Eine Legende kommt in die Jahre und zeigt was sie kann …

Indiana Jones (Harrison Ford) ist zwar gealtert, aber dennoch der ewige Abenteurer geblieben. Die Nazis haben allerdings ausgedient und der kalte Krieg nun regiert die Welt. Die Russen sind das neue Feindbild und haben prompt Indy und seinen Kumpel Mac (Ray Winstone) entführt.

Indiana Jones soll für sie in einem Militärlager – inmitten der Wüste Nevadas – eine Kiste mit mysteriösem Inhalt ausfindig machen, so jedenfalls der Wunsch von Russlands Parapsychologin Nummer Eins: Irina Spalko (Cate Blanchett).

Zwar bekommen die Russen die Kiste nebst Inhalt in die Finger und Indys Freund entpuppt sich als Schwein, doch der charmante Abenteurer kann fliehen – mittels einem Düsentriebwerk, einem Kühlschrank und einer Atomexplosion.

Kaum daheim angekommen beschließt Henry Jones Junior das Land zu verlassen. Immerhin lebt er in der McCarthy-Ära und ihm wird eine prokommunistische Gesinnung vorgeworfen – so kann er kaum an der Uni lehren. Doch Bevor der smarte Archäologe das Land verlässt, kontaktiert ihn der junge Mutt (Shia LaBeouf).

Dieser hat einen Brief von Marianne Ravenwood (Karen Allen) im Gepäck, Indys alter Liebe. Es geht um einen Kristallschädel, Südamerika, dem verschollenen Professor Oxley (John Hurt) und die Russen – die auch prompt auftauchen. Also fliehen Indy und Mutt, um sich kurz darauf nach Südamerika zu begeben.

Hier entdecken sie tatsächlich den ominöse Kristallschädel, doch auch die Russen sind wieder da und lauern Indy auf. Im Dschungel beginnt der Spaß erst richtig und Indiana Jones läuft zur Höchstform auf …

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist ein gelungener Abenteuerfilm, doch gemessen an seinen drei Vorgängern könnte man ihn leider auch als uninspirierte Fortsetzung bezeichnen.

Bereits der Einstieg zeigt, dass sich Steven Spielberg weidlich an Filmideen der letzten Jahrzehnte bediente und die Unlogik hemmungslos auf dieser Spielwiese der Einfallslosigkeit weiden lässt. Da gibt es ein Wettrennen wie in George Lucas „American Graffiti“, die Atomdusche mit nackigem Oberkörper ähnlich „James Bond jagt Dr. No“, schwingt sich Shia LaBeouf wie Disneys „Tarzan“ durch den Dschungel – nach dem er, wie einst Marlon Brando in die „Wilden“, daherbraust -, sieht man ein Säbelgefecht im Stile von „Fluch der Karibik 2“, gibt es eine Pyramide nebst Dschungel wie in „Die Mumie 2“ und ein Ende, das an „Begegnung der Dritten Art“ erinnert. Aber auch Serienelemente finden sich wieder. So erinnert die Außerirdischenthematik ein wenig an die Asgard-Auslegung, wie man sie auch in „Stargate SG-1“ findet (zugegeben, das kann quellenbezogener Zufall sein) und ähnelt Indys Kumpel Mac stark der Figur von „McGyver“s Freund Jack Dalton (in der Serie gespielt von Bruce McGill), was Äußerliches und Charakter angeht. Nun, der Film ist sicherlich keineswegs zusammengeklaut, aber man hat halt alles schon mal gesehen.

Das die Handlung von der Mystery in die Science Fiction wechselt ist übrigens eine nette Sache, aber keineswegs überraschend. Überhaupt mangelt es dem Film an überraschenden Momenten. Wo in den ersten drei Teilen Indiana Jones Situationen noch mit scharfen Dialogen oder unkonventionellen Vorgehensweisen löste, bietet sich nun eher Standardkost. Man könnte meinen das Motto würde „Keine Experimente“ lauten. „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist sicherlich ein Blockbuster, aber er ist auch kommerziell sicherer Mainstream. Der Fan bekommt wenigstens den ein oder anderen humorvollen Blick auf die ersten drei Filme geboten.

Was die Handlung angeht, so ist sie durchschaubar und einfach gestrickt. Die Idee selbst könnte gar aus einem Buch des schweizerischen Autoren Erich von Däniken stammen. In seinem Buch „Kosmische Spuren“ behandelt er just diese Schädel (den Wahrheitsgehalt muss jeder selbst bewerten) und in Dänikens Werk „Zeichen für die Ewigkeit“ gibt es weitere Informationen über die Nazca-Linien – alles im Stile von Indy 4. Das gilt auch für den Mitchell-Hedges-Schädel oder den Londoner Schädel (ausgestellt im Britischen Museum). Beleuchtet man den Mitchell-Hedges-Schädel übrigens von hinten, kommt man nahe an die Spezialeffekte des Films heran, denn das Licht dringt durch die Augen hinaus und es bildet sich ein drittes Auge.

Handwerklich gibt es einfach keinen Grund zum Meckern. Steven Spielberg versteht seine Arbeit und zaubert einen sauberen Actionknaller auf die Leinwand. Es Bummst, es Kracht, es Zischt. Rasante Kamerafahrten, gigantische Explosionen (die Sache mit dem Kühlschrank ist dennoch ein übertriebener Witz und kann von Spielberg auch nur als solcher gemeint sein) und harte Kämpfe. Dazu klasse Verfolgungsjagden, zerfräste Bäume, menschenfressende Ameisen und Abstürze jeglicher Art. Da geht einem einfach freudig das Actionherz auf!

Die Darsteller sind ebenfalls klasse. Harrison Ford zeigt zwar graue Haare, aber in der Tradition von Bruce Willis und Sylvester Stallone zeigt er auch, was ein alter Recke noch kann. Gleiches gilt für Karen Allen, die beweist, dass entgegen der Meinung mancher Hollywoodbosse auch in die Jahre gekommen Darstellerinnen überzeugend spielen und begeistern. Ihr erster Auftritt, Fords reagierender Blick, diese Posen, diese explodierenden Emotionen, dieses breite Grinsen … da werden Erinnerungen an „Jäger des verlorenen Schatzes“ wach.

Dazu eine spiellustige Cate Blanchett, die normalerweise einfach alles verkörpern kann – erinnert man sich nur an die Filme jüngeren Datums dieser begnadeten Aktrice: „I’m Not There“ und „Elizabeth – Das goldene Königreich“. Diese Spielfreude, diese gezeigte Boshaftigkeit, dies alles ist ein wahrer Genuss — allerdings gnadenlos überzeichnet. Ford, Allen und Blanchett alleine würden den Film bereits zu tragen wissen – gäbe es denn eine gute Story. Da fällt „Transformers“-Beau Shia LaBeouf kaum ins Gewicht. Doch auch er macht seine Sache gut und überzeugt auf ganzer Linie, ebenso wie John Hurt als wahnsinniger Professor „Ox“ Oxley (in „Alien“ entspringt ihm übrigens ein Alien aus der Brust, in „Spaceballs“ parodiert er diese Szene – somit ist er im vierten Indiana Jones als Alienkenner doch gut besetzt).

Über den Score muss eigentlich kein weiteres Wort verloren werden. John Williams hat einen ausgezeichneten Soundtrack geschrieben, der die Ohren verwöhnt und stets nahe beim Thema ist – „Indiana Jones“ für die Ohren eben. Auch die deutsche Synchronisation ist gelungen und weiß zu gefallen. Vor allem Wolfgang Pampel, als Exklusiv-Synchronstimme von Harrison Ford, ist mal wieder als genial zu bezeichnen.

Unter dem Strich ist „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ allerdings weniger Indy als er hätte sein können.

Tipp: Nach dem Lucasfilm-Logo 28 Minuten vorspringen und ab da gucken. Und dann nach 1:54 (dem Ende des Abenteuers) abschalten. Den Anfang und das Ende des Films braucht einfach keiner.

Update 2019: Nach nochmaligem Schauen und reiflicher Überlegung, muss ich (leider) ein Update verfassen. Der Film ist doch etwas schlechter, als ich damals glaubte. Ich habe meine Rezension dahingehend überarbeitet. Sorry, Indy.

Copyright (c) 2008/2019 by Günther Lietz
Bildmaterial (c) Paramount Pictures

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Originaltitel: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 122 Minuten

Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Shia LaBeouf, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Paramount Pictures, Lucasfilm, Amblin Entertainment
Produzenten: Frank Marshall; Denis L. Stewart (Koproduzent); George Lucas, Kathleen Kennedy (Ausführende Produzenten)