After

Originaltitel: After (USA 2012)
Regie u. Drehbuch: Ryan Smith
Kamera: Blake McClure
Schnitt: David Kiern
Musik: Tyler Smith
Darsteller: Steven Strait (Freddy), Karolina Wydra (Ana), Sandra Lafferty (Tante Lu), Madison Lintz (Ana als Kind), Chase Presley (Freddy als Kind), Jackson Walker (Phil) u. a.
Label: Cosmopolitan Pictures
Vertrieb: Alive AG
Erscheinungsdatum: 24.04.2015
EAN: 4042564157994 (DVD)/4042564158007 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Krankenschwester Ana kehrt aus dem Urlaub in ihre Heimatstadt Pearl, gelegen irgendwo im US-Staat Alabama, zurück. Mit ihr im Bus sitzt während der nächtlichen Fahrt nur Freddy, ein erfolgsarmer Comic-Zeichner, der sich eifrig aber ungeschickt bemüht, das Interesse der hübschen Mitfahrerin zu erregen.

Ein heftiger Stoß unterbricht den mühsamen Flirt. Sowohl Ana als auch Freddy – der ebenfalls in Pearl lebt – erwachen in ihren Wohnungen. Es dauert eine Weile, bis sie – jeder für sich – bemerken, dass die Stadt völlig menschenleer ist. Als sich Ana und Freddy wiederbegegnen, sind sie froh, nicht mehr allein zu sein.

Die Flucht aus Pearl erweist sich als unmöglich: Eine himmelhohe Wand aus pechschwarzen, von Blitzen durchzuckten Wolken umschließt den Ort. Langsam rückt sie vor; drei Tage wird es nach Freddys Berechnungen dauern, bis Pearl unter den Wolken begraben ist. Was dann geschieht, ist unklar, doch gewisse Anzeichen verheißen Übles: Ein wagemutiger Vorstoß in die Wolkenfront endet an einer verschlossenen Tür. Der Schlüssel steckt in der Brust eines grässlichen Monsters, das den beiden Pechvögeln aus der Wolke in die Stadt folgt.

Dennoch erkennen Ana und Freddy endlich, wie ihnen geschieht: Sie sind Projektionen ihrer Gehirne in einer Welt zwischen Leben und Tod. Die drei Tage entpuppen sich als Frist, nach deren Ablauf die Maschinen abgestellt werden, die Ana in ihrem Koma am Leben erhalten. Außerdem stellt sich heraus, dass sich Freddy und Ana als Kinder schon einmal begegnet sind – ein schicksalhaftes Ereignis, das beider Leben geprägt und gezeichnet hat. Nun haben sie nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht, sich den Konsequenzen zu stellen. Gelingt es ihnen nicht, blüht ihnen der endgültige Tod. Doch das Monster ist ein Element der Furcht und der Unsicherheit: Es folgt allein seinem Hunger auf Menschenfleisch, ist offenbar kugelfest und ein erschreckend spurensicherer Jäger …

Zwischen Tod und Leben

Wie unser Monster seine Opfer, so mag der Leser der obigen Zeilen einen Spoiler wittern, nach dem sich eine eigene Sichtung des hier vorgestellten Films erübrigt. Jedoch stellt dieser Rezensent die Frage, welcher Zuschauer nach solchem Auftakt – zwei Menschen allein in einem Bus, der plötzlich einen Bocksprung macht, danach das Aufwachen im jeweils eigenen Heim – und einem Filmtitel namens „After“ nicht umgehend weiß, dass unsere beiden Helden in einer Limbo gelandet sind – nicht mehr am Leben, aber auch noch nicht tot, sondern in einer Spiegelwelt, die sich nach und nach bedrohlich verändert.

Drehbuchautor und Regisseur Ryan Smith geht jedenfalls nicht das Risiko ein, sein Publikum mit einem Rätsel zu foppen, das dieses mit ziemlicher Sicherheit (und dank einschlägiger Filme wie „Identity“ oder „Reeker“) längst kennt. Deshalb lässt er Freddy und Ana des Rätsels Lösung bezüglich ihres Zustandes recht früh in Erfahrung bringen. Anschließend geht es darum, dem nahenden Verhängnis zu entkommen, sprich: aus dem komatösen Zwischenreich einen Weg zurück ins Leben zu finden.

Dies gestaltet sich naturgemäß schwierig, um eine spannende Handlung zu generieren. In diesem Punkt scheiden sich die Geister: Während die Mehrheit der Zuschauer über einen langweiligen Mystery-Thriller mit allzu vorhersehbarem Geschehen schimpft, fand sich dieser Rezensent zwar bescheiden aber insgesamt gut unterhalten.

Nichts Neues zwischen Himmel & Erde

Besondere Originalitäten gibt es nicht zu melden – natürlich, möchte man schon in Kenntnis eines Budgets sagen, das laut IMDb.com bei gerade 650000 Dollar lag. Schon aus diesem Grund musste der Blick ins Fegefeuer vergleichsweise vertraut ausfallen: Es besteht deshalb aus der Heimatstadt unserer beiden Hauptfiguren, deren Straßen von den Bürgern geräumt wurden. Um zu unterstreichen, dass hier Seltsames vorgeht, wurden den Szenen, die im ‚Jenseits‘ spielen, die ‚warmen‘ Farben entzogen. Ana und Freddy bewegen sich durch eine grau-blaustichige Welt, in der selbst das Licht matt wirkt.

„After“ beginnt als Mystery-Thriller. Ana und Freddy versuchen herauszufinden, wohin es sie verschlagen hat. Als sie schlauer sind, versuchen sie mehrfach und jedes Mal vergeblich die Flucht. Langsam schält sich eine zweite Handlungsebene heraus: Die beiden sind nicht grundlos in ihrer Notlage. Wer hinter den Kulissen – der Wolke? – die Fäden zieht, lässt Smith klug offen; es könnte nur peinlich werden, wenn er diesbezüglich eine Entscheidung trifft.

Schon die Tatsache, dass jenes Unglück, das Ana und Freddy sowohl verbindet als auch beider Leben unglücklich geprägt hat, der Schlüssel zur Situation darstellt, stellt den Zuschauer vor ein Problem: Betreibt das Schicksal/das Universum/Gott immer solchen Aufwand, damit unglückliche Menschen die Scherben ihres Lebens zusammenfegen und kitten können?

Wettlauf mit Monster

Freilich beginnt der rote Faden der Geschichte in der zweiten Filmhälfte auszufasern. Als Smith in Sachen Mystery nichts mehr einfällt, lässt er ein Monster auftauchen. Das ist kaum subtil, sondern eine bewährte, wenn auch allzu oft gewählte Methode, um einer festgefahrenen Handlung Schwung zu verleihen: Es ist immer spannend, wenn es über Stock & Stein gilt, einem Ungetüm zu entfleuchen.

Angesichts der Vorgeschichte stellt sich zumindest der kritische Zuschauer die Frage, wie dieses Monster ins Konzept passt. Nicht ungeschickt verpflanzt Smith jenen Schlüssel, der das Tor zum Diesseits öffnet, in die Brust der Kreatur. Das soll sicherlich etwas symbolisieren. Allerdings wäre es überzeugender, würden Freddy und Amy dem Wesen den Schlüssel durch einen Trick oder auf andere, gewaltfreie Weise abnehmen. Stattdessen muss es ganz prosaisch (und blutig) umgebracht werden – dies zu allem Überfluss auf eine Weise, die seiner zuvor an den Tag gelegten Unverwundbarkeit Hohn spricht.

Während Smith zuvor auf Visionen der Vergangenheit und bruchstückhafte Rückblenden setzte, wird nun geflüchtet und sich versteckt, werden Waffen gezückt und Rohrbomben gebastelt. Der Wechsel zum Horror ist abrupt und trägt den auf Mystery eingestellten Zuschauer aus der Verständniskurve. Wie der Film kehrt er nicht mehr auf die feste Fahrbahn zurück. Smith verpasst letztlich auch den passenden Moment, sich von seiner Geschichte zu trennen. Als diese ihren logischen Abschluss gefunden hat, schließt sich ein endloser Epilog an, der im Diesseits spielt und einen Verdacht bestätigt, den der Zuschauer schon länger hegte: Smith versucht sich an einer Love-Story à la Orpheus und Eurydike, verhebt sich dabei jedoch erheblich: Der elementaren Frage, was dem Tod folgt, ist sein kleines Mystery-Drama in keiner Weise gewachsen!

Füreinander bestimmt, ohne es zu wissen

Konzept und Budget machen „After“ zu einem Zweipersonen-Kammerspiel. Dies legt den beiden Hauptdarstellern eine schwere Bürde auf: Von ihnen allein hängt es ab, ob das Publikum Anteil an der erzählten Geschichte nimmt. Vergleichsweise viele Kritiker sind der Meinung, dass Karolina Wydra und vor allem Steven Strait ihrer darstellerischen Aufgabe nicht gewachsen waren. Dem stellt dieser Rezensent die Frage gegenüber, ob besagte Kritiker nicht einem Verständnisirrtum aufgesessen sind: Angesichts der ansonsten soliden Machart ergeben die Zeichnungen der Figuren Ana und Freddy durchaus Sinn. Beide sind gezeichnete, einsame Menschen, die sich misstrauisch gegen die Welt abgeschottet haben. Insofern ist ihr relativ kühler Umgang oder ihr Streiten charakterkonform. Dies ändert sich erst, als das tragische Geheimnis offenbart ist, das Ana und Freddy ohne ihr Wissen miteinander verbindet. Nun schaltet Smith auf Love-Story-Modus um – und übereilt es, weshalb die Neuorientierung nur bedingt gelingt.

Strait und Wydra sind Schauspieler, denen der Durchbruch bisher versagt blieb. Sie treten vor allem als „Gaststars“ im Fernsehen, in Independent- oder Kurzfilmen auf. Über ihr Talent sagt dies nichts Negatives aus. „After“ erfordert kein preiswürdiges Schauspiel, sondern solide Darstellerarbeit. In dieser Hinsicht müssen sich weder Strait noch Wydra Vorwürfe machen lassen. (Ein kleiner Coup gelang Regisseur Smith im Nachhinein mit der Besetzung der jungen Ana: Er wählte damals die gerade elfjährige, noch unbekannte Madison Lintz, die gerade eine größere Nebenrolle in den ersten beiden Staffeln der Erfolgsserie „The Walking Dead“ gespielt hatte. Seit 2015 ist Lintz Hauptdarstellerin der Krimi-Serie „Bosch“.)

Eindeutig erstaunlich ist die Qualität der Spezialeffekte. Vor allem das meist digital animierte Monster bewegt sich überzeugend und wirkt beinahe ‚natürlich‘. Auch die mysteriöse Wolke beeindruckt durch ihre Bedrohlichkeit. Offenbar hat Smith eine junge, hungrige Effekt-Firma gefunden, die „After“ auch als Empfehlung für weitere Aufträge betrachtet. (Jener Bande, die den Film für das deutsche Publikum ‚synchronisiert’ hat, wird an dieser Stelle von entsprechenden Plänen DRINGEND abgeraten!) Insgesamt überwiegend die Vorteile, weshalb „After“ die völlige Verdammnis keineswegs verdient hat, sondern als anderthalbstündiger Ausflug in die „Twilight Zone“ durchaus unterhält.

DVD-Features

Einmal mehr ist der altmodische und geizige DVD-Käufer gekniffen: Er muss sich mit dem Trailer zum Hauptfilm begnügen, während dem Blu-ray-Kunden zwölf (!) Minuten geschnittene Szenen, ein kurzer Blick hinter die Kulissen und in die SF/X-Werkstatt geboten werden.

Kurzinfo für Ungeduldige: Nur Freddy und Ana erwachen in ihrer ansonsten menschenleeren Heimatstadt, die von einer düsteren Unwetterfront eingekreist und allmählich verschluckt wird. Im Wettlauf mit einem fiesen Monster müssen sie herausfinden, was ihnen geschehen ist … – Da dies dem Publikum beim besten Willen nicht als Überraschung zu verkaufen ist, konzentriert sich die Handlung auf die Bemühungen, dem finalen Verderben zu entwischen: leidlich unterhaltsamer Besuch in der „Twilight Zone“.

[md]

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