O (DVD)
– Darsteller: Julia Stiles, Josh Hartnett
– Regie: Tim Blake Nelson
– FSK: 16
– Musik: Jeff Danna
– Buch: Brad Kaaya nach Shakespeare’s „Othello“
– Label: Concorde
Zusatzinformationen:
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Surround, Dolby Digital 5.1, DTS 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 95 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 2. Oktober 2002
• Produktion: 2001
DVD Features:
• Audiokommentar von Tim Blake Nelson, Analyse der Schlüssel-Basketball Szenen, Geschnittene Szenen mit Audiokommentar
• Dt. und US-Kinotrailer, Informationen zu Darstellern und Filmteam

Dieser interessante, gut gespielte Film verlegt die Handlung von Shakespeares Eifersuchtsdrama „Othello“ an ein elitäres Südstaateninternat, wo Basketball-Stars um Karrierepunkte rivalisieren. Das Drama endet tragisch, wie sich das gehört. Eine Empfehlung.

Zur Handlung:
Odin James (Phifer) ist der Basketballstar seiner Schulmannschaft, den Palmetto Hawks (Falken). Er ist zudem der einzige Farbige an dem exklusiven Südstaateninternat in Charleston, South Carolina. Der Team-Coach Duke (sehr glaubwürdig: Martin Sheen) prämiert ihn. Er ruft aus, er liebe ihn wie seinen eigenen Sohn. Sein echter „eigener Sohn“ sitzt derweil missachtet auf den Rängen. Es geht also auch um das Drama, das aus der Beziehung zwischen Vater und Sohn entsteht. Der gedemütigte Sohn (Josh Hartnett) Hugo sinnt auf Rache. Und der geht sehr raffiniert vor.

Spielt Odin die Rolle des erfolgreichen Aufsteigers, aber Außenseiters Othello, so ist Desi (Julia Stiles) seine Desdemona: seine wahre Liebe und somit sein Verhängnis. Anfangs lieben sich die beiden aufrichtig und treu. Als Unterpfand seiner treuen Liebe schenkt ihr Odin ein Halstuch, das ein Familienerbstück ist. Dies ist nicht nur ein Eheversprechen, sondern auch die Aufnahme in den Familienclan, ein rassenübergreifender Akt von höchster Symbolkraft.

Das versteht der neidische Hugo, der die Rolle des verkannten Jago hervorragend ausspielt, nur zu gut. Schon bald ist das Halstuch verschwunden und taucht bei Odins Rivalen Michael, einem Weißen wieder auf. Hugo setzt Michael auf Desi an, und der ebenfalls angestiftete Roger bringt Odin bei Desis Vater (John Heard), dem Schulrektor, in Misskredit.

Hugo gibt zwar stets vor, Odins „Bruder“ zu sein, doch insgeheim erzeugen seine Einflüsterungen eine rasende Eifersucht in dem exponierten Farbigen und Mannschaftsstar. Desi versteht zwar sein wachsendens Misstrauen nicht, kann aber auch nichts tun, um den Verdacht zu entkräften. Ihre Treueschwüre nützen nichts mehr. Odin nimmt Drogen, und beim entscheidenden Ausscheidungsspiel zur Landesmeisterschaft kommt es zu einem ersten Eklat.

Doch das Schlimmste kommt noch: Hugo Komplott sieht vor, dass Odin Desi umbringt und ihm auch Michaels Tod angehängt werden kann. Doch natürlich kommt fast nichts so wie geplant.

Gesamteindruck:
Drehbuchautor Brad Kaaya weiß, wovon sein Film erzählt: Er war selbst in einer elitären Basketballmanschaft und bekam die Rivalenkämpfe und Eifersüchteleien hautnah mit. Shakespeares Tragödie lieferte ihm eine perfekte Vorlage, um dieses Milieu dramaturgisch wirkungsvoll auf die Leinwand zu bannen.

Die Darsteller, allen voran Phifer, Hartnett und Stiles, aber auch Sheen, spielen hervorragend, glaubwürdig und mit einem offensichtlichen Verständnis für die tiefen Emotionen, die ihre jeweilige Rolle verlangte. Nach eigenen Angaben hatten sie dieses Verständnis aus der intensiven Beschäftigung mit Shakespeares Originaltext (nicht mit irgendwelchen Zusammenfasungen!).

Die unausweichlich erscheinende Zerstörung Odin James‘ durch Hugo wird mit Hugos Sehnsucht nach Höherem begründet: Diese Jago-Figur ist ebenso von Ehrgeiz wie von einer romantischen Sehnsucht nach Schweben und Fliegen beseelt. Immer wieder sehen wir Hugo in der Vogelvoliere des Internats: Es befindet sich direkt unterm Dach, direkt über dem spiralförmig ansteigenden Treppenhaus. Ist die Treppe die Stufenleiter der Karriere und des Lebens, so träumt sich Hugo in der Voliere an die Spitze der Welt. Hier hält er den Falken, das Maskottchen des Baskettballteams und Symbol für Odin gefangen. Hier gurren die Pärchen von weißen Tauben vor sich hin – Symbole treuer Liebe. Und hier heckt Hugo mit Vorliebe seine Schachzüge gegen den Rivalen Odin aus.

Unterm Strich:
Dieser Film ist absolut sehenswert und garantiert jungen Leuten ab 16 Jahren eineinhalb Stunden spannende und dramatische Unterhaltung. Die Darsteller sind motiviert, glaubwürdig und beeindruckend. Das Komplott, das Hugo gegen Desi und Odin schmiedet, ist durchaus verständlich dargestellt: Alles wird haarklein erklärt. (Die geschnittenen Szenen sind wirklich unnötig.) Die Musik (meist Hip-Hop) macht gute Laune und ist stets passend.

Zwar hat die DVD kein Making-of, doch dies wird durch die 13 Seiten Produktionsnotizen und die Interviews ersetzt. Man bekommt einen guten Einblick in die Entstehung des Films und die Beweggründe seiner Macher. Dazu trägt besonders auch der Audiokommentar des Regiseurs Nelson bei. Insgesamt eine DVD, die sich lohnt und die man auch öfters als einmal ansehen kann.

(c) 2003 by Michael Matzer

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