Fame

Produktion: USA 2009 (Englisch)
Länge: 107 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6

Regie: Kevin Tancharoen
Drehbuch: Allison Burnett
Produktion: Lakeshore Entertainment / MGM
Blu-ray-/DVD-Veröffentlichungstermin: 14. 05. 2010
Fame © Universum Film GmbH

Darsteller: Naturi Naughton (Denise), Asher Book (Marco), Kay Panabaker (Jenny), Paul Iacono (Neil), Paul McGill (Kevin), Kherington Payne (Alice), Collins Pennie (Malik), Walter Perez (Victor), Anna Maria Perez de Taglé (Joy), Kristy Flores (Rosie), Debbie Allen (Angela Simms), Charles S. Dutton (Mr. James Dowd), Kelsey Grammer (Mr. Martin Cranston), Bebe Neuwirth (Ms. Kraft)

http://www.fame-derfilm.de

Im Jahre 1980 erschien Alan Parkers Musikfilm „Fame – Der Weg zum Ruhm“ in den Kinos, fing ein Lebensgefühl ein, wurde für sechs Oskars nominiert und gewann sogar zwei der begehrten Preise (für die beste Musik und für den besten Song). Dreißig Jahre später macht sich Kevin Tancharoen daran Parker zu beerben und bringt seine Fassung des Films in die Kinos: „Fame“.

Im Film wird die Geschichte von Jugendlichen Talenten erzählt, die am Auswahlverfahren der New York School of Performing Arts teilnehmen und anschließend vier harte Jahre vor sich haben – Jahre, die ihr Leben prägen werden …

Das war nun die gesamte Hintergrundstory, der rote Faden, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Ebenso wie in „Fame – Der Weg zum Ruhm“ werden Ausschnitte und Momentaufnahmen aus dem Leben der Charaktere montiert und gezeigt. Dabei bleiben die Figuren jedoch blass und der Zuschauer kann keine Bindung zu ihnen aufbauen. Ihnen fehlt einfach das innere Feuer, dass die Figuren 1980 ausmachte. Aber woran liegt das?

Die Antwort findet sich offensichtlich in Kevin Tancharoens Biographie. Tancharoen führte die Regie in „Fame“ mit Anfang zwanzig, also recht jung. Somit sollte er genau die richtige Wahl für solch einen Film sein, vor allem da er sich bereits als Tänzer und Choreograph einen guten Ruf erwarb. So stand er früh auf der Bühne, machte bereits als Jugendlicher seine ersten Erfahrungen in der Musikbranche und arbeitete mit Stars wie Britney Spears, Christina Aguilera, Jessica Simpson, Madonna und den Pussycat Dolls zusammen. Außerdem wirkte der junge Mann auch bei anderen Musikproduktionen und -filmen mit. Eine beachtliche Leistung, in so einer so kurzen Zeit so viel zu leisten. Und dass genau ist scheinbar das Problem. Kevin Tancharoens hatte einfach keine echte Jugend, er war stets ein Arbeitstier. Und das ist dem Film anzumerken.

Die Geschichte von „Fame“ ist mehr als nur reine Arbeit, ein behütetes Leben als Ausnahmetalent, Musik und Tanz. „Fame“ ist eine Rebellion gegen die Gegenwart, ein Kampf ums Überleben, die Entscheidung auch mal ein Arsch zu sein – „Fame“ ist die Kunst zu Leben; in einem Becken voller Haie zu überleben. Und das ist Tancharoen fremd. Hier fehlt ihm einfach die Erfahrung.

Die Dinge die Kevin Tancharoen beherrscht, die sind im Film erstklassig umgesetzt. Und das sind Tanz und Gesang. Zwar handelt es sich bei den Liedern um eher seichtes Popmaterial, aber in Verbindung mit der erstklassigen Choreographie reißen sie einfach mit. Choreographie, dass ist Tancharoens Genre, da kennt er sich aus und weiß genau was er macht.

Zwei der alten Stücke aus „Fame – Der Weg zum Ruhm“ haben es auch in „Fame“ hineingeschafft: Die Ballade „Out here on my own“ und natürlich auch „Fame“, der wunderbare Titelsong des Films. Beide Stücke wurden neu abgemischt und aufgelegt. Diese Neuauflage ist einfach erstklassig gemacht.

Überhaupt hat sich Kevin Tancharoen stark an der Vorlage orientiert. Dazu zählt der Aufbau in mehreren Akten und wichtige Schlüsselszenen, wie das Vorsprechen, der Tanz in der Mensa, das abschließende Musical und vieles mehr. Es wurden auch die alten Rollenmuster weitgehend beibehalten, aber neu durchmischt, um den Figuren ein anderes Bild zu geben. Leider bleiben die Darsteller blass, misslingt es der Kamera emotional zu fokussieren und – wie ebenfalls bereits angesprochen – kann keine Bindung zu den Figuren aufgebaut werden. Es fehlt einfach die Seele des Films, die „Fame – Der Weg zum Ruhm“ ausmachte und in diesem Remake vollständig fehlt. Tanz und Gesang sind unmöglich alleine in der Lage, solch einen Streifen zu transportieren.

Den Schauspielern kann kein Vorwurf gemacht werden. „Fame“ kommt mit einem großen Ensemble daher und es ist einfach keine Zeit, die Einzelschicksale zu beleuchten. Dabei sind diese Schicksale nur oberflächlich, denn schlussendlich lösen sich alle Situationen irgendwie in Wohlgefallen auf. Es mangelt dem Streifen an Verlust, Trauer und Ungerechtigkeit, einfach an den Dingen, die das Leben ebenfalls ausmacht. Zwar lassen Darsteller wie Naturi Naughton (Denise) und Collins Pennie (Malik) ein wenig Glanz erkennen, aber das ist zu wenig.

Unter dem Strich ist „Fame“ weder Fisch noch Fleisch. Für ein ernsthaftes Drama ist zu wenig Charakterspiel und Selbstfindung vorhanden, für einen ausgereiften Tanzfilm zu wenig Musik und Tanz. Der Spagat zwischen beiden Genres misslingt gänzlich. Wenn, dann dominieren Gesang und Choreografie, wissen auch zu gefallen. Alles andere ist Mittelmaß.

Die Nachteile des Films werden schlussendlich durch die Blur-ray-Fassung von „Fame“ aufgewertet. Das Bild ist einfach erstklassig lässt die Tanzeinlagen wunderbar aussehen. Auch der Ton in DTS-HD 5.1 spielt mit hinein, eine geeignete Anlage vorausgesetzt. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor. Da die deutsche Synchronisation gelungen ist, sind beide Tonspuren empfehlenswert.

Das Bonusmaterial umfasst beinahe zwei Stunden und ist sehr umfangreich. Weitgehend handelt es sich um ein aufgeteiltes Making of. Sehr witzig ist vor allem das Interview mit Kevin Tancharoen, der von seinem Film und seiner Person sehr überzeugt ist. In Anbetracht des Films wirkt das schon etwas lächerlich. Vor allem der Hinweis darauf, es würde sich um gänzlich unerfahrene Schauspieler handeln. Wer sich die Arbeiten der jungen Schauspieler anschaut, wird schnell das Gegenteil entdecken. Die Leute haben nämlich weitgehend Bühnen- und Bildschirmerfahrung.

Was beim Bonusmaterial großen Spaß macht, ist erst einmal das Fame-MTV-Musikvideo. Hier kommt der Titelsong besonders gut zum Tragen. Außerdem kann die Musik des Film selektiert abgespielt werden. Also nur die Gesangsstücke, ohne die Handlung. Damit wird der Film auf das Wesentliche reduziert und zeigt genau das, was am besten ist. Das restliche Bonusmaterial ist eher zu vernachlässigen.

Eine gelungene Sache ist dagegen, dass der Film in zwei Fassungen vorliegt. Einmal in der Kinofassung (107 Minuten) und im Extended Cut (122 Minuten). Letztere Fassungen ist zu bevorzugen, da hier die Figuren mehr Raum geboten bekommen und etwas an Charakter gewinnen. Die Blu-ray bietet somit den besseren Film.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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