Soi Cowboy

Originaltitel:  Soi Cowboy
Herstellungsland: Großbritannien/Thailand
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: Thomas Clay

Darsteller:
Nicolas Bro (Tobi)
Pimwalee Thampanyasan (Koi)
Petch Mekoh (Cha)
Atikarn Malaichu
Art Supawatt
Natee Srimanta
Somluk Kuamsing
Pornthip Papanai
Amporn Parnkratoke

Kurzbeschreibung:
In Thailand lebt ein dicker Däne mit seiner thailändischen Freundin in einem Apartment. Er sucht Sex, sie sucht Sicherheit. Kann das gut gehen?

Mit freundlicher Unterstützung von Save.TV

Beschreibung:
Der korpulente, dänische Drehbuchautor Toby lebt mit seiner schwangeren thailändischen Freundin Koi, die vorher in Bangkoks Rotlichtviertel Soi Cowboy ihren Lebensunterhalt verdient hat, zusammen. Wortlos verbringen sie ihre Zeit miteinander, trotz räumlicher Nähe bleibt ihre Beziehung eintönig und leer. Das Leben von Kois Bruder Cha ist dagegen alles andere als langweilig: Er erhält von der Mafia einen kaltblütigen Auftrag.

Besprechung:
Der 28-jährige, britische Filmemacher Thomas Clay erzählt in SOI COWBOY eine teilweise autobiografische Geschichte. Er selbst lebt auch in Thailand, zusammen mit einem Thaigirl, und hat ein Kind mit ihr. Der Däne Nicolas Bro (ADAMS ÄPFEL, RECONSTRUCTION) ist sein Alter Ego. Dieser bringt allerdings noch einige Kilos mehr auf die Waage als der Filmemacher selbst, was zu ein wenig schockierenden Aufnahmen des Paares führt. Tobi und Koi leben in ihrem Ein-Zimmer-Apartment. Trotz des engen Raumes sind sie meilenweit voneinander entfernt. Das zeigt Thomas Clay unmissverständlich bereits in den ersten langen Einstellungen seines Films.

Tobi geht duschen, lässt die Tür zum Badezimmer offen, während Koi ihr Frühstück vorbereitet. Sie kocht sich Reis. Als Koi gegessen hat, ist Tobi endlich fertig, setzt sich zu ihr. Sie steht auf, geht duschen, schließt die Tür. Dies alles passiert wortlos. Die Kamera bleibt in einer Totalen, versteigt sich am Ende der Beobachtung in einen langsamen Schwenk, der – warum auch immer – auf dem Toaster in der Ecke endet. Der thailändische Kameramann Sayombhu Mukdeeprom versteht sein Handwerk. Er hat wunderschöne, elegische Bilder für Apichatpong Weerasethakuls Film TROPICAL MALADY gefunden, der in Cannes im Wettbewerb lief.

Doch die Bilder, die er im ersten Teil des Films – der in Schwarz und Weiß gehalten ist – findet, sind zwar schön, doch im Kontext der Geschichte wirken sie bisweilen prätentiös. Das liegt jedoch sicher nicht am Kameramann, sondern am Regisseur, der sich selbst ganz offensichtlich zum „auteur“ erklärt, zum Regisseur mit Kunstanspruch. Dies ist nicht nur prätentiös, sondern bisweilen sogar lächerlich. Etwa dann, wenn eine alte Frau mit Laufgestell sich zufälligerweise den Aufzug mit Tobi und Koi teilt. Sie mustert die beiden, steigt aus und die Kamera verharrt minutenlang in einer unbewegten Totale auf ihr. Sieht zu, wie die alte Dame mit ihrem Laufgestell sich Zentimeter für Zentimeter über den Boden des Hotels schiebt, bei jeder Bewegung klappert das Metall der Laufhilfe. Irgendwann – nach einer gefühlten kleinen Ewigkeit – schneidet Clay weg und die alte Dame ward nie wieder gesehen…

Nach einem ausschweifenden Kameratrip in die Baumkronen der Tempel von Ayutthaya blendet der Film ab, um in üppigen Farben fortzufahren. Der zweite Teil erzählt vom Besuch des kleinen Bruders von Koi in seinem Heimatdorf Chaiyaphum. Die Idee der Zweiteilung hat sich Clay wohl ebenfalls bei Apichatpong Weerasethakul ausgeliehen – zu sehen in seinem großartigen Film TROPICAL MALADY. Schlüssig ist es nicht grade, was Thomas Clay dann noch so erzählt. Der kleine Bruder tötet im Auftrag der Mafia seinen großen Bruder und bringt dem Boss den Kopf in einer schwarzen Tasche. Doch warum nur? Und warum sitzt in der teuer designten Verbrecherhöhle am Ende Tobi mit seinem Thaigirl? Tobi in einem feinen weißen Anzug mit bordeauxrotem Hemd, sein Girl im sexy Kleidchen. Warum?

Thomas Clay hatte bereits vor zwei Jahren einen Film in Cannes laufen, THE GREAT ECSTASY OF ROBERT CARMICHAEL. Dieser wurde zwar wegen einer sehr langen, sehr brutalen Szene heftig diskutiert, aber immerhin ernst genommen. Mit SOI COWBOY wird er es schwer haben. Dieser Film feiert vor allem sich selbst, obwohl die Bilder, die Sayombhu Mukdeeprom findet, teilweise sehr beeindruckend sind. So zeigt sich ihre ganze Beziehung in einer einzigen Einstellung, in einer Vogelperspektive des Bettes: Die kleine mädchenhafte Koi hat sich nach rechts zur Seite gedreht um zu schlafen. Tobi liegt mit seinem massigen Körper hinter ihr, würde sich gerne ganz nah anschmiegen, begehrt sie. Er liegt da wie ein gestrandeter Wal – traurig und trotz der räumlichen Nähe zu ihr ganz allein.

Copyright (C) 2014 by Detlef Hedderich / 2008 by Nana A.T. Rebhan

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