A Christmas Horror Story

Originaltitel: A Christmas Horror Story (Kanada 2015)
Regie: Grant Harvey, Steven Hoban u. Brett Sullivan
Drehbuch: Jason Filiatrault, James Kee, Sarah Larsen, Doug Taylor u. Pascal Trottier
Kamera: Gavin Smith
Schnitt: Brett Sullivan u. D. Gillian Truster
Musik: Alex Khaskin
Darsteller: George Buza (Santa), Adrian Holmes (Scott Peters), Olunike Adeliyi (Kim Peters), Orion John (Will Peters), Zoé De Grand Maison (Molly Simon), Shannon Kook (Dylan), Alex Ozerov (Ben), Jessica Clement (Grace), Amy Forsyth (Caprice Bauer), Percy Hynes White (Duncan Bauer), Debra McCabe (Marta Claus), Jeff Clarke (Taylor Bauer), Michelle Nolden (Diane Bauer), Alan C. Peterson (Big Earl), Corinne Conley (Tante Edda), Julian Richings (Gerhardt), Rob Archer (Krampus), William Shatner („Dangerous“ Dan) u. a.
Label: Entertainment One
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 27.11.2015
EAN: 4250148709785 (DVD)/4250148709792 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Holländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 95 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

In der kleinen Stadt Bailey Downs schiebt Radiomoderator-Veteran „Dangerous“ Dan seine übliche Heiligabend-Doppelschicht. Während er plaudert und rührselige Weihnachtsklassiker spielt, spielen sich außerhalb des Studios vier Festtagsdramen ab:

– Molly, Dylan und Ben brechen in die ferienleere Schule ein. Hier wurden im Vorjahr zwei Teenies grausam ermordet, was als Thema für ein Dokumentationsprojekt dient, das mit Vor-Ort-Aufnahmen aufgepeppt werden soll. Die drei Schüler geraten in den Keller, werden dort eingeschlossen und müssen feststellen, dass sie in den Bann der toten Grace geraten sind, die hier einst grausam zu Tode kam und als Geist eine Wiedergutmachung der bizarren Art fordert.

– Polizist Scott Peters schleicht mit Gattin Kim und Söhnchen Will in einen Wald, um einen Christbaum zu stehlen. Will verirrt sich dabei im Unterholz. Als die besorgten Eltern ihn wiedergefunden haben, wirkt ihr Kind seltsam verändert. Daheim legt Will unheimliches Verhalten an den Tag, wird extrem aggressiv und gefährlich. Nur mühsam ringt sich Kim zu der Erkenntnis durch, dass sich ein Wechselbalg – ein Troll, der die Gestalt seiner Kinderopfer annehmen kann – eingenistet hat.

– Familie Bauer – Vater, Mutter, Tochter, Sohn – macht sich schlecht gelaunt zur reichen Tante Edda auf, die sie umgehend aus dem Haus jagt. Auf der Rückfahrt bleibt der Wagen liegen. Im winterlichen Nachtwald werden die Bauers zum Jagdwild des Weihnachts-Dämons Krampus, der jede böse Tat mit einem grausamen Tod bestraft.

– In der Weihnachts-Werkstatt am Nordpol verwandelt ein Fluch die Elfen-Arbeiter in blutrünstige Zombies. Statt auf seinem Schlitten die Kinder der Welt zu bescheren, muss Santa Claus seinen Krummstab schärfen, um im blutigen Nahkampf gegen die Untoten die Oberhand zu behalten.

Gegen das Diktat der Besinnlichkeit

Weihnachten gilt als „Fest der Liebe“. Christlich-fromme Zeitgenossen sind darüber hinaus fest davon überzeugt, dass am 25. Dezember Jesus Christus in einer Stallkrippe zu Bethlehem, Israel, zur Welt gekommen ist. Dies wird seit Jahrhunderten gefeiert, wobei die religiös-kirchlichen Zeremonien spätestens in der Neuzeit durch den Brauch ergänzt wurden, einander zu beschenken. Ansonsten treffen sich Familienmitglieder und Freunde und bemühen sich, besinnliche Rückschau auf das Jahr zu halten oder wenigstens friedlich miteinander auszukommen.

Vor allem in Zeiten ohne Fernsehen und Internet war es wichtig, für entsprechende Unterhaltungs- und Ablenkungsmethoden zu sorgen, denn seit jeher sorgt die Kombination Familie plus Harmonie (plus Alkohol) für ein explosives Umfeld. Zur Entschärfung dieses Minenfelds sind (fast) alle Mittel recht; nur Sex fällt aus. Gewalt und Horror sind dagegen möglich. Sie entsprechen sogar dem Geist der Weihnacht, ist dieses Fest doch bei näherer Betrachtung der übliche Mischmasch aus kirchlicher Choreografie und vorchristlicher (früher durfte man ‚heidnisch‘ sagen) Tradition, die unter Verschleierung ihrer Wurzeln pragmatisch übernommen wurde.

So ist der „Krampus“, der in „A Christmas Horror Story“ sein Unwesen treibt, im südlichen Europa womöglich schon in keltischer Vorzeit als Naturgottheit verehrt worden, bevor er zum Knecht fürs Grobe in den Dienst des Weihnachtsmanns gezwungen wurde. Der ist wiederum ein Ableger des Hl. Nikolaus, den die frischgebackenen Protestanten nach der Reformation nicht mehr verehren mochten. „Santa“ hat sich als Repräsentant eines Weihnachtsfestes, in dem die Geschenke zentrale Bedeutung gewonnen haben, naturgemäß vor allem in den USA durchgesetzt, wo Nikolaus heute nichts mehr zu melden hat.

Im Sog verordneter Festlichkeit

Der Titel ist eigentlich falsch: Die Regie-Trias Harvey, Hoban & Sullivan erzählt keineswegs „A Christmas Horror Story“. Tatsächlich präsentieren sie uns vier Geschichten, von denen eine sogar einen final aufgelösten Subtext besitzt. Anthologie-Filme sind im Horror-Genre keine Seltenheit. Es gab sie schon und vor allem in der Zeit vor dem Fernsehen, das dem Publikum problemlos kurze Geschichten bieten kann, während es im Kino für sein Eintrittsgeld mindesten anderthalb Stunden bespaßt werden will.

Im Rahmen des Weihnachtsfestes greifen Anthologien auf eine altehrwürdige Tradition zurück: Zu Gaslicht-Zeiten erzählten sich festlich versammelte Gesellschaften Geistergeschichten. Diese folgten natürlich aufeinander, während der Film an diese Formalregel nicht gebunden ist. Harvey, Hoban & Sullivan verzwirbeln deshalb ihre Geschichten, indem sie Verknüpfungen zwischen Orten und Figuren herstellen. So ist es Caprice Bauer, die ihren Freunden Molly, Ben und Dylan die Schlüssel zur Mord-Schule verschafft. Scott Peters war es, der im Vorjahr die Leichen der hingeschlachteten Teenies entdeckte. Krampus heizt erst den Bauers ein und taucht schließlich am Nordpol auf, um Santa zu attackieren.

Die verbindende Klammer kam erst nachträglich hinzu: „A Christmas Horror Story“ war bereits abgedreht, als sich der Kontakt zu William Shatner ergab. Ein bekannter Name konnte dem sparsam budgetierten Werk sicherlich helfen. Also entstand „Dangerous“ Dan, der in Weihnachtssentimentalität schwelgt, sich dabei langsam volllaufen lässt und schließlich mit einer Festtagstragödie konfrontiert wird. Shatner ist ein wesentlich besserer Schauspieler, als ihm seine Kritiker oft zugestehen möchten. Außerdem ist er ein Profi mit mehr als sechs Jahrzehnten Berufserfahrung. Aus seiner kleinen Rolle macht Shatner ein Kabinettstück, das man mit Freude verfolgt (und das er in den Abspann verlängert).

Reue kommt zu spät oder nützt ohnehin nichts

Dieses Weihnachten kommt nicht nur rabiat, sondern auch schwarzhumorig daher. Üblicherweise liegt die größte Gefahr darin, als ‚ungehorsamer‘ Zeitgenosse meist kindlichen Alters von Santa bzw. Krampus eins mit der Rute übergezogen zu bekommen. Harvey, Hoban & Sullivan gehen deutlich weiter. Hier fliegen buchstäblich die Fetzen, und Reue oder Unwissenheit gelten keineswegs als Gründe, von hässlichen Toden verschont zu werden.

Folgerichtig ist der Bodycount beträchtlich. Nur wenige der recht zahlreichen Figuren erleben das Weihnachtsfest lebendig. Sie haben es sich einerseits selbst zuzuschreiben, während das Strafmaß für die begangenen Übeltaten andererseits sehr archaisch wirkt: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Erstaunlich ist dabei die Langmut der (deutschen) Zensur. Obwohl Gliedmaßen und Köpfe in Serie und blickdeutlich gekappt werden, blieb „A Christmas Horror Story“ von der Schere verschont. Liegt es daran, dass die Austilgung von Weihnachtselfen, die zudem Zombies geworden sind, nicht der Verrohung jugendlicher Zuschauer verdächtig ist?

Leider kann nicht jede Geschichte für Spannung und Schrecken sorgen. Vor allem die Begegnung mit dem Geist (aus) der Schule besitzt wenig Berührungspunkte zum Thema Weihnachten; diese werden behauptet sowie einer Story aufgeprägt, die einfach zu bekannt ist und ohne Überraschungen serviert wird, welche über die üblichen „Buh!“-Effekte hinausgehen. Nur marginal fesselnder ist trotz der guten Darsteller die Geschichte vom Wechselbalg, der seine Gasteltern terrorisiert. Die düstere Stimmung wird durch ein schmalziges Finale konterkariert.

Vom Zügel befreites Grauen

Spaß bereiten jene beiden Episoden, in denen dem bösen Weihnachtsaffen tüchtig Zucker gegeben wird. Obwohl eindeutig ein Schauspieler den eisbärweißen Krampus verkörpert, ist die Maske gelungen. Sie beweist darüber hinaus, dass gute, alte, handgemachte Effekte sich in der digitalen Wunderwelt weiterhin behaupten können.

Ohne Einschränkungen zu empfehlen ist Santas Krieg gegen seine Elfen. Mit George Buza fanden die Regisseure den idealen Santa als Mischung: ein dicker Gemütsmensch und vorchristlicher Krieger, der keine Gefangenen macht und ebenso hart austeilen wie einstecken kann. Die Werkstatt am Nordpol ist keineswegs die erwartete Festung festlichen Kitsches, sondern eine düstere, industriell anmutende Anlage, in der die Produktion straff organisiert abläuft. Diese Assoziation ist wichtig, da die Santa-Episode einen doppelten Boden besitzt, der einen wirklich grausigen weil realistischen Schrecken offenbart.

In seiner Gesamtheit ist „A Christmas Horror Story“ als glühweinfreies Festtags-Kontrastprogramm trotz aller Einwände tauglich. Das schon erwähnte Minimal-Budget forderte einerseits den Einfallsreichtum eines fünfköpfigen Drehbuch-Teams, während andererseits Kameramann Gavin Smith gerade in diversen Außenaufnahmen geschickt mit Licht und Schatten zauberte. Zumindest optisch wirkt dieser Film nie ärmlich, und inhaltlich hat man ebenfalls mehr richtig als falsch gemacht. Für Genre-Nerds gibt es ein Zuckerstückchen: Die Bürger von Bailey Downs sind auch außerhalb der Weihnachtszeit Kummer gewohnt. Hier trieben u. a. die Schwestern Ginger und Brigitte Fitzgerald als weibliche Werwölfe ihr Unwesen („Ginger Snaps“ 1-3, 2000/2004/2004) ihr Unwesen.

DVD-Features

Als Extra gibt es einen fünfzehnminütigen, deutsch untertitelten Blick „Hinter den Kulissen“, in dem sich Information und Werbung jederzeit mischen.

Kurzinfo für Ungeduldige: Vier grausige Weihnachtsgeschichten um eher unheilige Kreaturen (Rachegeist, Wechselbalg, Dämon, Zombie), die drei unglücklichen Familien und Santa Claus persönlich und mörderisch zu Leibe rücken; im Hintergrund spielt William Shatner Feiertagsmusik … – Anthologie mit vier nicht hintereinander sondern parallel ablaufenden Gruselhandlungen; inhaltlich überraschungsarm aber gut besetzt und mit zum recht rabiaten Splatter-Effekten: brauchbares Feiertags-Kontrastprogramm.

[md]

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