Asylum

Originaltitel: Asylum (USA 2007)
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Ethan Lawrence
Kamera: Gary Capo
Schnitt: Howard E. Smith
Musik: David Hamilton
Darsteller: Sarah Roemer (Madison), Jake Muxworthy (Holt), Ellen Hollman (Ivy), Travis Van Winkle (Tommy), Carolina Garcia (Maya), Cody Kasch (String), Randall Sims (Rez), Benjamin Daniele (Brandon), Joe Inscoe (Wilbur Mackey), Mark Rolston (Dr. Magnus Burke), Gabe Wood (Officer Kelso), Pete Burris (Lloyd), Juan-Carlos Guzman (Rudy Vasquez), Cody Hanford (Mackey als Kind), Jamie Moore (Campus Cop), Andrea Powell (Carol) uva.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 20.03.2008 (Kauf-DVD)
EAN: 4006680043357
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: ca. 88 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Titel bei Amazon.de (DVD)

Das geschieht:

Für Madison, Holt, Ivy, Tommy, Maya und String beginnt das erste Semester an der „Richard Miller University“. Alles ist neu und fremd, Tutor Rez, der ihnen eigentlich hilfreich zur Seite stehen soll, ein unsympathischer Wichtigtuer. Unheimlich ist auch das Wohnheim, in das man das Sextett einquartiert hat. Das alte Gemäuer wurde zwar saniert und modernisiert, doch der Ostflügel blieb verlassen und heruntergekommen.

Seit mehr als sechs Jahrzehnten ist dies so, und String hat den Grund herausgefunden: Das Gebäude war einst Sanatorium des berüchtigten Dr. Magnus Burke, der in den 1930er Jahren psychisch labile Jugendliche ‚therapierte‘. Tatsächlich folterte er sie, wobei er sich am liebsten zweier scharf geschliffener Lobotomie-Pickel bediente, die er seinen ‚Patienten‘ durch die Augenhöhlen ins Hirn stieß und sie damit in Zombies verwandelte. Der alte Mackay, der als Hausmeister über den Campus schlurft, wurde Burkes letztes Opfer, denn 1939 erhoben sich die Insassen gegen ihren Peiniger und brachten ihn um; seine Leiche wurde nie gefunden.

Seither soll es umgehen in dem alten Haus: Dr. Burke dreht noch immer seine Runden. Studenten verschwinden spurlos, eine Tatsache, die von der Universitätsleitung gern unter den Teppich gekehrt wird. So geschieht es auch, als der allzu neugierige String Burkes neuestes Opfer wird. Der böse Geist giert nach der Angst und den Schmerzen, die er den Menschen zufügen kann, bevor er sich ihre Seelen einverleibt. Deshalb verfolgt er vor allem jene, die Schreckliches erlebt haben und mit psychischen Problemen ringen. Wie der Zufall spielt, trifft dies auf alle sechs Neuankömmlinge zu, die deshalb auf grausame Weise dezimiert werden. Verzweifelt versuchen die Überlebenden den Doktor aufzustöbern und zu vernichten, aber der mobilisiert seine übernatürlichen Kräfte und riegelt das Wohnheim ab, um in aller Ruhe auf die Jagd gehen zu können …

Nicht noch ein Teenie-Horror-Movie!

Oh doch, genau das wird uns hier geboten. Handwerklich sauber in Szene gesetzt und mit Schauspielern besetzt, die diese Bezeichnung tatsächlich tragen dürfen, ist es dieses Mal vor allem die Story, die den Zuschauern den Spaß verdirbt. Ärger kommt dazu, wenn man sich die dreisten Interview-Lügen der Beteiligten vor und hinter der Kamera anhört, die unisono behaupten, dass „Asylum“ ein „ganz besonderer Horrorfilm“ sei.

Ist er eben nicht. „Final Destination 2“ war etwas Besonderes; dieser Film soll hier Erwähnung finden, weil ihn ebenfalls David R. Ellis inszeniert hat, sodass man durchaus ein wenig gespannt sein durfte. Zwar lässt der Regisseur die übliche Garde wandelnder Klischees aufmarschieren (‚gutes‘ Mädchen, redlicher Held, Schlampe, Sexprotz, Rühr-mich-nicht-an und Nerd), doch diese sechs Figuren erhalten echte Persönlichkeiten, die zwar niemanden interessieren aber langatmig im Rückblick aufgedeckt werden.

Anspruch am falschen Ort

Sie haben alle Schreckliches durchgemacht – Familientragödien, Drogensucht, Kindsmissbrauch, Vernachlässigung, Prügel; genau diese Erfahrungen sind es, die den Grusel-Doktor Burke magisch anziehen, der sich an ihnen mästen will. Durch Flashbacks bringt Ellis das Elend kurz und präzise auf den Punkt. Dennoch beeinträchtigen sie das Handlungs-Timing, und es sind zu viele letztlich nebensächliche Informationen, die uns vermittelt werden.

Wie man es besser macht, demonstrierten Chuck Russell (Regie) und Wes Craven (Drehbuch) 1987 mit „A Nightmare on Elm Street 3: Dream Warriors“ (dt. „Nightmare 3“). Von diesem Film wurde Drehbuchautor Ethan Lawrence offensichtlich stark ‚inspiriert‘; er profitiert davon, dass vor allem das junge Zielpublikum von „Asylum“ solche alten Horrorstreifen nicht mehr kennt und die Ähnlichkeiten deshalb nicht auffallen. (Wenn wir schon von Ähnlichkeiten sprechen: Die zweite Quelle, aus der Lawrence schöpft, ist „Urban Legend“; 1998; dt. „Düstere Legenden“. Selbstverständlich gibt es Spritzer weiterer Vorbilder, die zu identifizieren ich denen überlasse, die solche Spielchen lieben).

Horror braucht ein Heim

Für das Einrichten schauerlich heruntergekommener Spukhäuser haben Hollywoods Kulissenbauer ein Händchen. Gedreht wurde „Asylum“ im US-Staat South Carolina und dort auf dem Campus der renommierten „Winthrop University“ (Andie MacDowell hat hier 1977 ihr Studium begonnen – und ein Jahr später abgebrochen, um erst Model und dann Filmstar zu werden), die zur „Richard Miller University“ verfremdet wurde. Tillman Hall, das Hauptgebäude, eignete sich mit seiner neo-romanischen Architektur des späten 19. Jahrhunderts ausgezeichnet als düsteres Ex-Sanatorium. Spezialeffekte und der geschickte Zusammenschnitt mit Szenen, die in einer künstlich gealterten Studio-Dekoration entstanden, verstärken diesen Eindruck nachhaltig.

Deshalb fragt man sich natürlich, wieso die Handlung im großen Finale diese eindrucksvolle Umgebung verlässt und sich in einen Sommerwald verlagert. Um das Rätsel noch zu steigern, spielen diese Szenen im hellen Sonnenschein – kein Ambiente, das einer Geistergeschichte bekommt, wie leider festzustellen ist. Stattdessen steigt im Zuschauerhirn die Frage auf, was Dr. Burke eigentlich mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Campus hielt, wenn er so problemlos außerhalb umhergeistern kann?

Nachwuchs-Schauspieler schlagen sich wacker

In einem Punkt liegt Regisseur Ellis ganz auf der Linie des Teenie-Slashers: Die Rollen der Erstsemester werden konsequent mit Schauspielern besetzt, die ihr angebliches Alter lange hinter sich gelassen haben. Immerhin bleibt Ellis wenigstens in einem Punkt dem „Final Destination“-Vorbild treu: Er castete keine Schönlinge oder Busenwunder, sondern heuerte echte Schauspieler an, die auch angezogen ihre Figuren mit Leben erfüllen. Das ist oft eine echte Herausforderung, da die Rollen selbst – s. o. – Klischees sind. Cody Kasch muss sich als hyperintelligenter aber unbeliebter Eierkopf String darstellerisch immerhin ordentlich ins Zeug legen. Auch Travis Van Winkle wirkt als dauergeiler Muskelmann zunächst herzlich lächerlich, bis auch er menschliche Züge an den Tag legen darf.

Sarah Roemer, die vom Aussehen eine jüngere Schwester (oder Tochter?) von Cate Blanchett sein könnte, ist eine gute Wahl als heimliche Heldin des „Asylum“-Dramas. Sie weiß ihre Furcht vor dem Wahnsinn glaubhaft zu illustrieren und bringt ihre horrorfilmtypische Nacktszene silikonfrei und routiniert über die Bühne. Selbstverständlich sind ihre Mitstreiterinnen ebenfalls bildhübsch, denn für weniger von der Natur begünstigten Darsteller sieht der Teenie-Slasher höchstens Statistenrollen vor.

Wenn sonst nichts mehr geht: Gewalt!

In einem recht gemächlich inszenierten Film wie „Asylum“ fallen die Splatter-Effekte fast störend auf. In ihrer Ruppigkeit passen sie schlecht ins Geschehen und wirken wie nachträglich eingebaut, um die einschlägigen Genrefans nicht zu vergrätzen. Mit dem Herzen scheint Regisseur Ellis ohnehin nicht bei der Sache gewesen zu sein, denn selten sieht man solche zwar handwerklich ordentlich aber stimmungslos präsentierten Ekeleien. Merkwürdig, denn Ellis ist ein ehemaliger Stuntman und Stunt-Koordinator, der wissen müsste, wie man Leben in solche Szenen bringt. (Ebenfalls ein Indiz für Desinteresse – oder Unvermögen: Tutor Rez, durchaus eine wichtige Figur, verschwindet irgendwann einfach aus der Handlung.)

Dr. Burke ist kein Finsterling, der für echte Furcht sorgen könnte. Fällt das Licht auf sein Gesicht, bemerkt der Zuschauer höchstens das miserable Make-up. In seinen Handlungen scheint Burke wie auf Schienen zu laufen; er ist schrecklich einfallslos in seinem Foltern und Morden und zitiert endlos seinen Lieblingsspruch: „Gib mir deinen Schmerz!“ Rätselhaft bleibt auch, wieso er den alten Mackay, der ihm einst entkam, in mehr als sechzig Jahren Geisterei nie erwischt hat, obwohl dieser sich nicht einmal in finsterer Nacht dem verfluchten Sanatorium fernhält. Ohnehin wirkt das Monster wie üblich zunächst unbesiegbar, um schließlich einem wirklich blöden Trick zum Opfer zu fallen, was zu allem Überfluss eine Orgie mieser CGI-Effekte und ein peinliches Streben befreiter Seelen gen Himmel in Gang setzt.

Kurz gesagt lässt sich „Asylum“ mit dem ‚Prädikat‘ „flau“ sehr präzise in die richtige Schublade einsortieren. Das ist nicht nur für einen Horrorfilm ein schlimmes Urteil, das allen Aufwand und allen schauspielerischen Einsatz ad absurdum führt.

DVD-Features

Neben dem Hauptfilm findet der Zuschauer diverse obligatorische Features auf dieser DVD. Der Kinotrailer (deutsch/englisch) gaukelt wieder einmal mit rasanten Schnitten, Dröhnmusik & schrillen Schreien ein wesentlich dynamischeres Horror-Werk vor.

Das „Making Of” erschöpft sich in einer Folge unkommentierter Szenen von den Dreharbeiten, die von grässlicher Fahrstuhlmusik begleitet werden. Die „Featurette“ ist eine Sammlung kaum verkappter Werbesprüche der Mitwirkenden, für die man sie möglicherweise juristisch haftbar machen kann, da nicht einmal in den für das Fernsehen produzierten „Making Ofs“ zu Kinofilmen so schamlos übertrieben wird.

Erstaunlicherweise kann die Fotogalerie, sonst Entsorgungsstation für Schnappschüsse der überflüssigen Art, dieses Mal überzeugen – die Bilder sind gut gewählt und laufen in logischer Reihenfolge automatisch ab. Wenn nur diese Musik nicht schon wieder wäre …

[md]

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