Wieder geht der Schwarze Mann auf Teenie-Fang und metzelt so farbenfroh, wie sein beschränktes Hirn und das mickrige Film-Budget es ermöglichen. Der Ideen-Gehalt dieser Billig-Produktion bewegt sich im Minus-Bereich, die aus etlichen B-Movies ‚entliehenen‘ Klischees werden lustlos abgespult, und die Darsteller sind ständig auf der Flucht, sodass eventuelle Regieanweisungen ungehört verhallen: „Direct to DVD“ gepresste Beutelschneiderei.

Das geschieht:

Gerade hat der böse „Boogeyman“, der in Wandschränken und anderen dunklen Winkeln auf seine Opfer – am liebsten Teenies beiderlei Geschlechts – lauert, den Psychiater Dr. Mitchell Allen unter die Friedhofserde gebracht (s. „Boogeyman 2 – Wenn die Nacht dein Feind wird“, 2007), da spukt er schon – wieso auch immer – dessen Töchterlein Audrey hinterher. Die studiert an einer nordkalifornischen Provinz-Universität und ist mit freundlichen aber plapperdummen Freunden geschlagen, sodass der Boogeyman seine Attacken fortsetzen kann, bis Audrey schließlich in ihrer Studentenbude an einem Ledergürtel baumelt.

Depressionsbedingter Selbstmord nach dem tragischen Tod des Vaters lautet das fachmännische Urteil, dem nur Freundin Sarah widerspricht, die noch mitbekam, wie der Boogeyman die arme Audrey würgte. Dummerweise hat sich Sarahs Mutter im Vorjahr erhängt, woraufhin ihre Tochter diverse Monate im Sanatorium verbringen musste. Deshalb ergeht es ihr nun wie Audrey: Niemand glaubt ihr, was dem Boogeyman die Möglichkeit gibt, im Studentenwohnheim seinem Job nachzugehen und Haschköpfe, Möchtegern-Rocker u. a. Sonderlinge zu killen, deren Verschwinden außer Sarah niemand zu interessieren scheint.

Während die ständig warnende aber nicht ernst genommene Sarah schließlich im Kerker des Campus-Sicherheitsdienstes landet, setzt der Boogeyman zum Hauptangriff an. Zuvor hat er Sarah netterweise im Rahmen einer Vision davon in Kenntnis gesetzt, dass er sämtlichen Bewohnern des Wohnheims ein blutiges Ende bereiten will. Nachdem Sarah wieder frei ist sowie die schmelzende Schar ihrer Freunde endlich begriffen hat, was vor- bzw. umgeht, geht es dem Finsterling hinterher, der freilich trotz seiner intellektuellen Beschränktheit den studentischen Widersachern eindeutig über ist …

Blasser Buhmann im bulgarischen Exil

Über die Existenz so manchen Franchises lässt sich nur rätseln. Schon der erste „Boogeyman“-Film von 2005 war weder originell noch ausgesprochen unterhaltsam, sondern nur erfolgreich. Das genügte, um ihn in eine Kuh zu verwandeln, die gemolken wird, bis sie wirklich keinen einzigen Tropfen Blut mehr hergibt; kein Wunder, dass der Boogeyman so miserabel gelaunt ist! Der Strahl wird zudem schon deutlich dünner. Das spiegelt sich im Budget wider. 2005 lag es noch bei 20 Mio. Dollar. 2009 mussten dürftige 3 Mio. reichen. Deshalb wanderte die Produktion nach Bulgarien aus, wo – Regisseur Gary Jones spricht es aus – der Dollar noch wesentlich mehr wert ist als in Hollywood.

Trotzdem wandelt „Boogeyman 3“ konstant am Rande des Zusammenbruchs. Die Story wurde praktisch unverändert vom zweiten Teil übernommen. Statt ein Sanatorium teeniefrei zu meucheln, buht sich der Boogeyman dieses Mal durch ein Studentenwohnheim. Nur jeweils ein Teenie ist in der Lage, den Schwarzen Mann beim Würgen zu sichten, während die Nebendarsteller blind und blöd abwarten, bis sie an die Reihe kommen und gedrosselt, in Stücke gesäbelt, in winzige Koffer gezerrt oder sonstwie so kunstvoll gemordet werden, wie es das Winz-Budget zulässt. Das geschieht alle fünf bis sieben Minuten, wodurch die Zuschauer recht regelmäßig aus ihrem verdienten Schlummer gerissen werden.

Das Drehbuch setzt sich nur aus Klischees und Dummheiten zusammen. Da ist rein gar nichts Neues zu sichten. Der chronische Geldmangel sorgt außerhalb der Metzel-Szenen erst recht für Langeweile. Es wird geredet, gerannt und geschrien. Meist sieht man keinen Grund dafür und mag sich auch keinen ausdenken; „Boogeyman 3“ gehört zu jenen Filmen, denen der Zuschauer, der allzu offensichtlich nur ausgenommen werden soll, keinerlei Zugeständnisse machen mag.

Job ist Job, und irgendwann ist auch das geschafft!

Bei einem 3-Millionen-Dollar-Budget darf der Regisseur an Stars nicht einmal denken. Stattdessen muss er grabenkriegsgestählte Profis rekrutieren, was in unserem Fall TV-Darsteller sind, die ihre Szenen möglichst rasch und glatt spielen. Sogar für eine „direct-to-DVD“-Produktion lassen sie sich anheuern, weil sich die Teilnahme an einem Spielfilm im Lebenslauf besser macht als das Mimen von Nebenrolle 8 in einer von tausend Folgen „Law & Order“ oder „Big Bang Theorie“.

Schauspielerische Begabung muss nicht unbedingt unter Beweis gestellt werden. Für die Darsteller spricht, wenn sie – unabhängig vom Geschlecht – einen gut entwickelten Oberkörper mitbringen, der in einem Horrorfilm dieser Qualitätsstufe mindestens einmal zu entblößen ist. Darstellerinnen rettet davor nur, wenn sie genug Prominenz (und einen tüchtigen Agenten) in die Waagschale werfen können, um sich solcher Zurschaustellung entziehen. Erin Cahill kann es, Nikki Sanderson nicht. Weitere blanke Busen tragen diverse in Bulgarien angeheuerte und namenlos bleibende Statistinnen zu Filmmarkte.

Für den „Boogeyman-3“-Job wird ansonsten nur noch eine gewisse Fitness verlangt. Die Darsteller müssen schnell laufen, die Darstellerinnen zusätzlich tüchtig schreien können. Ansonsten genügen zwei oder drei Gesichtsausdrücke, um problemlos über die Runden zu kommen. Die Rollen sind pure Klischees: die brave Heldin, ihr gutmütiger Freund, der Quoten-Schwarze, der unkonventionelle Freigeist und seine geile aber nette Freundin, der Nerd usw. Dazu kommt ein ‚erwachsener‘ aber faktisch total vernagelter Doktor, der psychologisch wirkende Binsenweisheiten absondert, bis ihn endlich die gerechte Strafe in Gestalt des Boogeyman ereilt.

Fantastik ohne Geld geht einfach nicht

„Boogeyman 3“ sollte in Deutschland ursprünglich ab 18 Jahren freigegeben werden. Zur seltenen Abwechslung muss man sich den Film im dafür zuständigen Gremium jedoch sorgfältig angeschaut haben, denn die FSK wurde auf 16 Jahre herabgestuft. Für die Hardcore-Fans des Splatter-Genres ist das gleichbedeutend mit einem Todesurteil, legt es doch nahe, dass Blut und Gekröse eher moderat verspritzt werden. Das trifft in der Tat zu, doch bilden weder böser Wille noch ein Kotau vor der Zensur die Ursachen. Die Wahrheit ist ebenso simpel wie traurig: Für anständige Metzel-Effekte war kein Geld da.

Noch am besten funktionieren die ‚handgemachten‘ Tricks. Masken, Blutbeutel, falsche Gliedmaßen: Sie mögen inzwischen altmodisch sein, aber sie erfüllen ihren Zweck. Billige CGI-Effekte sind dagegen kontraproduktiv. Als solche überdeutlich erkennbar, zerstören sie hier jede Illusion.

Falls noch Reste einer unheimlichen Stimmung verblieben sein sollten, werden sie durch aufdringliche Klangeffekte endgültig zerstört. Plumpe Dröhn- und Buh!-Attacken sollen den Zuschauer zusammenzucken lassen, wo ansonsten das schläfrig Angesehene kein Erschrecken hergibt. Dem Boogeyman wird eine Soundkulisse unterlegt, die lächerlich ist. Er spricht kein Wort, aber lacht ebenso blechern wie dreckig, wenn er wieder einmal böse war.

Woher kommt dieser Buhmann überhaupt? Die Darsteller versuchen sich an einer Erklärung, aber sie tun sich nicht grundlos schwer damit. Wenn ich das ratlose Gestammel korrekt entwirre, ‚lebt‘ der Boogeyman durch diejenigen Menschen, die an ihn glauben. Je größer ihre Zahl ist, desto mächtiger wird er. Wieso zeigt er sich dann immer nur einem Pechvogel, statt seine Opfer effizient gemeinschaftlich zu erschrecken? Als der Film endet, ist der Boogeyman keinen Schritt weiter: Er drückt sich noch immer in den Wandschränken karg bekleideter Studentinnen herum. Schrecklich ist deshalb höchstens die Vorstellung, dass er im nächsten Teil der Serie ebenso tumb weitertückt wie bisher.

DVD-Features

Dass sich das „Boogeyman“-Franchise dreist an die „Final-Destination“-Serie hängt, wird durch die DVD-Extras zum Hauptfilm und hier besonders durch die Featurette „Deconstruction the Deaths“ noch hervorgehoben. Die eigentliche Story ist nur Gerüst für eine Parade blutig-‚lustiger‘ Morde, die aufgrund des Schmal-Budgets in „Boogeyman 3“ darauf angewiesen sind, vom Regisseur (der aussieht und sich kleidet wie George Lucas‘ bisher verschwundener Zwillingsbruder) und den Darstellern schöngeredet zu werden.

Ähnliches gilt für den Buhmann selbst, dem die Featurette „Creating the Boogeyman“ gewidmet ist. Die Maske ist im Entwurf durchaus eindrucksvoll, doch mit der realen Umsetzung hapert es mächtig. Dazu trägt der Boogeyman anscheinend Mortitia Addams‘ abgelegtes Lumpen-Kostüm. Dargestellt wird er von zwei bulgarischen Stuntmen.

US-Amerikaner fühlen sich im Ausland unbehaglicher als auf dem Mond. Die Featurette „Boogeyman in Bulgaria“ zeigt die nervösen Darsteller auf ihrer Reise nach Bulgarien. Allerdings gefällt es ihnen dort schließlich so gut, dass Hauptdarstellerin Erin Cahill nach Drehschluss zu einem gemeinschaftlichen Besäufnis einlädt.

Irgendwo hatte Cutter John Quinn wohl noch zwei geschnittene Szenen gespeichert, die nun ohne Kommentar unter den Extras auftauchen. Sie sind völlig belanglos, aber das trifft ja auf viele Szenen zu, die im fertigen Film verblieben.

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Boogeyman 3
Originaltitel: Boogeyman 3 (USA 2009)
Regie: Gary Jones
Drehbuch: Brian Sieve
Kamera: Lorenzo Senatore
Schnitt: John Quinn
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Erin Cahill (Sarah), Chuck Hittinger (David), Mimi Michaels (Lindsey), Matt Rippy (Dr. Kane), Nikki Sanderson (Audrey), WB Alexander (Lukas), Elyes Gabel (Ben), George Maguire (Jeremy), Jayne Wisener (Amy), Kate Maberly (Jennifer), Richie Mantaliev (Brandon), Galina Talkington (Katie), Niky Sotirov/Vladimir Yosifov (Boogeyman) u. a.
Label: Ufa Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 03.07.2009 (DVD)
EAN: 0886973833490 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min.
FSK: 16

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