2001 Maniacs (DVD)

– Darsteller: Robert Englund, Lin Shaye, Giuseppe Andrews
– Regie: Tim Sullivan
– FSK: 18
– Produktion: USA 2005
– Label: Sunfilm
Zusatzinformationen:
# Format: Anamorph, Dolby, DTS, PAL, Surround Sound
# Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
# Untertitel: Deutsch
# Region: Region 2
# Bildseitenformat: 16:9
# Anzahl Disks: 1
# FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
# Studio: SUNFILM Entertainment
# DVD-Erscheinungstermin: 19. Mai 2006
# Spieldauer: 84 Minuten

In den Semesterferien zieht es drei Studenten an die Strände Floridas. Auf dem Weg dorthin durchqueren sie die Südstaaten der USA, wo sie den unseligen Entschluss fassen eine ‚Abkürzung‘ zu nehmen. Diese bringt sie zu einer Umleitung und dann in das äußerst abgelegene Dörflein Pleasant Valley. Einen schwulen Junghengst und seine zwei attraktiven Begleiterinnen (!) verschlägt es ebenso wie den schwarzen Biker Malcolm und Lederbraut Kat hierher, wo die acht jungen Männer und Frauen mit altmodischer Südstaatenfreundlichkeit vom leutseligen Bürgermeister Buckman zum berühmten alljährlichen Barbecue von Granny Boone eingeladen werden.

Da die Neuankömmlinge primär geil, vor allem aber dumm sind, lassen sie sich von den angebotenen Köstlichkeiten ebenso verführen wie von der knackigen Dorfjugend beiderlei Geschlechts. Aber diese Gastlichkeit hat ihren Preis, wie der Zuschauer inzwischen weiß: Pleasant Valley ist buchstäblich eine Geisterstadt, bewohnt von den Phantomen seiner 2001 Einwohner, die während des Bürgerkriegs 1862 in toto von den Unionstruppen der Nordstaaten niedermetzelt wurden. Seither erheben sie sich zum Jahrestag ihres Endes aus den Gräbern und warten rachedurstig – bzw. -hungrig – auf unvorsichtige Yankees, die sich zu ihnen in die Einöde verirren. Sie bilden dann den Hauptgang für besagtes Grillfest.

Bis das endlich als böser Verdacht in die pubertär schwer geschädigten Resthirnwindungen unserer Urlauber durchgesickert ist, haben sich deren Reihen bereits stark gelichtet. Unter Einsatz von Pferdestärken, Bratspießen oder wahrhaft mörderischem ‚Selbstgebrannten‘ schalten die Bürger von Pleasant Valley einen ‚Gast‘ nach dem anderen aus, dessen Überreste anschließend in die große Dorfküche kommen. Auf niemanden möchten sie beim großen Fressen verzichten, was die Fluchtversuche der endlich erwachten Überlebenden sehr schwierig werden lässt und zum Einsatz recht drastischer Methoden der Gegenwehr zwingt …

Die Rache ist ein Gericht, das kalt genossen am besten schmeckt. Dieses alte chinesische Sprichwort nehmen die Bewohner von Pleasant Valley (fast) wörtlich. Der Gegner von einst ist die Wurst von jetzt. Das ist ein hübscher, geschmackloser, politisch unkorrekter Witz, der sich als grundsätzliche Idee für einen Film, der von vornherein als überdrehte Horrorkomödie der groben Art geplant ist, durchaus eignet. So wie hierzulande die ‚Bayern‘ über die ‚Preußen‘ (und umgekehrt) lästern, werden von den Yankees im Norden der USA über die vernagelten Rednecks der hinterwäldlerischen, rassistischen, inzestuösen, sodomitischen, aufgeblasenen etc. Südstaaten böse Scherze gerissen, die sich hier im Drehbuch wunderbar aufwärmen und drastisch verstärken lassen. Das sorgt vor Ort verständlicherweise nicht für freundschaftliche Gefühle und fordert trotzigen Widerspruch heraus. „The South Will Rise Again“ lautet denn auch ein für diesen Film grandios trashig verrockter Ohrwurm, der von verbitterten Südstaatlern nach dem verlorenen Bürgerkriegs 1865 gern angestimmt wurde.

Es hätte also etwas werden können aus „2001 Maniacs“, zumal auch die Darsteller gute Arbeit leisten, wie wir weiter unten noch lesen werden. Tatsächlich ist dieser filmische Versuch schwarzhumoriger Blut-und-Eingeweide-Komik gründlich schiefgegangen. Um im Bild zu bleiben: Die Zutaten für ein schmackhaftes Gore-Grillfest waren da, doch leider hat der Koch sie zu einem faden, dünnen Brei verkochen lassen. Es fehlt einfach zu viel von dem Gewürz namens Irrwitz.

Drehbuch und Regie beschwören es geradezu verzweifelt herauf, aber da ist nichts bzw. es reicht nicht. Da mag schieres Unvermögen die Schuld tragen, womöglich ist es aber auch Hollywoods angstvolles Kleben am größten gemeinsamen Nenner, was zur Herstellung von Filmen führt, die möglichst vielen Zuschauern gefallen und möglichst niemanden vor den Kopf stoßen sollen. Man sollte meinen, dass Gekrösespäße wie „2001 Maniacs“ vor solchen Bemühungen sicher sind. Weit gefehlt – und es ist zu merken!

Beispielsweise an den so hymnisch angekündigten Splatterszenen. „Keine Jugendfreigabe“, lockt die deutsche Version, die anscheinend von der Zensorenschere verschont blieb. Bei näherer Betrachtung sind die ‚eindeutigen‘ Sequenzen sowohl rar als auch dezent in Szene gesetzt, was gut ist, denn sie sind ziemlich schlecht inszeniert. Wirklich Drastisches wird man nur sehen, wenn man die Augen am Bildschirm kleben lässt, da sofort ausgeblendet wird.

So etwas lässt sich verschmerzen, wird es durch das sonstige Geschehen aufgefangen. Doch auch da hapert es gewaltig: „2001 Maniacs“ fällt im Mittelteil vor allem durch gewaltige Längen auf. Bizarre Südstaatler-Typen und verdruckster US-‚Sex‘ bilden eine Kette, der entlang sich die Darsteller planlos durch die dünne Handlung sowie eine wahrlich üble Filmkulisse hangeln. „2001 Maniacs“ wurde aus Kostengründen offenbar in einem Museumsdorf gedreht. Gerät die Kamera in Bewegung, fürchtet man stets im Hintergrund neugierige Besucher oder den Parkplatz auftauchen zu sehen.

Für diesen Streifen gilt auch oder sogar ganz besonders, was sich über viele Horrorfilme sagen lässt, die einfach nur unterhalten sollen: Schauspielerische Sonderleistungen sind kein Muss und womöglich hinderlich, da sie dem eigentlichen Vehikel in die Quere kommen. Auch in unserem Fall ist die Liste der Männer und Frauen, die sich um die diversen Blutspritzeffekte kümmern, länger als die der Darstellerriege. Dennoch muss man ein wenig subtiler urteilen als sonst, wo es einfach ist, sich über die talentfreie Brut lustig zu machen, die in den 2001 Versionen von Filmchen des Schlages „Irrer Killer metzelt knackige Teenys“ das Kanonenfutter für diverse Monster und Meuchelmörder mimt: „2001 Maniacs“ ist ein Film, der schauspielerische Übertreibung quasi fordert. Die grelle Story verträgt keinerlei Ernst. Zumindest das ist den Beteiligten klar gewesen. Sie geben dem Affen deshalb kräftig und hemmungslos Zucker.

Das trifft vor allem auf den ‚Star‘ dieser obskuren Produktion zu: Robert Englund hat in viel zu vielen unterirdisch schlechten Gruselklamotten mitgewirkt, als dass er sich noch irgendwelche Zurückhaltung auferlegte. Als Freddy Krueger in den „Nachtmare on Elm Street“-Filmen weiß er zudem, wie man einen klamaukigen Oneliner setzt, um mit dem Entsetzen möglichst viel Scherz zu treiben. Auch in „2001 Maniacs“ gehen die einzigen Wortspiele, die sich wohlwollend als ‚witzig‘ bezeichnen lassen, gänzlich an ihn.

Pech für Lin Shaye, die wie Englund eine Veteranin des Film- und Fernsehgeschäfts ist. Schauspieler ihrer Art bezeichnet die Branche gern als Charakterdarsteller. Sie leisten jene Kärrnerarbeit im Hintergrund, die den eigentlichen Star leuchten lässt. Shayes cineastischer Lebenslauf ist von eindrucksvoller Länge, doch wird sich wohl kaum ein Zuschauer ihrer wirklich erinnern. Das ist schade, denn auch dieses Mal liefert sie einen anständigen Job und wirkt ihrer Rolle entsprechend gleichermaßen altmodisch wie großmütterlich wie grässlich.

In etwa einem Jahrzehnt wird eine interessante Bilanz möglich: Welcher der männlichen und weiblichen Nachwuchstalente, die sich in „2001 Maniacs“ testosteronspuckend bzw. wippbusig die Ehre geben, werden es ‚geschafft‘ haben in dem Sinn, dass sie in Filme auftreten, die nicht ausschließlich als DVD-Premieren auf den Markt gebracht werden? Dieses Rennen ist völlig offen, denn „2001 Maniacs“ liefert keinerlei Hinweise. Zu stark werden alle Beteiligten unter 20 (nun gut: unter 25; Hollywoods ‚Jugendliche‘ sind in der Regel deutlich angewelkt) in ihre eindimensionalen Rollen gepresst. Dabei ziehen die pittoresken Bewohner von Pleasant Valley die besseren Karten, denn den Yankees bleiben nur die Klischees der im Dauer-Sexstress gefangenen Debilteenys. (Einigkeit herrscht indes in einem horrorfilmtypischen Nebenbei: Weibliche Darsteller jüngeren Jahrgangs entledigen sich mindestens einmal ihres BHs; dabei ist es völlig unerheblich, ob sie zu den ‚Guten‘ oder zu den ‚Bösen‘ gehören.)

Anhang: Die fruchtlose Exhumierung einer obskuren Klassikerleiche.
Remakes sind im Horrorfilm zur Zeit mehr als in; sie sind vor allem lästig. „Texas Chainsaw Massacre“, „Dawn of the Dead“, „The Hills Have Eyes“: Man nenne derzeit einen Genreklassiker und wird ihn beinahe garantiert als Neuverfilmung finden. Auch „2001 Maniacs“ bildet da keine Ausnahme. „2000 Maniacs“ heißt ein C-Movie, das im Jahre 1964 ein Brachialfilmer namens Herschel Gordon Lewis auf Zelluloid bannte. Er war auf die eigentlich nahe liegende Idee gekommen, dass sich billigst gemachte und objektiv jämmerlich anzuschauende Filme besser verkaufen lassen, wenn man die beiden Schrauben „Sex“ und „Gewalt“ ein wenig fester anzieht als die Konkurrenz. Da Lewis zu den ersten gehörte, die diesen Weg konsequent gingen, wird er heute nicht mehr mit Steinen beworfen, sondern als ‚Kultregisseur‘ verehrt (was sich in der Regel legt, sieht man sich eines seiner Werke an). Nichtsdestotrotz gehört „2000 Maniacs“ zu den Klassikern des Splatterfilms – dies in dem Sinn, dass dieser Film a) zu den frühen Beispielen seiner Gattung gehört, b) für seine Entstehungszeit in der Tat starken Tobak liefert und c) aufgrund seiner zeitbedingt schlichten Machart heutzutage vor allem für Heiterkeit sorgt und der einstigen Verteufelung enthoben ist.

„2001 Maniacs“ wird sich diesen Status sicherlich nicht erobern können. Die Zeiten haben sich geändert, Provokation ist schwierig geworden und wird hier auch gar nicht versucht. Doch wirklich guter Trash ist genauso schwierig zu drehen wie ein ‚richtiger‘ Film; in der Regel entsteht er unfreiwillig. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Was die Zuschauer gerade noch amüsierte, langweilt sie wenig später schon wieder. Sie lassen sich nicht zwingen. Je intensiver man es versucht, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit des Misslingens. „2001 Maniacs“ führt diese den Produzenten dieser Welt ebenso bekannte wie verhasste Erkenntnis einmal mehr deutlich vor Augen. Als Zuschauer muss man sich von dieser Lektion nicht unbedingt persönlich überzeugen.

DVD-Features:
Die Verleih?Version von „2001 Maniacs“ beschränkt ihre ‘Extras’ auf einen “Internationalen Trailer” und die wie üblich überflüssigen Werbung für andere DVDs. Ganz anders dagegen die Kauf-DVD, die “Deleted Scenes” und Outtakes (irgendwie ein Widerspruch; enthält denn dieses krude Filmchen überhaupt gelungene Szenen?) und eine alternative Anfangssequenz enthält. Angeblich tritt hier sogar Regisseur John Landis auf, der ja vor 25 Jahren einige recht gute Filme wie “An American Werewolf in London” gedreht hat. Darüber hinaus enthält die Kauf-DVD Aufnahmen vom Casting, ein Making?of sowie Audiokommentare von Regisseur Tim Sullivan und Hauptdarsteller Robert Englund bzw. von Sullivan, Drehbuchautor Chris Kobin und Produzent Chris Tuffin.

(c) 2008 by Dr. Michael Drewniok

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2001 Maniacs