In ihrem Kleinflugzeug geraten Pilotin Sara und vier Freunde erst in ein Unwetter, dann zwischen die Tentakel eines über den Wolken hausenden Monsters und schließlich in eine Zeitschleife, was die Zahl der Mitspieler stetig schrumpfen lässt … – Die Story ist nicht nur hanebüchen, sondern wird auch haarsträubend schlecht erzählt, was im Bund mit unterirdischen darstellerischen Leistungen sowie staunenswert erbärmlichen Spezialeffekten die Trias des unfreiwilligen Horrors kongenial komplettiert: viel heiße Luft aber keinerlei Substanz.

Das geschieht:

Jung-Pilotin Sara plant einen Luft-Trip zum Konzert einer angesagten Band. Die flatterhafte Freundin Mel ist sofort dabei; sie wird begleitet von ihrem Freund, dem reizbaren, IQ-freien und notorisch eifersüchtigen Highschool-Ringer Sal. Mit an Bord der zweimotorigen Maschine sind außerdem Saras Cousin Cory sowie ihr Freund Bruce.

Der Ausflug steht unter keinem guten Stern. Die Beziehung zwischen Sara und Bruce wackelt, während Cory heimlich in Mel verliebt ist und dies ausgerechnet jetzt offenbart, was Sal erwartungsgemäß unfreundlich quittiert. Außerdem ist das Flugwetter schlecht und die Maschine ebenso gewartet. Turbulenzen lassen im Heck einen Bolzen aus seiner Halterung rutschen, der plötzlich das Höhenruder blockiert: Das Flugzeug kann nicht mehr gelandet werden, sondern muss langsam immer höher steigen, bis ihm der Sprit ausgeht, was binnen einer Stunde geschehen wird.

Die überforderte Sara verliert die Kontrolle, als auch das Funkgerät versagt. Der luftkranke Bruce dreht durch und muss gefesselt werden. Einziger Ausweg bleibt der Ausstieg eines Passagiers, der von außen das blockierte Ruder löst. Cory, ein versierter Bergsteiger, der zufällig sein Kletterzeug dabei hat, übernimmt den Job. Sal sichert ihn, der Coup gelingt, aber dann greift aus einer Wolke plötzlich ein Tentakel nach dem Flugzeug und bringt es ins Schlingern. Cory verliert den Halt, und in Panik kappt Sal das Seil, woraufhin der Rivale in den Tod stürzt.

Die übrigen Freunde wollen Sals Geschichte vom Monster im Himmel nicht recht glauben. Stattdessen werfen sie ihm Feigheit und Mord vor. Aufruhr bricht in der Maschine aus, die in nackte Panik umschlägt, als sich der Wahrheitsgehalt von Sals Schauermär enthüllt und eine gigantische, krakenähnliche Kreatur die Jagd auf das Flugzeug und dessen schmackhaften Inhalt eröffnet …

Fremdschämen leicht gemacht – dank Kaare Andrews

Die weltweit aktive Firma Flop Film Productions präsentiert in Kooperation mit dem sattsam bekannten Duo Wirr (Regie) & Warr (Drehbuch) stolz ihr aktuelles Meister-Machwerk: „Altitude“, ein Horror-Psycho-SF-Thriller der Minderklasse, der in allen diesen Genres neue Maßstäbe zu setzen vermag.

Man kann in der Tat kaum fassen, mit welcher Intensität Unlogik und Unvermögen auf den Zuschauer niederprasseln. Zwar spielt sich das Geschehen in enormer Höhe ab. Dort ist die Luft dünn, was eine Erklärung (oder Entschuldigung) für dieses filmische Grauen sein könnte. Dabei ist dem Regie-Debütanten Kaare Andrews, der bisher vor allem als Comic-Autor bekannt wurde, Ehrgeiz keineswegs abzusprechen. Hat man sich nach Sichtung dieses Films ein wenig beruhigt, erkennt man durchaus, was ihm ursprünglich vorgeschwebt haben mag.

Freilich wird dabei ebenfalls deutlich, dass es nicht funktionieren konnte, drei völlig unterschiedliche Geschichten zu einer harmonischen Handlung zusammenzufügen. „Altitude“ will ein Katastrophenfilm (Flugzeug droht abzustürzen), Horror (Luft-Krake angelt nach unvorsichtigen Fliegern) und Science Fiction (Flugzeug steckt in einer Zeitschleife) sein. Andrews hätte sich auf eines dieser Elemente konzentrieren sollen. Stattdessen hat er sie sämtlich in den Sand gesetzt, denn um diese Eisen glühen zu lassen, brennt er ein viel zu mickriges Feuerchen ab.

Das Grauen im Detail

Das Drehbuch ist nicht nur unausgegoren, sondern wird auch (unfreiwillig) schauerlich umgesetzt. Ungeachtet der Tatsache, dass der Zuschauer von gewissen Einfällen zunächst überrascht wird – der Krake wirkt vielversprechend –, folgt stets der Absturz in die Untiefen des Klischees. Jede Wendung ist bekannt und keineswegs beliebt, was Drehbuchautor Birkitt aber viel Arbeit sparte, da er das Geschehen wie auf Schienen voran trödeln lassen konnte.

Die Gesamtgeschichte beginnt rosstäuschend mit einem Knalleffekt, der – man glaubt es kaum – nicht Selbstzweck, sondern Teil der Story ist. (Erst im Finale wird wieder relevant, was man nach anderthalb Stunden qualvoller Stümperei hoffentlich niemand vergessen hat.) Anschließend schalten Andrews & Birkitt zurück auf Null zurück und bleiben dort lange, langweilige Minuten, in denen sie uns fünf denkbar unsympathische Jungmenschen und ihre öden zwischenkreatürlichen – von „zwischenmenschlich“ möchte man nicht sprechen – Konflikte vorstellen.

Figurenzeichnung sieht bei Birkitt u. a. so aus, dass er den schweineborstenhaarigen Sal in eine College-Jacke steckt und seine Freundin Mel dauerbefummeln lässt, um ihn als Sportler-Rüpel & Dummkopf einzuführen; ein Eindruck, der sich im Laufe dieses Films vollauf bestätigen wird, obwohl Sal zum Prügeln & Würgen nur eine Hand frei hat – mit der anderen lässt ihn Regisseur Andrews unentwegt Büchsen mit Dünnbier knacken und aussaufen.

Hohlköpfe in dünner Luft

Leider muss man feststellen, dass Cory jeden Hieb verdient, den Sal ihm verpasst. Schon für die Liebe zur mückenhirnigen Mel gehört er aus dem Flugzeug geworfen. Ähnlichen Zuschauerärger erregt der weichbirnige Bruce, für den Drehbuchautor Birkitt zwischenzeitlich gar keine Verwendung hat, weshalb er ihn in ein panikerzeugtes Koma versetzt. Erst wenn sich die Zeitschleife schürzt, hat Bruce seinen Auftritt – schade, dass ihn das Wolkenmonster zuvor nicht besser zu fassen bekam. Dies hätte uns auch einen Großteil jenes zwischen hysterische Schreianfälle geschnittenen Gestammels erspart, das Birkitt uns als „Dialoge“ verkaufen möchte.

Dem tumben Getümmel die Krone setzt die ausschließlich hübsche Sara auf. Wie sie an ihren Pilotenschein kam, ist ein Mysterium, das viel interessanter zu klären wäre als die Jagd nach dem Ding in den Wolken. Allein die Liebschaft mit dem weinerlichen Bruce würde sie bereits für die Bedienung einer Waschmaschine disqualifizieren. Daher wundert es nicht, dass Sara in der Not noch kopfloser agiert als ihre hirnlosen ‚Freunde‘. Insgesamt ist dieses Quintett so überzeugend dämlich, dass man sich die Namen der Darsteller sorgfältig zwecks Meidung anderer Filme merkt, in denen sie ihr Unwesen treiben könnten.

Tentakel-Monster ohne Grip

Ende der 1920er Jahre schuf der Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) den „Cthulhu“-Mythos. Er entwarf ein Universum, das von bösen ‚Göttern‘ – eigentlich fremdartigen, dem Menschen unverständlichen Entitäten – bevölkert ist, die in einem ewigen Krieg verstrickt sind und von denen es einige auf die Erde verschlagen hat.

Zu ihnen gehört Cthulhu, ein vielarmiges Protoplasma-Wesen, das an einen gigantischen Tintenfisch erinnert und besonders hinterlistig ist. Lovecraft gelang eine Kreatur, deren Schrecken durch kluge Zurückhaltung geschürt wurde: Cthulhu zeigt sich selten persönlich, sondern wird meist mittelbar durch die Beschreibung seiner Übeltaten offenbar. Auf diese Weise kann der Leser sich sein eigenes Gedankenbild dieses Ungetüms machen.

In einem Film ist dies nicht ratsam. Wie man es dann (halbwegs) richtig macht, zeigte Guillermo del Toro 2004 in „Hellboy“. Hier absolvierte Cthulhu einen Gastauftritt und wurde gebührend eindrucksvoll in Szene gesetzt. Das Wolkenbiest in „Altitude“ ist im Vergleich dazu ein krudes Gebilde aus Lumpen und Billig-CGI, das nicht wie ein böser Geist, sondern wie eine mutierte Distel aussieht. Auf der anderen Seite ist dies wohl so korrekt, da es schließlich Bruces Hüttenkäsehirn entspringt.

Darüber hinaus muss man den Köpf über den Übermut eines Regisseurs schütteln, der nur über ein Mini-Budget gebot, sich aber in den Kopf setzte, ein spezialeffektlastiges Spektakel über den Wolken spielen zu lassen. Zwar greift Andrews oft genug auf den Alt-Trick zurück, das Geschehen als Kammerspiel auf das Innere der Flugzeugkabine zu beschränken. Dort sind wir zwar dem Terror unserer fünf Knattermimen ausgesetzt, müssen uns aber wenigstens nicht über jeglicher Physik spottende Außenreparaturen per Wäscheleine oder ein Monster ärgern, das so überzeugend wirkt wie das Urmel selig aus der Augsburger Puppenkiste.

„Don’t Look Down“, lautet der originale Untertitel dieses wolkigen Trauerspiels. Viel gefährlicher ist jedoch der Blick auf Leinwand oder Bildschirm, denn Frustration und Ärger sind keine Gefühle, die der Zuschauer durch sein Feierabendvergnügen aufgewirbelt wissen möchte. „Altitude“ ist ein Tiefflieger der schlimmsten Sorte; möge er bald an den Klippen der Filmgeschichte zerschellen!

DVD-Features

In dem Bestreben, die teurer verkaufbare und somit einträglichere Blu-ray zu pushen, spielt auch dieses Label diverse Extras – „Behind the Scenes”, Interviews mit am Film Beteiligten (= Verantwortliche & Täter) sowie den Trailer – nur der blauen Scheibe auf; die DVD-Kundschaft blickt ins Leere. Nachdem dies zuvor bereits anderthalb Stunden geschah – ein Zustand, der dreist als „Hauptfilm“ bezeichnet wird –, dürfte sich die Trauer derselben in Grenzen halten.

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Altitude – Tödliche Höhe
Originaltitel: Altitude – Fear Is in the Air (Kanada 2010)
Regie: Kaare Andrews
Drehbuch: Paul A. Birkitt
Kamera: Norm Li
Schnitt: Chris Bizzocchi
Musik: Jeff Tymoschuk
Darsteller: Jessica Lowndes (Sara), Julianna Guill (Mel), Ryan Donowho (Cory), Landon Liboiron (Bruce), Jake Weary (Sal), Mike Dopud (Colonel), Ryan Grantham (Bruce als Kind), Teghan Gentles (Sara als Kind), Chelah Horsdal (Mrs. Taylor), Ian Robison (Mr. Taylor), Michelle Harrison (Saras Mutter) u. a.
Label/Vertrieb: EuroVideo
Erscheinungsdatum: 12.01.2012
EAN: 4009750211397 (DVD) bzw. 4009750393406 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 16

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Plane Dead – Der Flug in den Tod

Dark Flight – Ghosts on a Plane

Abattoir – Er erwartet dich!

Nymph – Mysteriös. Verführerisch. Tödlich