Cabin Fever 3 – Patient Zero

Originaltitel: Cabin Fever 3 – Patient Zero (USA 2014)
Regie: Kaare Andrews
Drehbuch: Jake Wade Wall
Kamera: Norm Li
Schnitt: Michael P. Mason
Musik: Kevin Riepl
Darsteller: Brando Eaton (Josh), Jillian Murray (Penny), Mitch Ryan (Marcus), Ryan Donowho (Dobbs), Solly Duran (Camila), Lydia Hearst (Bridget), Sean Astin (Porter), Currie Graham (Dr. Edwards), Claudette Lali (Kate) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.02.2014
EAN: 4041658228893 (DVD)/4041658298896 (Blu-ray)/4041658278898 (Blu-ray 3D)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min. (Blu-ray: 98 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Josh hat es geschafft, die reiche Karibik-Schönheit Kate zu freien. Leider suchen ihn zur anstehenden Hochzeit sein jüngerer Bruder Marcus, Kumpel Dobbs und Ex-Flamme Penny heim, die nicht nur die Dummheit, sondern auch der Wille eint, den ihrer Meinung nach viel zu ‚erwachsen‘ gewordenen Josh auf eine Junggesellen-Abschiedsparty der besonderen Art zu entführen. Ein Boot bringt das Trio zu einer einsamen Insel, wo man den Anlass nach amerikanischer Sitte gebührend weil moralisch verdorben – also dünnbiersaufend, grasrauchend und Obszönitäten kreischend – begehen kann.

Wie der Zufall im Reich der grenz- bis minderwertigen Drehbücher gern spielt, ist die ins Auge gefasste Insel Standort einer ultrageheimen Forschungsstätte. Dort experimentiert Dr. Edwards, ein rechter Frankenstein vor dem Herrn, mit einem fleischfressenden Virus der besonders grässlichen Art und lässt es dabei an der gebotenen Sorgfalt fehlen. In seinem Labor schmachtet US-Bürger Porter, der den Virus in sich trägt, ohne selbst zu erkranken. Aus seinem Blut will Edwards ein Serum gewinnen. Weil sich das hinzieht, ist Porter übergeschnappt und plant die Flucht, um anschließend die ganze Welt zu infizieren.

Da der Virus sich längst im Meereswasser tummelt, kommen die Schnorcheltaucher Penny und Marcus zuerst mit ihm in Berührung. Dass etwas nicht stimmt, wird der Gruppe klar, nachdem der armen Penny sämtliche (!) Lippen vom schönen Körper gefault sind. Panisch erinnert man sich der aus der Ferne gesichteten Station. Dort könnte Hilfe zu finden sein, weshalb ein Suchtrupp aufbricht. Doch Josh und Dobbs stoßen vor Ort nur auf ein Grab, das mit grausig zerfressenen Leichen gefüllt ist.

Zwar gibt es Überlebende, doch die sind entweder infiziert oder verrückt oder beides. Selbstverständlich haben Dr. Edwards und Porter überlebt und ihre finsteren Pläne keineswegs aufgegeben, sodass aus der Rettungsaktion eine wilde Flucht zurück zum verseuchten Strand wird …

Ein Virus namens „Franchise“

Teil 1 war lärmend und langweilig, Teil 2 ein echtes Ärgernis, von dem sich sogar der Regisseur distanzierte. Dennoch ist Teil 3 über uns gekommen, und Teil 4 steht kurz vor der Vollendung. Was widersprüchlich klingt, wird aus Filmproduzentensicht sofort verständlich, wenn der Blick auf die Einspielergebnisse fällt: Die beiden ersten „Cabin-Fever“-Episoden waren bei geringen Herstellungskosten überaus einträglich. Wer fragt da nach Sinn oder Qualität?

Insofern gibt es zwischen einem Virus und einem Franchise Gemeinsamkeiten. Sie sind lästig, und wo sie einmal Fuß gefasst haben, kann man sie schwer wieder loswerden. Außerdem neigen sie zur Mutation und können dann Genre- oder Geschmacksgrenzen nach Belieben überspringen. Das einzige Gegenmittel ist Aushungern durch weltweite Meidung der befallenen Filme, doch soweit ist es in unserem Fall noch lange nicht.

Nachdem Ti West mit „Cabin Fever 2“ den vermutlich schlechtesten Horrorfilm (nicht nur) des Jahres 2008 vorgelegt hatte (was angesichts der Konkurrenz eine echte Leistung war!), reichte er die rote Laterne nun an Kaare Andrews weiter. Der hatte sich 2010 mit „Altitude“ gründlich blamiert, was ihn aber nicht veranlasste, sich in seinem Job fortzubilden. „Cabin Fever 3“ ist deshalb ein ähnlich reizloses Machwerk wie der genannte Streifen.

Inhaltlich hat sich Drehbuchautor Jake Wall so eng wie möglich an das Skript des ersten Teils gehalten. Was sich dort bewährt hatte, musste er nicht neu erfinden. Man kann ihn zu seiner Selbstkritik beglückwünschen: Betrachtet man, was Wall selbst beigetragen hat, möchte man umgehend selbst ins Filmgeschäft einsteigen; es kann dort nicht schwer sein, Geld zu verdienen, wenn solcher Unfug in bewegte Bilder verwandelt wird!

Andere Stätte, bekannter Schwachsinn

Eine „cabin“ ist eine Block- oder Holzhütte, die in der Regel im Wald steht. Dort begann die „Cabin-Fever“-Saga, die nun ihren Standort in die Karibik verlagert, den sinnlos gewordenen Titel aber dorthin mitnimmt, damit der bekanntlich dumme Zuschauer den Anschluss nicht verliert und die Fortsetzung als solche wiedererkennt. Die Dominikanische Republik ist ein schöner Ort, die tropische Inselwelt bietet traumhafte Strände. Wenn nur die lästigen Einheimischen nicht wären! Hier basteln latinische Möchtegern-Forscher an einem Virus herum, was ihre Dritte-Welt-Kenntnisse weit übersteigt. Es muss erst ein US-Wissenschaftler kommen, der dem allgegenwärtigen Nepotismus ein Ende macht und sämtliche Familienmitglieder und Freunde, die in dem Geheimlabor beschäftigt werden, nach Haus schickt; anschließend ist es ziemlich menschenleer dort.

Aber auch sonst sind die karibischen Insulaner verdächtig, weil sie der amerikanischen Sprache nicht mächtig sind, tote Schweine auf offener Straße zu Koteletts verarbeiten und Touristen Amulette gegen schwarze Magie aufdrängen. Unklar bleibt, wieso sich unsere Partytiere dennoch auf eine abseits gelegene Insel verfrachten lassen, um dort ein simples Picknick zu veranstalten. Hätte es ein Zug durch die Kneipen nicht auch getan?

Aber dort hätte man kein Gras rauchen können. Noch weit jenseits der Drei-Meilen-Zone schüttelt es unsere sittenlockeren Urlauber vor Angst, die Küstenwache könne plötzlich auftauchen, ihren Kahn entern und sie wegen eines Tütchens Dope in ein Höllenloch von Gefängnis verschleppen! Deshalb lassen lieber erst dort die Sau ‚raus, wo sie unter sich sind.

Das dauert wieder mit dem Horror!

Bis die Viren endlich wieder Fleisch von den Knochen fließen lassen, müssen schier unendliche Minuten ebensolchen Schwachsinns überstanden werden. Unsere Jungs (aber auch das Mädchen) sind angeblich Twentysomethings, benehmen sich aber wie Zwölfjährige. Unterhaltungen werden durch Zoten, Plumpwitze und hysterisches Geschrei ersetzt. Schlimmer noch: Hin und wieder werden schwerfällig und klischeetriefend menschliche Werte – Brüderlichkeit, wahre Liebe, Freundschaft – beschworen. Das schindet Zeit und besänftigt womöglich strenge Kritiker, die offenbar Arthouse-Elemente sogar in einer „Cabin“-Rumpelkammer erwarten.

Irgendwann geht es endlich und ohne Einstimmung los. Die Stimmung kippt von turbogeil-blöd in eklig-blutig, die Figuren bleiben leider dieselben. Nun brechen Panik sowie eine lichtschnell voranschreitende Krankheit aus, die unsichtbar aber deutlich zunächst die letzten Hirnzellen der Protagonisten schmilzt. Jede Logik löst sich gleich mit auf, während man allein oder in kleinen Gruppen durch die Inselnacht stolpert.

Im Zentrum steht die ultramoderne Forschungsstation – eine Folge enger, mit Müll verstellter Kellerräume und Kavernen, in denen hin und wieder ein Lämpchen leuchtet. Die Kulissen sind erbärmlich, die Handlung ist ihnen angeglichen. Man rennt, trennt sich, flüchtet vor dreivierteltoten Bunkerinsassen, findet wieder zueinander, sucht nach dem Ausgang und findet sich schließlich im Herz der Finsternis wieder. Wie sich die Geschichte fortsetzt, soll an dieser Stelle aus Rücksicht auf den ohnehin erhöhten Blutdruck des Rezensenten nicht weiterverfolgt werden.

Auf die Story kommt es ohnehin längst nicht mehr an, denn nun reiht sich Ekeleffekt an Ekeleffekt. Warum sich die Körper unserer Darsteller zerlegen, ist Nebensache. Dies ermöglicht Sternstunden der Drehbuchkunst wie diese: Was geschieht, wenn sich eine infizierte Inselärztin und eine infizierte Strandurlauberin treffen? Richtig – ein zünftiger Catfight bricht aus, in dessen Verlauf sich die Raufenden erst die Kleider von den Leibern und sich dann buchstäblich selbst in Stücke reißen!

Seine einzige gute Idee hat sich Autor Wall für die Schlusstitel aufgespart: Hier läuft die Handlung in Zeitraffer-Schüben rückwärts ab, um immer dort einzuhalten, wo etwas geschehen ist, das uns Zuschauern bisher verborgen blieb. Es gibt tatsächlich eine Story hinter der Story, die sich nun vergleichsweise raffiniert – oder hat uns die Holzhammer-Dramaturgie in ein Halbkoma gestürzt? – enthüllt. Gleichzeitig wird „Cabin Fever 4“ vorbereitet, der den Untertitel „Outbreak“ tragen und in die Ereignisse von „Cabin Fever“ münden wird.

Dem Virus eine Basis bieten

Selbst wenn sich die Darsteller nicht wirklich mit dem Virus angesteckt haben, sind sie für eine Filmkarriere eigentlich gestorben. Die ‚Leistungen‘ sind pures Overacting, praktisch jede sprachliche Äußerung sorgt für zuschauerliches Kopfweh. Verdruckste Brünstigkeiten im „American-Pie“-Stil sollen absolute Feelgood-Stimmung symbolisieren. Siehe da, auch Kaare Andrews Markenzeichen aus „Altitude“ ist wieder im Spiel: Auf Schritt und Tritt werden Bierdosen geknackt und mit der Gier eines verdurstenden Dromedars ausgesoffen.

Die Figuren sind uns nicht nur gleichgültig. Sie erregen echte Wut, weil ihre Grenzdebilität, ihre Prahlereien, ihre Großkotzigkeiten nicht ironisch gebrochen, sondern bitterernst genommen werden. Jake Wall bemüht sich, den Horror mit der Komödie zu kombinieren. Dies ist eine Herausforderung, an der schon begabtere Drehbuchautoren gescheitert sind, zu denen Wall ohnehin nicht gehört.

Kaare Andrews fehlt jegliches Gefühl für Stimmung oder Timing. Er bringt es fertig, dass sich der Zuschauer langweilt, während Josh und Dobs durch einen von Virus-Zombies wimmelnden, dunklen Bunker tasten. Gefühlte Ewigkeiten vergehen, bis wie in Zeitlupe ausgestreckte Hände eine Türklinke herunterdrücken. Der dröhnend vor sich hin brodelnde Musikbrei schwillt zum Crescendo an – und hinter der Tür ist natürlich nichts; der Schock folgt zuverlässig aber wenig überraschend sekundenbruchteilspäter aus einer ganz anderen Ecke.

Es klappern die morsch werdenden Knochen

Wie man sich denken kann, sorgen die durchaus ansehnlichen Brösel-Effekte nicht für Schrecken. Der müsste inszeniert statt wie hier simpel zur Schau gestellt zu werden. Nicht einmal die FSK, die hierzulande angeblich die Zensur ersetzt, fand Gründe zu beanstanden, was sich auf dem Niveau einer Halloween-Party abspielt. Zudem kopiert Andrews ganze Szenenfolgen aus Teil 1; vor allem Penny schleimiges Schicksal ist ein ärgerliches Beispiel.

Obwohl der Virus in rasanter Geschwindigkeit arbeitet, erfolgt der Zerfall seiner Opfer stets in Sprüngen. So können sich Maske und Kostüm auf den Ist-Zustand konzentrieren. Dann gaukeln Dunkelheit, Stöhnen und Schnitte das Fortschreiten des Schmelzens an, bis der befallene Pechvogel wieder frisch geschminkt bzw. mit Blut beschmiert ins Bild gerückt wird.

Nachdem 95 Minuten voller unfreiwilliger und keineswegs erheiternder Dümmlichkeiten endlich verstrichen sind, fragt sich der Zuschauer erschöpft, womit er das wieder einmal verdient hat. Wie die Geschichte weitergeht? Da können wir nur spekulieren: Ob es wohl darauf hinausläuft, dass eine Gruppe junger, hübscher, geiler Menschen irgendwo isoliert und von einem fleischfressenden Virus überrascht wird …?

DVD-Features

Es gibt keine Extras, sondern nur den Trailer (deutsch und englisch) zum Film.

Wer noch an Wunder bzw. an den Mehrwert dreidimensionaler Effekte glaubt, kann sich „Cabin Fever 3“ auch als 3D-Blu-ray antun.

Kurzinfo für Ungeduldige: Vier dämliche Freunde steuern partygeil eine Insel an, auf der ein fleischfressender Virus umgeht. Mindestens zwei verrückte Wissenschaftler, ein rachelüsterner Virusherd u. a. Schreckgestalten sorgen für zusätzlichen Druck … – Weil’s so schön war (und einfach ist), wird Teil 1 nacherzählt; die Darsteller sind schlecht, die Effekte noch widerlicher, was den Erfolg und Teil 4 bringen dürfte.

[md]

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