Death Proof – Todsicher
Originaltitel: Grindhouse: Death Proof

FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 110 Minuten

Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Kurt Russell, Sydney Tamiia Poitier, Vanessa Ferlito, Zoe Bell, Tracie Thoms, Rosario Dawson, Jordan Ladd, Mary Elizabeth Winstead, Rose McGowan, Michael Bacall, Eli Roth, Quentin Tarantino, Michael Parks, James Parks, Omar Doom, Monica Staggs, Kelley Robins, Mikhail Sebastian

Produktion: USA 2007
Produktionsfirmen: Troublemaker Studios
Produzenten: Elizabeth Avellan, Robert Rodriguez, Erica Steinberg, Quentin Tarantino

Mit „Grindhouse: Death Proof“ ging Kultregisseur Quentin Tarantino in den USA bereits in der ersten Runde zu Boden. Mit längerer Laufzeit schickt sich der Film an, es trotzdem auch im europäischen Kinoboxring zu versuchen.

Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier), Shanna (Jordan Ladd) und Arlene (Vanessa Ferlito) wollen es mal richtig krachen lassen. In der Bar von Warren (Quentin Tarantino) saufen und kiffen die Mädels um die Wette, während sie auf eine Freundin warten. Dabei machen sie die Bekanntschaft von Stuntman Mike (Kurt Russell). Der raue Kerl ist mit seinem Dodge Charger unterwegs und hofft auf einen Lapdance von Arlene, die auch Butterfly genannt wird. Dieser Lapdance wurde von Jungle Julia in ihrer Radiosendung als Preis für den Mann ausgelobt, der ein bestimmtes Gedicht rezitiert. Stuntman Mike entspricht zwar kaum den Vorstellungen des richtigen Mannes für die heiße Butterfly, aber trotzdem betanzt sie ihn. Anschließend trennen sich die Wege: Stuntmen Mike fährt die blonde Pam nach Hause, während das Damentrio sich zum Quartett komplettiert und zum See rausfahren will. Dort kommen sie allerdings nie an, denn Stuntman Mike erledigt mit seinen Fahrkünsten erst Pam und lauert dann mit seinem Wagen den Mädels auf.

Über ein Jahr später, ein anderer Bundesstatt, ein neues Muschi-Trio. Abernathy (Rosario Dawson), Lee (Mary Elizabeth Winstead) und Kim (Tracie Thoms). Auch diese Mädels lieben das Leben und die Männer sowieso. Sie sind unterwegs um ihre Freundin Zoë (Zoë Bell spielt sich selbst) abzuholen und haben dabei die Aufmerksamkeit von Stunman Mike erregt, der sich somit neue Opfer auserwählt hat. Er folgt den Mädels aufs Land, wo Zoë einen weißen Doge Challenger probefahren will. Lee bleibt als Pfand zurück, die drei anderen Frauen düsen los. Zoë nutzt die Gelegenheit für einen waghalsigen Stunt, als Stunman Mike auftaucht und versucht den Challenger von der Straße zu drängen. Doch er hat die Rechnung ohne die resoluten Weiber vom Film gemacht – zwei davon gestandene Stuntwomen. Die drehen nach dem ersten Schrecken den Spieß einfach um und der Jäger wird zum Gejagten …

Das der Film in den USA floppte, wurde im nachhinein auf das schlechte Marketing geschoben. So wurde „Death Proof – Todsicher“ als Grindhouse-Produktion angesetzt und lief in den Kinos im Doppelpack, sofort hinter Robert Rodriguez’ „Planet Terror“. Die Grindhouses mit ihren Filmen im Doppelpack waren in den 60er und 70er Jahren in den USA sehr beliebt, doch angeblich sollen die US-Bürger diese Kinoart vergessen haben und verließen bereits nach „Planet Terror“ die Kinos. Böse Zungen behaupten gar, die Zuschauer wären nach den ersten Minuten von „Planet Terror“ aus den Kinosälen geflohen. Doch sei es drum.

Tarantino wagt auf dem europäischen Markt einen Neuanfang. Anstatt im Doppelpack kommt der Film einzeln daher und bekommt zusätzlich noch mehr als dreißig Minuten spendiert. So gelangen die Europäer in den Genuss des Lapdances von Butterfly und dürfen sich nebenher an einer schönen langen Schwarzweißszene ergötzen. Und eines muss man ehrlich sagen: Dieser Tarantino wird unterschätzt!

Stilistisch greift der Meister der Exzentrik tief in die Trickkiste. So ist „Death Proof – Todsicher“ mehr als eine Hommage an das Kino der 60er und 70er des letzten Jahrtausends, sondern auch eine Hommage an Tarantinos eigene Filme. Das schlägt sich in der Auswahl der Darsteller, im Szenenbild, dem Score und auch der Handlung wieder.

So ist das Material absichtlich etwas gröber, wurden Kratzer und Flackern absichtlich platziert, um den Charme eines Exploitationsfilms hervorzurufen und an die guten alte Tage zu erinnern. Dazu das obligatorische Erscheinen von Tarantino selbst, der ironische Einsatz von Lee im Cheerleaderkostüm, der Auftritt des Sheriffs mit seinem Sohn Nummer Eins, die kleine Tankstelle mit der italienischen Vogue unter der Theke, der „Kill Bill“-Klingelton oder auch der Wagen der Stunt-Mädels im Stil des Pussy Wagons. Vor allem für Fans ein Leckerbissen.

Die Geschichte selbst ist jedoch weniger actionlastig. Im Vordergrund stehen die weiblichen Dialoge, der Dirty Talk, der die beiden großen Fs beinhaltet: Fotzen und Ficken. Tarantino eben – geradeheraus, unkonventionell und niemals Gesellschaftskonform. Tarantinos Girl Gangs sind heiß, sexy und lasterhaft. Sie machen mit dem Mund da weiter, wo „Sex and the City“ verschämt aufhört. Vielleicht haben also gerade diese Dialoge dafür gesorgt, das der Film in den USA floppte, in einem Land, in dem öffentlich lieber geschnetzelt als gevögelt wird.

Aber Tarantino wäre nicht Tarantino, gäbe es keine harte Action – wenn auch dünn gesät. So sind es ganze zwei Sequenzen, die aber um so furioser inszeniert wurden. Der erste Kracher ist kurz, heftig und wurde auf den Scream Awards 2007 als „Spektakulärste Zerstücklungsszene“ ausgezeichnet.

Die zweite Actionszene macht das Ende des Films aus, ist verdammt lang und eine liebevolle Erinnerung an „Fluchtpunkt San Francisco“. Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiß … eine irre und verdammt lange Verfolgungsjagd, in der ganz plötzlich die Seiten wechseln. Konventionell abgedreht und fotografiert, klassisches Handwerk, kaum zu überbieten. Dazu Darsteller, wie sie ausgefeilter kaum sein können. Im einen Augenblick verletzliche Girlies, im nächsten Moment Furien die nach Blut schreien.

Überhaupt hat Tarantino wieder gezeigt, dass er ein gutes Händchen für Darsteller hat. Die ganze Riege glänzt, weiß sich zu zeigen und zu profilieren. Spielfreude, Können und Handwerk vereinen sich zu einem großen Ganzen, abgeschmeckt vom Meister selbst. Besonders Zoë Bell muss hervorgehoben werden. In „Kill Bill“ noch Stuntdouble von Uma Thurman, spielt sie sich in „Death Proof – Todsicher“ selbst und agiert umwerfend.

„Death Proof – Todsicher“ ist ein weiteres Meisterwerk der Filmkunst, vom Publikum jedoch unterschätzt. Mehr Dialog, weniger Action, aber dennoch genial!
(Günther Lietz)

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