A Chinese Ghost Story – Die Dämonenkrieger

Originaltitel: Sien nui yau wan (Hongkong/China 2011)
Regie: Wilson Yip
Drehbuch: Cheung Tan
Kamera: Arthur Wong
Schnitt: Cheung Ka-fai
Musik: Ronald Ng
Darsteller: Louis Koo (Yan Chi-ha), Liu Yifei (Nip Siu-sin), Yu Shaoqun (Ning Choi-san), Kara Hui (Baum-Dämonin), Louis Fan (Ha Suet Fung Lui), Wang Danyi Li (Ha Bing), Elvis Tsui (Dorfvorsteher), Gong Xinliang (Grüne Schlange), Lin Peng (Weiße Schlange), Li Jing (Ti Nga) u. a.
Label/Vertrieb: KSM/Krause & Schneider Multimedia
Erscheinungsdatum: 15.10.2012
EAN: 4260261437793 (DVD)/4260261437809 (Blu-ray)/4260261437816 (Blu-ray/3D)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Mandarin)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 12

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Das geschieht:

Vor vielen Jahren hat Yan Chi-ha als Dämonen-Jäger schmählich versagt, als er die schöne Dämonen-Frau Nip Siu-Sin nicht tötete, sondern schonte, weil er sich in sie verliebt hatte; sein Meister verfluchte ihn dafür, und der gedemütigte Yan zog sich in die Schwarzen Berge zurück, wo er aus der Ferne über seine Geliebte wacht.

Siu-Sin hat ihn vergessen, wofür Yan auf magische Weise gesorgt hatte, denn Dämonen und Menschen dürfen nicht zusammenleben. Ahnungslos dient Siu-Sin deshalb ausgerechnet der bösen Baum-Dämonin, die Yan und sein Meister einst in die Unterwelt verbannt hatten. Von ihren Dienerinnen lässt sie sich Menschen zutreiben, denen sie die Lebenskraft aussaugt. Bald wird sie stark genug sein, den Bann zu brechen und in die Welt zurückzukehren, wo sie sich an ihren Bezwingern rächen will.

Am Fuß der Schwarzen Berge liegt ein kleines Dorf. Der Dorfbrunnen ist versiegt, weshalb der Dorfälteste die ferne Kreisverwaltung um Hilfe bat. Man schickt den jungen Beamten Ning Choi-san, der verspricht, eine neue Quelle zu finden. Dass es in den Bergen spukt, verschweigt man ihm vorsichtshalber. Choi-san findet es selbst heraus, als er während seiner Suche in einem alten Tempel Zuflucht sucht und von Siu-Sin attackiert wird. Als sie die Unschuld des jungen Mannes erkennt, verliebt sie sich und will ihn vor ihren bösartigen ‚Schwestern‘ verbergen.

Von den aktuellen Spuk-Aktivitäten in dem Tempel hat auch Yans Meister erfahren. Mit seiner Schwester will er den dort hausenden Dämonen endgültig den Garaus machen.  Choi-san und der von Eifersucht geplagte Yan stellen sich ihnen in den Weg, denn auch Siu-Sin soll sterben. Während die Menschen streiten, kann die Baum-Dämonin ihr Joch abwerfen. Erfreut sieht sie alle ihre Feinde in ihrer Nähe und setzt zu ihrer Vernichtung an …

Irgendwann kommen sie alle wieder

Selbstverständlich war es nur eine Frage der Zeit: 1987 entstand unter der Regie von Ching Siu-Tung und in der damaligen britischen Kronkolonie Hongkong der Film „A Chinese Ghost Story“. Er konfrontierte seine Zuschauer mit einem asiatischen Kino, in dem nicht wie Bruce-Lee-Klone Bösewichte mit Hand- und Fußkanten niederstreckten und dabei im Falsett kreischten. Stattdessen erzählte Ching eine Geistergeschichte, die Phantastik und Action auf ebenso poetische wie sinnliche Weise mischte. Diese „Wuxia“ genannte Verbindung faszinierte nicht nur das asiatische Publikum, sondern erregte auch im Westen Interesse. „A Chinese Ghost Story“ wurde ein Kultfilm, was die üblichen Folgen – u. a. zwei ‚offizielle‘ Fortsetzungen sowie unzählige, mehr oder weniger kaschierte Kopien – nach sich zog.

Da das Kino eine kannibalische Neigung besitzt, während die kreative Ader deutlich schwächer ausgeprägt ist, richteten sich mit dem Verstreichen der Jahre begehrliche Blicke auf den Stoff. Hinzu kam eine günstige Ausrede: „A Chinese Ghost Story“ basiert auf dem „Liaozhai Zhiyi“ des chinesischen Schriftstellers Pu Songling (1640-1715). Dieser sammelte insgesamt 431 „Seltsame Geschichten aus einem Gelehrtenzimmer“. Somit konnte eine neue Verfilmung nicht als Remake, sondern als Neu-Interpretation des Originals verkauft werden.

Der skeptische weil vielfach geprüfte Zuschauer lässt sich von solchen Tricks freilich nicht verwirren. In der Tat enthüllt der klare Blick auf die 2011 realisierte, ‚neue‘ „Chinese Ghost Story“ viel Bekanntes, das von unklug dazu Gedichtetem weniger bereichert als geschwächt wird.

Bauch-Kino mit Köpfchen

So gibt es nun eine Vorgeschichte, die man 1987 keineswegs vermisst hatte: Dämonen-Jäger Yan verbindet eine tragische Alt-Liebe mit der schönen Dämonen-Frau Siu-Sin. Daraus resultiert eine Dreiecksbeziehung, die ohne dramatische Wirkung bleibt, da Yan als Ehrenmann kein Wort über die immer noch schwelende Zuneigung verliert, Choi-san nichts von der Eifersucht des schweigsamen Rivalen weiß und Siu-Sin ebenfalls ahnungslos ist. Erst im großen Finale kehrt ihre Erinnerung zurück – und verdirbt einen Moment, der ihr und Choi-san allein gehören sollte.

Generell blieb der Film von 1987 auch deshalb so stark im kollektiven Gedächtnis, weil er nicht die asiatische Kriegskunst in den Vordergrund stellte, sondern der seltsamen Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer Dämonen-Frau viel Spielraum gab, der von den Darstellern Leslie Cheung (Choi-san) und Joey Wong (Siu-Sin) kongenial genutzt wurde. Schwertkämpfer Yin gab den ruppigen aber weisen Mentor und war in dieser zweiten Haupt- bzw. ersten Nebenrolle ausgezeichnet aufgehoben.

Hinzu kam eine Tricktechnik, die nicht nur aufgrund der zeitgenössischen Standards, sondern auch aufgrund des begrenzten Budgets gänzlich analog oder besser ausgedrückt: handgemacht blieb. Perfektion wurde durch Einfallsreichtum ersetzt. Die in der Kamera verfremdeten, schräg gekippten, kunstvoll verzerrten Bilder wurden stilbildend. (Arthur Wong griff sie für das Remake effektvoll auf.) Vor allem die in der Hölle spielenden Szenen – die für die Neu-Version gestrichen wurden – schlagen in ihrer kunterbunten Exotik, die sich um Realismus buchstäblich einen Teufel schert, noch heute in ihren Bann. Sogar eine grandios schräge Gesangseinlage des Schwertmeisters fällt keineswegs störend aus dem Rahmen.

„Mehr“ bedeutet nicht „besser“

Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts konzentriert sich die Neufassung vor allem auf die Tricks. Sie sind nun digitaler Herkunft, denn das Budget für „Die Dämonenkrieger“ ist nicht nur inflationsbedingt deutlich höher als 1987. West-Geld floss in die Produktion, die man deshalb so inszenierte, dass sie möglichst einem weltweiten Publikum gefiel. Wie üblich mündete das Bemühen um den größten gemeinsamen Nenner in ein Ergebnis, das weder Fisch noch Fleisch ist.

So bleibt der sachte aber 1987 durchaus deutliche erotische Aspekt des Geschehens ausgespart. Auch möglichst junge Zuschauer sollten ihr Geld an den Kinokassen lassen, was in den USA der Gegenwart die völlige Abwesenheit entsprechender Reiz-Signale erfordert. Choi-san und Siu-sin albern deshalb eher keimfrei miteinander und tauschen Karamellen statt Küsse.

Die Tricks sind wie gesagt digital aber kaum einen Deut besser als 1987. Damals wirbelten die Darsteller an dünnen Drähten durch die Luft, was ein rasanter Schnitt meist verbergen konnte. 2011 ist das Auge des Zuschauers bereits so an die digitale Technik gewöhnt, dass es sofort erfasst, wenn ein Darsteller sich plötzlich in Bits & Bytes verwandelt. Digitale Darsteller springen über Hausdächer, und durchbohrte Dämonen zerfallen zensurfreundlich in digitalen Staub.

Lautstark und actionhektisch geht es darüber hinaus dort zu, wo 1987 zwar keineswegs weniger turbulent aber ideenreicher getrickst wurde. Das ‚muss‘ heute auch deshalb so sein, weil „Die Dämonenkrieger“ in modischer Dreidimensionalität erstrahlen. Wie üblich fliegt den brillenbewehrten Zuschauern allerlei spitzes Zeug um die Ohren, wobei die Effektintensität die Dürre der Drehbuchvorlage nicht wirklich verschleiern soll. (Weshalb dieser Rezensent sich u. a. die Frage stellt, wer denn die im – freilich nur deutschen – Untertitel genannten „Dämonenkrieger“ sind; es treten definitiv nur Dämonen und Dämonenjäger auf.)

Grimassieren, bis die Gesichtsmuskeln reißen

Besonders kritische Zuschauer werfen den „Dämonenkriegern“ auch eine Hauptrollenbesetzung mit schauspielerischen Leichtgewichten vor. Leslie Cheung, Joey Wong und Ma Wu werden vergöttert, Yu Shaoqun, Liu Yifei und Louis Koo verdammt. Dabei wird offensichtlich der direkte Vergleich vermieden. Er würde zeigen, dass es in asiatischen Filmen praktisch unmöglich ist, darstellerische Leistungen adäquat zu beurteilen. Einmal mehr klafft zwischen dem, was in den Kinos des Westens bzw. (Fernen) Ostens als solche definiert werden, ein unüberwindlicher Spalt.

Im asiatischen Film werden Gefühle nicht ausgedrückt, sondern zelebriert. Dabei wird mit einer Intensität übertrieben, die nicht nur irritiert, sondern zum Fremdschämen geradezu auffordert. Rollen werden ausdrücklich geschaffen, damit man sich über sie amüsieren kann: Hier ist es vor allem der Dorftrottel Ti Nga, der bereits optisch als Dummkopf, Großmaul und Feigling grobgezeichnet wird. Die Dorfbevölkerung ist ein gehirn- und gesichtsloser Chor, der kollektiv in Angst oder Wut ausbricht. Selbst Ning Choi-sans sympathisch gemeinte Naivität erreicht ein schwer erträgliches Maß; faktisch ist er ein Trottel. Die andere, keineswegs hellere Seite der Medaille repräsentiert Yan Chi-ha. Er ist der tragische, verzichtende Held, posiert, starrt dramatisch ins Leere, leidet schweigend aber niemals ohne sich dessen bewusst zu sein.

Allerdings war dies im Film von 1987 ebenso oder sogar schlimmer. Die 2011 einfließende ‚Verwestlichung‘ erzwingt einen zwar manchmal dünnen aber zumindest durchgängigen roten Charakterfaden, während man beim Anschauen der Vorlage ob der motivlosen Sprunghaftigkeit der Darsteller im Denken und Handeln ihrer Rollen oft ratlos zurückbleibt.

Der Sog der Vorlage

Wie fiele das Urteil über „Die Dämonenkrieger“ aus, wenn es die „Chinese Ghost Story“ von 1987 nicht gäbe? Mit hoher Wahrscheinlichkeit freundlicher, denn dies ist kein schlechter Film, während die Vorlage an vielen Stellen ihr Alter nicht verhehlen kann. Der Vergleich fällt dennoch zu Ungunsten des Remakes aus, weil es jene Stimmung nicht heraufbeschwören kann, die der alten Fassung ungeachtet ihrer Mängel innewohnt.

Dabei stellt sich die Frage, ob „A Chinese Ghost Story“ nicht auch deshalb zum ‚echten‘; d. h. nicht multimedial und marketingtaktisch gehypten Kult wurde, weil dies 1987 der richtige Film zur rechten Zeit war. Zu bedenken ist der bereits angesprochene, nüchterne und ernüchternde Blick auf den Klassiker. Er gewinnt den Wettlauf mit dem Remake vor allem in der Erinnerung des Zuschauers.

Auf eine Fortsetzung sollte man jedenfalls nicht allzu intensiv warten. „Die Dämonenkrieger“ erregten weder in Asien noch im Westen besondere Begeisterung, was sich in den Einnahmen niederschlug. Das ist schade, denn es steckt eindeutig Potenzial in der Geschichte – auch in ihrer ‚runderneuerten‘ Version.

DVD-Features

Die Reichhaltigkeit der Extras spiegelt noch die Hoffnung auf bessere Einnahmen aus dem Video-Geschäft wider. Der O-Ton wurde sogar deutsch untertitelt, was keineswegs selbstverständlich ist; viele Labels scheinen davon auszugehen, dass der deutsche Zuschauer Mandarin-Chinesisch beherrscht.

Zu einem 40-minütigen Blick hinter die Kulissen kommen diverse Features. Das „Making of“ fällt mit gerade sechs Minuten schäbig kurz aus. Wesentlich ausführlicher widmet man sich den Spezialeffekten, was viel über die Intention dieses Remakes aussagt. Ganz andere Töne schlägt buchstäblich ein Musikvideo an: Sängerin Lin Peng drückt gnadenlos auf die Schmalzdüse, während kurze, auf die Liebesszenen konzentrierte Bildfolgen aus dem Film eingeschnitten werden.

Weil noch Speicherplatz auf der DVD blieb, spielte man eine Bildergalerie (20 Fotos) auf.

[md]

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