Brutal

Originaltitel: Brutal (USA 2007)
Regie u. Drehbuch: Ethan Wiley
Kamera: Roel Reiné
Schnitt: Radu Ion u. Bayard Stryker
Musik: Joseph Bauer
Darsteller: Jeffrey Combs (Sheriff Jimmy Fleck), Sarah Thompson (Zoe Adams), Michael Berryman (Leroy Calhoun), Eric Lange (Evan), William Sanford (Rick), Don O. Knowlton (Doc McCall), Kevin Indio Copeland (Barkley), India Dupré (Taffy Reynolds), Crystal Stone (Jamie), Whitney Anderson (Vicki), Cyrus Alexander (Chaz), Lisa Pescia (Serviererin), Jane Le (Rona), Kristin Kirgan (Becky) u. a.
Label u. Vertrieb: KSM – Krause & Schneider Multimedia (www.ksmfilm.de)
Erscheinungsdatum: 12.03.2009 (Leih-DVD) bzw. 09.04.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4260131127908 (Leih-DVD) bzw. 4260131127915 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1 – anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (gekürzt)
FSK: 18

Das geschieht:

In einer kalifornischen Kleinstadt hat seit Jahren Sheriff Jimmy Fleck das Sagen. Just steht seine Wiederwahl an, sodass er auf jeden Fall gut vor der Öffentlichkeit dastehen will. Leider setzt ihn gerade jetzt die deutlich jüngere Hilfssheriff-Frau Zoe, die gleichzeitig seine Geliebte ist, unter Druck, endlich seine angeblich ungeliebte Gattin zu verlassen.

Es kommt noch schlimmer: Seit einiger Zeit werden rund um den Ort immer wieder grässlich verstümmelte Tierkadaver gefunden: Der psychopathische Schullehrer Evan übt für den Tag, an dem er endlich bereit ist, seiner eigentlichen Passion zu folgen. Die verruchte Jamie wird sein Debüt als Serienkiller. Hübsche Frauen werden seine bevorzugten Opfer. Er foltert und tötet sie mit Gartengeräten, schneidet ihnen die Herzen aus der Brust und legt eine Blüte auf die Leichen.

Sheriff Fleck ist mit der Situation überfordert. Er will vor allem Aufsehen vermeiden, bis die Wahl gelaufen ist. Zoe weigert sich, dem Folge zu leisten. Sie erkennt, dass der Mörder eine Botschaft übermitteln will, und erstellt ein Profil. Mit dem alten Leroy Calhoun, einem autistischen Sonderling, der die besten Spürhunde der Gegend züchtet, verfolgt sie die kargen Spuren.

Fleck nimmt Zoes Eifer mit Misstrauen zur Kenntnis. Er sieht sich als Polizist herausgefordert und seine Stellung gefährdet. Außerdem droht Zoe, Flecks Ehefrau über den Ehebruch zu informieren. Der Sheriff kommt zu dem Schluss, dass Zoe das nächste Opfer des Mörders werden muss. Er kennt einen wüsten Halunken, der ihm gern diesen kleinen Gefallen tun wird. Der Blumen-Killer bekommt Wind von der Sache und wird aktiv. Schließlich hat er für Zoes Herz bereits einen Ehrenplatz in seiner Sammlung reserviert …

Misserfolg durch Etikettenschwindel

Drei Namen lassen den altgedienten Horror-Fan aufhorchen: Ethan Wiley genießt als Drehbuchautor der ersten beiden „House“-Filme (1986 bzw. 1987; „House II“ hat er außerdem inszeniert) einen gewissen Ruf. Jeffrey Combs ist Herbert West, der legendäre „Re-Animator“ der kultig verehrten gleichnamigen Film-Trilogie. Michael Berryman ist nicht nur aber vor allem der gruselig anzuschauende Mörder-Mutant „Pluto“ aus den beiden ‚originalen‘ Wes-Craven-Gruslern „Hügel der blutigen Augen“ I und II (1977 und 1985). Dazu das Cover, das einen pupillenlosen Zombie-Meuchler mit Kettensäge und Fleischerhaken zeigt. Wer jetzt noch nicht an ein Splatter-Spektakel glauben mag, wird mit folgendem Untertitel konfrontiert: „Ein erbarmungsloser Slasher!“.

Kein Wunder, dass sich vor allem erwartungstrunkene Gore-Bauern bitter ge- und enttäuscht sahen und ein entsprechendes Wehgeheul anstimmten, weil sich „Brutal“ als meist ruhige Krimi-Komödie ohne übernatürliche Vorkommnisse sowie mit nur wenigen und gar nicht „Hostel“-adäquaten Metzel-Szenen entpuppte. Als solche auf den Markt gebracht (und mit einem weniger suggestiven Titel etikettiert), hätte dieser Film sicherlich eine etwas objektivere Aufnahme erfahren.

Denn obwohl Ethan Wiley kein Glanzstück seines Genres – gleichgültig ob Horror oder Thriller – gelang, verfügt „Brutal“ über einige Qualitäten. So mag die Story simpel sein, doch sie ist vorhanden, wird solide entwickelt und verschafft der Handlung ein tragfähiges Fundament. Aus der Budgetnot wie nie ein Hehl, sondern eine Tugend gemacht. Und „Ernst“ ist eine Eigenschaft, die dem Werk jederzeit abgeht: „Brutal“ ist Wileys „House“ des 21. Jahrhunderts. Gemordet wird mit einem Augenzwinkern, und nur die deutsche Zensur erkennt wieder einmal nicht (dazu unten mehr), wie hanebüchen die entsprechenden Szenen in Szene gesetzt und wie altmodisch sie getrickst werden.

Billig, schmutzig, spaßig

„Altmodisch“ ist das Stichwort, denn „Brutal“ ist nicht nur eine Komödie, sondern will auch eine Hommage an die gute, alte, blutige Zeit des Horrorfilms in den 1970er und 80er Jahren sein. Unter dieser Prämisse werden die ständigen Irritationen und Logiklöcher nicht nur tolerierbar, sondern verständlich. Wie stimmig ist es beispielsweise, dass Sheriff Fleck, der acht Morde aufzuklären hat, vom FBI signalisiert bekommt, man habe kein Interesse ihm zu helfen und sei auf sich allein gestellt? Wie fest schläft Doc McCall eigentlich, wenn es Ethan gelingen kann, in seiner Garage ungestört eine Frau in Stücke zu häckseln? Und wieso ist in dem staubigen Nest der Handlung der Anteil junger, schöner, ständig geiler und sich unbekümmert in dunkler Nacht tummelnder Schlampen so unerhört hoch? Die Antwort ist durchweg identisch: Weil’s zu dieser insgesamt abstrusen Story passt.

Wobei es ein Leichtes gewesen wäre, aus „Brutal“ eine konventionellen Serienkiller-und-Cop-Krimi zu machen. Wiley nimmt sich viel Zeit mit der Vorstellung seiner Hauptfiguren Jimmy Fleck und Zoe Adams. Er verschafft ihnen eine Vorgeschichte, die unabhängig vom eigentlichen Filmgeschehen für dramatische Momente sorgt. Ethan, der Killer, ist kein maskierter Maniac, sondern durchaus überzeugend als täuschend sanfter Lehrer, der von einem Moment zum nächsten ausrasten kann.

Zu diesem Aspekt der Handlung passt das recht gemächliche Tempo. Sogar manche Scherze zünden. Gewissenhaft und oft vergeblich wird ermittelt, während der Mörder im Wettlauf mit der Zeit in einen wahren Blutrausch verfällt. Schnelle Schnitte, raffinierte Kameratricks oder andere modische Effekte des modernen Horrorfilms sucht man vergebens. Überdies scheint Wiley seit 1986 mit demselben Equipment zu arbeiten. Wie sonst ließe sich das großkörnige, farblich verwaschene Filmbild erklären. (Damit dies nicht allzu deutlich ins Auge sticht, wird der deutsche Zuschauer mit einer besonders scheußlichen Synchronisation abgelenkt.)

Leider konnte sich Wiley nicht zwischen Fisch und Fleisch entscheiden. „Brutal“ soll beide Lager bedienen, soll komisch und blutig sein. Das ist ein komplizierter Balanceakt, an dem schon bessere Regisseure und Drehbuchautoren gescheitert sind – und Wiley ist kein wirklich guter Vertreter beider Zünfte!

Paradoxerweise gelingen ihm die ‚blutlosen‘ Sequenzen besser als die Metzel-Episoden, die sich nie in die Handlung fügen wollen, sondern ihr aufgesetzt und aufgezwungen wurden. Zudem sind sie ohne Raffinesse umgesetzt: Gut ausgeleuchtet verarbeitet Ethan seine Opfer in tiefer Nacht zu Schnetzelfleisch – nein, das kann nicht funktionieren! Für richtig ‚gute‘, d. h. scheußliche Tricks war ohnehin kein Geld da.

Schauspieler im Darsteller-Urlaub

Das „Making of“ bringt es an den Tag: Alle Beteiligten hatten ihren Spaß während der Dreharbeiten. Schauspielerische Großtaten galt es nicht zu bewältigen, also ging der Job eher lässig von der Hand. Jeffrey Combs mimt mit sichtlichem Vergnügen den miesen Sheriff Fleck, der hinter der Fassade des biederen Gesetzeshüters mit Cowboy-Hut und -Attitüde allmählich finstere Seiten durchscheinen lässt. Sarah Thompson, sonst vor allem in ‚dramatischen‘ TV-Serien zu sehen, genießt ihren ersten Auftritt in einem Genrefilm und schlägt sich gut als nur scheinbar kleine, schwache Frau unter Provinz-Machos. Eric Lange

Für eine echte Überraschung sorgt Michael Berryman. Aufgrund einer genetischen Schädigung ohne Schweißdrüsen und Nägel sowie dauerhaft haar- und zahnlos geboren, wurde er von der Natur außerdem mit einer Gesichtsphysiognomie bedacht, die an den Oger Shrek erinnert. Das Hollywood der B- und C-Filme nahm ihn mit offenen Armen auf. Seit den 1970er Jahren ist Berryman DER Mann für die Verkörperung von Monstern, Mördern und Mutanten. (Nicht selten spielt er alle drei Rollen in Personalunion – er kann das!)

Doch Berryman verfügt nicht nur über ein Gesicht, das für den Horrorfilm geschaffen ist, sondern auch über echtes Schauspielertalent. Mit den Jahren erweiterte er sein Repertoire und übernahm auch sympathische Rollen. In „Brutal“ gibt er den scheuen, sanften, autistischen Außenseiter Leroy, der in der Krise über sich selbst hinauswächst und in die Heldenrolle schlüpft. Das zu beobachten macht Freude, weil es so authentisch wirkt. (Was natürlich nicht für den weiter oben erwähnte Gore-Bauern gilt, der Berryman gefälligst meuchelnd erleben möchte.)

Ein (typisch) deutsches Trauerspiel

„Brutal“ ist in seinen Splatter-Szenen wie schon erwähnt nicht besonders plakativ. Das gilt vor allem im Vergleich mit manchem Hochglanz-Schocker der „Saw“-Kategorie. Trotzdem fand Wileys Werk vor der deutschen Zensur keine Gnade. Diese arbeitet nicht unbedingt logisch und reagiert primär auf offensive Reize. Hier muss es wohl die Trias „Brutal“, „Slasher“ und „Berryman“ in Kombination mit dem Nonsens-Cover gewesen sein, die für ein Zuschnappen der Schere sogar in der SPIO/JK-Fassung sorgte. „Brutal“ wurde um etwa 30 Sekunden Sägearbeit erleichtert (die man aber im „Making of“ wiederfindet; begreife einer die Welt der Zensoren!)

Auch Vollständigkeit könnte „Brutal“ nicht zum wirklich guten Film adeln. Mittelmaß regiert, aber manches gelingt, und vergleichsweise selten missglückt etwas richtig. Die solide Schauspielerarbeit erstaunt und versöhnt. Vom dämlichen Titel sollte man sich weder abschrecken noch in falschen Erwartungen wiegen lassen. Für einen ruhigen Filmabend taugt „Brutal“ allemal.

DVD-Features

Über die Features lässt sich dieses Mal vor allem Freundliches sagen: Es gibt sie, und sie konzentrieren sich auf das Wesentliche. Regisseur und Drehbuchautor Ethan Wiley gibt in seinem Kommentar Einblick in Arbeit an einem typischen B-Movie. Dazu gibt es ein richtig gutes „Making of“, das auf jegliches Marketing pfeift und als wüste, jederzeit unterhaltsame Mischung aus Kulissen-Impressionen, Interviews und jeder Menge improvisierter Gags daherkommt. Die Schauspieler bleiben nicht selten in ihren Rollen und erweitern (oder untergraben) die Handlung des Hauptfilms auf eigenwillige Weise. Die sonst hinter der Kamera wuselnden Crewmitglieder mischen kräftig mit. Trotzdem gewinnt der Zuschauer ein umfassenden Bild von den Dreharbeiten. Solche Features lohnen das Anschauen! So lassen sich Überflüssigkeiten wie Biografien/Filmographien als Texttafeln und eine beliebig zusammengewürfelte Bildergalerie entschuldigen.

[md]

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