Bombshell Bloodbath

Originaltitel: Bombshell Bloodbath (USA 2014)
Regie, Kamera, Schnitt: Brett Mullen
Drehbuch: Brett Mullen u. Sky Tilley
Musik: Umberto
Darsteller: Rob Springer (Dr. Carter), Alex Elliott (Cara), Jess Barbour (Denise), Ed Ricker (Edward), Jeff Briggs (Bill), Samantha Mills (Sarah), Kathy Butler Sandvoss (Lisa Carter), Miles Snow (Robert Summers), Shane Terry (Donald), Larry Parks (Sheriff Parks) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 18.08.2015
EAN: 4048317384204 (DVD)/4048317484201 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (Blu-ray: 80 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Seit seine über geliebte Gattin Lisa gestorben ist, driften Verstand und Zurechnungsfähigkeit des Arztes und Forschers Dr. Carter zusehends in entgegengesetzte Richtungen ab. Sein beachtliches Fachwissen setzt der trauernde Witwer ein, um ein Serum zu entwickeln, mit dessen Hilfe Lisa von den Toten auferstehen soll.

Leider gibt es Schwierigkeiten: Die notwendigen Testpersonen muss Carter auf den Friedhöfen der Umgebung seiner Heimatstadt Rockingham rekrutieren. Sie gelangen nicht gerade taufrisch auf den Tisch des Labors, das er im Geräteschuppen seines Gartens eingerichtet hat. Daher reagiert nur Carter – nicht aber der Zuschauer – überrascht, als eine tatsächlich funktionstüchtige Mischung besagten Serums die aktuelle Leiche in einen hirnlosen, menschenfleischgierigen Zombie verwandelt, der Carter zu allem Überfluss beißt und mit dem Untod infiziert, was ihn noch unberechenbarer werden lässt.

Da Carter den Zombies ihre unangenehmen Eigenschaften abgewöhnen will, experimentiert er unverdrossen weiter. Doch bald verliert er die Kontrolle: Die Töchter Cara und Denise kommen ihm auf die Schliche. Sheriff Parks schleicht auf der Suche nach dem Leichenräuber um das Haus. Cara steckt sich ebenfalls mit dem Zombie-Gift an, beginnt zu mutieren und ihre Mitmenschen zu attackieren. Carter gehen die Grundstoffe für das Serum aus. Denise und Cara wollen durch einen Einbruch für Nachschub sorgen, doch auch dieses Unternehmen nimmt ein katastrophales Ende.

Irgendwann dämmert dem Sheriff, wer für Angst und Schrecken in Rockingham sorgt. Mit seinen debilen Deputys will er die Carters überprüfen. Selbstverständlich versauen sie es und sorgen für jenes Ereignis, dass als „Bombshell Bloodbath“ in die Ortsgeschichte eingehen wird …

Auf diesen Lorbeeren ruht man sich aus

Umberto Lenzi, Lucio Fulci, Dario Argento: Drei dank der italienischen Sprache klangvolle Namen für drei Filmregisseure, durch die das Kino-Universum bereichert oder besudelt wurde; es kommt auf den Blickwinkel an. Nüchtern betrachtet sind die drei genannten Männer zentrale Vertreter jenes „Exploitation“-Kinos, das in den 1970er und 1980er Jahren für einigen Aufruhr sorgte, weil hier die Befriedigung (angeblich) niederster Zuschauertriebe auf die Spitze getrieben wurde; so urteilten jedenfalls (in der Regel selbsternannte) Tugendwächter und -bolde.

Sie wurden zur Speerspitze einer um die Werte des Abendlandes besorgte Bewegung, die zunächst für willkommene Anti-Werbung sorgte: Zuschauer lieben Filme, von denen ihnen abgeraten wird, und geben sich erst recht Mühe, diese anzuschauen. Wenig später gelang es der kulturellen Neo-Inquisition allerdings, diese auf den Bauch sowie noch darunterliegende Organe zielenden Filme zensieren, d. h. schneiden d. h. verstümmeln oder gänzlich verbieten zu lassen, wobei man in Deutschland besonders gründlich (bzw. wahllos) vorging.

Auf diese Weise wurden Seltsamkeiten wie „Paura nella città dei morti viventi“ (1980; dt. „Ein Zombie hing am Glockenseil“), „Zombi Holocaust“ (1980; dt. „Zombies unter Kannibalen“) oder „Mangiati vivi!“ (1980; dt. „Lebendig gefressen“) endgültig zu ‚Kultfilmen‘, denn was man nicht mehr, nur zum Teil oder nur nach Überwindung diverser Hindernisse raubkopiert sehen konnte, genoss mit den Jahren den Ruf des gewaltsam unterdrücken Meisterwerkes.

Auch gefakter Mist ist vor allem Mist

Tatsächlich sind diese „Exploitation“-Filme weder ‚gefährlich‘ noch gut. Schon als sie noch ungerupft dargeboten werden konnten, kamen Zuschauer, die an Filme Ansprüche jenseits textilfreier Frauenbrüste oder zwangsgeöffneter Menschenleiber stellten, sehr richtig zu dem Schluss, dass man sie übel über den (Kinokassen-) Tisch gezogen hatte. Nichts altert zudem rascher als der Skandal. Was einst einem schockierenden Tabubruch gleichkam, wird heute nach einer Neubewertung selbst von jenen Einrichtungen, die sich schon damals juristisch relevante Zensurprivilegien anmaßen konnten, nicht selten ab 16 Jahren freigegeben.

Dabei dürfte sich gerade diese ‚Zielgruppe‘ kaum für einen Horror begeistern, der nicht nur altmodisch, sondern geradezu lächerlich geworden ist. Alles hat sich verändert. Horror ist heute beispielsweise deutlich temporeicher als früher. Man lässt sich nicht mehr gefühlte Ewigkeiten auf die Folter spannen, und man erwartet Drastik, die auch im Fernsehen längst eine Dimension erreicht hat, die ehemalige „Exploitation“ eher putzig als erschreckend wirken lässt. So können jene Spezialeffekte, die vormals ob ihrer ‚Realität‘ für Grausen oder Entzückung sorgten, im Zeitalter digitaler Zaubereien höchstens Nostalgie-Zauber entfalten.

Ohne dass bisher ein Wort über den hier vorgestellten Film verloren wurde, sind die Probleme von „Bombshell Bloodbath“ bereits aufgezählt. Regisseur (und Drehbuch-Mitautor, Kameramann, Cutter sowie Produzent) Brett Mullen toppt es noch, indem er uns keine unterhaltsame Geschichte erzählt, sondern vor allem darlegt, dass er über die reine Kopie nicht hinausgehen wollte oder konnte.

Zwar darf man – oder sollte es um Mullens Willen – davon ausgehen, dass „Bombshell Bloodbath“ die Vorlagen einerseits liebevoll detailgetreu aufgreifen wollte, um sie andererseits ironisch zu brechen. Doch dies im Detail festzustellen fällt schwer. Kein Wunder, denn bereits die italienischen ‚Klassiker‘ waren der Realität nicht verpflichtet, um es untertreibend auszudrücken. Für den Schauwert wurden Elemente wie Handlungslogik oder Darstellertalent jederzeit ignoriert.

Als Aufguss nicht erfrischend

Stellt sich die Frage, wem dies als Zuschauer gefällt! Unfreiwillig freigesetztes Unvermögen kann jene Schadenfreude aufkeimen lassen, die wir mit dem „Trash-Kino“ verbinden. „Bombshell Bloodbath“ markiert nur den Versuch, den Mist der Vergangenheit künstlich neu aufleben zu lassen. Dies ist riskant, denn echtes Nicht-Talent ist eine Gabe, die sich bemerkenswert entfalten kann aber schwer kopieren lässt.

Mullen ist es nur marginal gelungen. Er hat sich wie schon gesagt auf die Optik der „Exploitation“-Vorlagen konzentriert und die Story darüber kriminell vernachlässigt. Kaum 80 Minuten Laufzeit können sich unendlich dehnen, wenn man zunehmend verzweifelt darauf wartet, dass etwas geschieht, was das Anschauen lohnt. Zwischen jenen Szenen, in denen mit Zombies experimentiert, gemordet oder gefressen wird, schleicht sich Langeweile ein, die sich einfach nicht mehr vertreiben lässt. Gefühlte Minuten umkreist die Kamera immer wieder Schauplätze, die nur für Sekunden das Geschehen bestimmen oder gar keinerlei Handlungsfunktion haben.

Darüber hinaus keimt der Verdacht auf, dass Mullen nicht an die italienischen Alt- (bzw. Als-ob-) Meister erinnern will, sondern einfach unfähig ist. So ergeben viele Szenen auch bei höchstmöglichem Interpretationsspielraum keinen Sinn. Die braven Tochter-Mäuse Cara und Denise mutieren zwischendurch zu leder- und latexgewandeten Kapital-Kriminellen, die ihre Opfer foltern und umbringen. Ebenfalls fragt man sich, wann diese Schauermär eigentlich stattfindet. So fahren die Helden in uralten Automobilen herum, kleiden sich im Retro-Chic und leben ohne aktuelle Hightech. Wenn man sich an die offenbar heraufbeschworene Zeitlosigkeit gewöhnt hat, stehen plötzlich ganz normale Autos neuerer Baujahre am Straßenrand oder auf Parkplätzen herum.

„Konsequenz“ ist nicht per se ein Schimpfwort

Falls es überhaupt ein Budget gab, hat Mullen es nicht für die Ausstattung eingesetzt. ‚Dr.‘ Carters Zombie-Labor ist eine Frechheit – ein schmutziger, mit Müll vollgerümpelter Gartenschuppen, in dem die Wiederbelebung von Leichen gelingt, die angesichts der herrschenden Non-Hygiene sofort wieder tot umfallen müssten. Der ‚Friedhof‘ von Rockingham, in dem Carter – stimmungsvoll aber äußerst unpraktisch ‚getarnt‘ als mittelalterlicher Pest-Doktor mit gewaltiger Schnabelmaske und Umhang – seine Schaufel schwingt, kann es dank wackliger Papp-Grabsteine und hundehüttengroßer ‚Prachtgruften‘ mit dem Gottesacker aus „Plan 9 from Outer Space“ (1959; dt. „Plan 9 aus dem Weltall“) aufnehmen, der als schlechtester Spielfilm aller Zeiten gilt. Und der zombiebedingte Untergang der Welt, der mit dem titelgebenden „Bombshell Bloodbath“ beginnt, wird im Finale nur erwähnt, findet aber aus Kostengründen nicht statt.

Ein Mirakel bleibt es, wie Mullen es schaffen konnte, ausschließlich ‚Schauspieler‘ zusammenzutrommeln, die sich im Reden & Handeln lebend und untot nur durch die jeweilige Maske unterscheiden lassen. Entsprechendes Talentvakuum prägte bereits die italienischen Vorlagen; weibliche Darsteller wurden beispielsweise nach der Größe ihrer Brüste ausgewählt, die sie mindestens einmal in die Kamera halten mussten. Im 21. Jahrhundert sowie in den USA wagt Mullen diesen Schritt zurück ins Authentische freilich nicht; wenn zwischenzeitlich Nacktheit oberhalb der Gürtellinie sichtbar wird, beschränkt sie sich auf bereits tüchtig angematschte Zombinessen.

In den Hauptrollen blamieren sich Darsteller, denen auch der Laie keinen Hollywood-Starruhm weissagen möchte. Da das Drehbuch auch in dieser Hinsicht vor allem Loch an Lücke reiht, können die Bedauernswerten einen Gutteil der Schuld immerhin an Mullen und seinen Mittäter Sky Tilley abwälzen. Sie haben offensichtlich lange darüber nachgedacht, wie man Menschen so agieren lässt, dass es dem gesunden Menschenverstand auf jeden Fall widerspricht. Vor allem in der Person des ausschließlich obszön fluchenden Sheriffs ist dies in einer Perfektion gelungen, die dem Zuschauer trotzdem keine Freude bereitet.

Die Zombies kommen!

Einziger Pluspunkt für Mullen: Er konnte für seine Untoten Trickspezialisten anheuern, denen die Werbung eindeutig wichtiger war als das Honorar, das sie für ihre Mühen einstreichen konnten! Zwar orientieren sich ihre Zombies ebenfalls an den meist mit feuchtem Lehm, Gummimaden und Sprühsahne gestalteten Untoten der Film-Vergangenheit, doch war man bereit und fähig, die Effekte vorsichtig in die Gegenwart zu bringen. Natürlich gelang das nicht immer, doch mancher Zombie sieht richtig gruselig aus!

Auch manche Metzel-Szene kann sich sehen lassen. Ein doppelläufiger Schrotschuss in Gesicht und Oberkörper sorgte selbst bei diesem Rezensenten für einen echten Aha-Moment! Gebissen und zerrissen wird ebenfalls mit einer Detailfreude, die endlich einmal für Nostalgiegefühle sorgen kann, obwohl nicht die Italiener, sondern George A. Romero die Vorbilder lieferte.

Überfordert waren die Maskenbildner ohne eigene Schuld dort, wo Mullen anscheinend Statisten mit dem Versprechen lockte, ihnen als Zombies einen Filmauftritt zu ermöglichen. So erklären sich (viel zu viele) Szenen, in denen Scharen von Untoten über Stoppelfelder torkeln, ohne dass dies für das Geschehen relevant wäre. Wer nicht als Untoter engagiert wurde (oder sich nicht verkleiden wollte), durfte in seiner Alltagskleidung erscheinen, seine Lieblingsknarre mitbringen und im Finale als Zombie-Killer brillieren: diese Sequenz wurde der bereits abgeschlossenen Handlung offenkundig angeklebt, um „Bombshell Bloodbath“ auf Spielfilmlänge zu bringen. Sie allein erreicht aber unfreiwillig jene delirierende, Sinn und Logik quasi kunstvoll aushebelnde Wirkung, die vor allem Dario Argento in seiner großen Zeit manchmal gelang. Das allein kann jedoch diesen Film nicht über die Runden bringen, weshalb sich Brett Mullen mit „Bombshell Bloodbath“ in die Reihe jener dilettierenden Amateure einreiht, die ganz im Geiste Ed Woods davon träumen, die Filmfreuden ihrer Jugend aufleben zu lassen. So lange sie sich innerhalb der eigenen vier Wände blamieren, sei ihnen dies herzlich gegönnt. Eine Grenze sollte aber dort gezogen werden, wo ahnungslose = unschuldige Zuschauer, die zumindest Grundqualitäten verlangen, ins löchrige Boot gezogen werden.

DVD-Features

Keine Untertitel, keine Extras: Das deutsche Label wusste durchaus, was es sich da auf dem Filmmarkt eingefangen hatte. Möglichst kostenneutral sollte „Bombshell Bloodbath“ verramscht werden. Deshalb holte besagtes Label wieder einmal die hauseigenen Zombies aus dem Keller, die dort statt echter Synchronsprecher gehalten werden. Sie knödeln und nölen endgültig den zuschauerlichen Geduldsfaden in Fetzen.

Kurzinfo für Ungeduldige: Auf der Suche nach einem Serum, mit dem er seine tote Gattin wiedererwecken kann, experimentiert ein Wissenschaftler mit grabgeraubten Leichen, die sich in kannibalische Zombies verwandeln und die Gegend heimsuchen … – Obwohl getarnt als Retro- Trashhorror der 1970er Jahre, bleibt „Bombshell Bloodbath“ ein vor und hinter der Kamera dilettantisch in Szene gesetztes, jederzeit unfreiwillig schauerlich ‚gespieltes‘ und grottig synchronisiertes Machwerk, das nur dank handwerklich liebevoll zelebrierte Bluteffekte den zuschauerlichen Ärger dämpfen kann.

[md]

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