Army of the Dead
Der Fluch der Anasazi

Originaltitel: Army of the Dead (USA 2008)
Regie: Joseph Contegiacomo
Drehbuch: Tom Woosley, Michael Ciccolini
Kamera: John Grace
Schnitt: Richard Byard, Joseph Contegiacomo
Musik: William T. Stromberg
Darsteller: Ross Kelly (John Barnes), Stephanie Marchese (Amy Barnes), Miguel Martinez (Professor Gordon Vasquez / General De Gama), Mike Hatfield (Fred Griffith), Malcolm Madera (Tobias Schuler), Audrey Anderson (Jenny Crane), Vic Browder (Matt Kittridge), Jocelyn Tucker (Kristen McKnew), Jeffrey James Mocho (Jack Johnson), Casey Messer (Alicia Williamson), Matt Camacho (Rodruigo Taylor), Jason Hill (Graham Earl), Brian Lucero (Spencer Combs) uva.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 26.09.2008 (nur DVD)
EAN: 4013549873246
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

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Das geschieht:

Irgendwo in Mexiko nehmen junge Möchtegern-Abenteurer an einer Wüstenrallye teil. Unter den Teilnehmern ist ‚Professor‘ Vasquez, doch er ist nicht an der urwüchsigen Natur interessiert, sondern sucht nach dem legendären Schatz der Anasazi-Indianer. Vor vielen Jahren wurden sie von gierigen spanischen Eroberern verfolgt, versklavt und ausgerottet. Ihr Gold verbargen sie kurz vor dem Ende in einer Höhle, die zusätzlich mit einem Fluch belegt wurde: Wer den Schatz findet und ihn rauben will, verfällt der Rache der Wächter! Ihre skelettierten Überreste erheben sich und fallen über die Frevler her. So erging es zuletzt 1590 dem spanischen General De Gama und seinen Mannen. Seitdem müssen auch sie den Schatz hüten.

Vasquez‘ Gier ist größer als sein Glaube an den Fluch. Er findet den Schatz – und De Gama, der sich erneut mit seinen Untoten erhebt. Vasquez flüchtet ins Lager seiner Gefährten. Damit geraten auch diese ins Visier der Knochenmänner, die umgehend kurzen Prozess mit den meisten Rennfahrern machen. Das Ehepaar John und Amy kann mit einigen Glückspilzen entkommen. Den Professor nehmen sie mit – ein Fehler, denn der unbelehrbare Dieb hat eine Goldmünze eingesteckt, die De Gama um jeden Preis zurückholen wird.

Wie es sich für Grusel-Trash dieses Kleinkalibers gehört, bleibt der Wagen stecken, die Sonne geht noch lange nicht auf und am Bildrand hört man schon die Konquistadoren-Knochen klappern. Eine aufgelassene Funkstation bietet unseren Flüchtlingen einen zweifelhaften Unterschlupf bis zum furiosen Showdown mit De Gamas Kriegern …

Schlimmer geht offenbar immer

Es ist nicht die Story, die „Army of the Dead“ einen Platz unter den miserabelsten Machwerken der Filmgeschichte sichern wird. Der verfluchte und bewachte Schatz ist ein ehrwürdiges Motiv des Horrorgenres. Als Plot funktioniert er immer noch, denn er transportiert eine Moral: Gier ist von Übel, denn sie verstärkt nur bereits existierendes Unheil!

Moral ist für Regisseur Joseph Contegiacomo und seine beiden Drehbuchautoren jedoch höchstens ein Vorwand bzw. eines von viel zu vielen Klischees, aus denen sie ihre Gerippe-Mär zusammenstoppeln. Es wäre ihnen zu verzeihen, würden sie den Aberwitz der Handlung wenigstens in entsprechende Bilder umsetzen. Genau das gelingt ihnen jedoch nie. „Army oft he Dead“ wirkt wie das Filmchen, das er ist – kostengünstig gedreht als „Direct-to-DVD“-Produktion, die möglichst viel Geld einspielen soll, bevor sich unter den Zuschauern herumspricht, mit welchem Mumpitz sie einmal mehr geleimt werden.

Obwohl eine ganze Wüste als Kulisse dienen könnte, beschränkt sich das Bild fast ausnahmslos auf beliebig wirkende Ausschnitte im TV-Format. Irgendwann kann auch der gutmütigste Zuschauer nicht mehr ignorieren, dass die Wüsten-Buggys immer wieder auf demselben Hügel herumkurven. Auch in der Schatzhöhle könnte man sich nach dem Film ohne Fackeln und Lampen gut zurechtfinden, so oft sehen wir Konquistadoren, Räuber oder Retter durch identische Gänge wandeln.

Billig oder kostengünstig?

Die Mehrfach-Verwendung von Szenen ist ein uralter Trick in der Geschichte des Billigfilms. Er ist so ausgelaugt, dass ihn heutzutage selbst skrupelarme Produzenten nur noch selten anzuwenden wagen. Für „Army of the Dead“ wurde er selbstverständlich reaktiviert.

Wenn die Mittel so offensichtlich beschränkt sind wie die Autoren, ist es keine gute Idee einen Film zu drehen, der den Auftritt kampflüsterner Skelette vorsieht. Für diese Art des Monsters gibt es Referenz-Vorgaben: 1958 animierte Trickkünstler Ray Harryhausen – damals noch im antiken „Stop-Motion“-Verfahren“ – in „The 7th Voyage of Sinbad“ (dt. „Sindbads siebte Reise“) ein Knochengerüst, das mit dem Helden fechtet. 1963 wiederholte er das eindrucksvoll  in „Jason and the Argonauts“ (dt. „Jason und die Argonauten“) mit einer ganzen Skelett-Horde.

Im 21. Jahrhundert entstehen wanderlustige Gerippe natürlich per Computer. Wundert es jemanden, dass De Gama und seine Mannen mindestens genauso ärmlich wirken wie die C-Movie-Knochenmänner in „Army of Darkness“ (1993; dt. „Armee der Finsternis“)? Contegiacomo kann allerdings nicht die beschränkten Mittel seiner Zeit dafür verantwortlich machen. Gerade er müsste wissen, wie man die Illusion überzeugend gestaltet, ist er doch als Trickspezialist ins Filmgeschäft eingestiegen. Angeblich hat er als solcher für Filme wie „Men in Black“ (1999) oder „Black Hawk Down“ (2001) gewirkt, die man wahrlich nicht ob ihrer Spezialeffekte rügen kann.

Stattdessen wurden De Gama & Co. offenbar von einer Gruppe mäßig inspirierter Videogame-Programmierer kreiert, die zuletzt um das Jahr 2000 in dieser Funktion tätig waren. Vermutlich klingt es seltsam, von Gerippen ‚lebensechte‘ Bewegungen zu fordern. Auf jeden Fall ist es ärgerlich, wenn unsere Konquistadoren wirken wie aus Schaumstoff gebastelt. Noch ärger dämpft es den Willen zu ‚glauben‘, was man sieht, wenn ganze Reihen von Knochenmännern digital ‚geklont‘ wurden und nicht nur identisch aussehen, sondern sich auch absolut synchron bewegen (oder in Einzelteile zerstieben, was noch lächerlicher anmutet).

Darsteller zum In-die-Wüste-schicken

Freilich könnte es auch sein, dass sich De Gama und seine Leute schauspielerisch an den lebendigen Darstellern orientiert haben. Selten wurde eine unfähigere Truppe auf ihr nichtsahnendes Publikum losgelassen!  Wir wollen Gnade walten lassen, weil das von seinen Klischees kaum zusammengehaltene Drehbuch und Contegiacomos Entschluss, die Darsteller einfach machen zu lassen, diese womöglich ähnlich ratlos wie den Zuschauer ließ. Dass „Army of the Dead“ mit der Heckenschere geschnitten wurde, trägt ebenfalls zum ungünstigen Gesamteindruck bei.

Unverzeihbar ist dennoch die Weigerung vor allem sämtlicher Hauptdarsteller, das menschliche Mimenspiel als schauspielerisches Ausdrucksmittel einzusetzen. Das Schneiden von Fratzen, die Schreck oder Wahnsinn ausdrücken sollen, ist kein adäquater Ersatz. In Sachen Schauspielkunst wirkt ausgerechnet General De Gama durch seine ausgeprägte Körpersprache geradezu vorbildlich.

Rennen & Raufen gelten im Knappgeld-Kino als gern gewählte Alternativen zum menschlichen Faktor. In unserem Fall bleibt der Ausweg verschlossen, denn die Geschichte zwingt unsere Darsteller zum Zusammenspiel mit der leeren Luft, in die erst nachträglich blutrünstige Knochenmänner einkopiert  werden. Genau so wirken die verkrampften Turnübungen denn auch.

Immerhin stand Sicherheit für Regisseur Joseph Contegiacomo auf seiner Arbeitsliste weit über solchen Unwichtigkeiten wie Spannung oder Logik: Wenn etwas explodiert oder eine Brust durchbohrt wird, ist dies ein CGI-Effekt, der als solcher stets deutlich zu erkennen ist. Wieso „Army of the Dead“ trotz eher surrealistischer als realistischer Splattereien als „nicht jugendfrei“ gebrandmarkt wurde, bleibt rätselhaft – oder gibt es eine Zensur für gar zu dreiste Dämlichkeit?

DVD-Features

Trash wie „Army of the Dead“ muss für sich allein stehen. Manche Filme sind beim besten Willen nicht ‚kultig‘ genug, um sie zum „Must-See“-Spektakel aufzublasen; da kapitulieren selbst moralisch ansonsten ausgebrannte Werbe-Fachleute. Welche Features hätte man hier auch zeigen können? Sie hätten die Ärmlichkeit dieser Z-Produktion allzu krass aufgedeckt.

Sogar auf eine Website wurde verzichtet; eine lobenswerte Erscheinung, die viel mehr Möchtegern-Filmproduzenten treffen sollten …

[md]

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