11-11-11 – Das Tor zur Hölle

Originaltitel: 11-11-11 (USA/Spanien 2011)
Regie u. Drehbuch: Darren Lynn Bousman
Kamera: Joseph White
Schnitt: Martin Hunter
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Timothy Gibbs (Joseph Crone), Michael Landes (Samuel Crone), Wendy Glenn (Sadie), Denis Rafter (Richard Crone), Ángela Rosal (Anna), Lluís Soler (Javier Cavello), Benjamin Cook (Cole), Lolo Herrero (Buchladen-Besitzer), Salomé Jiménez (Sarah), Brendan Price (Grant) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 23.03.2012
EAN: 7613059802339 (DVD) bzw. 7613059402331 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Bestseller-Autor Joseph Crone schreibt nicht mehr bzw. führt nur noch sein Tagebuch, seit Gattin Sarah und Sohn David bei einem Feuer umkamen, das ein verrückter Leser gelegt hatte. In der Therapie findet er ein wenig Trost und die verständnisvolle Wendy, die nach einem ähnlichen Schicksal offenbar wieder Anschluss sucht.

Ein Anruf aus Barcelona zerstört den brüchigen Seelenfrieden: Josephs entfremdeter Bruder Samuel informiert ihn, dass Vater Richard im Sterben liege. Vor vielen Jahren schon hat Joseph seine Familie verlassen: Richard, der Gründer einer katholischen Splittersekte, versuchte in Spanien eine ‚neue‘, von Rom unabhängige Kirche zu gründen. Joseph hasste dieses Umfeld; seit dem Tod seiner Familie hat er den Glauben endgültig verloren.

Trotzdem lässt ihn Pflichtbewusstsein nach Barcelona fliegen, wo Vater und Bruder ihn überrascht und erfreut begrüßen. Allerdings munkelt der moribunde Richard von Dämonen, die es auf Samuel abgesehen hätten. Er, Joseph, sei von Gott als Hüter seines Bruders auserwählt worden, denn Samuel werde Richards Werk fortsetzen und vollenden.

Krankenpflegerin Anna, eine religiöse Fanatikerin und unbedingte Jüngerin der Croneschen Kirche, kann sogar Videobilder der Überwachungskamera vorlegen: Im Garten beginnt es nächtlich ab 23.11. mächtig zu spuken! Nach dem üblichen Leugnen solcher und anderer ‚Tatsachen‘ beginnt Joseph umzudenken. Allerdings sind es weniger Dämonen, die er als Quelle der Gefahr ausmacht, sondern der geistig verwirrte Javier, der ständig mit einer Pistole vor Samuel herumfuchtelt.

Doch je näher der 11. November 2011 rückt, desto dreister geht es – inzwischen sogar im Haus – um. Die seltsamen Kreaturen werden auch körperlich zudringlich. Joseph bleibt (zu) wenig Zeit, den Bruder aus dem belagerten Heim zu schaffen …

Religion ist ein Stimmungskiller

Damit beginnt das übliche finale Pandämonium. Es gibt nicht nur einem von Anfang an aus der Spur geratenen Film den Rest, sondern belegt auch die Erkenntnis, dass Religion – nimmt man sie ernst – in der Unterhaltung nichts verloren hat: Irgendwie schleicht sich stets ein weihevoller Unterton ein, der mit der trivialen Handlung nicht wirklich in Einklang zu bringen ist.

Dies gilt besonders, wenn das Geschehen vor Zufällen und Unlogik strotzt und kein William Peter Blatty oder David Seltzer, sondern nur Darren Lynn Bousman das Drehbuch schreibt. Also beweist auch „11-11-11“, dass in Sachen Satansspuk bereits 1973 in „Der Exorzist“ und 1976 in „Das Omen“ alles Relevante gesagt und – zudem wesentlich besser – gezeigt wurde. Beinahe sämtliche Variationen oder ‚Verbesserungen‘, die seitdem versucht worden, sind geradezu teuflisch schiefgegangen.

Mit „11-11-11“ gelingt Regisseur und Autor Bousman – hoffentlich unfreiwillig – sogar ein Kompendium sämtlicher Fehler, die in diesem Zusammenhang begangen werden können. Es beginnt bereits mit der Ausgangssituation: Ist Luzifer wirklich so auf den Hund gekommen, dass er darauf angewiesen ist, die Leserschaft eines Bestseller-Autoren als Gläubigerschar in seinen Bann zu ziehen?

Auch sonst zielen seine Pläne eher umständlich durch die Brust ins Auge. Zu Satans Glück stellen sich seine himmlischen Kontrahenten ähnlich ungeschickt an wie er. Gemeinsam muss man jedenfalls warten, dass der Kalender das Datum „11.11.(20)11“ zeigt; diese Schnapszahl scheint Bousman inspiriert zu haben.

Ein bisschen Logik sollte sein

Bloß: Wieso ist es gerade dieser 11-ter im 11-ten im 11-ten, der die Pforte zwischen Himmel & Hölle aufspringen lässt? Als 1582 der Julianische durch den Gregorianischen Kalender ersetzt wurde, übernahmen nicht einmal die römisch-katholischen Länder Europas die neue Zeitrechnung sofort. Bis der Rest der Welt nachzog, dauerte es beinahe vier Jahrhunderte. Um den Zuschauer intellektuell nicht zu überlasten, ignoriert Bousman zudem jenen 10-Tages-Sprung, der 1582 erforderlich wurde, um die in Jahrhunderten aufgelaufene Verzögerung des Julianischen Kalenders auszugleichen: Der Teufel will Samuel also eigentlich am 1. November 2011 holen.

Doch was heißt das schon? Der Julianische Kalender wurde 45 v. Chr. von Julius Caesar eingeführt. Ein ‚göttliches‘ oder ‚teuflisches‘ Jahr 1 hat es nie gegeben. Jeder Kalender der Weltgeschichte ist Menschenwerk. Also besitzen Zahlenkombinationen, die sich aus einem dieser Kalender ergeben, keinerlei mystischen Bedeutungen. Daher wäre es ebenso ‚logisch‘, wenn sich die genannten Pforten beispielsweise am 25.09.2167 öffneten, was allerdings keinen so hübschen Filmtitel ergäbe.

Auch sonst erzeugt Bousman in unschöner Regelmäßigkeit beim Zuschauer jene Reaktion, die man neudeutsch als „facepalm“ bezeichnet. Darüber werden die wirklich lauten Bockschüsse manchmal überhört. Wieso startet diese Geschichte in den USA, spielt aber dann in Spanien? Weil dies eine Co-Produktion mit einem spanischen Produzenten ist. Hätte Bousman das nötige Budget daheim aufgetrieben, würde Satan garantiert die Vereinigten Staaten heimsuchen.

Gut & Böse ohne Plan

Joseph spricht es an einer Stelle sogar selbst mit verständlicher Frustration an: Wieso ergehen sich Vater, Bruder, Anna oder der Okkult-Buchhändler ausschließlich in Andeutungen, statt klipp & klar in Worte zu fassen, was vorgeht? Sie können schließlich sprechen, dürfen es aber nicht, weil sich Bousman in dem falschen Glauben wiegt, er könne sein Publikum auf diese Weise im Dunklen tappen lassen. Tatsächlich ist der Plot so simpel, dass sich niemand außer dem künstlich für dumm verkauften Joseph verwirrt am Kopf kratzt: Solchen ausgeleierten Unfug haben wir in viel zu vielen Filmen ertragen müssen.

Die Dämonen-Engel, die das Crone-Haus belagern, tragen zur vorgeblichen Verwirrung maßgeblich bei. Auch sie ignorieren stur, dass sie einfach sagen müssten, was sie wollen. Sprechen können sie – der Ober-Engel leiert im Finale eine endlose Beschwörung herunter. Dennoch schweigen sie hartnäckig und beschränken sich darauf, unheimlich durch Fenster oder Hecken zu lugen. Bousman gefällt sich zu allem Überfluss darin, die 11-er-Wesen als B-Movie-Buhmänner zu präsentieren. Sie tragen Kutten und haben Fratzen, die an Halloween-Kürbislaternen erinnern, auf die Homer Simpson sich gesetzt hat.

90 Minuten schleppen sich auf diese Weise endlos voran. Wer auf eine originelle Wendung wartet, wird doppelt enttäuscht, denn Bousman spart sich jeglichen Autorengrips für einen Schlusstwist auf, für den wohl nur er sich bewundert. Damit auch der halb eingeduselte Zuschauer auf jeden Fall begreift, wird dieser Twist durch eine Wiederholung angeblicher Schlüsselszenen ‚erklärt‘. Dabei begreift noch der Dümmste ohne diesen Service, was da geschehen ist.

Für die Schauspieler schlägt’s 13

Während sich die Darsteller der Dämonen wenigstens durch ihre Kürbis-Masken vor Erkennen und Zuschauerzorn geschützt sind, können einem die übrigen Schauspieler leidtun. Um das begrenzte Budget zu schonen, engagierte Bousman Profis aus der zweiten und dritten Reihe, die ihre Gesichter normalerweise in den Nebenrollen ‚großer‘ Filme sowie im Fernsehen zu Markte tragen.

Dies muss kein Nachteil sein, wie sogar „11-11-11“ erkennen lässt: Timothy Gibbs geht überzeugend in seiner Rolle auf, die auf mehreren Ebenen hohe Anforderungen an ihn stellt: Joseph Crone ist verletzter und Hinterbliebener, zorniger Sohn und Bruder, Zweifler und schließlich überzeugter Auserwählter. Gibbs ist zu verdanken, dass „11-11-11“ wenigstens halbwegs erträglich ins Finale schlingert. Wie es auch – nämlich schlimmer – hätte kommen können, verraten Klischee-Rollen wie der angeblich todkranke aber ständig durch das Haus huschende Richard, der es liebt, plötzlich vor dem Sohn zu stehen und ihm einen Heidenschrecken einzujagen: wohl der billigste Trick des Gruselfilms. Wendy Glenn ist offenkundig nur mit an Bord, weil ein Film ohne Frauenrolle angeblich nicht genug Publikum anlockt; für eine überflüssige Frauenrolle gelten anscheinend andere Bewertungskriterien. Ángela Rosal gehört wie Lluís Soler oder Lolo Herrero zum Munkel-Chor dieses Films, der sich aus dem Hintergrund albern in düsteren Unkereien ergeht.

Schrecken: der Lächerlichkeit preisgegeben

„11-11-11“ beginnt als Kammerspiel, was einerseits dem Budget geschuldet ist aber andererseits durchaus funktioniert, wenn es konsequent durchgehalten wird. Also beschränkt sich das Geschehen fast trickfrei und kostengünstig sowie handwerklich einfallsarm aber kompetent lange auf das Innere des Crone-Anwesens. Im Finale meint Bousman die Spektakel-Karte ziehen zu müssen. Endlich geschieht etwas, aber es erregt eher Mitleid oder Ärger oder Gelächter: Digitale Wurzeln und Ranken schlängeln sich plötzlich über Wände und Decken, und die Dämonen nehmen die Kapuzen ab.

Damit ist der dramatische Effekt des Finales geplatzt, denn diese ‚fürchterlichen‘ Gestalten (s. o.) könnten höchstens in einer Geisterbahn auftreten. (Einer stellt sogar Gummiflügel auf, um Joseph zu erschrecken!) Es bleibt nur der Trost, dass auch dieser dilettantische Versuch, sich die Erde untertan zu machen, mit Sicherheit scheitern wird. Satan scheint nicht zu merken, dass sich die Menschen seit Bibelzeit und Mittelalter weiterentwickelt haben. Er wird höchstens die üblichen fundamentalistischen Klotzköpfe auf seine Seite ziehen können. Der größere Rest der Menschheit wird ihn ignorieren.

So sollte es der Freund des wirklich unterhaltsamen Horrorfilms mit diesem Film halten. Und was oder wer immer Bousman geritten hat, es nach drei „Saw“-Episoden und dem Remake von „Muttertag“ auf der religiösen Schiene zu versuchen: Er sollte es abwerfen!

DVD-Features

Die Extras sind überschaubar aber für einen Film dieser fragwürdigen ‚Qualität‘ ausreichend. Zum deutschen und zum Originaltrailer wurden ein (beschränkt aussagekräftiges) „Making-of“ und einige (zu Recht) getilgte Szenen aufgespielt.

[md]

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