brush-with-deathA Brush with Death

Originaltitel: A Brush with Death (USA 2007)
Regie: Brad Wiebe
Drehbuch: Jordan Wiebe
Kamera: John Kelly
Schnitt: Nick Soares u. Brad Wiebe
Musik: Marc Padgett
Darsteller: Seanna McDonald (Amber), Missy Sturges (Megan), Lily Vu (Samantha), Ali Thurlow (Candice), Nikki Cordell (Hillary), Nicholls Melancon (Ranken), Charles Hoyes (Ronnie), Max Taylor (Caleb), Ted Esquivel (Walter), Christopher Allison (Matt), Anna Kalkowski (Zara), Scott Chedester (Michael), Cody Kinney (Ronnie als Kind) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.07.2009 (Leih-DVD) bzw. 14.08.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4260191250028 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1; anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min.
FSK: 18 (keine Jugendfreigabe)

Das geschieht:

Obwohl nicht nur dumm, sondern notorisch mannstoll, beschließen fünf schon leicht angejahrte kalifornische Cheerleaderinnen einen Wochenend-Ausflug ohne Kerle im Wochenendhaus eines Verwandten. Das liegt wie in diesem Filmgenre üblich einsam und abgelegenen sowie irgendwo im Hinterland des San Joaquin Valley. Trotzdem erhebt sich – der ‚Zufall‘ will es so – gleich in der Nachbarschaft die Ruine des alten Rue-Anwesens. Seit hier in den 1950er Jahren der verrückte Sohn des Hauses seine Familie niedermetzelte und später auch zwei neugierige Touristenlümmel spurlos verschwanden, gilt es verflucht.

Prompt wollen die Girls eine spannende Gruselnacht in dem alten Haus verbringen. Zuvor langweilen sie den Zuschauer jedoch bis zur Weißglut, indem sie wahlweise im Pool plantschen oder sich um den örtlichen Jungbullen Ranken raufen, den die Neugier und die Hormone in die Runde unserer stets spärlich bekleideten Schönheiten lockten.

Das gilt auch für den geilen örtlichen Tankstellenbesitzer Walter und seinen geistig zurückgebliebenen Mechaniker Caleb, die gern auf dem Grundstück umherschleichen und einen Blick riskieren. Allerdings ahnen sie nicht, dass ein unbekannter Irrer mit Hammer und Riesenspritze naht, um nahtlos an die Traditionen des Rue-Hauses anzuschließen …

Abstieg in den Folterkeller der Filmwirtschaft

„Nach einer wahren Begebenheit“ soll „A Brush with Death“ entstanden sein; falls damit die nur zu reale Unfähigkeit aller an diesem Machwerk Beteiligten gemeint ist, muss dieser Aussage unbedingt zugestimmt werden. Von einem Slasher erwartet der Zuschauer eigentlich nicht viel außer knackigen Morden und knalligen Boys & Girls; es kann gern auch umgekehrt kommen. Dann braucht es nur noch ein spukiges Ambiente und einen verrückten, möglichst grässlich verunstalteten Killer, der mit unkonventionellen Mordinstrumenten grob aber einfallsreich zu Werke geht.

Tritt man so weit zurück, dass die Details weitgehend verschwimmen (wobei das flaue, kontrastschwache Filmbild hilfreich ist), weist „A Brush of Death“ diese Grundelemente auf. Sie in ihrer geringen Zahl in unterhaltsame Bilder umzusetzen, sollte auch einem weniger begabten Filmemacher möglich sein. In diesem Zusammenhang darf man freilich nicht vergessen, dass es noch die Kaste der hoffnungslos Unfähigen gibt – und der sind sowohl Brad als auch Jordan Wiebe (der Grad ihrer Verwandtschaft ließ sich nicht ermitteln) definitiv angehörig.

Wieso sind es viel zu oft die Wiebes dieser Welt, die über die Energie verfügen, ihre kruden Filmträume Wirklichkeit werden zu lassen? Noch wichtiger: Warum genügt es ihnen nicht, in einer Scheune jenes Nestes, dem sie offenbar entsprangen, ein Bettlaken als Leinwand aufzuspannen, um ihre Nachbarn und andere Rednecks mit dem Ergebnis eines kameraaktiv verbrachten Wochenendes zu erfreuen? Und schließlich: Wieso sind es immer wieder die Freunde des Gruselfilms, die mit solchem Unfug heimgesucht werden?

Perfektion des Unzumutbaren

Rein gar nichts funktioniert in „A Brush with Death“. Die simple Story reicht nur von A nach B und wird trotzdem unerhört lahm entwickelt. 80 Minuten (aber ebensoviele gefühlte Stunden) dauert dieser Film, weshalb eine zügig durchgezogene Handlung sowohl möglich als auch Pflicht sein sollte. Stattdessen geht eine volle Stunde mit Leerlauf dahin. Eine falsche Mordspur wird so ungeschickt gelegt, dass sich die wenigen nicht eingenickten Zuschauer mit Grausen winden. Dann folgen endlose Szenen mit fünf Darstellerinnen, die offenbar unter einer akuten Textilallergie leiden und nur Bikinis oder Unterwäsche auf ihrer Haut ertragen. Andererseits haben die Wiebes sie genau deshalb engagiert, und wenn sie sich am Pool aalen, versuchen sie wenigstens nicht zu schauspielern. (Dazu weiter unten deutlich mehr.)

Wer munkelt nun durch das finstere Rue-Haus? Diverse Verdächtige werden uns plump vorgeführt, der tatsächliche Finsterling wird jedoch schließlich aus dem Hut gezogen. Sein ‚Motiv‘ für exzessives Meucheln ist ein Kindheitstrauma, das natürlich ebenfalls aufgerollt wird – in schwarzweißen Bildern, damit das Publikum merkt, dass exakt dieselben Kulissen nunmehr die 1950er Jahre repräsentieren sollen.

Auch ein mieser Slasher kann mit perfiden Morden punkten. Überrascht es, dass „A Brush with Death“ auch in dieser Beziehung völlig versagt? Für anständige Spezialeffekte war eindeutig kein Geld da. Wenn Hammerschläge Opferschädel nur im Off spalten, versöhnt das nicht mit einem auch sonst jämmerlichen Film, der dreist als „uncut edition“ vermarktet wird. Wieso die deutsche FSK den blutarmen Streifen erst ab 18 Jahren freigab, kann jedenfalls nur als Versuch erklärt werden, zumindest die noch formbare Jugend vor diesem Werk der Verdummung zu schützen.

Diese Kritik schließt übrigens die deutsche Fassung ausdrücklich ein. ‚Synchronisiert‘ wurde „A Brush with Death“ ohrenscheinlich von Sprechern, die in Studionähe auf den letzten Nachtbus warteten und als Gruppe vom Fleck weg engagiert wurden. Ständige Verzerrungen des ohnehin kümmerlichen Bildes (s. o.) lassen außerdem den Verdacht aufkommen, dass hier ein schnödes Letterbox-Originalbild im Format 1 : 1,33 künstlich gestaucht und in die Breite gezogen wurde.

Zombies müssen nicht tot sein!

Angesichts der bisher beklagten Mängel kann die Leistung der angeheuerten Darsteller nur das Prädikat „kongenial“ tragen. Für billige (d. h. kostengünstige UND miese) Horrorfilme werden selten richtige Schauspieler oder höchstens Mimen in akuter Finanznot eingesetzt. Die Wiebes mieden Schauspieleragenturen gänzlich. Sie casteten … ja, wo und wen? Die Antwort auf diese Fragen bleibt dunkel. Hingen Regisseur und Drehbuchautor Zettel in einer Provinz-Universität aus? Oder in einem „McDonald’s“? Wurde jugendlichen Delinquenten Strafnachlass angeboten, wenn sie in diesem Film mitspielten?

Die Wucht der kollektiven Untauglichkeit ist ebenso eindrucksvoll wie bestürzend. JEDER Darsteller ist unabhängig von Alter und Geschlecht ein Totalausfall. Sollten unsere Chearleader-Grazien von Ruhm & Reichtum träumen, wird ihr Erwachen böse ausfallen. Selten sah man gleich fünf Objekte männlicher Begierde so hölzern durch eine Filmhandlung stolpern. Ihr Tod könnte gar nicht grausam genug sein, um das halbwegs auszugleichen. Weit in den Schatten stellt sie freilich Ted Esquivel als schmerbäuchiger Tankwart Walter, der akute Geilheit in Anwesenheit von Frauen dadurch ausdrückt, dass er sich – vom Kameramann durch Großaufnahmen unterstützt – pausenlos mit weit ausgefahrener Zunge die Lippen leckt.

Damit soll es genug sein. Mit „A Brush with Dead“ ist den Wiebes nicht der erträumte Durchbruch in Hollywood gelungen. Weltweit haben sogar anspruchsarme Horror-Allesfresser dieses Machwerk mit Hohn & Spott übergossen. Dem sollten auch wir uns anschließen – und unbedingt im Hinterkopf behalten, dass die Wiebes 2010 als Produzenten eines Streifens wiederkehren, der den schönen Titel „Tagus Ranch Massacre“ trägt und in dem gleich vier Darstellerinnen aus dem „Brush“-Desaster ihren Amoklauf gegen die Schauspielerkunst fortsetzen!

DVD-Features

Extras wurden dieser DVD nicht aufgebrannt. Man muss sich nur einen Trailer anschauen, der trotz aller Bemühungen die Minus-Qualität des Hauptfilms nicht vertuschen kann.

[md]

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