst dann kommt der Film in der Gegenwart an, nach ca. einer halben Stunde!

Diese halbe Stunde zu Beginn ist äußerst amüsant, amüsanter als man es, wenn man die Vorgeschichte kennt (zu schwach fürs Kino) von der stärksten Szene des Films erwarten würde. Nur danach in der „Gegenwart“ flacht der Film etwas ab: Vielleicht liegt, dass daran, dass Gwen und Nick sich von nun an kein einziges mal mehr treffen, bis auf den großen Moment fünf Minuten vor Ende des Films, aber es liegt wohl eher an der Unterschiedlichkeit der Rollen und Schauspieler.

Auf der einen Seite ist da ein brillanter Dylan McDermott als Nick. McDermott hat den großen Vorteil, dass er einen komplizierten, vielschichtigen Charakter hat und eine ideale Partnerin, die ebenfalls überragend spielende Sarah Jessica Parker. Diese beiden sorgen für Genuss, sogar phasenweise Hochgenuss.

Auf der anderen Seite hat Jeanne Tripplehorn als Gwen einen sehr schweren Stand dagegen. Dabei muss sie vor allem darunter leiden, dass ihr genau die Vorteile von McDermott fehlen, und so zu Nachteilen werden. Der Charakter der Gwen vereinigt zu viele schlechte Klischees in sich, der Charakter ist auch einfach nicht so interessant, wie der von Nick gestaltet und ihr fehlt ein Partner bzw. Partnerin, wie sie McDermott mit Parker hat.

Tripplehorn zur Seite sollte da wohl Jennifer Aniston stehen, aber diese ist ein Totalausfall. Das liegt mitunter daran, dass die Szenen mit ihr, fast auf ein Minimum beschränkt sind, aber sogar dieses Minimum hätte man weglassen können.

Die Seite von Gwen wird erst interessant als Gwen immer besseren Kontakt zu ihrer Nachbarin Harriet bekommt. Diese wird von Alice Drummond gespielt, die der heimliche Star des Films ist. Sie spielt die alte, senile Schrulle äußerst herzerwärmend, ihr kommt die wichtige Rolle zu: die Brücke zwischen Gwen und Nick wird, und sie sorgt auch für viel Komik, und ihr Tod ist dann die bewegendste Szene des Films.

Von den Schauspielern und Personen etwas in den Hintergrund gerückt wird leider die recht maue Story: Natürlich kommen die beiden am Ende zusammen, das weiß man, aber das sieht man natürlich auch nicht als Kritikpunkt an. Trotzdem ist das Ende recht schwach, geht einem der Sprung vom ersten Kuss, zur nächsten Szene, in der beide ihrer sechsjährigen Tochter die Geschichte des Kennenlernens erzählen, dann doch etwas zu schnell. Schade ist vor allem, dass man von dem Ende von „La Paradisa“ nur in einem Satz erfährt, nämlich nur den, als die Tochter fragt, was daraus wurde und Gwen antwortet, es wurde abgerissen.

Dies ist dann für den Zuschauer ein herber Schlag, denn damit rechnet man sicher nicht, und so hat das Ende auch etwas überraschendes, aber etwas unnötig überraschendes und unverständlich überraschendes.

„La Paradisa“ wird dem Zuschauer nämlich wie der Name schon sagt, als Paradies präsentiert. Eine Siedlung, wie ein Traum, außen die Häuser, innen ein geräumiger Innenhof mit einem Brunnen, die Bewohner sind alle entweder ganz alt und wohnen seit 60 Jahren dort, oder ganz junge ausgeflippte Musiker und Hippies. Alle wohnen perfekt zusammen, feiern gemeinsame Feste, helfen sich gegenseitig, das Paradies auf Erden also und auch so gebaut. Jede Wohnung sieht von außen und innen wunderschön außen, ein paradiesischer Garten, usw. Das ganze wird dermaßen übertrieben paradiesisch dargestellt, dass es einfach a) nicht passt, dass es am Ende abgerissen wird und b) kein Mensch, selbst der raffgierigste und kapitalistische Unternehmer nicht abreißen würde, dazu wurde es ja auch noch von der größten und bedeutendsten Architektin Los Angeles gebaut.

Dieser Punkt dürfte damit das wohl grösste Manko des Film darstellen und man fragt sich, warum man ein solches Ende gewählt hat, oder warum die Siedlung so übertrieben paradiesisch dargestellt wurde.

Insgesamt kann man den Film aber durchaus empfehlen, es ist sicher kein Meisterwerk, dafür fällt die eine Episode gegenüber der anderen zu stark ab, er ist aber dennoch ein schöner Liebesfilm, der zwar einige Macken hat, aber den man als kurzweilige Kost sicher gut genießen kann, vor allem als Fan des Genres. Sechs von zehn Punkten!

(c) 2003 by Björn Becher

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2 Singles in L.A.
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