Conjuring – Die Heimsuchung

Originaltitel: The Conjuring (USA 2013)
Regie: James Wan
Drehbuch: Chad Hayes u. Carey Hayes
Kamera: John R. Leonetti
Schnitt: Kirk Morri
Musik: Joseph Bishara
Darsteller: Vera Farmiga (Lorraine Warren), Patrick Wilson (Ed Warren), Lili Taylor (Carolyn Perron), Ron Livingston (Roger Perron), Shanley Caswell (Andrea), Hayley McFarland (Nancy), Joey King (Christine), Mackenzie Foy (Cindy), Kyla Deaver (April), Shannon Kook (Drew), John Brotherton (Brad), Sterling Jerins (Judy Warren), Joseph Bishara (Bathsheba Sherman) u. v. a.
Label: New Line Home Entertainment
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 24.01.2014
EAN: 5051890211811 (DVD)/5051890211743 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Spanisch, Dänisch, Finnisch, Isländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 96 min. (Blu-ray: 100 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Trucker Roger Perron bezieht mit Gattin Carolyn und den fünf gemeinsamen Töchter ein schön aber etwas einsam gelegenes Haus in Harrisville, einem Städtchen im Norden des US-Staates Rhode Island. Der erstaunlich günstige Kaufpreis findet rasch eine Erklärung, denn in dem ehemaligen Farmhaus geht es mächtig um. Familienhund Sadie stirbt einen hässlichen Tod, in der Nacht reißen unsichtbare Hände den Kindern die Bettdecken weg, Bilder fallen von den Wänden, dauernd klopft es unheilverkündend in den Wänden. Schließlich materialisiert sich eine grässlich anzusehende Kreatur, die Tochter Andrea ins Genick springt.

Glücklicherweise halten Ed und Lorraine Warren gerade eine Vorlesung an einer nahen Universität. Das paranormal eingebildete Ehepaar hilft Zeitgenossen, die von Geistern belästigt und von Dämonen besessen werden. Ein kurzer Besuch im Haus der Perrons genügt, um die Ghostbusters von der Realität des Spuks zu überzeugen. Mit ihren Assistenten Drew und Brad quartieren sich die Warrens im Haus ein, die Zimmer werden mit Kameras und Mikrofonen bestückt.

Außerdem wird recherchiert. Es zeigt sich, dass in diesem Haus einst die Hexe Bathsheba Sherman hauste. Um sich bei Satan lieb Kind zu machen, hatte sie ihr eigenes Kind geopfert und sich anschließend erhängt. Zuvor sprach sie einen Fluch aus, der jeden treffen sollte, der sich auf dem Grundstück ansiedelte. Tatsächlich starben jene, die es trotzdem taten, in der Regel unter verdächtigen Umständen.

Die untote Hexe hält wenig von Zurückhaltung. Sie lässt es auch in Anwesenheit der Geisterjäger ordentlich krachen. Darüber merkt niemand, dass Bathsheba bereits zu Stufe 3 ihres teuflischen Plans übergegangen ist: Unbemerkt konnte sie ins Hirn von Mutter Carolyn schlüpfen. Auf diese Weise wird ein weiteres Kindsopfer vorbereitet. Um Ed und Lorraine abzulenken, heuert Bathsheba einen weiteren Dämon an, der Warren-Töchterlein Judy piesacken soll …

Die Dummen sterben nie aus

„Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens“, fasste Friedrich Schiller es 1801 in seinem Stück „Die Jungfrau von Orléans“ ebenso knapp wie treffend zusammen. Weil dem so ist, fanden sich stets schlaue Köpfe, die lukrativ diese Schwäche dort ausnutzten, wo sie besonders stark ausgeprägt war.

Erstaunlicherweise gibt es auch in der Gegenwart zahlreiche Zeitgenossen, die von der Existenz sogenannter „Geister“ überzeugt sind. Da der Mensch zur Systematik neigt, gibt es ein sorgfältig aufgeschlüsseltes Bestiarium jenseitiger Plagegeister. Zusammengestellt haben es ‚Wissenschaftler‘ wie Ed und Lorraine Warren, die dank multimedialer Präsenz eine kopfstarke Schar gläubiger Geisterjünger um sich versammeln, die u. a. gern Bücher kaufen, in denen unglaubliche Heimsuchungen und heldische Dämonen-Austreibungen geschildert werden.

Derzeit haben die Warrens Hochkonjunktur. Pech für Ed, der bereits 2007 das Zeitliche segnete, aber vielleicht freut er sich ja auf Wolke 7 über sein schmuckes Hollywood-Alter-Ego Patrick Wilson. Lorraine weilt weiterhin unter uns; wer genau hinsieht, erkennt sie sogar im Hörsaal unter den Studenten, denen die Film-Warrens einen Vortrag halten.

Den echten Warrens verdanken wir u. a. den faulen Zauber um das Amityville-Horrorhaus, in dem es seit 1979 immer wieder filmisch umgeht. 2009 wurde „The Haunting in Connecticut“ (dt. „Das Haus der Dämonen“) aufgewärmt und 2013 mit „The Haunting in Connecticut: Ghosts of Georgia“ (dt. „Das Haus der Dämonen 2“) fortgesetzt. 2010 konterte „Conjuring“-Regisseur James Wan mit „Insidious“, dem er 2013 „Insidious 2“ folgen ließ. Er blieb beim Thema und kramte erneut eine Warren-Fallstudie hervor, die er „The Conjuring“ nannte.

Familienwerte gegen Gespensterbosheit

Alle diese Filme eint, dass sie a.) von penetrant durchschnittlichen US-Familien handeln, die in ein Spukhaus geraten, b.) beanspruchen, „nach einer wahren Geschichte“ entstanden zu sein, c.) den hanebüchenen Mumpitz, der da verzapft wird, bierernst nehmen, und d.) überaus erfolgreich die Kassen klingeln ließen.

Letzteres erstaunt, wenn man sich die immer gleichen, klischeehaft inszenierten Grusel-Spektakel anschaut, die ohne jenen Funken Ironie, der „Poltergeist“ (1982) – die 1-zu-1-Vorlage aller dieser Heimsuchungen – zu Recht zu einem Klassiker reifen ließ, ernüchternd langweilig und öde wirken. Stets werden klassische amerikanische Familienwerte nicht nur beschworen, sondern gnadenlos exerziert. Also gibt es auch hier Szenen wie diese, in der Mutter Carolyn ein Urlaubsbild ihrer Lieben zeigt und voller Inbrunst betont, diese seien „alles“ für sie. Roger ist ein vorbildlicher Vater und Ehemann, ein zuverlässiger Liebhaber und arbeitet hart sowie mit den Händen für das Wohl seiner Familie, was uns alles immer wieder demonstriert wird.

Warum werden solche braven Menschen von Geistern gepeinigt? Gut, dass die Warrens Auskunft geben können: Dämonen lauern auf ihre Chance, in einen lebenden Menschen zu fahren! Vorher muss dieser durch spukende Störung der Nachtruhe ordentlich weichgeklopft werden. Die Perrons haben das Pech, in ein leer stehendes Geisterhaus zu ziehen. Voller Ungeduld wartet dort eine ganze Rotte von Gespenstern auf Publikum.

„Who You Gonna Call?“ – „Ghostbusters!“

Normalerweise dauert es viele Filmminuten, bis ein Spuk als solcher erkannt wird. Außerdem konzentrieren sich Geister in der Regel auf ein einziges Opfer, während Verwandte und Freunde ins Leere starren und sich vielsagend an die Köpfe tippen. „Conjuring“ geht einen anderen Weg: Dass es Geister gibt, steht von vornherein fest. Es fiele auch schwer, an ihnen zu zweifeln, denn sie sind alles andere als scheu. Wer immer ins Perron-Haus schaut, bekommt sogleich kräftig eins auf die Nase und wird auch sonst bespukt, dass ihm oder ihr Hören & Sehen vergehen. Selbstverständlich zeichnen Kameras, Fotoapparate und Tonbandgeräte problemlos auf, was durch die Räume tobt.

Was eigentlich stimmungsvoll sein sollte, wird zum Spektakel, das unter erheblicher Geräuschentwicklung stattfindet. Positiv gestimmte Kritiker heben hervor, dass Regisseur Wan dem guten, alten, handgemachten Spezialeffekt den Vorzug vor digitalen Hexereien gibt. Das entschuldigt nicht die grundfalsche Entscheidung, den Spuk buchstäblich ins grelle Licht zu zerren, wo er als Maske und Mummenschanz erkennbar wird. Besonders übel weil ins Lächerliche umschlagend ist der Auftritt der Hexe Bathsheba, die sich offenbar im Filmklassiker „Der Exorzist“ informiert hat, wie sich dämonische Besessenheit im Erscheinungsbild widerspiegelt.

Drehbuchseitig wird nie klar, um wen es in „The Conjuring“ eigentlich geht. Mal stehen die Perrons im Mittelpunkt, dann rücken die Warrens ins Zentrum. So geht es hin und her, bis der Zuschauer das Interesse an beiden Familien verloren hat. Den Sieg tragen letztlich die Warrens davon. Dies wissen wir, weil eine Fortsetzung beschlossene Sache ist. Da 20 Mio. Dollar Produktionskosten einen Einspielgewinn von 140 Mio. Dollar erbrachten, war dies keine Überraschung. In „Conjuring 2“ geht es um einen weiteren Fall unserer Geisterjäger, die erneut Vera Farmiga und Patrick Wilson verkörpern werden. Da ihr heimischer (bzw. lächerlicher) Trophäenkeller, in dem die Warrens eingefangene Dämonen bunkern, überaus reich bestückt ist, müssen wir bei erneutem Erfolg mit weiteren Einsätzen rechnen.

Das Ohr leidet, aber das Auge freut sich

James Wan hat „The Conjuring“ direkt nach „Insidious 2“ gedreht. Man fragt sich, was ihn, der wesentlich eindrucksvollere Geistergeschichten erzählt hat, dazu trieb, gleich zweimal braven, familientauglichen Spuk zu entfesseln. Nach eigener Auskunft war es der zwischenmenschliche Faktor, der ihn reizte: Eine ‚echte‘ Familie fällt unter die Geister. Dass sie reagiert wie jede beliebige Film-Familie, die ein ähnliches Schicksal erleidet, lässt Wan wohlweislich unter den Tisch fallen. Er ist ohnehin eher Film-Handwerker, den der Stil mehr an die Figurenzeichnung interessiert.

Optisch bereitet „The Conjuring“ in der Tat Vergnügen. Wan hat die Horrorfilme der 1970er Jahre studiert und sich formal aus deren Gestaltungsfundus bedient. Nicht nur Ausstattung und Kostüme sind epochenecht. Auch Farbgebung und Lichtsetzung erinnern an die Vergangenheit. Dazu gibt’s einen Filmscore, der mit atonal schräger Musik akustisch an den Nerven zerren soll – eine Herausforderung, die mit großem Elan betrieben aber nicht unbedingt zur Freude des Publikums gemeistert wurde.

Leid können einem wie so oft die Schauspieler tun. Sie sind in ihren schlichten Rollen gefangen. Vor allem Lili Taylor wirkt als bodenständige Fünffach-Mutter fehlbesetzt. Die Schauspielerin wurde durch ihre oft extremen Rollen in Independent-Filmen berühmt. Da sie zwischenzeitlich essen muss, tritt sie auch im Mainstream-Kino auf, wo man – erinnert sei an das schrecklich missratene „Haunting“-Remake von 1999 (dt. „Das Geisterschloss“) – selten etwas mit ihr anzufangen weiß. Immerhin ergeht es ihr besser als dem armen Ron Livingston, der den filzhaarigen „Alles-wird-gut“-Dad im Blue-Collar-Flanellhemd mimen muss.

Wenn irgendwann das Spuk-Gedröhn abschwillt, löst sich die Erinnerung an das Gesehene binnen kurzer Zeit auf. Was Wan uns anbietet, ist einfach zu austauschbar und bekannt. Die Werbung nennt dies „bewährt“, und ein nicht unbedingt kopf- aber zahlenstarkes Publikum, das Experimente in der Unterhaltung ablehnt, wird genau deshalb zufrieden sein.

DVD-Features

Der DVD-Betrachter kommt ohne Extras davon. Andererseits ist es schade, die Featurette „A Life in Demonologie“ nicht gesehen zu haben: Wer hätte gedacht, dass sich so viel Unsinn (= das Leben der Ghostbuster Ed und Lorraine Warren) in nur einer Viertelstunde verzapfen lässt?

Kurzinfo für Ungeduldige: 1971 bezieht Familie Perron ein verdächtig kostengünstiges Haus auf dem Land. Schon in der ersten Nacht wird der Hund gekillt, dann spukt es, dass sich die Balken buchstäblich biegen. Geisterjäger werden gerufen, die der Hausgeist mit vollen Breitseiten eindeckt … – In diesem inoffiziellen „Poltergeist“-Remake kracht und dröhnt es so mächtig, dass bald jede Gruselstimmung vertrieben ist; als Spektakel leidlich unterhaltsam und hübsch im Stil der 1970er Jahre gefilmt.

[md]

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