A Little Bit Zombie

Originaltitel: A Little Bit Zombie (Kanada 2012)
Regie: Casey Walker
Drehbuch: Trevor Martin u. Christopher Bond
Kamera: Kevin C. W. Wong
Schnitt: Michael P. Mason
Musik: Antoine Binette Mercier
Darsteller: Kristopher Turner (Steve), Crystal Lowe (Tina), Shawn Roberts (Craig), Kristen Hager (Sarah), Stephen McHattie (Max), Emilie Ullerup (Penelope), George Buza (Capt’n Cletus), Robert Maillet (Terry „Terror“ Thompkins) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 26.03.2013
EAN: 7613059802735 (DVD)/7613059402737 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min. (Blu-ray: 88 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Um Schwester Sarah mit seiner Braut Tina zu versöhnen, hat Steve zu einem gemeinsamen Wochenende in einem hübschen aber abgelegenen Ferienhaus eingeladen. Mit an Bord ist Steves von Intelligenz gemiedener Kumpel Craig, der gleichzeitig sein Schwager ist. Der Ausflug entwickelt sich kontraproduktiv, die beiden Frauen verleihen ihrer gegenseitigen Abneigung bald mit den Fäusten Ausdruck.

An anderer Stelle des Ferienwaldes gehen Max und Penelope ihrem selbstgewählten Job nach: Sie suchen und töten Zombies, die offenbar völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit ihr Unwesen treiben. Eine Mücke, die das Blut eines Zombies gesaugt hat, sticht später Steve und infiziert ihn. Schon in der Nacht beginnen Steve Träume von saftigem Hirn zu plagen.

Am nächsten Morgen beginnen sich die Anzeichen auf den sich ausbreitenden Untod zu konkretisieren. Nach einigen grotesken Vorfällen müssen auch Braut, Schwester und Schwager zugeben, dass mit Steve etwas nicht stimmt. Dank einschlägiger Fachliteratur recherchiert man, dass tierisches Hirn ihn nicht sättigen wird. Nur Menschhirn frisch aus dem Schädel kann Steves Magen verarbeiten.

Nach ausgiebiger Beratung kommt die Gruppe zu dem Schluss, dass eine Familie zusammenhalten muss. Vor allem Tina gedenkt nicht auf die bevorstehende Hochzeit zu verzichten. Also wollen sie und Sarah, einen möglichst widerlichen Zeitgenossen in den Keller des Ferienhauses locken, wo Steve ihm den Rest geben und sein Hirn fressen soll.

Allerdings ist Steve deutlich skrupulöser als seine Begleiter. Tatsächlich kann er keiner Fliege etwas zuleide tun. Dummerweise geht den Frauen ausgerechnet Terry „Terror“ Thompkins, ein örtlicher Höhlenmensch und Schläger, ins Netz, aus dem er sich im denkbar ungünstigsten Moment befreien kann, während draußen die Zombie-Jäger vorfahren …

Untote Sachen zum hohlen Lachen

An dieser Stelle hat der Rezensent schon oft über den Humor philosophiert. Er ist ein begehrtes aber flüchtiges Gut, das zudem zur Mutation neigt: Was auf dem Papier wahnsinnig witzig klingt, sorgt als Film nicht selten dafür, dass sich das Publikum kollektiv vor Abscheu windet. Humor ist außerdem intolerant; er belohnt nicht den guten Willen, sondern will umworben werden. Alternativ versuchen ungeduldige Possenreißer ihn zu überwältigen und in ihren Dienst zu zwingen. Das Ergebnis sind Filme wie „A Little Bit Zombie“.

Nicht die Ausgangssituation ist das Problem: Die Idee vom Zombie wider Willen, der sich mit seiner Natur erst anfreunden muss, ist alt aber weiterhin brauchbar. Selbst in der Wiederholung funktionieren schwarzhumorige Gags, die sich um die Befriedigung kannibalischer Genüsse oder den fäulnisbedingten Verlust von Körperteilen drehen. In der Regel gilt es, genau solche verräterischen Anzeichen verborgen zu halten, denn der intelligent gebliebene Zombie will Teil der Gesellschaft bleiben. Deshalb hat er auch Freunde, die ihm helfen wollen und damit die komödiantische Verwirrung noch steigern.

Aus genau diesen Elementen wurde „A Little Bit Zombie“ zusammengebraut. Dabei verzichteten Drehbuch und Regie absichtlich oder unwissentlich auf jede Chance, das Rezept ein wenig aufzupeppen. „A Little Bit Zombie“ ist daher angesichts des Themas eine unangemessen zahme oder besser: zahnlose Komödie, die niemals auch nur den Versuch unternimmt, Bekanntes ein wenig gegen den Strich zu bürsten. Doch Zombies sollten auch beißen & faulen, wenn sie lustig auftreten, denn sonst sind sie keine Zombies, sondern nur langweilig.

Witze reißen mit leeren Taschen

Offensichtlich sollte „A Little Bit Zombie“ möglichst jugendfrei und damit einträglicher zu vermarkten sein. Einschlägige Blut- und Ekeleffekte fehlen deshalb beinahe vollständig. Kommen sie – wie zwei oder drei Kopfschüsse – vor, sind sie so überzeichnet, dass sie eindeutig als Tricks erkennbar sind, was wiederum die Zensoren der Welt als Stilmittel der Ironie betrachten und durchgehen lassen. Ohnehin werden nur im Prolog einige ‚richtige‘ Zombies gekillt. Später fällt Steve noch ein Ohr ab: ‚Effekte‘ dieser Kategorie kennzeichnen nicht den geplanten amüsanten Film-Trash, sondern echten Abfall.

Oder lag es an einem vermutlich mikroskopisch kleinen Budget? Um seinen ersten Spielfilm zu finanzieren, versuchte sich Regisseur Casey Walker erfolgreich im „Crowd-Founding“. Er richtete eine Website, auf der er nicht nur die Werbetrommel für sein Projekt rührte, sondern auch Originalbilder des Films – der folgerichtig nicht digital gedreht wurde – verkaufte: Für 5$ pro Bild war der Fan dabei, um ein Erinnerungsstück reicher und berechtigt, namentlich im Nachspann aufzutauchen, der deshalb von epischer Länge ist. Anscheinend war kollektive Begeisterung ein Teil des Deals. Ein Teil der Kritik überschlägt sich jedenfalls und rühmt ein Meisterwerk des schrägen Humors. Selbstverständlich fällt das Als-ob-Prädikat „Kultfilm“.

Wer „A Little Bit Zombie“ unvoreingenommen betrachtet, urteilt wesentlich nüchterner: Hier hat jemand nicht viel gewagt. Das Ergebnis ist dementsprechend: witzig höchstens für schlichte Gemüter und formal gerade einmal handwerklich solide. Ideen, Tempo oder ein grundsätzliches Wissen um die Mechanismen der Filmkomik bleiben dagegen außen vor.

Die (scheinbar lustige) Kunst der Übertreibung

Sicherlich die traurigste Bankrotterklärung eines ‚Humoristen‘ stellt das Bemühen dar, dem Publikum zu signalisieren, wo es zu lachen hat. Grundsätzlich sollte es selbst entscheiden und erkennen dürfen, wenn die Gelegenheit günstig ist. Die Drehbuch-Autoren Trevor Martin und Christopher Bond ziehen es jedoch vor, die Zuschauer an die Hand zu nehmen. Regisseur Casey Walker ist strenger: Er legt sie an die Kette.

Die Darsteller müssen verdeutlichen, dass es ‚lustig‘ zugeht. Sämtlich wurden sie dazu gezwungen, nicht zu spielen, sondern zu chargieren. ‚Komischer‘ Gang und Grimassen-Schneidereien erinnern an den Slapstick der Stummfilm-Ära, der freilich schon damals von besseren Witzbolden präsentiert wurde. Die Gestik wurde dem Schmierentheater entlehnt, wo auf der Bühne so deutlich agiert werden muss, dass auch das Publikum auf den weit entfernten Stehplätzen weiß, was weiter vorn geschieht. Ein kümmerlicher, an das unmelodische Geschepper musikanimierter Grußkarten erinnernder Score markiert zusätzlich die ‚spaßigen‘ Stellen.

Niemand scheint Casey, Martin & Bond informiert zu haben, dass ihre Horror-Komödie auf diese Weise nicht witzig, sondern albern geraten würde. Dass dem Trio jegliches Gespür für Timing abgeht, kann keinen zusätzlichen Schaden mehr anrichten, bis es im völlig aus der Form geratenen Finale noch einmal schmerzlich auffällt.

Perlen von oder für die Säue

Die Schauspieler können einem leidtun. Walker hat keine No-Names angeheuert. Erst das Drehbuch zwingt sie, wie solche zu agieren. So ist es kein Wunder, dass unkomische Unlust dominiert. Das schließt den Veteranen Stephen McHattie ein, der inspirationsfrei jene Rolle parodiert, die er 2008 in „Pontypool – Radio Zombie“ gab. Er hat noch Glück, denn für den feuerspuckenden Max war solche Überzeichnung vorgesehen. Von allen guten Geistern verlassen bleiben dagegen die vier Hauptfiguren auf dem Schlachtfeld zurück. Kristopher Turner ist ein Tropf, für den man niemals Mitgefühl entwickeln kann. Er zeigt keinerlei Ecken oder Kanten und bietet lebendig wie untot eine durchweg trübselig stimmende weil fade Vorstellung: So etwa stellt man sich „Dr.-House“-Kumpan Wilson als Zombie vor!

Crystal Lowe mimt wieder einmal die unsympathische Zicke, behält aber dieses Mal die Bluse an; ihr üblicher Oben-ohne-Auftritt war im Budget wohl nicht vorgesehen. So bleibt nur der Ärger über eine ordnungs- und hochzeitswütige Tina, die ausschließlich nervt aber leider nicht gefressen wird. Kristen Hager scheint tatsächlich schauspielern zu wollen, während Shawn Roberts schon sehr früh jegliche Ambitionen einstellt und sich als dünnbiersaufender Bizeps-Prolet möglichst unauffällig dem Ende dieses Trauerspiels entgegentreiben lässt. Ähnlich verheizt wird die wunderbare Emilie Ullerup als eine Art Lara Croft für geistig Arme. Mit einer (nie erklärten) „Zombie-Ortungs-Kugel“ in der Hand und einer Nerd-Brille auf der Nase läuft sie einem Geschehen hinterher, in dem sie schlicht überflüssig ist.

Überhaupt rennt man meist künstlich aufgeregt herum, wobei der Zuschauer die kümmerlichen Kulissen – meist halten sich die Darsteller im Inneren einer schauerlich rustikalen Jagdhütte auf – viel zu gut kennenlernt. Man streitet, prügelt sich und dreht sich insgesamt im Kreis, ohne dass eine sinnvoll fortgesetzte Handlung dabei herauskommt. Stattdessen werden Seicht-Gags aneinandergereiht bzw. zu Tode geritten. In der deutschen Fassung sorgt die Synchronisation wie üblich für weiteren Verdruss, weil „lustig“ mit „hysterischem Gebrüll“ gleichgesetzt wird. Damit schließt sich der Kreis zur Schlinge, die sich um den Hals des ungläubigen Zuschauers zusammenzieht.

DVD-Features

Nachdem anderthalb sich gnadenlos in die Länge ziehende Stunden endlich verstrichen waren, interessierte sich dieser Rezensent nicht mehr für die Extras, die deshalb als solche nur vermerkt werden: Es gibt Interviews und den Originaltrailer.

Über jene Machenschaften, die eine Entstehung von „A Little Bit Zombie“ ermöglichten, informiert diese Website.

Anmerkung: Einen (auch nicht neuen aber) gelungenen Gag gibt es übrigens doch – um ihn zu erleben, gilt es den Abspann zu überstehen.

Kurzkritik für Ungeduldige: Weichling Steve mutiert zum Zombie mit Beißhemmung. Seine Freunde wollen ihm helfen, sich ans untote Dasein gewöhnen, während es zwei Zombie-Jäger auf seinen Schädel abgesehen haben … – Inhaltlich wie formal ein Rohrkrepierer: bescheiden bis kläglich  in Szene gesetzt und plump auf ‚ulkig‘ getrimmt aber niemals komisch, sondern entweder kindisch albern oder tödlich langweilig.

[md]

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