Apartment 1303
Wohnst du noch oder stirbst du schon?

Originaltitel: Apartment 1303 (USA/Kanada 2012)
Regie: Michele Taverna
Drehbuch: Michele Taverna (nach einer Vorlage von Kei Ôishi)
Kamera: Paul M. Sommers
Schnitt: Edward Brizio u. Roberto Silvi
Musik: Davy u. Yoann Bernagoult
Darsteller: Mischa Barton (Lara Slate), Julianne Michelle (Janet Slate), Corey Sevier (Mark Taylor), Rebecca De Mornay (Maddie Slate), John Diehl (Detective), Gordon Masten (O’Neil), Madison McAleer (Emily), Kathleen Mackey (Jennifer Logan), Jessica Malka (Lidia Abrams) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 25.04.2014
EAN: 0888837067294 (DVD)/0888837067393 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 82 min. (Blu-ray: 85 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Lara und ihre jüngere Schwester Janet werden von einer herrschsüchtigen und trunksüchtigen Mutter, der Sängerin Maddie Slate, drangsaliert und ausgenutzt. Janet hat die Nase voll und zieht aus. Überstürzt mietet sie sich in der Lake View Residence ein. Apartment 1303 bietet zwar einen herrlichen Blick über den Detroit River, der durch die gleichnamige Stadt im US-Staat Michigan fließt, wird aber leider von Geistern heimgesucht.

Vor zwanzig Jahren war Jennifer Logan mit ihrer ebenfalls misslaunigen Mutter dort eingezogen. Die geplagte Tochter hatte ihr irgendwann den Hals umgedreht und die Leiche in einem Wandschrank versteckt. Als die Nachbarn wegen des Gestanks die Polizei benachrichtigten, war Jennifer vom Balkon gesprungen.

Nun ist sie zwar tot, betrachtet aber ihren Mietvertrag deshalb nicht als aufgelöst. Neue Bewohner sind in Apartment 1303 ungern gesehen. Janet wird schon am Tag des Einzugs und vor allem in der Nacht durch allerlei Spuk in Angst und Schrecken versetzt. Wie es im Geister-Thriller der B-Kategorie üblich ist, schenken weder Freund Mark, ein Undercover-Cop, noch Schwester Lara ihren hysterischen Furchtbekundungen Glauben. Daher kneift beide das Gewissen, als Janet kurz darauf über das Balkongeländer sowie in die Tiefe stürzt.

Um zu überprüfen, ob es in 1303 tatsächlich umgeht, quartiert sich Lara im Apartment der Schwester ein. Mark leistet ihr abends und in der Nacht Gesellschaft. Allerdings ist er keine große Hilfe und mit einem beneidenswert tiefen Schlaf gesegnet, weshalb er im Gegensatz zu Lara nicht merkt, wie Jennifer geräuschvoll herumgeistert. Zu allem Überfluss schnüffelt ein misstrauischer Cop-Kollege in der Lake View Residence herum; er argwöhnt, dass Lara oder Mark oder beide Janet Starthilfe geleistet haben. So kommt es, wie es kommen muss: Lara sieht sich allein der ungastlichen Jennifer ausgeliefert – und die Tür zum Balkon steht wieder weit offen …

Kopie des Mittelmaßes

2007 inszenierte der japanische Regisseur Ataru Oikawa nach einer Story des Schriftstellers Kei Ôishi – der auch am Drehbuch mitschrieb – den Gruselfilm „Apartment 1303“. Moderner „Asia-Horror“ ist weltweit recht erfolgreich. Auch in den USA findet er viele zahlungswillige Zuschauer, die es allerdings stört, wenn Geschichten jenseits der Grenzen von „God’s own country“ spielen und Ausländer die Hauptrollen besetzen. Deshalb werden auswärts erfolgreiche Streifen einfach neu verfilmt, was zudem die Möglichkeit bietet, die Handlung um US-unerwünschte Details wie psychologische Feinheiten oder fremdartige Folklore zu erleichtern bzw. sie landestypisch durch Gewalt oder (bekleideten) Sex zu bereichern.

Das geht regelmäßig in die berüchtigte Hose, selten aber so drastisch wie in diesem Fall. In der US-Version gehört „Apartment 1303“ sicherlich zu den ganz besonders missratenen Filmen seines Entstehungsjahres. Hier stimmt grundsätzlich nichts. Dabei ist die Story so simpel, dass man sie eigentlich nicht in den Sand setzen kann. Doch Regisseur und Drehbuch-Neuautor Michele Taverna hat nicht einmal begriffen, dass Spuk einer gewissen Stimmung bedarf, um seine Wirkung zu entfalten.

Stattdessen geht es subtilfrei zur Sache, sobald sich die Wohnungstür erstmals hinter Janet geschlossen hat. Geister-Jennifer scheint in sämtlichen Räumen gleichzeitig ihr Unwesen zu treiben. Janet gelingt es, trotzdem bloß ihren Schatten zu sehen. Weil sie schon dies hart an den Rand eines Schlaganfalls treibt, ist es vielleicht besser, dass nur die Zuschauer Jennifers Possen in aller Deutlichkeit ausgesetzt sind.

Spuk ohne Verstand

Meist wandert Jennifer nur im Apartment umher oder schlägt ihren gar nicht geisterhaften Schädel lautstark gegen die Scheibe der Balkontür. Die Mutter hängt derweil im Wandschrank und zieht Fliegen an. Ansonsten tritt sie nicht in Erscheinung. Stattdessen wirft das Mädchen Emily ihren Ball gegen die Wohnzimmerwand. Was hat sie in dieser Geschichte verloren? Sie wohnt nicht einmal in Apartment 1303, sondern spukt in der Nebenwohnung, aus der sie zwischen ihren nächtlichen Einsätzen auftaucht, um Hausbesucher mit düsteren und völlig sinnlosen Warnungen zu belästigen.

Ein feister Hausmeister humpelt durch die Gänge und macht erst Janet und später Lara geile Avancen. Statt ihm in den Arsch zu treten, geraten beide Frauen in helle Panik, die ohnehin ihr Allgemeinzustand zu sein scheint. Möglicherweise fällt ihnen deshalb nie auf, dass es im Stockwerk 13 (Symbol, Symbol!) außer Emily keine anderen Bewohner gibt.

Oder sind Janet und Lara hier demselben Schrecken wie die Zuschauer ausgesetzt – der Filmmusik von Davy u. Yoann Bernagoult? Sie kann auch einen nicht gestörten Geist leicht in die Bösartigkeit treiben. Lautstark dröhnt es bereits, wenn gar nichts geschieht. Droht dann das, was Taverna für spannend hält, sollte man den Finger über der Lautstärkeregelung der Fernbedienung schweben lassen, um die Gefahr für das Trommelfell zu mindern.

Powerfrauen oder Kreischweiber?

„Apartment 1303“ ist in gewisser Weise ein Frauenfilm. Drei Haupt- und drei Geisterrollen sind dem weiblichen Geschlechts vorbehalten. Damit Corey Sevier als einziger Mann erkennbar bleibt, trägt er eine Art Bart, der sich wie ein Altölfilm über Kinn und Oberlippe zieht. Vermutlich hat er sich schon während der Dreharbeiten gewünscht, so gesichtslos im Feld der Darstellerinnen aufzugehen, wie er seine Rolle ‚spielt‘. An DIESEN Film dürfte (oder sollte) sich Sevier ungern erinnern!

Auch Mischa Barton und Julianne Michelle sollten „Apartment 1303“ besser nicht prominent auf den Listen ihrer Schauspielerleistungen positionieren. Barton verfügt über zwei Gesichtsausdrücke, die sie ständig verwechselt, statt sie der eindimensionalen Handlung anzupassen. Michelle kennt überhaupt nur kulleräugigen Schrecken, kann dies jedoch durch eine ‚Sexszene‘ toppen, in der sie sich in voller Unterwäsche-Montur von Lover Mark gegen diverse Wohnzimmerwände pressen lässt: Dies soll Ekstase demonstrieren. Hilfreich ist Janet höchstens für zwischenzeitlich eingenickte Zuschauer: Sie pflegt die Ereignisse durch ausführliche Selbstgespräche zu kommentieren.

Eine spannende Frage bleibt ohne Antwort: Spielt Rebecca De Mornay die ständig angesäuselte Monster-Mutter Maddie nur, oder hat sie nach allzu später Drehbuch-Lektüre der Schreck zu echtem Alkohol greifen lassen? Selbst in diesem Fall ließe ihre Glaubwürdigkeit zu wünschen übrig. Offenbar sah es finanziell gerade ein wenig düster für De Mornay aus, weshalb Taverna sie in sein Projekt locken konnte.

Kathleen Mackey sollte erwägen, nach ihrem Tod Michele Taverna heimzusuchen. Er hat sie schließlich gezwungen, absolut geistlos durch Apartment 1303 zu spuken. Mal löst sich Jennifer in rußfarbenen CGI-Staub auf, mal schleppt sie ächzend ihr Opfer gen Balkon; wahlweise wirbelt sie es durch die Luft oder schleudert es durch die Fensterscheibe. (Immerhin kann sie Warnbotschaften in gestochen scharfer Druckschrift auf wasserdampfnasse Badezimmerspiegel schreiben.) Was Jennifer grundsätzlich bezweckt, bleibt der Fantasie des Publikums überlassen; da „Apartment 1303“ das Substrat unzähliger Klischee-Gruselfilme der Kinogeschichte darstellt, dürfte eines der dort vorgebrachten Motive auch hier passen.

Reduktion der Kunst statt Kunst der Reduktion

„Apartment 1303“ spielt verständlicherweise hauptsächlich in den Räumen der genannten Wohnung. Die ist geräumig und gemütlich; die eigentliche Geisterhaus-Atmosphäre verbreitet Taverna rätselhafterweise im Hausflur vor dem Apartment (sowie in der Rockstar-Kitschhöhle von Mutter Maddie). Ansonsten flackern Lichter, ertönen ‚unheimliche‘ Geräusche, werden weitere Geisterbahn-Effekte strapaziert. Im Interview klopft sich Taverna stolz auf die Brust: „Apartment 1303“ biete „psychologischen Horror“ statt Splatter, Tortur & Pornografie; dass man diese Reihe durch Begriffe wie „Logik“, „Spannung“ oder „Stimmung“ verlängern müsste, verschweigt er lieber.

Die Spezialeffekte sind selten und kümmerlich. 5 Mio. Dollar sollen laut „imdb.com“ in die Produktion geflossen sein; gefühlt spiegeln Bild und Ton kaum ein Zehntel dieser Summe wider. Wieder einmal soll 3D es richten. Diesem zusätzlichen Schrecken wird hierzulande nur der Besitzer der Blu-ray-Fassung ausgesetzt. Aber Vorsicht: Das Risiko steigt, auf diese Weise in die schwindelerregende Logiklöcher zu stürzen. Das tiefste nennt sich übrigens „Finale“, aber wenigstens signalisiert der Aufprall das Ende dieser Qual, die sich „Apartment 1303“ nennt.

DVD-Features

Zum Hauptfilm gibt es keinerlei Extras; besser wäre es andersherum, doch nach der Sichtung dieses Machwerks ist man auch für kleine Vergünstigungen dankbar.

Allerdings gibt es eine Website, auf der Michele Taverna – der Hauptschuldige – u. a. hanebüchenen Unsinn über seine Interpretation der Vorlage verzapft („It was a pleasure to write the screen play and adapt the story to a western sensitivity.“).

Kurzinfo für Ungeduldige: Zwei dumme Schwestern flüchten vor der Tyrannen-Mutter in eine von Geistern heimgesuchte Wohnung; die jüngere stirbt, die ältere versucht, das Geheimnis ihres Todes zu lüften … – Das Remake eines japanischen Horrorfilms ist eine Zumutung; die Handlung stürzt von einem Drehbuch-Loch ins nächste, die Darsteller werden haltlos mitgerissen, und der Kameramann rächt sich, indem er alles penibel aufzeichnet.

[md]

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