Verbieten verboten!

Originaltitel: Proibido proibir! (Brasilien 2007)
Länge: ca. 101 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Studio: El Desierto Filmes

Regie: Jorge Durán
Produzenten: Suzana Amado, Jorge Durán, Adrián Solar
Schauspieler: Alexandre Rodrigues, Caio Blat, Maria Flor, Edyr Duqui, Raquel Pedras

Vertrieb: Icestorm Revolution
Release-Datum: 20. 03. 2009
Tonformate: Brasilianisches Portugiesisch Dolby Digital 2.0
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9
Bonusmaterial: Making Of (ca. 17 min.), Biografie/Filmografie Jorge Durán (Texttafeln), Trailer

Aus Brasilien kommt mit „Verbieten verboten!“ ein eindrucksvolles Sozialdrama aus Brasilien daher, dass sich der typischen Brennpunkte dieses lateinamerikanischen Landes annimmt. Regisseur Jorge Durán scheut keine Mühe, detailliert ans Eingemachte zu gehen.

Im Mittelpunkt seiner Geschichte stehen drei junge Studenten, die sich am Anfang ihres Lebens befinden. Da wäre erst einmal Paulo (Caio Blat), der einen Hang zu Drogen hat und nur eine einzige Regel kennt: „Verbieten verboten!“. Er studiert Medizin und ist in einem städtischen Krankenhaus tätig. Einfühlsam und aufrichtig geht er mit den Patienten um, zeigt oftmals seine sensible Seite.

Paulos bester Freund und Mitbewohner einer kleinen Wohnung ist Leon (Alexandre Rodrigues). Leon stammt aus einer wohlhabenderen Familie, geht ernsthaft seinem Studium nach, engagiert sich sozial und glaubt an das Gute im Menschen. Mit seinem Verantwortungsbewusstsein bildet er einen starken Kontrast zu Paulo.

Während Paulo ständig neue Liebschaften hat, geht Leon eine feste Beziehung mit Léticia (Maria Flor) ein. Und die zieht auch prompt Paulos Blicke auf sich, der schon bald heillos in Léticia verliebt ist. Zuerst wehrt sich Paulo gegen diese Gefühle, doch als er einer todkranken Patientin einen letzten Wunsch erfüllen will, ist er auf Léticias Hilfe angewiesen und beide kommen sich näher …

Mit „Verbieten verboten!“ präsentiert Jorge Durán einen sehr sensiblen Film und strickt eine packende Dreiecksgeschichte. Die tiefen Gefühle der Figuren sind spürbar und ziehen den Zuschauer tief in ihren Bann. Das alleine würde schon reichen, um einen ganzen Film zu machen. Doch Durán legt noch eine Schippe drauf. Er zeigt die soziale Kluft zwischen Arm und Reich, zeigt die Schönheit und Architektur Rio de Janeiros und nimmt den Filmfreund mit in seine Welt. Hehre Absichten, die der Regisseur da hegt. Doch er baut zuviel in seine Geschichte ein, will zuviel zeigen und – schlussendlich – wirkt der Film viel zu konstruiert. Anstatt harmonisch zu fließen gerät die Geschichte ins Stocken, gleicht der Film stellenweise einem Bilderabend mit angekündigten Höhepunkten. Jorge Durán hat kunstvolle, packende Einzelstücke geschaffen, aber es misslingt ihm sie alle miteinander zu verbinden.

In Deutschland erschien der Film im Vertrieb bei Icestorm Revolution, mit Originaltonspur und deutschem Untertitel. Da es doch einige kluge und durchdachte Dialoge gibt, ist eine fehlende Synchronisation bedauerlich und es ist ratsam, den Film zweimal zu schauen. Einmal, um sich auf den Untertitel zu konzentrieren und nochmals, um die Bilder sacken zu lassen. Nur dann ist eine Reflektion der vielen Themen überhaupt möglich.

Neben dem Film gibt es auf der DVD auch ein wenig Bonusmaterial. Einzig das Making of ist von leidlichem Interesse, alles andere mau und unterdurchschnittlich. Trailer und Texttafeln locken heutzutage niemandem mehr hinter dem Sofa hervor.

Dennoch ist Duráns Arbeit eindrucksvoll, denn fernab dieser offensichtlichen und überladenen Erzählkonstruktion, sind es eindrucksvolle Bilder, starke Darsteller und emotional packende Themen, die geboten werden. „Verbieten verboten!“ ist trotz seiner Schwächen einen Blick wert.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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