Buried Alive – Lebendig begraben

Originaltitel: Buried Alive (USA 2007)
Regie: Robert Kurtzman
Drehbuch: Art Monterastelli
Kamera: Thomas L. Callaway
Schnitt: Cari Coughlin
Musik: Terence Jay
Darsteller: Leah Rachel (Rene), Germaine De Leon (Phil), Terence Jay (Zane), Erin Lokitz (Laura), Steve Sandvoss (Danny), Lindsey Scott (Julie), Tobin Bell (Lester), Beth Biasella (Wüstenhexe)
Label: 3L Film (www.3l-film.de)
Vertrieb: e-m-s (e-m-s.de)
Erscheinungsdatum: 05.03.2009 (Leih-DVD) bzw. 23.04.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4049834002107 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min.
FSK: 18/keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Zane, bekennender Tunichtgut aus gutem Hause, fliegt von der Uni. Da er die Arbeit nicht erfunden hat, plant er nunmehr eine Schatzsuche. Ende des 19. Jahrhunderts hatte sein Urgroßvater in der Wüste von New Mexico Gold gefunden. In Sichtweite seiner Mine baute er sich ein großes Haus, in dessen Keller er seine erste Gattin – eine Indianerfrau – lebendig begrub, nachdem diese sich vom nun reich und ehrenwert gewordenen Bürger weder verjagen noch umbringen lassen wollte. 16 Jahre später wurden er, seine zweite Gattin und drei seiner vier Kinder von einem nie gefassten Mörder mit der Axt in Stücke gehauen. Nur Zane Großvater überlebte das Gemetzel.

Ur-Opas Gold blieb verschollen. Zanes Nerd-Freund Danny hat recherchiert, dass es wahrscheinlich im Grab der Indianerin vergraben liegt. Weil er stets das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden pflegt, lädt Zane seinen Kumpel Phil sowie die hübschen Studentinnen Rene (die nicht nur seine Cousine, sondern auch seine Ex-Freundin ist), Laura und Julie auf den Trip in die Wüste ein.

Das alte Haus wird vom schmierigen Redneck Lester verwaltet, der selbst heimlich nach dem Gold sucht. Er sieht es daher ungern, dass sich Konkurrenz einstellt. Die eigentliche Gefahr droht indes von ganz anderer Seite: Die untote Indianerfrau wird von der Ankunft gleich zweier Nachfahren ihres Meuchler-Gatten aus ihrem  Grab gelockt. Wie schon hundert Jahre zuvor greift sie sich eine scharfe Axt und beginnt den Eindringlingen nachzustellen. In Bierdunst und Haschnebel bleibt diesen zunächst verborgen, dass ihre Zahl abzunehmen beginnt, doch bald macht die Zombie-Rächerin keinen Hehl mehr aus ihrer Anwesenheit. Panik greift um sich, was in Kombination mit dem kollektiv niedrigen Intelligenzquotienten der potenziellen Opfer dem Geist mit der Axt eine reiche Ernte beschert. Im Haus und in der Wüste türmen sich die Körperteile, aber die eigentliche Rache der Spukfrau ist noch wesentlich perfider …

Oldschool-Horror im fadenscheinig neuen Gewand

Der Plot von „Buried Alive“ lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen – grundsätzlich ein Kriterium für einen Plot, der einem Regisseur und seinen Darstellern die nötige Freiheit für die Arbeit vor der Kamera verschafft. Allerdings ersetzt eine gute Idee allein kein Drehbuch. In unserem Fall hätte es Regisseur Robert Kurtzman vielleicht darauf ankommen lassen sollen, weil das, was Art Monterastelli ihm als ‚Drehbuch‘ präsentierte, selbst nach den Maßstäben des C-Kinos eine Zumutung ist.

Beinahe die Hälfte des Films besteht aus ‚Einleitung‘. Nach einer kurzen und im Kontext des Geschehens rätselhaft bleibenden, weil nie erklärten Schockszene am Anfang beginnt eine viel zu lange Durststrecke. Wir lernen unsere sechs Hauptfiguren kennen, die mit allen Klischees langweilen, die Hollywood für Highschool- und College-Studenten vorsieht: Sie sind hübsch, hirnlos und dauergeil. Ausnahme ist Danny, der mit einem Laptop umgehen kann und schon deshalb als Fußabstreifer und Trottel gebrandmarkt ist; wer das immer noch nicht kapiert hat, betrachte seine Spießerklamotten, die Wischmopp-Frisur und den Inhalator. Kurz: Das Schicksal des unsympathischen Sextetts ist dem Zuschauer herzlich gleichgültig.

Die Fahrt durch die Wüste: Schweinerock dröhnt, der Joint kreist, Bierflaschen und notdürftig verhängte Busen werden geschwenkt, alle Beteiligten kreischen, was das Zeug hält – so ist sie halt, die lose Jugend! Die generelle Dämlichkeit ist freilich notwendiger Faktor eines Geschehens, das durch Grips nach 10 Minuten sein Ende finden würde. Schließlich müssen unsere sechs Schatzsucher sich stets so benehmen, wie der gesunde Menschenverstand es verbietet: Also laufen sie nachts durch die dunkle und einsame Wüste, halten sich gern in düsteren Kellergewölben auf und sind vor allem so intensiv mit sich selbst beschäftigt, dass sie weder Geist noch Axt bemerken, obwohl beide ohne besondere Zurückhaltung agieren.

Teenies & die Stimmung töten

Auch dem Slasher-Horror kann Stimmung nicht schaden. Kurtzman und Monterastelli morden jegliche Atmosphäre rigoroser als die Wüstenhexe ihre Opfer. Ur-Opas ‚Haus‘ in der Wüste entpuppt sich als riesige, niemals abgelegen wirkende Farm, hinter deren Mauern man sich gegen eine Armee verschanzen könnte. Selten wurde eine grandiose Landschaft so hartnäckig ausgeklammert. Stattdessen konzentriert sich das Geschehen auf das steril wirkende Innere des Hauptgebäudes.

Von einem Geisterhaus keine Spur; entsprechendes Ambiente beschränkt sich auf die Kulisse eines alten Kellerraums, in dem besagte Hexe haust. Der ist so geräumig wie ein mittelgroßes Schlafzimmer, was die Frage aufwirft, wieso es in mehr als 100 Jahren nie gelang, hier a) das Grab der Indianerfrau und b) das dort versteckte Gold zu entdecken. Der alte Lester hätte der Finder sein können, aber als er ein erstes Goldstück findet, gräbt er nicht etwa weiter, sondern macht Feierabend. Nun, logisches Verhalten zeichnet generell keine der von Drogen, Sex, Alkohol und Wüstenwahnsinn gezeichneten Figuren aus. Noch ein Beispiel? Zane will Gold suchen. Statt die Zahl der Mitwisser möglich gering zu halten, nimmt er Wein, Weib und Gesang mit in die Wüste.

Das Anwesen kommt dem Gruselfreund übrigens verdächtig bekannt vor: Und tatsächlich – wieder einmal wurde auf der Sable Ranch in Santa Clarita, Kalifornien, gedreht, einem Ort, der ausschließlich Horrorfilm-Müll hervorzubringen scheint: „Crash Point Zero“ (2000), „VooDoo Curse: The Giddeh“ (2006), „Shiloh Falls“ (2007), „Lake Dead“ (2007) und andere Heuler wurden hier verbrochen.

Vertraglich lebendig begraben: die Darsteller

Während der Regisseur hinter der Kamera anonym bleiben konnte, mussten sich die bedauernswerten Schauspieler davor öffentlich blamieren, wofür sie vermutlich nicht einmal besonders gut bezahlt wurden. „Buried Alive“ ist ein „direct-to-DVD“ gedrehter Billig-Thriller. Der Kameramann lieferte Dienst nach Vorschrift, was das Filmchen wenigstens ohne Kopfschmerz anschaubar macht. Die Darsteller schlossen sich dem augenscheinlich an; sie ergaben sich ihrem Schicksal und fügten sich in ihre stereotypen Rollen.

Wie üblich müssen vor allem die weiblichen Schauspieler für Schauwerte sorgen, die weder die Kulissen noch die Handlung bieten können. Die Kleidung ist knapp und sitzt denkbar eng, und in regelmäßigen Abständen wird sie gelüftet. Dabei wird hollywoodtypisch streng klassifiziert: Als ‚Star‘ des Films darf Leah Rachel angezogen bleiben. Erin Lokitz (wir kennen sie aus dem horriblen Totalausfall „The Graveyard“), die es in der Filmstadt schon zu bescheidenem Ruhm gebracht hat, muss nur kurz ihre nackte Kehrseite präsentieren. Pech hat Lindsey Scott: „Buried Alive“ ist ihr Filmdebüt, daher ist sie es an ihr, den Busen blankzuziehen.

Softe Nacktheit ist ein altehrwürdiges Element des B-Movie-Horrors. Wird sie so ausführlich wie hier inszeniert, darf sie keineswegs lustlos daherkommen. Viel Zeit, die der eigentlichen Handlung abgezogen wird, vergeht mit schwachsinnigen ‚Mutproben‘, der sich Laura und Julie unterziehen, weil sie in eine schicke Studentenverbindung aufgenommen werden möchten. Dafür werden sie von Rene, die offenkundig darüber zu entscheiden hat, ordentlich gedemütigt, was – erneut der Hollywood-Logik folgend – bedeutet, dass sie die ihnen auferlegten Pflichtübungen in der Regel nackt durchzuexerzieren haben. Also sieht man sie u. a. minutenlang durch einen gut ausgeleuchteten nächtlichen Wald laufen, während Hintern (Laura) und Busen (Julie) in auch für die Zensur moralisch unbedenklicher Entfernung wackeln.

Die männlichen Darsteller behalten ihre Kleidung an. Ausgleichend müssen sie im Gegenzug in ihren Rollen das Vorhandensein jeglicher Intelligenz leugnen; es ist schmerzlich mit anzusehen, wie perfekt ihnen das gelingt.

Um so etwas wie Starruhm in seinen Film zu bringen, heuerte Kurtzman Tobin Bell an, der es als mehrfacher „Jigsaw“-Mörder John Kramer vom vielseitigen und fleißigen aber unbekannten Nebendarsteller zur Horror-Ikone brachte. Den bärbeißigen Aussteiger Lester gibt Bell routiniert, sein Auftritt bleibt kurz und ist für die Handlung ohne Belang, was sein liebloses Ausscheiden aus derselben unterstreicht.

Effekte sind das, was Geld kostet …

Ein Slasher lebt von seinen Todesfällen. Was so formuliert widersprüchlich klingt, leuchtet den Fans des Genres umgehend ein. Kunstblut ist billig, CGI-Equipment erschwinglich. Ganz umsonst geht es natürlich trotzdem nicht. Das Budget für „Buried Alive“ muss wirklich kümmerlich gewesen sein. Bis sich der erste Mord ereignet, ist der Film halb vorüber: Der arme Danny wird mit einem Streich der Länge nach mittendurch gehauen. (Wie schafft man das mit einer kurzschneidigen Axt?) In zwei Teilen sieht man ihn später, sorgfältig wie ein Museumsexponat ausgestellt (Toll, wie die inneren Organe trotz fehlenden Seitenhalts ihre Positionen beibehalten!), auf die Entdeckung warten. (Wieso macht der Geist das? Später bleiben die Opfer dort liegen, wo sie fallen.) Dem tumben Phil wird das Gesicht vom Restkopf getrennt; der einzige wirklich aufwändige Effekt, weshalb er immer wieder hartnäckig ins Bild gerückt wird.

Die Fratze der untoten Indianerfrau ist selbst im schwankenden Licht der Taschenlampe als Maske und Make-up erkennbar. Sie gleich mehrfach ins helle Licht der Wüstensonne zu stellen, ist deshalb erst recht eine schlechte Idee. Wesentlich überzeugender wirkt dagegen Lesters fauliges Gebiss … Da Robert Kurtzman in seiner Eigenschaft als Schöpfer überzeugender Spezialeffekte auch für echte Blockbuster tätig ist („Pulp Fiction“, „From Dusk Till Dawn“, „Hulk“ u. a.), möchte man ihm Unvermögen nicht vorwerfen; sicherlich hat er realisiert, was er sich leisten konnte.

Addieren wir noch schlechtes Timing, lächerliche und für die Handlung irrelevante Als-ob-Verwicklungen (Wieso müssen Zane und Rene Cousin und Cousine sein?), faktische Fragwürdigkeiten (Warum sucht die Wüstenhexe ihre ‚Gäste‘ bereits auf halber Strecke zum Geisterhaus heim? Woher wusste sie, dass sich Besuch nähert? Wieso hat sie Zane, den verhassten Nachkommen ihres mörderischen Gatten, nicht schon in seiner Studentenbude gepiesackt, wenn sie auf Reisen gehen kann?) und unterirdische Dialoge zu den genannten Fehlern und Versäumnissen, ist das Bild eines Films komplett, den sogar der cineastische Allerfresser getrost überspringen kann.

DVD-Features

Extras gibt es im Grunde nicht, weil man den (englisch- und deutschsprachigen) Trailer als Werbung und die Bildergalerie als überflüssige Sinnlosigkeit bezeichnen muss. Auch eine Website lässt sich nicht ausmachen.

[Michael Drewniok]

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Buried Alive – Lebendig begraben