Bigfoot – Der Blutrausch einer Legende

Originaltitel: Bigfoot – The Lost Coast Tapes (USA 2012)
Regie: Corey Grant
Drehbuch: Brian Kelsey u. Bryan O’Cain
Kamera: Richard J. Vialet
Schnitt: Ralph Jean-Pierre
Musik: Eddie Booze
Darsteller: Drew Rausch (Sean Reynolds), Rich McDonald (Darryl Coleman), Ashley Wood (Robyn Conway), Noah Weisberg (Kevin Lancaster), Frank Ashmore (Carl Drybeck), Rowdy Kelley (LaRoche), Japheth Gordon (Curtis), Sweetie Sherrié (Latonya) u. a.
Label/Vertrieb: Los Banditos Films
Erscheinungsdatum: 06.12.2013
EAN: 4250128411608 (DVD)/4250128411615 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Mit einem gefälschten Auftritt des US-Fabelwesens „Sasquatch“ hat man den Dokumentarfilmer Sean Reynolds nicht nur peinlich getäuscht, sondern auch seiner Karriere einen abrupten Abwärtsknick verpasst. Diese Schlappe gedenkt er auszuwetzen, indem er mit der Wurst nach der Speckseite wirft: Der Wildläufer Carl Drybeck hat mit seinem Kumpel LaRoche angeblich in den Wäldern an der nordkalifornischen Küste die Leiche eines „Bigfoots“ – so werden diese riesigen, menschenaffenähnlichen Wesen auch genannt – entdeckt und versteckt.

Für 75000 Dollar will Drybeck den Fund präsentieren. Sean setzt alles auf diese Karte. Er heuert seinen Freund Darryl als Kameramann an und nimmt mit dem dümmlichen Kevin als Tonmann vorlieb. Ex-Freundin Robyn ist Produzentin sowie Schamanin der Expedition. Möglichst jede Minute wird gefilmt, um daraus jenen Knüller zu schneiden, der Sean vorschwebt. Notfalls will er Drybeck als Betrüger vorführen!

Ihre Fahrt führt die kleine Gruppe in ein Camp irgendwo im Küstenwald. Hier funktionieren keine Handys, man ist auf sich gestellt bzw. den Possen des paranoiden Drybeck ausgeliefert, der von unsichtbaren Kreaturen im Wald faselt. Als in der Nacht die Hütte lautstark belagert und attackiert wird, geht die Crew davon aus, dass LaRoche dahinter steckt, der ihnen eine Bigfoot-Vorstellung liefern soll.

Seltsame Fuß- und Haarspuren sorgen am nächsten Tag für einen Meinungsumschwung. Sämtliche Wege ins Camp sind mit tonnenschweren Baumstämmen blockiert. Robyn wird von einem riesigen Geschöpf geschnappt und kann erst in letzter Sekunde befreit werden. Der ängstliche Kevin hat genug. Er versucht zu Fuß aus dem Wald zu flüchten. Die anderen harren aus, da eine sensationelle Entdeckung in der Luft liegt. Stattdessen schnappt eine Todesfalle endgültig zu: In der Nacht kommen die Wesen, um sie zu leeren …

Fabel- und Faselwesen

Der Mensch der Neuzeit liebt Mysterien. Er hat die meisten Rätsel, die ihn einst in Unruhe versetzten, zumindest in seinem unmittelbaren Lebensumfeld gelöst. Böse Geister, Vampire, Werwölfe – sie sind verschwunden. Man muss sie nicht mehr fürchten. Stattdessen vermisst man sie.

Das Rätsel an sich ist in der Regel faszinierender als seine Auflösung. Die ist oft banal. Deshalb kann es nur von Vorteil sein, wenn sich das Geheimnisvolle möglichst vage zeigt und keinerlei handfesten Beweise zurücklässt. So kann man es hegen & pflegen, sich seiner erfreuen sowie sich mit ihm wichtigmachen oder sogar Profit daraus schlagen.

Zu den prominenten Rätselwesen dieser Welt gehört der „Bigfoot“, der in Kanada „Sasquatch“ genannt wird. Angeblich handelt es sich hierbei um einen riesigen Menschenaffen, der sich an das raue Klima der nordwestamerikanischen Berg- und Küstenwälder gewöhnt hat. Hier ist es immerhin gemütlicher als im Himalaja, wo Bigfoots Verwandter, der Yeti, sein Unwesen treibt. Außerdem sind diese Wälder so weitläufig, dass sich zumindest annehmen lässt, dass hier eine Population gewaltiger Menschenaffen – vielleicht sind es auch Affenmenschen – ihre ökologische Nische gefunden hat.

Von ihnen gemunkelt wurde schon im 19. Jahrhundert, aber die eigentliche Bigfoot-Manie startete erst nach 1950. Augenzeugenschilderungen und gern in Gips fixierte Fußspurenfunde wurden nun kongenial durch ausschließlich verwackelte und schlecht belichtete Foto- und Filmaufnahmen ‚ergänzt‘. „Kryptozoologen“, die unsere Erde als wahren Hort merkwürdiger aber lieber untergetaucht lebender Geschöpfe betrachten, sammelten und sammeln weiterhin eifrig Haar- und Kotproben. Leider besteht die offizielle Wissenschaft – die aus kryptozoologischer Sicht von Ignoranten, die Wahrheit vertuschenden Geheimdiensten und Spielverderbern dominiert wird – auf handfeste Beweise: Knochen, eine Leiche etc. Die konnten nie vorgezeigt werden.

Die Jagd auf den Sasquat(s)ch

Da kann Hollywood glücklicherweise Abhilfe schaffen! Zum Zwecke der Unterhaltung lässt man dort seit jeher alle möglichen (und unmöglichen) Ungetüme aufleben. Auch Bigfoot hat natürlich oft und in den letzten Jahren sogar verstärkt seine haarigen Tatzen vor die Kamera gehalten. Allen diese Filme zwischen „Sasquatch: The Legend of Bigfoot“ (1977) über „Big Foot at Holler Creek Canyon” und „Abominable“ (beide 2006) bis „The Bigfoot Diaries“ (2009) und „The Shadow of Bigfoot“ (2013) eint, dass sie formal wie inhaltlich billig sind. Mehr noch: Der Anteil echter Trash-Filme ist beträchtlich.

Es bekommt einem Mythos offensichtlich nicht, wenn er sich dort manifestiert, wo die Wälder tief und ihre Primärbewohner Rednecks & Hillbillies sind. Dieser Menschenschlag wird von kultivierten Zeitgenossen sogar noch einige Stufen unter dem Bigfoot auf der Evolutionsleiter lokalisiert. Ungebildet und inzüchtig, fanatisch, rückständig und schwer bewaffnet sollen sie alle sein; selbstverständlich gibt es ein eigenes Horror-Genre für ihr grausiges Wirken.

Außerdem wirkt ein riesengroßer Bigfoot leicht lächerlich, wenn er – wie lange üblich – von einem Stuntman im Gorilla-Kostüm gemimt wird. Mythen bleiben (s. o.) ohnehin besser unsichtbar. Was treiben Bigfoots eigentlich Interessantes? Sie leben im Wald, bauen sich plumpe Nester aus abgerissen Zweigen und legen auf Körperhygiene keinen Wert. Wenn man sie stört, brüllen Bigfoots wütend und werfen mit Ästen (was durchaus verständlich ist): Auch das Drehbuchautorenduo Brian Kelsey und Bryan O’Cain beschränkt sich auf solche Erkenntnisse.

Mythos mit Schulterpolstern

Deshalb ist es notwendig, den Bigfoot aufzuwerten. Regisseur Corey Grant sorgt – manchmal gar nicht ungeschickt – dafür, dass wir ihn stets ohne Vorwarnung nur zufällig und irgendwo am Bildrand entdecken. Dort stapft er ins Off, oder es glühen seine Augen. Spannung entsteht, weil nur wir, die Zuschauer, nicht aber die durch den Wald stolpernde Filmcrew diese Momentauftritte bemerken. Weniger subtil aber wirkungsvoll gibt Bigfoot trompetenartige Zornesschreie von sich oder pinkelt flüssigkeitsreich gegen Hüttenwände. Außerdem hinterlässt er die berühmten Fußspuren, wobei er sich Mühe zu geben scheint, schönen, weichen Flusslehm dafür zu finden.

In einer schatztruhenähnlichen Kiste, die von den Rednecks Drybeck und LaRoche wirkungsvoll in eine nur bei Ebbe betretbare Höhle geschleppt wurde, soll sogar ein toter Bigfoot modern! Zwar stoßen unsere Helden soweit vor, doch dann geschieht wieder etwas Schreckliches, und sie ergreifen die Flucht, ohne den Deckel gehoben zu haben.

Was ohnehin kontraproduktiv wäre, enthüllt uns Regisseur Grant doch in letzter Filmsekunde, dass womöglich nicht nur (oder gar nicht) der Bigfoot umgeht! Der legendäre Jersey Devil scheint stattdessen seinen Lebensmittelpunkt nach Nordkalifornien verlegt zu haben. Außerdem könnte es sein, dass Bigfoot mit Außerirdischen oder dem Teufel im Bund ist. Dies erläuternd zu vertiefen bliebe einer Fortsetzung vorbehalten, die übrigens für 2014 angekündigt ist „Bigfoot: Beyond the Lost Coast Tapes“.

Lästiges Volk – nicht nur für Bigfoots!

Der Untertitel „The Lost Coast Tapes“ weckt beim Zuschauer einen Verdacht, der sich leider bestätigt: Für die nächsten neunzig Minuten sollten Kopfschmerztabletten griffbereit sein, denn „Bigfoot“ ist ein „Found-Footage“-Film. Was wir sehen, soll ein grober Zusammenschnitt dessen sein, was die Hauptfiguren mit ihrer Kamera digital fixiert haben. Da sie diese selten auf einen Ständer stellen, wackelt das Bild meist erbärmlich, was gleichzeitig unterstreichen soll, wie authentisch das Geschehen ist.

Weiterhin hilfreich ist die Wackelei, weil sie schlüssig erklärt, wieso wir Bigfoot nie klar und deutlich zu Gesicht bekommen: Wer kann es dem Mann oder der Frau hinter der Linse verdenken, ist er oder sie doch damit beschäftigt, durch dichtes Unterholz zu flüchten und dabei panisch zu kreischen?

Dabei beginnt es recht vielversprechend und sogar witzig. Sobald der Spuk im Wald anhebt, ist es jedoch nicht nur mit der Handlungssubtilität vorbei. Die Figurenzeichnungen lösen sich in Luft auf und gerinnen neu zu bekannten Klischees. Drew Rausch mutiert zum rasenden Sensationsreporter, der seine Crew skrupellos verheizt. Rich McDonald gibt den tumben Kumpel, Ashley Wood das esoterisch angehauchte Alibi-Weibchen; selbst im tiefsten Urwald sieht sie noch niedlich aus, was ihren Daseinszweck in dieser Geschichte definiert.

Rundum ärgerlich ist die Figur Kevin Lancaster. Mit Schafsgesicht, Nerd-Brille und Minipli-Deppenfrisur à la Atze Schröder wird er bereits optisch als Witzfigur, Trottel und Feigling eingeführt. Folgerichtig gibt er das waldscheue Waschweib, bis der Zuschauer ihm Bigfoot nachdrücklich auf den Hals wünscht. Als dem endlich Genüge geschieht, ist es übrigens heller Tag, während Bigfoot ansonsten stets in der Dunkelheit bleibt. Dies ist nicht der einzige Logikbruch einer generell windschiefen Story, um deren Unterhaltungswert es ebenso düster bestellt steht wie der nordkalifornische Wald. Für das Tüpfelchen auf dem traurigen „I“ sorgt ein deutscher Dumm-Titel, der vom „Blutrausch einer Legende“ fabuliert, was sich schon aus Mangel an geeignetem Metzel-Material in engen Grenzen halten muss.

DVD-Features

Bis auf den Trailer zum Hauptfilm beschränken sich die ‚Extras‘ auf Werbung für weitere Filme der Kategorien B und C.

Kurzinfo für Ungeduldige: Ein Filmteam stöbert dem angeblich in Nordkalifornien auffällig gewordenen Bigfoot hinterher. In ihrem Waldcamp wird die Gruppe von ebenso mysteriösen wie aggressiven Kreaturen belagert, die schließlich zum Frontalangriff übergehen … – Wackelkamera-„Found-Footage“-Filmchen; nach recht gelungenem Auftakt flaut die Handlung rasch zur üblichen Ist-da-was?-Flucht durch den sichtkontaktarmen Nachtwald ab: typische Dutzendware.

[md]

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