Cabin Fever 2: Spring Fever

Originaltitel: Cabin Fever 2: Spring Fever (USA 2009)
Regie: Ti West
Drehbuch: Joshua Malkin (nach einer Story von Randy Pearlstein u. Ti West)
Kamera: Eliot Rockett
Schnitt: Janice Hampton
Musik: Ryan Shore
Darsteller: Noah Segan (John), Alexi Wasser (Cassie), Rusty Kelley (Alex), Marc Senter (Marc), Alexander Isaiah Thomas (Dane), Giuseppe Andrews (Deputy Winston), Michael Bowen (Schulleiter Sinclair), Regan Deal (Liz), Mark Borchardt (Herman), Judah Friedlander (Toby), Amanda Jelks (Frederica), Angela Oberer (Ms. Hawker), Rider Strong (Paul) uva.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 09.04.2010 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4041658222440 (DVD) bzw. 4041658292443 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 82 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Strohdumme Hinterwäldler schöpfen in Springfield, einem Kuhdorf irgendwo in der Provinzöde des US-Staates North Carolina, ihr Trinkwasser aus einem See, in dem fleischfressende Bakterien ihr Unwesen treiben. Gerade haben die Rednecks eine Gruppe urlaubender und infizierter Studenten kurzerhand umgebracht, doch ein Pechvogel entkam und rennt nun einem Schulbus vor den Kühler. Deputy Winston, einer der erwähnten Rednecks, vertuscht den Vorfall, weshalb die Infektion auf den Hausmeister überspringen kann, der besagten Bus vom verseuchten Blut reinigen muss.

In der Highschool von Springfield rüsten sich alle Teenies zwischen 25 und 30 für den großen Abschlussball. Schlaukopf John buhlt um die hübsche Cassie und wird dabei von seinem großmäuligen Kumpel Alex beraten, während Cassies psychopathischer Lover Marc die Fäuste schwingt. Die übrige Schülerschaft widmet sich ebenso intensiv pubertären Spielchen der Kategorien Blöd & Geil, was dem Erreger die Möglichkeit verschafft, sich in zahlreichen Körpern in Stellung zu bringen.

Während Hautblasen aufblühen, sich Zähne lockern und Eiter in Genitalien schießt, rückt eine Cleaner-Truppe des US-Geheimdienstes in Springfield ein. Die Regierung will das Infektionsproblem ohne multimediale Begleitung und rigoros beseitigen. Das Schulgebäude wird während des Balls außen umstellt und abgeschlossen. Dies bleibt innen zunächst unbemerkt, da die feiernde Schülerschar unter rasant fortschreitenden Auflösungserscheinungen zu leiden beginnt. Nur John, Cassie und Alex ahnen Böses und proben den Ausbruch, während die Geheimdienstler damit beginnen, die Kranken mit Kopfschüssen zu ‚behandeln‘. Doch nicht die Flucht ist das eigentliche Problem; entscheidend wird die Frage, ob die Freunde den Bakterien entkommen können – oder entkommen konnten, denn unter all dem Blut, dass unsere Flüchtlinge bald bedeckt, bleibt eine potenzielle Ansteckung zunächst verborgen …

Bakterien sind nicht so gefährlich wie Produzenten

2002 präsentierte der junge, noch relativ unbekannte Regisseur und Drehbuchautor Eli Roth den Horrorfilm „Cabin Fever“: Fünf Studenten stranden in der Wildnis, wo sie nicht nur einer grässlichen Krankheit, sondern auch finster gestimmten Einheimischen zum Opfer fallen. „Cabin Fever“ bot klassische Gruselkost der B-Kategorie, und Roth brachte sein Garn zügig sowie unter sparsamem aber effektvollem Einsatz von Blut & Schleim über die Runden. Der Film war in keiner Sekunde ein Klassiker aber der Horror krass, wobei er durch komödiantische Einschübe der manchmal gelungenen Art aufgelockert wurde. In dieser Mischung war „Cabin Fever“ ein erstaunlicher und unerwarteter Erfolg, was in Hollywood stets mit einer Fortsetzung geahndet wird.

Eli Roth war freilich schlau genug, sich dafür nicht mehr einspannen zu lassen; er zog auf grünere (bzw. blutrote) Film-Weiden um. Außerdem sollte „Cabin Fever 2“ deutlich weniger als das Original kosten. Schließlich war der Filmtitel eingeführt und als Markenzeichen sicherlich stark genug, geistarme aber finanzstarke Gorehounds in besagte Fortsetzung zu locken. Deshalb heuerte man Ti West an, der zumindest seine Fähigkeit, Filmgrusel möglichst kostengünstig herzustellen, bereits mehrfach unter Beweis gestellt hatte. Über die Qualität dieser Werke machten sich die Produzenten zunächst keine bzw. zu spät Gedanken, was sich – das Leben ist manchmal gerecht – bitter aber verdient rächte.

„Cabin Fever 2“ entstand bereits 2007. Um das fertige Produkt brach ein heftiger Streit aus. Die Produzenten hatten ihre Erwartungen sicherlich nicht besonders hoch geschraubt. Selbst in diesem engen Rahmen war West nach ihrer Auffassung gescheitert. Sein Film war offenbar weder unterhaltsam noch gruselig. Also legten die Produzenten selbst Hand an, schnitten das Werk um, ließen Szenen nachdrehen und beschlossen in ihrer Not schließlich, das bruchstückhafte Endergebnis in Kunstblut, Kunstschleim, Kunstspeichel, Kunsteiter, Kunstsperma und plumpen Gags förmlich zu tränken.

Grusel von der Reste-Rampe

Zwei Jahre dokterte man an „Cabin Fever 2“ herum, bis man sich endlich traute, das dabei entstandene Machwerk aus dem Giftschrank zu holen. Es wurde im Rahmen eines Festivals für phantastische Filme gezeigt, wo das Publikum mit dem Genre sympathisiert oder wenigstens meist betrunken ist. Aber nicht einmal diese Klientel konnte man für dumm verkaufen. „Cabin Fever 2“ gehört zu den Streifen, die wirklich niemanden begeistern können. Was kaum verwundert, denn es gibt wenige Filme, die so exemplarisch gegen alle Gebote des Unterhaltungs-Handwerks verstoßen. „Cabin Fever 2“ verärgert auf so vielen Ebenen, dass hier nur beispielhaft auf Bockmist hingewiesen werden kann.

Da ist vor allem die gänzlich aus Klischees und Schablonen zusammengeklitterte Handlung. Originalität ist zwar selten das Merkmal des Horrorfilms, aber das Bekannte und Bewährte lässt sich durchaus unterhaltsam aufwärmen. Dazu bedarf es freilich eines gewissen Talentes sowie eines Teams, das seinem Regisseur den Rücken stärkt, statt ihm in den Rücken zu fallen. Die Geschichte, die West ursprünglich erzählen wollte, kann unmöglich ein cineastischer Geniestreich gewesen sein; selbst der Torso, zu dem „Cabin Fever 2“ herunter gestutzt wurde, verrät das Wirken eines Mannes, dem Begriffe wie „Timing“, „Stimmung“ oder „Logik“ Fremdwörter sind.

Deprimierende Liste akuter Mängel

Nicht vorwerfen kann man West aufgrund der oben beschriebenen Produzenten-Tücke wohl die Tatsache, dass die eigentliche Geschichte etwa in Minute 75 endet. Der Held ist tot, die Heldin verschwindet in der Nacht. Wo man Schlusstitel erwartet und erhofft, beginnt einfach ein neuer Film: „Cabin Fever 2“ liefert die eigene Fortsetzung mit! Sie bildet eine Art Gag-Show, die in kurzen Episoden die weitere Verbreitung des Erregers zeigt. Wo es das Budget dieses Nachdrehs sprengte, wird das Geschehen einfach im Zeichentrick erzählt. Falls die Produzenten hofften, dies als Kunstgriff verkaufen zu können, täuschten sie sich abermals. Der Zuschauer riecht den fauligen Braten und reagiert mit gebührendem Bauchgrimmen.

Lange vorher hat er die Hoffnung auf einen spannenden oder lustigen Horrorfilm aufgegeben. Das Grauen als Unterhaltungsfaktor gründet nur mehr in der Frage, wie schlimm dieses Machwerk eigentlich noch werden kann. Die Antwort ist brutal eindeutig: Nach unten gibt es keine Grenze! Forcierte Geschmacklosigkeit soll dort für Stimmung sorgen, wo Unterhaltung primär durch kollektives Gröhlen definiert wird, in das sich Ausrufe wie „Hammer!“ oder „So Geil!“ oder „So Hammergeil!“ mischen.

Wie übel kann das/uns werden?

In einer normalen US-Highschool-Komödie wären dies Stichwörter für den Einsatz von Pups-und-Pipi-Gags. Da „Cabin Fever 2“ als Horror firmiert, geht man zwar ebenfalls in diese Richtung aber deutlich weiter: Wirklich jede Körperflüssigkeit ergießt sich aus allen möglichen und unmöglichen (d. h. nachträglich durch galoppierende Fäulnis geschaffenen) Körperöffnungen. Dies wird mit einer Penetranz zelebriert, die – unterstützt durch minderwertige Filmtricks – nicht für Heiterkeit & Ekelschreie sorgt, sondern schnell langweilt. Außerdem fällt auf, dass sich die Attacken der Bakterien fast ausschließlich auf blutigen Hautausschlag beschränken und selten in die Körpertiefe gehen: Es ist schlicht billiger, Darsteller mit Kunstblut zu begießen, als sie mit blank liegenden Knochen in Szene zu setzen. Nur zwei, drei Mal geht es heftiger zur Sache, bevor die Knechte mit den Kunstblut-Eimern erneut übernehmen; im Making-of wird ihr heroischer Einsatz ausgiebig gewürdigt.

Müssen uns die Darsteller deshalb oder überhaupt leidtun? Die Entscheidung fällt schwer, denn sie vermeiden peinlich, auch nur in den Verdacht des Schauspielens zu geraten. Man kann sie verstehen, denn irgendwann muss es ihnen wie Rusty Kelley gegangen sein, der sich als innerlich faulender Alex einen Gummipimmel umbinden lassen muss, aus dem in Großaufnahme Eiter spritzen wird: Das Making-of zeigt die Vorbereitungen und einen Darsteller, dem überdeutlich ins Gesicht geschrieben steht, dass er sich weit, weit von diesem peinlichen Ort vor der Kamera fortwünscht.

Darf es noch etwas mehr/schlimmer sein?

Für das hiesige Publikum hält „Cabin Fever 2“ weitere Qualen bereit. Der deutsche Zuschauer fragt sich ohnehin, ob Institutionen wie die VHS, die Caritas oder die Agentur für Arbeit inzwischen Kurse mit dem Titel „Synchronisieren für Anfänger und Unbegabte“ anbieten, deren Teilnehmer anschließend kostengünstig und en bloc an geizige Filmlabels vermittelt werden. Hier hat so eine Gurkentruppe wieder einmal ganze Arbeit geleistet, d. h. nölend, notorisch falsch betonend und Wort für Wort mühsam vom Blatt ablesend dem Film akustisch den Rest gegeben.

Die Bildqualität ist dagegen über jeden Tadel erhaben, bloß: Was nützt es, wenn das krude in Szene gesetzte Elend dadurch noch deutlicher zu Tage tritt? Zu allem Überfluss geht der Terror weiter: Ti West kommt 2011 mit „The Innkeepers“ abermals horribel über uns, und die Produzenten denken laut über „Cabin Fever 3“ nach. Kommt eventuell ein Leser nach Springfield, um ein bisschen Wasser aus dem Faulpest-Bakterien-See zu schöpfen? Ich wüsste, wohin man es schicken sollte …

DVD-Features

Frechheit siegt – oder war es die pure Verzweiflung? Für eine „Gore Reel“ wurden sämtliche Ekel-Effekte des Hauptfilms zusammengeschnitten und damit verbraten. Immerhin schnurrt dieser auf diese Weise auf angenehme drei Minuten zusammen.

Bemerkenswert ist das „Making of“: Fast eine Viertelstunde versuchen Darsteller und Produzenten lobende Worte über „Cabin Fever 2“ zu finden. Sie flüchten in Phrasen, winden sich, erzählen in ihrer Not Teile der Handlung nach und scheitern jederzeit in ihrem Bemühen uns weiszumachen, wie unglaublich toll dieser Film ist und welchen Spaß die Dreharbeiten boten. Selbst sorgfältiger Schnitt konnte die Mimik der Darsteller, die zwischen den Aufnahmen für das „Making of“ gefilmt wurden, nicht korrigieren: Sie waren nicht glücklich!

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)