Conan

Originaltitel: Conan the Barbarian (USA 2011)
Regie: Marcus Nispel
Drehbuch: Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer u. Sean Hood
Kamera: Thomas Kloss
Schnitt: Ken Blackwell
Musik: Tyler Bates
Darsteller: Jason Momoa (Conan), Stephen Lang (Khalar Zym), Rachel Nichols (Tamara), Rose McGowan (Marique), Bob Sapp (Ukafa), Ron Perlman (Corin), Leo Howard (Conan als Junge), Steven O’Donnell (Lucius), Milton Welsh (Remo), Nonso Anozie (Artus), Raad Rawi (Fassir) Saïd Taghmaoui (Ela-Shan), Morgan Freeman (Erzähler) uva.
Label/Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 20.01.2012
EAN: 5051890073457 (DVD) bzw. 5051890073440 (Blu-ray) bzw. 5051890073433 (Blu-ray 3D)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 108 min. (Blu-ray: 113 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Auf der Suche nach der zauberkräftigen Maske von Acheron, die ihm göttliche Kräfte verleihen soll, hat Khalar Zym vor vielen Jahren das Heimatdorf Conans im hohen cimmerischen Norden der archaischen Welt Hyboria überfallen und seine Bewohner inklusive Conans Vater niedermetzeln lassen. Seither streift Conan als Abenteurer, Glücksritter und aktuell als Pirat umher und sucht den Mörder, um Rache nach Barbaren-Art zu üben.

In der Hafenstadt Messantia kann Conan die Spur endlich aufnehmen. Einem ehemaligen Spießgesellen Khalar Zyms entprügelt er die Information, dass dieser noch immer seinem Größenwahn frönt. Um sich zum Hexenkönig krönen zu können, benötigt Zym allerdings das Blut einer echten Nachfahrin der eigentlich ausgerotteten Acheron-Zauberfrauen. Wie der Zufall spielt, soll es noch ein Exemplar in einem abgelegenen Tempelkloster geben, das Zym deshalb zu überfallen gedenkt.

Vor Ort kann Tamara, die der Amazonen-Leibgarde des Tempels angehört, in letzter Sekunde entkommen. Zym schickt ihr seine Schergen hinterher, doch in höchster Not betritt Conan die Szene und beschert ihnen diverse grässliche Tode. Die prinzipiell dankbare Tamara gedenkt er als Köder zu benutzen, mit dem er Zym in eine Falle locken will. Dieser erscheint jedoch mit seiner Hexentochter Marique, die Conan mit bösen Sandgeistern und einem vergifteten Bumerang-Messer einheizt.

Nun ist es Tamara, die Conan rettet, was diesen in Liebe entflammen lässt. Von seiner Rache lässt er sich zwar nicht abhalten, aber er kann das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, als es Zym doch gelingt, Tamara zu kidnappen. In der düsteren Festung Argalon werden sich die Parteien zum Finalduell treffen und dabei das Schicksal Hyborias entscheiden …

Was lange währt, wird nicht immer gut

Barbaren werfen lange und tiefe Schatten, denen schwer zu entkommen ist. Niemand dürfte dies besser wissen als jene Pechvögel, die diesen Fluch ausgerechnet mit einem Relaunch des Über-Barbaren Conan brechen wollten. Dabei waren sie gewarnt: Nachdem Erst-Barbar Arnold Schwarzenegger beschlossen hatte, sich als Politiker zu versuchen, geisterte das Projekt eines neuen „Conan“-Films jahrelang unstet durch Hollywood. Niemand wollte sich so recht daran versuchen, bis der aktuelle Fantasy-Boom in Verbindung mit dem Wahn, den Schauwert von Filmen um jeden Preis durch Dreidimensionalität zu erhöhen, den Knoten doch platzen ließ.

Selbstverständlich sollte alles anders und besser werden als 1982. Schwarzenegger war damals zwar ein noch üblerer Schauspieler als in seinen späteren Jahren, aber als Conan hatte er gleich zweimal – „Conan the Barbarian“ folgte 1984 „Conan the Destroyer“ (dt. „Conan der Zerstörer“) – überzeugen können; psychisch zumindest, denn mit dem Barbaren, den Robert E. Howard (1906-1936) 1932 in die Welt der „Pulp“-Magazine gesetzt hatte, bestanden ansonsten kaum Gemeinsamkeiten.

Der ‚neue‘ Conan sollte kein tumber Muskelberg und Schlagetot, sondern ein zwar kräftiger aber agiler und des Denkens immerhin in Ansätzen mächtiger Barbar sein, den man zudem in ein Umfeld einbetten wollte, das Fantasy-Archaik nicht im Stil italienischer Sandalenfilme der 1960er Jahre durch wacklige Pappkulissen vorgeben, sondern tatsächlich Howards Hyboria widerspiegeln sollte. Kurz & gut: Conan sollte wieder Conan werden.

Rache und andere Kleinlichkeiten

Schon die Kreation Hyborias wurde ein Schuss in den Ofen. Was bei Howard eine urwüchsige, von glühenden Wüsten, dampfenden Dschungeln oder endlosen Eiswüsten charakterisierte Welt ist, wirkt hier wie in einem bulgarischen Bergwäldchen entstanden. In der Tat wurden die meisten Großszenen aus Kostengründen in Ostdeutschland gedreht; zudem lassen sich nur dort ganze Scharen weiblicher Statisten anheuern, die als ‚Sklavinnen‘ (übergreifende Rollenbezeichnung: „topless wench“) barbusig durchs Bild springen – dies dürfte übrigens der Grund sein, aus dem „Conan the Barbarian“ in den USA ein „R“-Rating bekam. Die ‚Gewalt‘ kann es nicht gewesen sein, denn „Conan“ erinnert im Vergleich mit aktuellen TV-Serien wie „Spartacus“ an ein Stück der Augsburger Puppenkiste.

Da man wieder bei null begann, musste Conans Werdegang in die Geschichte einfließen. Musste sie wirklich, oder ging man lieber auf Nummer Sicher und griff den ähnlichen Einstieg aus dem Film von 1982 auf? Tatsächlich könnte man die erste Viertelstunde, die vom jungen Conan erzählt, problemlos streichen; der Rest der Geschichte ist so simpel, dass sie trotzdem funktionieren würde. Ebenso überflüssig ist das Engagement von Morgen Freeman (!), der sich ein hübsches Taschengeld mit den wenigen Banal-Sätzen verdient haben dürfte, die man ihn als Erzähler aufsagen ließ.

Statt hinter Thulsa Doom jagt Conan dieses Mal dem Schurken Khalar Zym hinterher. Wie dieser sich so lange seinem Verfolger entziehen konnte, bleibt nebulös, denn während Doom ein charismatischer Bösewicht war, wäre Zym in einer Geisterbahn deutlich besser aufgehoben als in Hyboria. Er brabbelt wirres Zeug über hirnlose Weltherrschaftspläne, die viele Jahre keinen Schritt weitergediehen sind, bleckt US-perlweiße Zähne und spricht in der deutschen Fassung außerdem mit der Stimme von Dr. House, was sehr irritiert.

Umgeben von tätowierten und gepiercten Witzfiguren, die vermutlich in einem Altersheim der „World Wrestling Federation“ für diesen Film rekrutiert wurden, kann sich dieser farblos-fade Diktator höchstens auf seine Tochter verlassen, die zwar wirklich böse aber leider ihrem Vater absolut ergeben ist, weshalb spannungsförderlicher Verrat nie ein echtes Thema wird.

Barbarisches Ein-Mann-Rollkommando

Albern uniformierte ‚Soldaten‘ kämpfen für diesen Khalar Zym. Man muss diesen Begriff in Anführungszeichen setzen, da Conan die Truppen seines Feindes praktisch im Alleingang niedermacht. Auf ihn können selbst Zyms Muskelmänner nach Herzenslust einhauen oder -stechen; man kann Conan außerdem vergiften, verzaubern oder einen miserabel getricksten Riesenkraken auf ihn hetzen: Er steht umgehend wieder auf und zahlt es seinen Gegnern doppelt und dreifach heim.

Faktisch ist „Conan“ eine lose Folge entsprechender Prügel-Szenen. Generell zerfällt die Handlung in Episoden, die zwar oft hübsch anzusehen sind, ohne sich jedoch zu einer dichten Geschichte zu verbinden. Hinzu kommen gravierende Drehbuchfehler, die bei einem Film dieser Größenordnung nicht hätten durchgehen dürfen. Auf hoher See werden Conan und seine Piraten von Zyms Männern überfallen. Woher wussten diese, auf welchem Schiff und zwischen welchen Wellen sie ihre Opfer finden konnten? Wieso entern sie in tiefer Nacht, und einige Säbelhiebe später ist es heller Tag?

Ähnlich missraten ist diese Szene: Nach heißer Liebesnacht in einer Höhle mit Conan will Tamara zurück an Bord des Piratenschiffes. Auf dem Weg dorthin stehen plötzlich Zyms Schergen vor ihr – schon wieder, obwohl sie dieses Mal erst recht keine Ahnung hätten haben dürfen, wo sich ihre Beute versteckt hält. Aber Tamara verdient es wohl auch nicht besser; schließlich hat sie ihre Verfolger nicht nahen hören, obwohl diese in klirrenden Rüstungen auf schnaufenden Pferden saßen. Später taucht kurz ein Dieb auf, den Conan in der ersten Filmhälfte rettete, schließt ein paar Kerkertüren mit seinem Dietrich auf und verschwindet wieder.

Zu solchen Dämlichkeiten kommt eine Inszenierung, die Ideen nur dort vermuten lässt, wo die 3D-Kamera verstärkt zum Einsatz kommt. Wie üblich wird gen Publikum gehalten, was spitz und lang ist. Digitale Sandgeister springen senkrecht aus dem Boden, Marique reckt ihre Freddy-Krueger-Krallenfinger, und der Finalkampf zwischen Conan und Zym findet hoch über einer Lava-Spalte statt. Da „Conan“ nachträglich konvertiert wurde, bleibt der 3D-Aufwand enttäuschend zwei- und in Verbindung mit dem Drehbuch eindimensional.

Reigen der TV-Gesichter

Wenn Jason Momoa nach vielen Minuten endlich die Handlung übernimmt, ist das „Conan“-Schiff bereits auf Grund gelaufen. Momoa soll sich für seine Rolle buchstäblich in Stücke gerissen haben. Das vermurkste Drehbuch kann er nicht retten. Schon Maske und Kostüm des Helden sind kontraproduktiv. 70 bis 90 Mio. Dollar soll „Conan“ gekostet haben – die Zahlenangaben differieren –, doch (nicht nur) der modisch verzottelte Hauptdarsteller wirkt wie einer Episode von „Xena – Die Kriegerprinzessin“ entsprungen!

So sehen sie alle aus, die es in diesem Film verschlagen hat, und so agieren sie auch. Einzige Ausnahme ist Rose McGowan, deren Rolle als sadistische Hexe wenigstens ein bisschen Fleisch auf den Knochen hat. Während sich ihre Kolleginnen und Kollegen steif an ihren mageren Parts abarbeiten, gibt McGowan dem Affen Zucker und macht deutlich, was diesem Film vor allem fehlt: die nötige Souveränität, sich über den langweiligen Bierernst des Geschehens hinwegzusetzen. Selbst die „Conan“-Fernsehserie von 1997/98 ist in ihrem grauenhaften Dilettantismus dem Film von 2011 in diesem Punkt überlegen!

Übrigens wundert es nicht, dass Conan seine Tamara im Finale verlässt: So eine profillose, langweilige und gleichgültig lassende ‚Heldin‘ hat man im Film schon lange nicht mehr ertragen müssen! Wer an Sandahl Bergman als Valeria im „Conan“-Film von 1982 zurückdenkt, windet sich in Fremdscham: Wer wollte ernsthaft glauben, dass ein Conan ein Würstchen wie Tamara an seiner Seite erträgt?

Das Auge leidet mit

Traurig gekrönt wird das „Conan“-Desaster durch erstaunlich minderwertige Spezialeffekte. Die digitalen Effekte sind als solche jederzeit erkennbar, selbst die Matte-Paintings – basierend auf einer Technik, die seit über 100 Jahren im Einsatz ist – taugen kaum. Viel zu selten fliegen die wirklich großen Fetzen, wie man es bei einem Spektakel wie „Conan“ erwartet. Nicht einmal für die Schöpfung glaubwürdig exotischer hyborischer Völker hat die Fantasie gereicht. Tamaras Tempel wird von togagewandeten Römern und buddhistischen Mönchen bevölkert, der junge Conan trägt seinen ersten Kampf gegen vier Indianer (!) aus, Piraten sind notorisch bunt, Frauen möglichst spärlich gekleidet, Sklavenhändler tragen Krummsäbel …

Fast zwei lange Stunden schleppt sich diese laue Story bis ins Finale, das sich lahm in die Kette ähnlicher Turbulenzen reiht. Untermalt wird das Ganze von beliebigem Synthie-Gedudel; Gerüchten zufolge soll aus dem Grab von Basil Poledouris schallendes Hohngelächter erklungen sein.

An den Kinokassen war „Conan“ ein Desaster; das erhoffte Franchise wird nicht neu in Gang kommen. Nach und nach wird der Film trotzdem seine Kosten einbringen. Für diverse Direct-to-Video-Billig-Produktionen dürfte das Fundament stabil genug sein. Ansonsten darf sich der Zuschauer wenigstens einmal an der Tatsache erfreuen, dass es auf dieser Welt Gerechtigkeit gibt – sogar in der Filmwelt!

DVD-Features

Dass aus dem groß beworbenen Blockbuster nichts wurde, machen auch die kärglichen ‚Extras‘ deutlich. Sie bestehen hauptsächlich aus einem Audiokommentar des Regisseurs Marcus Nispel sowie einem gemeinsamen Audiokommentar der Schauspieler Jason Mamoa und Rose McGowan, beide in englischer Sprache mit wahlweise einblendbaren deutschen Untertiteln

Ansonsten gibt es fünf wahllose Filmclips („Kampf gegen die Sandmonster“, „Wie ist dein Name?“, „Blut vor dem Tempel“, „Die hohe Schule des Kampfes“, „Jason Mamoa: Schauspieler und Stuntman“), die jeweils eine Minute ‚lang‘ sind.

Anmerkung:

Niemand blickt tiefer & unerschrockener in die moralischen Abgründe des modernen Unterhaltungsfilms als die stets wachsamen Wächter des „Parents Guide“ der Website IMDb (International Movie Database). Schonungslos werden auch die Perversionen des „Conan“-Films von entsprechend geeichten US-Augen & Hirnen aus dem scheinbar harmlosen Kontext gelöst und zum Wohle der unschuldigen Jugend aufgelistet; sie seien dem empfindsamen Zuschauer an dieser Stelle als Warnung zitiert:

Sex & Nudity:
– Conan and another man engage in a fist fight. There are several topless women surrounding them, their breasts and nipples are clearly seen.
– Conan and his comrades rescue a large group of slaves. Most of the women are topless and their breasts and nipples are seen very clearly.
– Conan makes love to a woman in a cave. Her breasts and nipples are shown for about 30 seconds during the sex scene. After she leaves, part of Conan’s butt is seen.

Alcohol/Drugs/Smoking:
– Conan and some men drink a beer.*

* Eigentlich ist es Met (Honigwein), aber das gleicht die Verworfenheit dieses Tuns sicherlich nicht aus!

[md]

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