Black Sheep

Originaltitel: Black Sheep (Neuseeland 2006)
Regie u. Drehbuch: Jonathan King
Kamera: Richard Bluck
Schnitt: Chris Plummer
Musik: Victoria Kelly
Darsteller: Nathan Meister (Henry Oldfield), Danielle Mason (Experience), Peter Feeney (Angus Oldfield), Glenis Levestam (Mrs. Mac), Tammy Davis (Tucker), Richard Chapman (Muldoon), Louis Sutherland (Winston), Oliver Driver (Grant), Tandi Wright (Dr. Astrid Rush), Ian Harcourt (Brash), James Ashcroft (Prebble), Mick Rose (Mike), Matt Chamberlain (Oliver Oldfield), Nick Fenton (Henry als Kind), Sam Clarke (Tucker als Kind), Eli Kent (Angus als Kind), Kevin McTurk (Wer-Schaf) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 22.11.2007 (DVD)/15.01.2013 (Blu-ray)
EAN: 7613059800311 (DVD)/7613059900318 (2-Disc-DVD-Special Edition)/7613059700314 (gekürzte DVD-Version)/7613059400313 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Glenolden Station, Neuseeland: Seit über 100 Jahren ist die Farm im Besitz der Familie Oldfield, die hier Schafe züchtet. Herr über viele tausend Wollköpfe ist derzeit Angus Oldfield, ein kaltherziger Krämergeist, der die Abgelegenheit des Besitzes für verbotene genetische Experimente nutzt: Im Bund mit der berüchtigten Dr. Rush will Angus eine Superrasse von Schafen züchten.

Seinen jüngeren Bruder und Miterben hat Angus schon vor vielen Jahren aus dem Haus geekelt. Jetzt kehrt Henry noch einmal nach Glenolden Station zurück, um sich auszahlen zu lassen. Er hasst das Land und vor allem Schafe und plant umgehend seine Rückkehr in die Stadt. Zusammen mit seinem alten Freund Tucker, der nun als Verwalter für Angus arbeitet, möchte er zuvor noch die Stätte besuchen, an der sein Vater einst tödlich verunglückte.

Auf dem Weg dorthin treffen sie auf Experience, eine junge und sehr radikale Umweltaktivisten. Zusammen mit ihrem Freund Grant war sie auf Angus‘ Treiben aufmerksam geworden und wollte Beweise dafür suchen. Dummerweise hat der tumbe Grant im Eifer des Gefechts ein misslungenes aber sehr lebendiges Labor-Experiment freigesetzt, das nun Schafe anfällt, die sich in tollwütige Killer und Fleischfresser verwandeln. Wer als Mensch von ihnen gebissen wird, verwandelt sich in ein Wer-Schaf, eine erst recht groteske Kreatur mit gewaltigen Kräften.

Henry, Tucker und Experience stranden in der Wildnis, wo rasende Schafe ihnen auf den Fersen sind. Inzwischen bereitet Angus auf der Farm die große Präsentation seines Oldfield-Schafs vor, zu der zahlreiche Investoren eingeladen wurden. Während sich die Besucher nichtsahnend versammeln, rotten sich auf den umliegenden Hügeln die Schafe zusammen, um Rache an den Menschen zu nehmen …

Schafe sind auch nur Menschen

40 Millionen Schafe leben auf der Doppelinsel Neuseeland, die damit einen Großteil der Wolle für diese Welt liefert. Dem stehen nur knapp 4,2 Mio. Menschen gegenüber, was zumindest im Drehbuchautor und Regisseur Jonathan die Frage auslöste, was denn geschähe, wenn sich die allgegenwärtigen Paarhufer gegen ihre Herren erhöben.

Dass Schafe nicht für ihre Aggressivität bekannt sind, überwand King mit einem bewährten Trick: Er ließ sie genetisch ‚aufrüsten‘, was bekanntlich (nicht nur) im Horrorfilm stets und mit spektakulären Nebenwirkungen schiefgeht. Weil Amok laufende Schafe Monster darstellen, die zu fürchten schwerfällt, legte King seinen Film als Komödie an – „Splatstick“ nennt man diese Genrenische, die möglichst schwarzen Humor mit blutigen Splatterszenen mischt. Macht man es richtig, entsteht daraus Großes, denn Schreien und Lachen sind sich erstaunlich nahe.

Die Story von „Black Sheep“ ist einerseits reiner Unsinn, während sie andererseits die Handlung fabelhaft trägt: Im Rahmen einer Welt, in der Filmlogik die üblichen Naturgesetze ersetzt bzw. erweitert, lässt man sich als Zuschauer schnell auf die zahlreichen Absurditäten ein. Schafe lassen sich nicht in schäbigen Schuppen zu Killermaschinen mutieren, und Menschen verwandeln sich ganz sicher nicht in Wer-Schafe. Hier will man es gern glauben, weil es nie ernst genommen wird.

Horror und Humor

Was für das Publikum glücklicherweise nicht gilt. Jonathan King findet das Gleichgewicht zwischen Grauen und Grinsen. „Black Sheep“ benötigt zunächst eine Weile, um in Fahrt zu kommen bzw. seinen Weg zu finden. Wir lernen die Figuren und vor allem die Umgebung kennen: Die Hügellandschaft von Glenolden Station ist integraler Bestandteil der Geschichte, die ohne nicht funktionieren könnte. Sie ist traumhaft schön, was die Ereignisse erst recht unwahrscheinlich wirken lässt: So etwas kann doch hier nicht geschehen!

Kann es doch, wobei die Ähnlichkeit der Szenerie mit dem Auenland ein weiterer Bonus ist. „Black Sheep“ entstand nicht nur dort, wo schon „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ gedreht wurde. Auch die Tricks stammen aus derselben Schmiede – dem Weta-Workshop, der die Mittelerde-Trilogien atemberaubende ‚Realität‘ werden ließ. Wenn sich die tollwütigen Schafe wie Orks die Hügel zur Farm hinab ergießen, ist dies eine gelungene Reminiszenz an das große Vorbild.

„Black Sheep“ orientiert sich als Film zudem an drei frühe Meisterwerke des aus Neuseeland stammenden Regisseurs Peter Jackson: „Bad Taste“ (1987), „Meet the Feebles“ (1989) und vor allem „Braindead“ (1992), ohne freilich deren unbekümmerte Geschmack- und Rücksichtslosigkeit auch nur annähernd zu erreichen.

Blut und Gedärme schmieren den Filmfluss

In einem Punkt kommen „Braindead“ und „Black Sheep“ einander indes ziemlich nah: Die Splattereien der wütenden Schafe lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Im hellen Tageslicht werden Gliedmaßen ab- oder Därme aus Leibern gerissen. Das Blut spritzt in gewaltigen Fontänen, was von frenetischem Geschrei begleitet wird. Wenn sich ein Wer-Schaf und ein Flugzeugpropeller zu sehr nähern, wird dabei nicht abgeblendet. Guter, altmodischer Ekel wird beschworen, wenn Henry und Experience in eine mit faulendem Tierfleisch gefüllte Grube stürzen. Zuvor gibt es in Dr. Rushes Labor weitere Scheußlichkeiten zu sehen. Auf den idyllischen Weiden um Glenolden Station türmen sich Leichen in unterschiedlichen Stadien des Angefressenseins.

Die Schafskreaturen stellen gelungene Mischungen aus Perfektion und Akzeptanz des beschränkten Budgets dar. Ihre Künstlichkeit verbergen die Wer-Schafe nie. Man soll sich ja auch über sie amüsieren. Andererseits zeigen die Weta-Künstler im Finale ihr Können, indem sie eine (an „American Werewolf“ angelehnte) Verwandlung realisieren, die sich wahrlich sehen lassen kann!

Nicht immer konnte (oder sollte?) eine andere Herausforderung gemeistert werden: Viele Schafe mutieren nicht, sondern verwandeln sich ‚nur‘ in Menschenfresser. Die angeblich so dummen Tiere lassen sich offenbar gut dressieren, denn oft genügt es, die Schnauzen echter Schafe mit Filmblut einzupinseln und sie im Rudel zur Kamera hin galoppieren zu lassen, um sie ‚böse‘ aussehen zu lassen. Manches Verhalten lässt sich hingegen nur als Trick verwirklichen: Wenn Tucker in wilder Truckfahrt von einem Schaf attackiert wird, ist dies ein Modell. Da der Mensch Schafe kennt, weiß er, wenn er getäuscht werden soll, selbst wenn diese Modelle so perfekt gearbeitet sind wie hier. Sie sind Marionetten oder Muppets, was einmal mehr hingenommen wird, weil es so gut zum schrägen Gesamtton von „Black Sheep“ passt.

Keine Miene verziehen!

Eine gute Hand bewies Jonathan King mit der Wahl seiner Schauspieler. Sie standen vor dem Problem, noch den blühendsten Blödsinn mit völlig ernstem Gesicht zu meistern und dabei überzeugend zu wirken. Sie schaffen das vorbildlich. Dass kaum ein Zuschauer die Gesichter der Darsteller wirklich kennt (obwohl sie durchaus außerhalb Neuseelands tätig sind), hilft der Geschichte zusätzlich. Man beobachtet keine ‚Filmstars‘ bei der Arbeit, sondern Menschen, denen Erstaunliches zustößt.

Noch in den Nebenrollen wird Bemerkenswertes geleistet. Eine besondere Erwähnung verdient Oliver Driver als militanter aber strohdummer Öko-Terrorist Grant. Schon sein Kostüm und seine fusselbärtige Maske sind grandios, doch er haucht dem unbedachten und übereifrigen Tierschützer auch noch politisch herrlich unkorrektes Leben ein.

Peter Feeney ist ein fieser und komischer Angus Oldfield, der auch die wenigen echten Verstöße gegen Sitte & Moral – der mutierende Angus legt ein unsittliches Interesse an seinem Oldfield-Schaf an den Tag – mit trockenem Witz darzustellen weiß. Undankbarer ist die Rolle von Nathan Meister, da Henrys Schaf-Phobie anfänglich ein wenig zu dick aufgetragen wirkt. Ähnliches gilt für Danielle Mason als Vorzeige-Hippie Experience, die allerdings im Verlauf der Handlung notgedrungen ihren Kampfgeist neu belebt, mit der alten Mrs. Mac die Schrotflinte sprechen lässt und ein weiteres Highlight setzt in diesem Film, dem exakt gelingt, wofür er geplant wurde: Der Zuschauer fühlt sich unterhalten!

DVD-Features

Während der Film zu loben ist, lässt sich über die Features klagen: Sie bleiben ausschließlich der 2-Disc-Special-Edition bzw. der Blu-ray vorbehalten. Dort wird man mit einem Audiokommentar, „Making Of“, Interviews; „Deleted Scenes“, einer „B-Roll“, witzigen Outtakes, einem „Easter Egg“ und dem Original-Trailer bedacht.

Zu warnen ist abschließend vor einer FSK-16-Fassung von „Black Sheep“, denn erstens ist gerade die Drastik der Effekte mitverantwortlich für den vollständigen Filmgenuss, und zweitens ist die Kürzung von Filmen generell ein Verbrechen, das gar nicht heftig genug angeprangert werden kann.

Kurzinfo für Ungeduldige: Genetische Versuche auf einer neuseeländischen Farm lassen Schafe zu Fleisch fressenden Tötungsmaschinen mutieren, die den Spieß umdrehen und ihre menschlichen Hirten hetzen … – Krude aber unterhaltsame und gut besetzte Mischung aus Splatter und Komödie, die schwarzhumorig mit den Klischees des Genres spielt, ohne sie wirklich zu brechen, und in Sachen Ekel-Tricks keine Kompromisse eingeht.

[md]

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