Ben & Mickey vs. the Dead

Originaltitel: The Battery (USA 2012)
Regie u. Drehbuch: Jeremy Gardner
Kamera: Christian Stella
Schnitt: Michael Katzman u. Alicia Stella
Musik: Ryan Winford
Darsteller: Jeremy Gardner (Ben), Adam Cronheim (Mickey), Niels Bolle (Jerry), Alana O’Brien (Annie), Jamie Pantanella (Egghead), Larry Fessenden (Frank), Kelly McQuade (Laura)
Label: Meteor Film
Vertrieb: Alive!
Erscheinungsdatum: 25.04.2014
EAN: 4042564150520 (DVD)/4042564150537 (Blu-ray)/4042564150513 (Blu-ray; Steel FuturePak)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min. (Blu-ray: 101 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Wieder einmal haben die Zombies die Welt überrannt. Die Zivilisation ist zusammengebrochen, die wenigen Überlebenden irren verstört durch das von den Untoten verseuchten Land. Im Norden des US-Staates Connecticut versuchen die beiden Baseballspieler Ben und Mickey jeden Tag aufs Neue zu überleben.

Ben ist dabei die treibende Kraft. Als Realist hat er sich schnell an die radikal veränderten Verhältnisse gewöhnt. Mickey hängt dagegen an der Vergangenheit. Viele Monate nach der Apokalypse weigert er sich immer noch, untote Schädel zu zertrümmern. Nicht einmal das Wort „Zombie“ will er aussprechen, weil dies bedeuten würde, vor der Realität zu kapitulieren.

Ben und Mickey bilden eine Zweckgemeinschaft. Freunde sind sie nicht, weshalb Streit an der Tagesordnung ist. Der vorsichtige Ben drängt auf ständiges Weiterziehen, während Mickey sich nach einer festen Bleibe sehnt.

Eines Tages entdeckt Ben nicht nur funktionstüchtige Walkie-Talkies, sondern empfängt auch Funksprüche anderer Überlebender. Doch die fremde Gruppe will keine weiteren Mitglieder aufnehmen und warnt ausdrücklich vor Kontaktversuchen. Mickey klammert sich dennoch an die Chance, endlich wieder unter Menschen zu kommen. Heimlich hält er per Funk Kontakt mit Annie, die ihm ebenfalls rät, die Gruppe zu meiden.

Auf ihren Streifzügen hält Mickey von nun an Augen und Ohren besonders weit offen. Irgendwo innerhalb der nicht besonders großen Reichweite der Funkgeräte müssen die ‚Anderen‘ sein. Eines Tages ist es soweit: Ben und Mickey stoßen auf Jerry, der jedoch keine Gesellschaft, sondern nur den Wagen des Duos stehlen will. Dies ist der Beginn einer Kette verhängnisvoller Ereignisse, die für unsere beiden Helden in einem von Zombies belagerten Auto endet …

Die Apokalypse darf nichts kosten

Zu allen Zeiten galt diese Devise: Willst du einen Film drehen, hast aber kein Geld, probiere es mit einem Horrorfilm! Angst ist ein Gefühl, das sich offenbar kostengünstig wecken lässt. Wie das so ist mit Binsenweisheiten, steht auch diese auf wackligen Füßen: Billige Horrorfilme sind in der Regel ebenso fürchterlich anzuschauen wie billige Filme anderer Genres.

Da das technische Equipment immer erschwinglicher wird, stürzen dennoch Dilettanten scharenweise in Stadtparks und Kiesgruben oder auf Waldlichtungen, um dort vor wie hinter der Kamera dem Horrorfilm Gewalt anzutun. Solange sich anspruchsloses Publikum findet, das diesen Unfug beklatscht, dürfte sich daran nichts ändern.

Dabei ist guter Horror durchaus nicht ohne Hirnschmalz zu entfesseln. Jenseits blutrünstiger Effekte sollte es eine Geschichte geben, die den Zuschauer auch dann fesselt, wenn gerade kein Hals durchgeschnitten wird. Ist dies nicht gewährleistet, kann nur sehr viel Geld für wahrlich spektakuläre Effekte das Interesse wecken. Ansonsten erwachen eher gewalttätige Emotionen, die sich gegen die Filmverantwortlichen richten.

Jeremy Gardner stand für „The Battery“ – der hierzulande den wesentlich knackigeren bzw. beknackten Titel „Ben & Mickey vs. the Dead“ aufgeprägt bekam – nach eigener Auskunft ein ‚Budget‘ von 6000 Dollar zur Verfügung. Sollte dies nicht der Mythenbildung dienen, sondern der Wahrheit entsprechen, muss man Gardner und seinem kleinen Team die Fähigkeit bescheinigen, mit Kleingeld einen ‚richtigen‘ Film realisiert zu haben.

Road-Movie mit Vor-Ort-Geistesblitzen

Kamera, Ton und Darsteller lassen kaum Schwächen erkennen. Natürlich wird immer wieder deutlich, dass kein Geld zur Verfügung stand. Die Kunst liegt in diesem Fall im dem Talent, die Not zur Tugend zu machen. Exemplarisch steht dafür Mickeys Suche nach verlorenen Autoschlüsseln: Er muss dazu den Wagen verlassen, in dem er und Ben sich vor einer Horde Zombies verbarrikadiert haben. Die Kamera bleibt mit Ben im Wagen, dessen Fenster von innen zugehängt sind. Blicke nach draußen sind nicht möglich. Wir Zuschauer sind allein mit Ben. Sein Verhalten spiegelt wachsende Furcht wider. Darsteller Jeremy Gardner – der nicht nur das Drehbuch schrieb und Regie führte, sondern auch eine der beiden Hauptrollen übernahm – muss sich schauspielerisch tüchtig ins Zeug legen, um uns davon abzulenken, dass wir lieber Mickey im Kampf mit den Zombies als Ben im Auto sehen möchten.

Es gelingt, weil Gardner ein Drehbuch schrieb, das möglicherweise ohne Zombies funktionieren würde. Primär geht es um Ben und Mickey, zwei charakterlich völlig unterschiedliche Menschen, die einander unter normalen Umständen keines zweiten Blickes gewürdigt hätten. Das Schicksal wirft sie zusammen. Sie müssen sich zusammenraufen oder untergehen, denn allein ist auf die Dauer keine Flucht vor den nimmermüden Untoten möglich.

Wie Plus und Minus zueinanderfinden, ist ein elementarer Plot der Filmgeschichte. Da Gardner ohnehin kein Geld hatte, wirklich furchterregende Zombies zu kreieren – die weiter oben beschriebene Szene kam auch deshalb zustande, weil die wenigen Zombie-Darsteller, die man sich leisten konnte, einfach keine Belagerung glaubwürdig aufrechterhalten konnten -, konzentriert er sich auf seine Figuren, die in eigenen Kämpfen gefangen sind. Dass Gardner und der ihm glücklicherweise schauspielerisch gewachsene Adam Cronheim viele Handlungen und vor allem Dialoge improvisierten, fügt dem noch den Faktor Authentizität hinzu.

Melancholie oder Realitätssinn?

Ben und Mickey sind nicht einfach zwei Überlebende. Der Film liebt das Symbol. Unser Duo repräsentiert zwei grundsätzliche menschliche Reaktionen auf elementare Krisen. So lässt es sich zusammenfassen, wenn man die Psychologie nicht als Wissenschaft repräsentiert, sondern populär trivialisiert, wie es nicht nur in der Unterhaltung üblich ist.

Ben ist dabei der Realist, der hinnimmt, was geschehen ist, und zu überleben gelernt hat. Er denkt durchaus daran, was er verloren hat, kann seine Trauer aber besser verdrängen oder überwinden als Mickey, der in der Vergangenheit lebt. „The Battery“ heißt der Originaltitel, denn immer wieder sehen wir Mickey, der neue Batterien in seinen CD-Player einlegt. Beinahe ständig trägt er Kopfhörer und hört Musik, um die Gegenwart buchstäblich auszublenden. Immer wieder warnt ihn Ben deswegen, der jedoch ahnt, dass er Mickey nicht auf seine rationale Ebene ziehen kann.

Mickeys Sehnsucht nach Menschen ist so groß, dass er sich und Ben und Lebensgefahr bringt, als er Hinweise auf Überlebende entdeckt. Er wird gewarnt – buchstäblich über Funk und später, als der Flüchtling Jerry zumindest ansatzweise darüber berichtet, dass es in der Gruppe alles andere als gerecht und menschenwürdig zugeht. Doch Mickey gibt offen zu, dass ihm dies gleichgültig ist.

Dieser Handlungsstrang bleibt offen. Wir erfahren nie, was in der Gruppe faul ist, denn die Geschichte nimmt einen anderen Verlauf. Für Mickeys Sehnsucht = Fehler müssen er und Ben bitter bezahlen. Allerdings hat nicht einmal der nüchterne Ben mit einer allzu langen Überlebensspanne gerechnet. Er lebt für und in den Tag hinein.

Knappes Drehbuch für einen langen Film

Damit beginnen die Probleme nicht nur für Mickey, sondern auch für einen Großteil des Publikums. „Ben & Mickey …“ wurde auf diversen Filmfestivals gezeigt und sorgte dort (angeblich) für Furore. Man ist geneigt, diese Zustimmung auch als Erleichterung darüber zu deuten, nicht schon wieder einen Horror-Trasher der Marke Kopf-ab vorgesetzt zu bekommen.

Dass die (etablierte) Filmkritik Feuer & Flamme sein würde, durfte vorausgesetzt werden. Sie liebt Filmemacher, die das Genre als triviale Zeitvergeudung erkennen, es höchstens als Folie ein- und durch Höherwertiges ersetzen. Hier ist es das menschliche Drama, dem Ben und Mickey sich ausgesetzt sehen. Sie schmoren in ihrem emotionalen Saft, der ständig überzukochen droht und für jene zwischenmenschlichen Konflikte sorgt, die besagte Kritik weit über die Bedrohung durch Zombies stellt.

Wem in solchen Sphären die Luft zu dünn ist, wird Atemschwierigkeiten bekommen. So sympathisch Ben und Mickey uns rasch werden: Primär teilt sich dem Zuschauer die Monotonie ihres Flüchtlingsdaseins wieder. Der Überlebenskampf nach der Apokalypse mag in der Tat daraus bestehen, in baufälligen Waldhütten nach Vorräten zu wühlen. Dies zu beobachten ist auf die Dauer ohne besonderen Unterhaltungswert. Es geschieht einfach zu wenig Interessantes. Wortgefechte können in einem Zombie-Film die Untoten nicht völlig ersetzen. Das weiß auch Gardner, der uns hin und wieder einen Brocken hinwirft. Doch seine Zombies sehen nicht einmal tot aus. Nur für Körperschminke war ein wenig Geld da. Tiefergehende Verletzungen konnten nicht dargestellt werden. Darüber hinaus ist die Zombie-Dichte beklagenswert niedrig. Deswegen halten sich Ben und Mickey zwar auf dem Land auf. Doch wie soll sich dem Zuschauer eine Atmosphäre stetiger Bedrohung mitteilen, wenn sich die Untoten allzu rar machen?

So bleibt „Ben & Mickey …“ ein weiterer dieser Filme, die primär von der Werbung als „Kult“ angepriesen werden. Übertreibungen = kundenlockende Verdrehungen dienen dem Zweck zu verschleiern, dass dies ein ereignisarmer, kammerspielähnlicher, manchmal ein wenig lustiger, öfter trauriger und vor allem kleiner Film ist. Stattdessen soll bereits der Titel hierzulande eine Hillbilly-Horror-Komödie à la „Tucker & Dale vs. Evil“ ankündigen. Wer darauf hereinfallen sollte, wird erst bitter enttäuscht und schließlich bitterböse sein – eine Reaktion, die „The Battery“ nicht verdient, da ein solcher Film nie geplant war.

DVD-Features

Neben Unwichtigem wie dem originalen und dem deutschen Trailer findet sich unter den Features ein Audiokommentar mit Jeremy Gardner, Adam Cronheim und Christian Stella. Die beiden Hauptdarsteller und der Kameramann wissen manches interessante Liedchen über die Probleme einer Filmproduktion ohne Produktionsbudget zu singen. Als Ausgleich diente ein beachtlicher Teamgeist, der den Beteiligten manches Opfer abforderte. Mehrfach wird betont, wie wichtig die Chemie zwischen Gardner und Cronheim war, da nur auf diese Weise jene beiden Figuren, auf deren Schultern der Film ruhte, glaubwürdig wirkten – eine Herausforderung, die tatsächlich gemeistert wurde.

Zwei Kurzfeatures zeigen die Rockgruppen „Real Whiskey“ und „Rock Plaza Central” auf der Bühne. Selbst wesentlich üppig budgetierte Filme können in der Regel nicht mit einem so fabelhaften Soundtrack wie „Ben & Mickey …“ aufwarten. Deshalb ist es nicht nur billig, sondern auch recht, den beteiligten Künstlern – die ihre Musik honorarfrei beisteuerten – ein wenig Raum für Selbstvermarktung zu bieten.

Zum Film gibt es diese Website.

Kurzinfo für Ungeduldige: Zwei ehemalige Baseballspieler ziehen durch ein von Zombies verheertes Nordamerika. Ständige Gefahr bestimmt ihr Leben, hinzu kommen Langeweile, Verdruss und Einsamkeit, die schließlich das vage Gleichgewicht kippen lassen … – Existenzialistischer Horror, wie ihn vor allem Filmkritiker lieben: ereignisarm, dafür geprägt von Dialogen und musikalische ausgezeichnet untermalt. Wer dafür keinen Sinn besitzt, dürfte mit den Hauptdarstellern Langeweile und Verdruss teilen.

[md]

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