Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß

Darsteller: James Woods, Meryl Streep, Fritz Weaver
Regisseur: Marvin J. Chomsky
Komponist: Morton Gould
Drehbuch: Gerald Green
Produktion: Robert Berger, Herbert Brodkin
Kamera: Brian West
Schnitt: Alan Heim, Craig McKay, Robert M. Reitano, Stephen A. Rotter, Brian Smedley-Aston
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Bildseitenformat: 4:3
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Produktionsjahr: 1978
Spieldauer: 415 Minuten
www.polyband.de

1935 heiratet Doktor Josef Weiß‘ (Fritz Weaver) ältester Sohn Karl (James Woods) die Arierin Inga Helms (Meryl Streep). Die Familie Weiß ist jüdisch und diese „Mischehe“ den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Das Glück der Brautleute wird schon heftig erschüttert, denn Nazideutschland beginnt verstärkt gegen die jüdische Bevölkerung vorzugehen. Josefs Frau Berta (Rosemary Harris) beruhigt die Familie, glaubt an baldige Besserung der Zustände – doch sie irrt.

Die Repressalien gegen die Juden werden täglich schlimmer, Gewalt und Ausschreitungen sind an der Tagesordnung. Karl wird verhaftet und sein Bruder Rudi (Joseph Bottoms) flieht. Josef Weiß verliert seine Praxis und wird nach Warschau deportiert, seine Frau Berta und Tochter Anna (Blanche Baker) ziehen zu den Helms. Dort sind nur geduldet, keinesfalls erwünscht.

Während sich Rudi auf der Flucht in die Jüdin Helena (Tovah Feldshuh) verliebt und sich mit ihr den Partisanen anschließt, wird Anna ein Opfer deutscher Gewalt – einer Gewalt, die sich fortan tödlich durch das Leben der Familie Weiß arbeitet – bis hin zur sogenannten Endlösung im Jahre 1945.

Gleichzeitig wird auch die Geschichte von Erik Dorf (Michael Moriarty) und seiner Familie erzählt. Der arbeitslose Jurist geht zur SS und wird bald zur rechten Hand von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich (David Warner). Gemeinsam arbeiten sie an dem „Judenproblem“ und dessen rationaler und kostengünstiger Lösung. Dorf – ehemaliger Patient von Weiß – entwickelt dabei stets neue Methoden und Ideen. Dabei trifft er immer wieder auf Angehörige der Familie Weiß – bis zum bitteren Ende …

1978 produzierten Robert Berger und Herbert Brodkin die TV-Mini-Serie „Holocaust“,  unter der Regie von Marvin J. Chomsky. Somit wurde ein Stück grausiger Weltgeschichte zur Fernsehunterhaltung, die vor allem bei ihrer deutschen Erstausstrahlung für Kontroversen in der Bundesrepublik Deutschland sorgte. Schlussendlich erreichte „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß“ mehr Zuschauer, als alle bis dahin gesendeten Dokumentationen – und rüttelte Deutschland regelrecht auf, um sich endlich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Auch der Begriff „Holocaust“ wurde erst durch diese TV-Serie als Begriff für das Schicksal der Juden etabliert.

Dreißig Jahre danach ist die Serie nun bei Polyband & Toppic Video/WVG erschienen. In der Zwischenzeit hat sich viel in der Welt getan, auch den Holocaust betreffend. Somit besitzt die Mini-Serie keinesfalls mehr die Brisanz wie zur Erstausstrahlung, muss sich dementsprechend auch etwas anderen Gesichtspunkten stellen.

Bei der Familie Weiß handelt es sich natürlich um fiktive Personen, die drei Generationen abdecken und im Laufe der Nazi-Zeit an jedem wichtigen Punkt der Geschichte auftauchen. Das ist zwar konstruiert, wirkt dennoch logisch. Dieses Konstrukt wird immer erst dann besonders offensichtlich, sobald Erik Dorf mit einem Mitglied der Familie Weiß zusammentrifft. Das ist dann doch zu viel des Zufalls und wirkt leicht aufgesetzt. Darüber kann man aber hinwegsehen.

Im Mittelpunkt stehen nun die Schicksale zweier Familien, die gleichzeitig auch zwei Seiten versinnbildlichen. Josef Weiß und Familie steht für die Juden, Erik Dorf verkörpert die Deutschen. Dadurch entsteht eine sehr enge Bindung an die Geschichte, sorgt aber auch für einen – gewollten – Tunnelblick. So sind die Deutschen allgemein der Feind und tragen die Verantwortung an allem. Es findet keine Differenzierung statt, kein Hinterfragen der damaligen Zustände. Aber vielleicht ist es genau dieser starke Kontrast, der den Schrecken des Holocaust so deutlich macht. Außerdem zielte die Serie mehr auf den amerikanischen Markt ab und war dort auch für fünfzehn Emmies nominiert, acht Auszeichnungen wurden es dann schlussendlich.

Besonders eindringlich wird die Geschichte durch die Verknüpfung fiktiver Personen mit realen Ereignissen und authentischen Drehorten. Zwar werden einige Abstriche gemacht und Ereignisse zusammengerafft, doch sämtliche Kernelemente sind vorhanden. Durch die Einbindung realer Fotoaufnahmen vertieft Marvin J. Chomsky das Thema und zeigt den tatsächlichen Schrecken, der durch keinen Film in seinem ganze Ausmaß tatsächlich nachempfunden werden kann. Diese Zeitzeugnisse lassen den Zuschauer einfach schaudern.

Die Darsteller tragen ihr übriges dazu bei. Es gibt viele bekannte Gesichter (Rosemary Harris aus „Spider-Man“) und für James Woods und Meryl Streep war es gar das Sprungbrett zur großen Karriere. Aber auch die Nebendarsteller verkörpern perfekt ihre Rollen, sorgen für Anteilnahme und emotionale Betroffenheit. Obwohl „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß“ auch unterhalten soll, wird ernsthaft mit dem Thema umgegangen. Die Unterhaltung ist dabei nur ein Werkzeug, um den Zuschauer förmlich in Geschichte einzusaugen.

Geschichte und Thema sind nun über jeden Zweifel erhaben, doch wie sieht es mit der technischen Seite aus? Immerhin ist das Medium DVD in der Lage einiges zu bieten. Hier offenbaren sich leider die Schwachpunkte der Box, auf der groß die FSK-Kennung „FSK 12“ prangt und das Motiv verschandelt. Das ist vom Gesetzgeber so gewollt, aber leider gibt es keine nachträgliche Möglichkeit das Motiv wieder aufzuhübschen.

Die DVDs selbst sehen wieder schick aus, aber ihre Ausstattung lässt zu wünschen übrig. Es gibt keinerlei Bonusmaterial und der Ton liegt nur in Dolby Digital Mono 2.0 vor – auf Deutsch und auf Englisch. Die Synchronisation hört sich nach klinischer Studioatmosphäre an (sauber und kaum Hintergrundgeräusche), während die englische Tonspur dagegen rauscht und gelegentlich auch zischt. Da hört man sich lieber die Synchronisation an.

Das Bild ist TV-Standardformat. Leider ist die Zeit weniger gut mit dem Material umgegangen und es wirkt, als hätte jemand seine alten Videokassetten einfach überspielt. Das Bild ist verschmutzt und besitzt ein feines Rauschen. Oft tritt das Rot zu stark nach vorne, hat der Kontrast gelitten und mangelt es dem Bild an Schärfe. Zu allem Übel ist übrigens nur die deutsche Fassung enthalten, die am Ende um mehr als sieben Minuten gekürzt ist. In der vollständigen Fassung wird der Zuschauer nämlich Zeuge der Gründung Israels.

„Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß“ ist spannende Zeitgeschichte, die zwar ein zeitloses Thema behandelt, aber den technischen Sprung in die Moderne verschlafen hat. Zwar ist die Box noch immer eine Empfehlung wert, doch das liegt einzig an dem darin enthaltenen Vierteiler.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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