Brian Yuzna’s Lake of the Dead/Beneath Still Waters

Originaltitel: Bajo aguas tranquilas (Spanien/GB 2005)
Regie: Brian Yuzna
Drehbuch: Mike Hostench u. Ángel Sala (nach einem Roman von Matthew J. Costello)
Kamera: Johnny Yebra
Schnitt: Nicolas Chaudeurge
Musik: Zacarías M. de la Riva
Darsteller: Michael McKell (Dan Quarry), Raquel Meroño (Teresa Borgia), Charlotte Salt (Clara Borgia), Patrick Gordon (Mordecai Salas), Manuel Manquiña (Luis), Ricard Borràs (Bürgermeister Luca), Pilar Soto (Susana), Damià Plensa (Antonio), Carlos Castañón (Capitán Keller), Josep Maria Pou (Julio Gambine), Omar Muñoz (Luis als Kind), Santiago Passaglia (Teo), Antonio Portillo (Roberto Borgia), Alejandro De Nova (David), Gara Muñoz (Samantha) uva.
Label/Vertrieb: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 15.03.2007 (DVD*)/19.06.2008 (DVD**) bzw. 26.11.2009 (Blu-ray**)
EAN: 4020974160780 (DVD*)/4020974166232 (DVD**) bzw. 4020974023917 (Blu-ray**)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 96 min. (Blu-ray: 100 min.)
FSK: 18

* = Fassung „Beneath Still Waters“
** = Fassung „Brian Yuzna’s Lake of the Dead

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Das geschieht:

1965 sorgte Bürgermeister Roberto Borgia dafür, dass Marienbad, ein Dorf in einer abgeschiedenen Region Nordspaniens, geräumt und nach dem Bau eines Staudamms geflutet wurde. Er wollte damit die Schreckensherrschaft des Satanisten Mordecai Salas beenden, der die meisten Bürger in Mörder und Kannibalen verwandelt und sogar die Toten aus ihren Gräbern gelockt hatte.

Die Kinder Teo und Luis schlichen sich kurz vor dem Untergang neugierig in den versinkenden Ort. Salas konnte sie in seinen Bann ziehen. Teo befreite ihn und wurde getötet, Luis entkam und versteckt sich seitdem, denn Salas hat seinen Feinden und vor allem der Familie Borgia Rückkehr & Rache geschworen.

Nach dem Tod des alten Borgia lässt er dem prompt Taten folgen. Oberhalb des Staudamms wurde das neue Dorf Debaria gegründet. In diesem Jahr wird sein 40. Jahrestag gefeiert. Teresa Borgia, Robertos Tochter, wird darüber als Journalistin berichten. Reporter Dan Quarry geht noch einen Schritt weiter: Er taucht in den Stausee und schießt Bilder vom versunkenen Marienbad.

Teresas Tochter Clara erlebt den Beginn von Salas Rache. Ihr dummer aber netter Freund Antonio wird beim Schwimmen im See in Stücke gerissen. Er ist nur der erste einer langen Reihe ähnlich endender Pechvögel. Salas herrscht über Zombies, die unter Wasser hausen und nicht nur morden, sondern eifrig die Staumauer bearbeiten, um sie zum Einsturz zu bringen. Sie können sich auf die unfreiwillige Mitarbeit von Bürgermeister Luca verlassen, der im Bund mit Polizeichef Keller Nachforschungen verhindert, um die Jubiläumsfeierlichkeiten nicht zu gefährden. So bleiben nur Dan, Teresa, Clara und der halb wahnsinnige Luis, die sich Salas und seinen dämonischen Wasserleichen in den Weg stellen …

Der Mann, der zu viel wollte

Tief unterhalb des Mainstream-Kinos befinden sich die Gefilde des Horrorfilms. In diesem oft trüben Teich zählt Brian Yuzna zu den größeren Fischen. Er ist ein Vertreter des plakativen Grusels, der H. P. Lovecraft zu seinen Vorbildern zählt. Yuzna-Figuren geraten oft in Metamorphosen, die ihre Körper zu unerhörten Scheußlichkeiten verformen; ein Markenzeichen, das ihm zum Segen wie zum Fluch wurde, da die in der Regel ausgezeichneten Masken, die Yuzna in seinen Filmen zum Einsatz bringt, in einer ungeschickt inszenierten Geschichte wie „Beneath Still Waters“ zur reinen Zirkusattraktion verkommen.

Erinnert sei daran, dass die ‚großen‘ Yuzna-Filme wie der erste „Re-Animator“ (1985) oder der krude „From Beyond“ (1986) von dessen Freund und Kollegen Stuart Gordon realisiert wurden. Yuzna selbst gelang als Regisseur mit „The Dentist“ (1996) ein Genre-Erfolg, aber ansonsten schrieb, inszenierte und produzierte er vor allem Mittelmaß – letzteres inzwischen in der eigenen, zusammen mit Julio Fernández gegründeten Firma „Fantastic Factory“. Sie ist in Spanien angesiedelt und nutzt den Vorteil dieses Standorts, der dank guter filmtechnischer Infrastruktur die kostengünstige Produktion von Filmen für den internationalen Markt ermöglicht.

Auch „Beneath Still Waters“ entstand in der „Fantastic Factory“. Exemplarisch aber unfreiwillig zeigt dieser Film, mit welchen Schattenseiten Yuznas Filmschmiede zu kämpfen hat. Weiter unten wird aufzudecken sein, dass sie nicht nur im begrenzten Talent ihres Schöpfers wurzeln, der einen Overkill brachialer Spezialeffekte mit gelungener Unterhaltung gleichsetzt.

Einer Story geht die Luft aus

„Beneath Still Waters“ funktioniert vielleicht am besten, wenn man jegliche Verbindung zur außerfilmischen Realität leugnet. Ansonsten sorgt bereits der Prolog für ärgerliches Kopfschütteln: Wie gelang es, einen Teufelsschüler, der sogar Tote erwecken kann, zu überraschen und zu überwältigen? Warum können ihn simple Seilfesseln halten? Welcher Sinn liegt darin, ihn und seine Jünger und ein ganzen Dorf in einem Stausee zu ‚begraben‘? Hätte es simples Einmauern nicht auch getan? Wieso traut sich Salas erst nach dem Tod des alten Borgia wieder in die Stadt? Warum ist es nicht sein erstes Bestreben, sich in den Besitz des Buches zu setzen, dem allein er seine teuflischen Kräfte verdankt? Es liegt völlig unbeachtet im Kirchturm von Marienbad, wo es Taucher Dan ungestört von Zombies, Pestschlick u. a. Dämonenbrut bergen kann.

Solche Ignorierung rudimentärster Logik zieht sich durch die gesamte Handlung. Sie ist freilich nicht konsequent genug, um als Stilmittel akzeptiert zu werden. Ständige Brüche künden von einem ärmlichen Drehbuch, das eines wirklich guten Regisseur bedürft hätte, um sich über dieses Manko zu erheben. Yuzna fällt nicht in diese Kategorie. Er ist ein Handwerker, der mit Handwerkern zusammenarbeitet. Dies ist sein Glück, wenn es um Ausstattung, Maske und Spezialeffekte geht, und wird sein Untergang, den er durch die Auswahl grundsätzlich überforderter oder talentloser Darsteller vollendet.

Schlecht geklaut ist doppelt verloren

Das Drehbuch ist nicht nur schlecht, sondern bietet auch ein „Worst-of“ einschlägiger Horror-Klischees, die völlig ungebrochen und frei von Ironie nicht für Schrecken, sondern für unfreiwillige Heiterkeit sorgen. Ein besonderer ‚Höhepunkt‘ stellt in dieser Hinsicht der letzte Auftritt der liebeskranken Susana dar, die um Antonio trauert. Sie betrinkt sich am dunklen See und beschließt ein nächtliches Nacktbad, um ihrem Kummer Ausdruck zu verleihen (sowie dem Zuschauen den freien Blick auf ihre dilettantisch kunstgestopften Brüste zu ermöglichen). Prompt taucht Antonio faulend & fauchend auf den Fluten auf, um von der offensichtlich blind gewordenen Susana freudig in die Arme geschlossen zu werden. Der anschließende Gurgelbiss ist die gerechte Strafe für solche Dämlichkeit.

Dem „Weißen Hai“ ist der skrupellose Bürgermeister entlehnt, der jede Schandtat vertuscht, um ein von potenziellen Investoren besuchtes Dorffest stattfinden zu lassen. Eine Yuzna-Zugabe ist die aus heiterem Himmel losbrechende, von Salas aus der Ferne in Gang gesetzte ‚Orgie‘, die aufgrund der denkbar lustlos gemimten ‚Hemmungslosigkeit‘ sowie der reinen Quantität nicht unbedingt hübscher aber busenfreier Darstellerinnen den US-Zuschauer in brünstiges Schwitzen und das europäische Publikum in schallendes Gelächter ausbrechen lässt.

Stolpern und Stammeln

Für einen Sonderpreis konnte Yuzna offenbar seine ‚Schauspieler‘ anheuern. Womöglich geschah dies en bloc, denn wie sonst wäre es möglich, ausschließlich hölzerne, krass chargierende oder einfach nur unfähige Darsteller in solcher Zahl zusammenzutreiben? Die spanische Besetzung rekrutierte Yuzna verzugsweise aus TV-Seifenopern. Für den internationalen Markt mischte er einige angelsächsische Darsteller unter sie, die sich jedoch tragisch harmonisch in das leblose Ensemble einfügen.

Patrick Gordon gibt mit Faltenmund und aufgerissenen Augen einen Satanisten, der besser in einer Kirmes-Geisterbahn aufgehoben wäre. Raquel Meroño, die Darstellerin der Teresa Borgia, ist als Mutter gerade zehn Jahre älter als ihre Filmtochter Charlotte Sand, was jederzeit deutlich sichtbar ist. Eine besondere Erwähnung verdient Alejandro De Nova als Teufelskind David: Sollte Satan auf Erden tatsächlich auf solche Tumb-Schergen angewiesen sein, müssen wir uns zumindest bis zum Jüngsten Gericht keine Gedanken über ihn machen!

Als schmieriger, ständig betrunkener Staumauer-Kontrolleur Julio liefert immerhin Josep Maria Pou ein kleines Kabinettstück als Unglücksrabe ab, dem die garstige aber glücklich überlebte Ehegattin als eindrucksvoll verunstaltete und keineswegs friedlicher gewordene Wasserleiche einen nächtlichen Besuch abstattet. Völlig abgedreht agiert Carlos Castañón als glatzköpfiger Capitán Keller, der beunruhigend an einen Film-Nazi erinnert und sich auch so benimmt.

Buchstäblich ein Lichtblick: die Filmtricks

Während Regie und Darsteller aus dem berühmten Pfefferland zu stammen scheinen, in das man sie schleunigst zurückwünscht, müssten die Tricktechniker wie Helden gefeiert werden. Nur ihnen ist es zu verdanken, dass der Zuschauer „Beneath Still Waters“ bis zum (wiederum so nicht beabsichtigten aber umso schrecklicheren und durch einen ‚originellen‘ Finaltwist lächerlich gekrönten) Ende durchwachen kann.

In zwei Kategorien kann „Beneath Still Waters“ punkten: Dieser Film spielt an einem Stausee, unter dessen Oberfläche es umgeht. Ein weniger ehrgeiziger Regisseur hätte diese Handlung auf ein Minimum beschränkt und in einem künstlichen Bassin umgesetzt. Yuzna wollte jedoch eine detailliert ausgestaltete Unterwasserlandschaft. Das versunkene Marienbad und die Staumauer bilden imposante Kulissen, obwohl sie in ihrer Mehrheit nur en miniature existieren und digital bearbeitet wurden. Daraus resultiert eine gewisse Künstlichkeit. Sie passt jedoch gut zur eigentümlichen Stimmung von Verfall und Grauen, die sich zumindest unter Wasser einstellt.

Ebenso gelungen sind die Zombie-Masken. Schade, dass Yuzna die überzeugend verrotteten Wasserleichen nur beschränkt einsetzt. Wie schön scheußlich ‚handgemachte‘ Monster auch im CGI-Zeitalter wirken können, belegt die schon erwähnte ‚Heimkehr‘ von Julios Geister-Gattin. Ansonsten fällt traurig auf, wie lebendig die Zombies im Vergleich zu den ‚lebenden‘ Darstellern wirken – eine Feststellung, die noch einmal verdeutlicht, mit welcher Wucht Yuzna dieses an sich vielversprechende Filmprojekt auf Grund gesetzt hat.

Anmerkung: Ein Film mit zwei Titeln

„Bajo aguas tranquilas“ lautet der spanische Originaltitel, der mit „Beneath Still Waters“ korrekt ins Englische übersetzt wurde. In der denglischen Gegenwart wurde dies für die deutsche Fassung von 2007 übernommen. Doch mit dem Verkaufserfolg haperte es wohl. 2008 wurde ein neues Cover gedruckt, auf dem nun „Brian Yuzna’s Lake of the Dead“ zu lesen war; die Ähnlichkeit zu „George A. Romero’s Land of the Dead“ ist gewiss ein Zufall … In der DVD-Box steckt indes dieselbe Scheibe wie zuvor.

Hat dieser geniale Marketing-Schachzug zum erhofften Ergebnis geführt? Es fehlt an Belegen. Sicher ist dagegen, dass das Label, dem wir den doppelten Yuzna verdanken, inzwischen in die Insolvenz gegangen ist …

DVD-Features

Sehr erfreulich ist eine recht breite Palette interessanter Extras. Das obligatorische „Making-of“ belegt u. a. die Schwierigkeiten einer Filmproduktion, deren Unterwasser-Aufnahmen auf dem Trockenen stattfinden und trotzdem überzeugend wirken mussten.

Allein eine halbe Stunde dauert ein Interview mit Brian Yuzna. Da er für kein großes Filmstudio arbeitet, muss er kein Blatt vor den Mund nehmen. Seine lobenden Äußerungen über Team und Darsteller dürften daher ehrlich sein, obwohl letztere faktisch jeder Grundlage entbehren.

Jeweils knapp zehn Minuten reden Raquel Meroño (Teresa Borgia) und Michael McKell (Dan Quarry), der über die Leiden eines Schauspielers erzählt, der in einem Land dreht, dessen Sprache er nicht beherrscht.

Abgerundet werden die Extras durch den Originaltrailer sowie eine Galerie mit 33 Bildern aus dem Film.

[md]

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