Bereits die erste Staffel von „Sea Patrol“ hat Lust auf mehr Einsätze an Bord der HMAS Hammersley, im Dienste der Royal Australian Navy (RAN) gemacht. In Staffel Zwei der australischen Serie – aus dem Jahre 2008 – hat die Mannschaft ein neues Schiff bekommen. Und zwar ein Armidale-Klasse-Boot, das ebenfalls Hammersley heißt. Dem Fremantle-Klasse-Boot der ersten Staffel in allen Ehren, kommt die neue Hammersley doch schnittiger daher. Außerdem hat es auch bei der Besatzung eine kleine Veränderung gegeben: Able Seaman Rebecca Brown ist nun mit an Bord, um die Mannschaft zu verstärken. Sie ist ein kleiner Hitzkopf und deswegen kommt es prompt zu Komplikationen. Klar, denn nur mit genug Reibungspunkten bleibt es spannend. Und an Spannung hat „Sea Patrol – Staffel 2“ einiges zu bieten.

Erst einmal bleibt zu sagen, dass es erneut einen übergreifenden Handlungsbogen gibt. Der geht Hand in Hand mit den Themenschwerpunkten der Staffel. Ging es bisher vor der australischen Küste heiß her, rücken nun auch die Nachbarnationen in den Mittelpunkt und wird jetzt verstärkt die Außenpolitik Australiens thematisiert. Dabei gehen die Regisseure Geoff Bennett und Ian Barry ziemlich vorurteilsfrei mit der Thematik um. Jedenfalls aus deutscher Sicht. Da wirken manchen Szenen leicht befremdlich, weil sie in hiesigen Breitengraden schnell als ausländerfeindlich gelten könnten. Australien ist da viel unbefangener.

Es wird auch der Unterschied zu us-amerikanischen Serien deutlich. Obwohl es jetzt mehr Action gibt und mehr geschossen wird, bleibt die Serie ziemlich familienfreundlich. Es fließt selten Blut und Gewalt ist stets das letzte Mittel, das zum Einsatz kommt. Das liegt an den australischen Gesetzen und auch an der moralischen Einstellung der Mannschaft, bei der ein Menschenleben – und zwar jedes Menschenleben – wertvoll ist und besonderen Schutzes bedarf. Diese Einstellung sorgt für prickelnde Spannung, denn oft muss Lieutenant Commander Michael Flyn (grandios gespielt von Ian Stenlake) zwischen gegensätzlichen moralischen Verpflichtungen abwägen und seine Mannschaft in Gefahr bringen, um – oftmals durch Dummheit – in Gefahr geratene Menschen zu retten. In Verbindung mit dem neuen Handlungsbogen einfach ein Genuss.

Dazu trägt vor allem Alan Dale seinen Teil bei, den viele sicherlich als Charles Widmore (LOST) oder King George (Once Upon a Time) kennen. Ein toller Schauspieler, der in sechs der insgesamt dreizehn Episoden dabei ist. Seine Rolle ist das Salz in der Suppe und Dales Darstellung eine wahre Freude.

Neben der Zunahme an rasanter Action, kommt es auch zu Liebeleien an Bord der Hammersley. Und die sind der Mannschaft natürlich untersagt, wie E.T. und Nav (so deren Rufnamen an Bord) wissen und dementsprechend ihr Verhältnis geheimhalten wollen. Das bringt natürlich einiges an Probleme mit sich. Allgemein menschelt es ziemlich an Bord. Und so gibt es neben Flirts, Liebschaften und Eifersüchteleien, auch Streitigkeiten, Ängste, Rachegelüste und vieles mehr. Das macht ebenfalls den Reiz dieser Serie aus: Hier stehen Menschen und ihre Gefühle im Mittelpunkt. Vor allem der sympathische Charge macht einiges mit, ebenso wie Swain.

Piraten, Flüchtlinge, Schmuggler und Kriegstreiber – „Sea Patrol – Staffel 2“ bietet das komplette Paket. Das schlug sich natürlich auch in den hohen Produktionskosten der Serie nieder, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Egal ob zu Land oder zu Wasser, es gibt atemberaubende Kulissen und grandios aufgebaute Szenen. Dabei bietet jede einzelne Episode auch ordentlich Abwechslung. egal ob nun das offene Meer, Kabinen, kleine Fischerboote, Container, Bars, Dschungel, Strände und andere Lokalitäten. Es wird fürs Auge einiges geboten. Und die Kamera weiß dieses Angebot auch ordentlich einzufangen. Visuell ist alles vom Feinsten.

Das gilt auch für den Sound, der leider nur Dolby Digital 2.0 vorliegt. Dafür aber in Deutsch und in Englisch. Wer kann, sollte die Serie natürlich in Originalsprache anschauen. Aber die deutsche Synchronisation ist ziemlich hochwertig und macht ebenfalls großen Spaß. Wer also keine Lust auf Englisch hat, wird trotzdem hervorragend unterhalten. Hier wurde gute Arbeit geleistet.

Die DVD-Box ist schön gestaltet und beinhaltet vier DVDs. Leider dünstet das Plastik beim Öffnen ziemlich aus, was dann einen chemischen Geruch verbreitet. Unangenehm. Die Box sollte also schnell wieder geschlossen werden.

Insgesamt gibt es auf vier Silberscheiben dreizehn Episoden (in der fortlaufenden Nummerierung 14-26), die sehr dramatisch und aktionsgeladen sind. Leider fehlt es an jeglichem Bonusmaterial, was in Anbetracht einer solch guten Serie schon sträflich ist. Schade. Immerhin werden dem Zuschauer etwas unter sechshundert Minuten Serienunterhaltung vom Feinsten geboten.

„Sea Patrol – Staffel 2“ ist eine gelungene Box, die eine tolle Serie beinhaltet. Die erste Staffel war schon gelungen, die zweite Staffel weiß sich zu steigern. Tolle Bilder, tolle Darsteller und tolle Drehbücher. Super!

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Sea Patrol – Staffel 2

Australien, 2008

Regisseure: Geoff Bennett, Ian Barry
Komponisten: Les Gock, Anthony Ammar
Darsteller: Ian Stenlake (Lieutenant Commander Michael Flyn), Lisa McCune (Lieutenant Kate McGrego), Saskia Burmeister (Lieutenant Nikole Caetano), John Batchelor (Chief Petty Officer Andrew Thorpe), Matthew Holmes (Petty Officer Christopher Blake), David Lyons (Leading Seaman Joshua Holiday), Kirsty Lee Allan (Able Seaman Rebecca Brown)

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband/WVG
Erscheinungstermin: 27. Juli 2012
Produktionsjahr: 2011
Spieldauer: 585 Minuten

Episodenliste: 14 Auf Messers Schneide, 15 Nervensache, 16 Feindliche Übernahme, 17 Kräftemessen, 18 Ausgeknockt, 19 Vogelgrippe, 20 Doppeltes Spiel, 21 Happy Birthday, Bomber, 22 Söldner, 23. Captain Kate, 24 Ende einer Karriere, 25 Freund und Feind, 26 Glücksritter