Woody Allen
Cassandras Traum

Cassandra’s Dream, USA, 2007
Constantin Film, München, 04.12.2008
1 DVD im Amaray-Case, Drama, Thriller, Laufzeit ca. 104 Min., gesehen 1/09 für EUR 18.00
Extras: unbekannt, da nur Pressemuster vorlag
Altersfreigabe/FSK:12
Bildformat:16:9, PAL, RC=2
Sprachen/Tonformat: Deutsch, Englisch (DD 3.0)
Untertitel Deutsch
Drehbuch: Phillip Glass
Darsteller: Ewan McGregor, Colin Farrell, Hayley Atwell, Sally Hawkings, Tom Wilkinson

www.constantin-film.de
www.woody-allen.de/

Woody Allen ist seit den 1960er Jahren nicht nur als Schauspieler sondern auch als Regisseur von Filmen bekannt, in denen er sich mit dem Schicksal einzelner Menschen beschäftigt, die sich in den Netzen sozialer Probleme und familiärer oder freundschaftlicher Bande verstrickt haben.

Zwar erzählt er seine oft sozialkritischen Beziehungsgeschichten meistens mit einem humorvollen Augenzwinkern als Komödie, es gibt aber auch weitaus dunklere Filme. „Cassandras Traum“ ist einer davon.

Im Mittelpunkt stehen zwei recht unterschiedliche Brüder aus der Arbeiterklasse von London. Zwar haben beide einen Job, da der eine als Automechaniker und der andere im elterlichen Familienrestaurant arbeitet, und verdienen annehmbar, aber sie werden trotzdem zunehmend von Geldsorgen geplagt.

Das liegt daran, dass sich Ian in die Schauspielerin Angela verliebt, die einen gehobenen Lebensstandard fordert, der natürlich auch einiges kostet, während Terry immer mehr dem Whiskey verfällt und beim Pokerspiel oder Hundewetten öfters die Hemmungen missen lässt.

Schließlich stecken beide in einer äußerst desolaten Situation und wissen nicht mehr so recht weiter. Ihren Vater können sie sich nicht anvertrauen, da er ihr verhalten nicht verstehen würde.

So wenden sich die beiden verzweifelten Brüder, als Terry aufgrund von Spielschulden bei skrupellosen Kredithaien das Wasser bis zum Hals steht, an ihren reichen Onkel Howard, der gerne bereit dazu ist, ihnen zu helfen – wenn die Neffen ihm ihrerseits einen Gefallen tun: Sie sollen für ihn möglichst unauffällig einen lästigen Mitarbeiter aus der Firma um die Ecke bringen, der ihn wegen illegaler Geschäfte schwer belasten könnte.

Nach langem Hin und Her begehen die Brüder schließlich die Tat. Obwohl niemand sie verdächtigt, lebt vor allem Terry von nun an in Furcht.
Trotzdem er seine Geldsorgen los ist, drückt ihn die Schuld nieder, und er beginnt, seine Verzweiflung im Alkohol zu ertränken und der Umwelt Fragmente der Tat zu erzählen. Das kann sein Bruder Ian, der durch den Mord viel skrupelloser geworden ist, allerdings nicht mehr lange mit ansehen.

Relativ ruhig, aber in intensiven Dialogen und Bildern zeigt Woody Allen den langsamen Absturz der beiden Brüder, die zunächst trotz ihrer Unterschiede noch ein Herz und eine Seele sind, dann aber immer mehr auseinander driften. Er analysiert sehr genau, was Menschen dazu treibt, ein Kapitalverbrechen zu begehen, und wie groß die Rolle von Familienbanden dabei sein kann. Wie in einer griechischen Tragödie fordert auch hier die Schuld die Sühne.

Selbst wenn die Geschichte vorhersehbar zu sein scheint, so bietet sie doch immer noch wieder die eien oder andere böse Überraschung, die einiges in einem anderen Licht erscheinen lässt. Heraus kommt ein Film, der es in sich hat und trotz seiner gemächlichen Gangart Hochspannung bietet. Die Schauspieler scheinen es zu schätzen, im Film eines so berühmten Regisseurs mit dabei zu sein und liefern saubere Arbeit ab.

Über die Qualität von Ton und Bild oder die Extras kann allerdings keine Aussage gemacht werden, weil nur ein Pressemuster vorlag.

„Cassandras Traum“ wird damit zu einem Psychothriller, der auch ohne ausufernde Gewalt und Action allein durch die Entwicklung der Charaktere Hochspannung bietet. (CS)