Ein aus dem Ruder ge- und dann entlaufenes Geheimexperiment der Regierung macht sich in Gestalt einer Riesenspinne selbstständig. Rasch jeden Elefanten in Größe & Gewicht hinter sich lassend, beginnt das Monster Los Angeles zu terrorisieren … – Jeglichen Realitätssinn ausblendendes, vordergründiges und flachhumoriges, dabei unterhaltsames, flottes und mit recht guten Spezialeffekten aufwartendes B-Movie.

Das geschieht:

Alex Mathis ist dick aber gutmütig und sehr beliebt bei seinen Kunden, die er auch in seiner Freizeit gern besucht, denn Alex ist Kammerjäger mit Leib und Seele. Er liebt es, dem Ungeziefer auf den Leib zu rücken, und scheut dabei die finsteren Keller und feuchten Schächte seiner Heimatstadt Los Angeles nicht.

Deshalb ist er sofort bereit, sich um eine Spinne zu kümmern, die im Leichenkeller des örtlichen Krankenhauses ihr Unwesen treibt. Allerdings weiß Alex nicht, worauf er sich einlässt: Das Objekt seiner Jagd ist das Produkt allzu ehrgeiziger Wissenschaftler des US-Geheimdienstes, die mit außerirdischer DNS und Wachstumshormonen herumspielten und damit versehentlich das achtbeinige Spinnentier besprühten, das außerordentlich rasant auf diesen Cocktail reagierte.

Dank eines weiteren Fehlers konnte die Spinne entkommen. Hart auf ihren Fersen sind der eisenharte Major Tanner, der skrupelarme Dr. Lucas und die liebliche Lieutenant Karly Brant, in die sich Alex auf den ersten Blick verliebt, als sie ihm im Krankenhaus-Keller das Leben rettet: Die Spinne hat längst ein Kaliber erreicht, die sie vor Fußtritten oder Insektengift schützt. Stattdessen fällt sie Menschen an, um ihren unermesslichen Appetit zu stillen; schließlich wächst sie unaufhörlich weiter, und in ihrem Hinterleib warten bereits unzählige Eier auf Ablage.

Da das Militär rüde auf seine Unterstützung verzichtet, macht sich Alex mit seinem neuen Kumpel, dem Sicherheitsmann Jose Ramos, privat an die Verfolgung des Untiers. Dank seiner Fachkenntnis kann das Duo die Spinne tatsächlich aufspüren. Allerdings hat die inzwischen die Größe eines Autobusses erreicht. Außerdem kann sie Säure verspritzen, Fangnetze schleudern, verfügt über acht nadelspitze Klauen und ist zu allem Überfluss kugelfest. Unaufhaltsam bahnt sich das Monster einen Weg in die Innenstadt von Los Angeles. Dort sind seine rotglühenden Augen auf ein Gebäude gefallen, das sich hervorragend als Stube für jene Kinder eignet, die sich über die ganze Welt zerstreuen sollen …

Action & Witz als einzige Programmpunkte

Seit es den Film gibt, spiegelt er die gegensätzlichen Pole „Anspruch“ und „Wirklichkeit“ wider. Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren und natürlich Schauspieler: Sie lieben es, Filme zu drehen, die über eine künstlerische Bedeutung verfügen. Diese wird von einer sich fachlich kompetent fühlenden Kritik festgestellt. Die Medien schätzen eine solche Adelung, die das eigene Nachdenken erspart, und die Werbung springt erst recht auf den Zug auf.

Doch nicht nur oder gar unbedingt dem hofierten Kino der A-Klasse verdankt Hollywood seine legendäre Erfolgsgeschichte. „Vergoldung vergeht, Schweinsleder besteht“, schrieb 1862 Hans Christian Andersen in seinem Märchen „Das alte Haus“. In der Tat finanzierten sich die Hollywood-Studios schon in ihren goldenen Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg (und der Einführung des Fernsehens) zum Großteil durch ‚kleine‘, d. h. finanziell knapp budgetierte, rasch heruntergekurbelte B-Movies.

Hier blieb das Risiko überschaubar, während die Zuschauer gewisse Aspekte der Sparsamkeit durchaus schätzten: B-Movies mussten nicht beeindrucken, sondern unterhalten. Der Faktor Kunst wurde durch das Element der Unterhaltung ersetzt. B-Movies waren schnell und handlungsschlank; sie wurden aus bewährten Bauteile handwerklich sauber zusammengesetzt. Darüber hinaus bot der B-Film Raum für Experimente: Die geringen Kosten gestatteten inhaltliche und formale Freiheiten – und Freizügigkeiten.

Spinnenterror & Spinnereien

„Big Ass Spider!“ ist unter Berücksichtigung dieser Punkte ein B-Movie par excellence. Es gibt in diesem Film keinen originalen Gedanken. Dafür prunkt er mit originellen Einfällen, von denen einige erfreulich gut funktionieren. Regisseur Mike Mendez und Drehbuchautor Gregory Gieras blieb gar keine andere Möglichkeit, als die Story auf die Spitze zu treiben und dabei an krausem Humor nicht zu sparen. Das Budget reichte nicht einmal zur Anstellung eines Casting-Directors aus, der üblicherweise Hollywoods arbeitsinteressierte Schauspieler für den Regisseur vorsiebt. Stattdessen rief Mendez ihm bekannte Darsteller an und engagierte, wer gerade frei war oder mitspielen wollte.

Mit diesem Netz fing er nicht gerade Weltstars, sondern Profis, die es gewohnt sind, schnell und gut zu arbeiten – zwei für den B-Film unverzichtbare Eigenschaften, die eindeutig wichtiger als Talent sind. Anders als im Z-Film, der vor und hinter der Kamera nur Flaschen und Verzweifelte versammelt und auf die Bedürfnisse des Publikums pfeift, setzt das B-Kino aber durchaus auf klassische Schauwerte. „Big Ass Spider!“ bietet deshalb keine schauspielerischen Meisterleistungen, sondern darstellerische Kompetenz, die durch eine simple aber zielstrebige Handlung sowie zum Teil beachtliche Spezialeffekte gestützt wird.

Der Plot vom Geheimprojekt, das mit spektakulären Folgen scheitert, ist ebenso alt wie alltagstauglich. Eine Spinne taugt ebenfalls immer als Feindbild, da bereits die realen, eher kleinwüchsigen Krabbeltiere für Horror sorgen. Dass eine Spinne, die sich durch einfache Löcher in ihrem Außenpanzer Atemluft verschafft, jämmerlich ersticken müsste, würde sie nur Katzengröße erreichen, wird ebenso erfolgreich verdrängt wie die Tatsache, dass ihre Beine unter dem Eigengewicht zusammenbrechen würden.

Von Trümmern gesäumter Pfad der Fantasie

Denn die Realität ist im B-Movie nur ein Spielball. Sie rollt einen Kurs, der dem Publikum größtes Vergnügen verspricht. Logik oder Figurenzeichnung bleiben ihm untertan. Ebenso wichtig ist darüber hinaus die humorvolle Distanzierung von der erzählten Geschichte. Sie wird zwar solide erzählt aber nicht ernstgenommen. Damit dem Zuschauer dies bewusst wird – besonders Film-Nerds lieben solche metaphysischen Momente –, bauen Autor und Regisseur Verweise auf und Zitate aus anderen Filmen oder TV-Serien ein. In „Big Ass Spider“ werden beispielsweise „King Kong“ (1933) oder „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) parodiert. In der Mini-Rolle eines dümmlich-geilen Joggers erkennt der erfahrene Filmfreund außerdem Lloyd Kaufman, den Mitbegründer der „Troma“-Studios, die seit 1974 brachialen aber beliebten Filmtrash produzieren.

Selbst abgestandene Gags – und davon gibt es viele – zünden überraschend oft, weil sie mit Schwung und Spielfreude präsentiert werden. Echte Längen sind selten, obwohl dem Drehbuch nach furiosem Auftakt im Mittelteil spürbar die Luft ausgeht. Routine ersetzt die Idee, was aber durch den Riesenwuchs der Spinne und ihre liebevoll in Szene gesetzten Übeltaten leidlich ausgeglichen wird. Außerdem walzt Regisseur Mendez seinen Monsterspaß nicht ungebührlich aus; nach 75 Minuten setzen bereits die Schlusstitel ein.

Ein Job ist ein Job

Wohl nur in einem B-Movie kann der Held ein dicklicher, nicht besonders schlauer und doch sympathischer Underdog sein. Zwar stolpert Alex ständig über seine beiden linken Füße, aber er hat das Herz auf dem rechten Fleck und wächst über sich hinaus. Schließlich hat er nicht nur L. A. gerettet, sondern auch das Herz der kühlen Karly gewonnen und den bärbeißigen Major Tanner begeistert.

Greg Grunberg erledigt seinen Job ohne allzu heftige Grimassen-Schneidereien. Diese Aufgabe übernimmt Lombardo Boyar in der vielleicht gut gemeinten leider allzu übertriebenen Rolle des schmächtigen, geschwätzig radebrechenden, witzigen aber selbstverständlich ebenfalls tapferen hispanischen Buddys. Für Clare Kramer bleibt die undankbare Rolle des „love interest“, das sich erst zickig gegen die unbeholfenen Annäherungsversuche des Helden sträubt, um sich später von ihm retten zu lassen. Ray Wise gibt den Respekt (oder Angst) verbreitenden Befehlsdespoten; eine Rolle, die er im Schlaf beherrscht. In der Tat wirkt er nie ganz wach, zumal man ihn meist nur sieht, wie er in diversen Kommandozentralen Befehle bellt.

Die digitale Kreatur des Schreckens

Spezialeffekte im B-Film deuten in der Regel an, was wir sehen sollen. Faktisch sind sie als solche erkennbar. Daran hat sich im digitalen Zeitalter nichts geändert. Im Gegenteil werden schlecht ausgeführte Tricks von einem verwöhnten Publikum erst recht identifiziert. Auch „Big Ass Spider!“ kann nicht mit Effekten prunken, die wir aus Blockbustern mit dreistelligen Produktionsbudgets kennen. Vor allem wenn die Spinne sich Menschen schnappt und diese Opfer sich in Bits & Bytes verwandeln, wird das schmerzlich offensichtlich.

Die Spinne selbst wirkt sogar im Kleinformat erschreckend realistisch. Solange sie sich in dunklen Ecken herumdrückt, sorgen Schatten für zusätzliche Augenblicke echten Ekels. Im hellen Sonnenlicht verliert das gewachsene Untier keineswegs an Dynamik; auf seinen acht Beinen wirbelt es überzeugend durch genussvoll zerstörte Innenstadtkulissen. Allerdings wirkt die Außenhaut recht matt, was freilich durch ihre Kugelfestigkeit geschickt ‚erklärt‘ wird.

Wenn die Spinne ihre stattliche Endgröße erreicht hat, lässt sie sich auf dem Dach eines Wolkenkratzers nieder. Die ohnehin agile Kamera folgt ihr in die Höhe, lässt sie unter sich und zeigt imponierende Panorama-Aufnahmen, die den gesamten Bildschirm aktionsreich füllen. Hier wurde jeder Dollar offenkundig bis auf den letzten Cent genutzt. Es blieb sogar Kleingeld für einige wirklich fiese Szenen, die horrorfilmdrastisch illustrieren, wie Spinnenklauen oder -säure auf Menschenfleisch wirken. Dass diese Effekte in der deutschen Fassung erhalten blieben und diese trotzdem „FSK 16“ eingestuft wurde, zeigt, dass sogar Tugendwächter den unbekümmerten Spaß am Schrecken erkennen (können).

Letztlich gelingt Mike Mendez etwas, um das sich die meisten Filmemacher, die bewusst ‚komische‘ B-Movies mit hohem „Schlock“-Faktor drehen wollen, vergeblich bemühen: „Big Ass Spider“ erfüllt seine Mission, da das Ziel nicht allzu hoch gesetzt ist. 75 Minuten lassen sich (deprimierend leicht) übler verschwenden als mit diesem kleinen aber unterhaltsamen Monsterspaß!

DVD-Features

Die ‚Extras‘ sind kümmerlich und beschränken sich auf einen anderthalbminütigen Zusammenschnitt aussageschwacher ‚Interviews‘ plus fünf Minuten Aufnahmen vom „South-by-Southwest“-Musik- und Filmfestival im texanischen Austin, wo „Big Ass Spider!“ 2013 vorgestellt wurde.

Dem deutschen Label verdanken wir übrigens – sicher ist sicher! – den für die Proll-Fraktion des Zielpublikums gewiss verlockenden Untertitel „Jetzt bist du am Arsch!“. Wen kümmert’s, dass mit dem Originaltitel ausschließlich das wahrlich eindrucksvolle Hinterteil der Mutanten-Spinne angesprochen wird!

Ein aus dem Ruder ge- und dann entlaufenes Geheimexperiment der Regierung macht sich in Gestalt einer Riesenspinne selbstständig. Rasch jeden Elefanten in Größe & Gewicht hinter sich lassend, beginnt das Monster Los Angeles zu terrorisieren … – Jeglichen Realitätssinn ausblendendes, vordergründiges und flachhumoriges, dabei unterhaltsames, flottes und mit recht guten Spezialeffekten aufwartendes B-Movie.

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Big Ass Spider! – Jetzt bist du am Arsch!
Originaltitel: Big Ass Spider! (USA 2013)
Regie u. Schnitt: Mike Mendez
Drehbuch: Gregory Gieras
Kamera: Benji Bakshi
Musik: Ceiri Torjussen
Darsteller: Greg Grunberg (Alex Mathis), Clare Kramer (Lieutenant Karly Brant), Lombardo Boyar (Jose Ramos), Ray Wise (Major Braxton Tanner), Patrick Bauchau (Dr. Lucas), Alexis Peters (Schwester Lisa), Bob Bledsoe (Direktor Harris), Lin Shaye (Mrs. Jefferson), Lloyd Kaufman (Jogger) uva.
Label: Splendid Entertainment
Erscheinungsdatum: 03.01.2014
EAN: 4013549052771 (DVD)/4013549038218 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 78 min. (Blu-ray: 81 min.)
FSK: 16

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Die Rache der schwarzen Spinne

Grabbers

Zombiber

Rubber