Contracted

Originaltitel: Contracted (USA 2013)
Regie u. Drehbuch: Eric England
Kamera: Mike Testin
Schnitt: Josh Ethier
Musik: Kevin Riepl
Darsteller: Najarra Townsend (Samantha), Caroline Williams (Samanthas Mutter), Alice Macdonald (Alice), Katie Stegeman (Nikki), Matt Mercer (Riley), Charley Koontz (Zain), Simon Barrett (BJ), Ruben Pla (Arzt), E-Kan Soong (George) u. a.
Label: Mad Dimension
Vertrieb: Alive
Erscheinungsdatum: 06.03.2015
EAN: 4260336460695 (DVD)/4260336460701 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min. (Blu-ray: 84 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Samantha hat trotz ihrer Jugend viel durchgemacht. Nach einer überwundenen Drogensucht lebt sie wieder bei ihrer Mutter, die angstvoll jeden Schritt der Tochter kontrolliert, weil sie einen Rückfall fürchtet. Ihr Geld verdient Samantha als Kellnerin, doch sie züchtet erfolgreich Orchideen und hofft auf einen Durchbruch als Gärtnerin. Privat gibt es Stress mit Lebensgefährtin Nikki, die Samantha neuerdings auf Abstand hält. Die ebenfalls lesbische Alice begehrt und bedrängt Samantha, während ihr Riley unbelehrbar hinterherhimmelt.

Auf einer von Alice veranstalteten Party schüttet der mysteriöse BJ der ohnehin angeheiterten Samantha eine Droge in den Drink und vergewaltigt sie in seinem Wagen. Gedemütigt will sie diesen Vorfall vergessen und vor allem Nikki verschweigen, denn Samantha ahnt, dass diese – eine ausgesprochene Männerhasserin – ihr eine Mitschuld unterstellen würde.

Aber Samantha hat größere Sorgen: Ihre Haut wird fleckig, sie beginnt aus sämtlichen Körperöffnungen zu bluten und leidet unter heftigen Migräneattacken. Der zu Rate gezogene Arzt vermutet eine Geschlechtskrankheit und verschreibt entsprechende Mittel, die ohne Wirkung bleiben. Stattdessen steigern sich die Symptome zu einem buchstäblichen körperlichen Zerfall. Büschelweise fallen Samantha die Haare aus, ihre Augen bluten, Maden kriechen aus ihrem Unterleib.

Alice steigert Samanthas Angst, indem sie von einem Polizeibesuch berichtet: BJ wird dringend wegen eines sorgfältig geheim gehaltenen Verbrechens gesucht. Samantha ahnt, dass auch sie ins Visier der Ordnungsmacht geraten könnte. Ratlos, verängstigt und zunehmend desorientiert sucht sie Hilfe. Doch ihre Freunde, selbst ihre Mutter reagieren entweder gleichgültig oder entsetzt, denn Samanthas Körper verrottet immer drastischer. Gleichzeitig nehmen ihre psychischen Aussetzer zu. Hinzu kommt ein bohrender Hunger, den nur frisches Menschenfleisch stillen kann, wie Samantha zufällig feststellt …

Lehr- und Wandertage eines Zombies

Bloß nicht noch ein Zombie-Film! Und sollte es trotzdem unbedingt sein, dann keineswegs einer, für den Eric England verantwortlich zeichnet! Der Horror-Fan kennt und schmäht seinen Namen spätestens seit 2011, als er den völlig vergurkten Slash-Trash „Madison Country“ über sein unglückliches Publikum brachte.

Aber man sehe und staune: England ist offenbar lernwillig und -fähig. Zwar ist ihm auch „Contracted“ keineswegs fehlerfrei gelungen, doch der Fortschritt ist eindeutig zu erkennen. Noch besser: Es gibt selbst im Zombie-Genre tatsächlich Nischen, die nicht bereits bis zum Überdruss abgefischt wurden.

Im ‚normalen‘ Zombie-Horror folgt dem Biss meist ein rascher Tod, dem die Wiederauferstehung folgt: Der Untote ist die Gestalt, auf die es dieser Schrecken absieht. England stellte sich dagegen die Frage, wie die letzte Phase zwischen Leben und (vorläufigem) Tod aussehen könnte. Für ihn ist dies ein schleichender, sich über drei Tage hinziehender Prozess, mit dem er seine Zuschauer vertraut machen möchte.

In dieser Hinsicht ist England rundum erfolgreich. Der penible Kritiker mag zwar zurecht maulen, dass Samanthas Auge mal links, mal rechts blutet sowie mehrfach die Farbe wechselt. Angesichts des mikroskopischen Budgets, mit dem England arbeiten musste, sind die drastischen Effekte, die Samanthas Zerfall begleiten, ungemein überzeugend geraten.

Wer würde denn den Untod vermuten?

England ‚tarnt‘ Samanthas Leiden zunächst als Geschlechtskrankheit – ein geschickter Schachzug, denn nach mehreren Jahrzehnten ist AIDS zumindest ein im Hintergrund präsent gebliebenes Schreckgespenst geblieben. Auch Samanthas Arzt – ansonsten ein bemerkenswert untauglicher Vertreter seiner Zunft – kommt umgehend zu diesem Schluss, als er von ihrer ‚Liebesnacht‘ erfährt.

Samantha ist selbst davon überzeugt, was ihren aus Scham und Schuldbewusstsein geborenen Entschluss bekräftigt, die ‚Krankheit‘ möglichst unter Kleidern und Mützen oder hinter einer Sonnenbrille zu verbergen. Zwar ist sie das Opfer, doch Samantha geht davon aus, dass man ihr – einem gerade rückfällig gewordenen Junkie – keinen Glauben schenken wird. Die Reaktionen ihrer Mitmenschen geben ihr darin Recht.

Mutter, Lebensgefährtin, Freunde und Arbeitskollegen sind vor allem mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Niemand zeigt jemals echtes Mitgefühl für Samantha, die zunehmend verzweifelter genau dies einfordert. Vor allem Nikki und Alice ignorieren geradezu vorsätzlich Samanthas Zustand – dies in einem Ausmaß, das aus einem Einfall ein Drehbuchloch werden lässt: Es ist absurd, wenn Alice UND später Riley heftig mit einer Samantha knutschen, der die Haut in eitrigen Fetzen um die Lippen hängt.

Bis zuletzt bleibt Samantha allein. Der Arzt ist zwar erschrocken, schickt die (wahrscheinlich nicht versicherte) Patientin jedoch mit einer Salbe „gegen den Ausschlag“ heim. Die Polizei meidet Samantha auch deshalb, weil sie bereits argwöhnt, dass der Vorwurf, der gegen BJ erhoben wird, nur vorgeschoben ist. In der Tat fahndet man zwar fieberhaft aber möglichst unauffällig nach ihm, der als Träger einer fatalen Krankheit wohl schon früher aufgetreten ist.

Was auch (oder wirklich) vorgeht

Damit kommen wir zu einer zweiten Handlungsebene, die sich aufgrund Englands Ungeschicks nur wenigen Zuschauern erschließen dürfte. Schon der Prolog deutet an, dass es um mehr geht als das erste Aufflackern einer Zombie-Seuche: BJ macht sich in einer Leichenhalle an einem Körper zu schaffen, der unter einer Hülle liegt, die das Zeichen für „biologische Gefahr“ trägt. Was immer er dort entfernt, findet später seinen Weg in Samanthas Körper.

Nur Zuschauer mit scharfen Augen erkennen das auf einem BJ-Finger tätowierte Wort „Abbadon“. Es ist hebräisch und bedeutet übersetzt „Untergang“ oder „Verderben“. Außerdem ist es der Name eines Dämonenfürsten, der im Alten Testament Erwähnung findet. Bedenkt man den ansonsten rätselhaft bzw. sinnlos bleibenden Filmtitel „Contracted“, ist wohl davon auszugehen, dass BJ einen Pakt mit Abbadon geschlossen hat, der ihn zwingt, seinem Herrn Menschenopfer zu bringen, die dieser gern scheußlich zugerichtet genießt.

Für die Handlung wird diese Ebene ohnehin rasch unwichtig. BJ taucht auf, begeht seine Tat und verschwindet aus dem Geschehen; nur einmal und wohl im Rahmen einer Vision oder Halluzination sieht Samantha ihn, wie er ein neues Opfer sucht und findet. Der Versuch, dies zu verhindern, bleibt jedoch erfolglos.

Symbolismus ist offenbar Englands Steckenpferd. Samantha, die später stehend verwest, züchtet ausgerechnet Orchideen – wunderschön blühende Blumen, die in feuchtschwülen Urwäldern wachsen und die auf die Symbiose mit bestimmten Pilzen angewiesen sind, um Nährstoffe aufnehmen und verarbeiten zu können.

Dem Grauen ein Gesicht geben

Glück hatte England mit seiner Hauptdarstellerin. Mit der glaubwürdigen Besetzung der Samantha-Rolle steht und fällt dieser Film. Najarra Townsend ist trotz ihrer Jugend bereits eine Veteranin mit mehr als 70 Film- und TV-Auftritten. Sie ist schlank und hübsch, doch ihre Schönheit entspricht nicht den dafür üblichen Kriterien: Townsend verfügt über hohe, stark ausgeprägte Wangenknochen, die eine ideale Basis für ein Make-up bilden, das die Verwandlung eines Kopfes in einen Totenschädel demonstrieren soll.

Townsend versteht es, eine Angst darzustellen, die nicht nur aus ihrer ‚Verwandlung‘ resultiert, sondern auch aus der Erkenntnis, allein dem Verhängnis ausgeliefert zu sein. England nimmt sich die Zeit uns zu zeigen, dass Samanthas Leben schon vor der Begegnung mit BJ aus dem Lot geraten ist. Samantha ist keine gefestigte Person, sondern unsicher, gehemmt und ungemein anlehnungsbedürftig. Ihre Homosexualität hat sie längst noch nicht akzeptiert. Diese Probleme sind es, die ihr Handeln noch und dann verhängnisvoll prägen, als ihr Gehirn sich in Schweizer Käse zu verwandelt.

Ein kapitales Problem von „Contracted“ ist, keine Rolle nur annähernd so überzeugend wie Samantha wirkt. Alice, Nikki, die Mutter und vor allem der liebeskranke Riley: Sie alle sind Unsympathen, die der Zuschauer aufgrund der vom Drehbuch vorgegebenen Handlungsunlogik noch stärker verabscheut. Wahrscheinlich meinte England auf diese Weise unterstreichen zu können, wie isoliert Samantha dasteht. Aufgegangen ist seine Rechnung freilich nicht.

Es kommt, wie es kommen muss

Diese Geschichte geht übel aus. Was hier wie ein Spoiler klingt, wird dem Zuschauer früh vor Augen geführt: England teilt seine Geschichte in drei Kapitel, die drei Tagen entsprechen. „Tag 1“ und „Tag 2“ werden kommentarlos angekündigt, aber „Tag 3“ wird durch den lakonischen Zusatz „von 3“ ergänzt.

„Contracted“ ist nicht wirklich gelungen. Dennoch ist dies ein interessanter Film, der eigene Wege geht. Der Tenor ist ruhig, der Grundton fatalistisch, die Umsetzung quasi dokumentarisch, was auch dem Budget geschuldet ist, der Geschichte aber bekommt: Hier wird kein Aufwand getrieben, den man sich nicht leisten konnte, weshalb man sich nie blamiert.

Wie Samantha schließlich jede Kontrolle über ihren bröselnden Körper und ihren Verstand verliert, wird wiederum vor allem dank Najarra Townsend nachvollziehbar. Das Ende ist nüchtern aber gerade deshalb wirkungsvoll: Samanthas von BJ in Gang gesetzte Evolution ist vollendet. Mit dem Blick auf den ‚geschlüpften‘ Zombie blendet England ab. Die nun folgende Geschichte – das übliche Katz-&-Maus-Spiel zwischen lebenden und untoten Menschen – interessiert ihn nicht mehr. Aber keine Sorge, denn an das unzufrieden verbliebene Publikum wurde gedacht: 2015 erfahren wir in „Contracted – Phase II“ – nicht mehr von Eric England -, wie es weitergeht …

DVD-Features

Wie heutzutage viel zu üblich, bleibt die DVD ohne zusätzliche Informationen. Nicht einmal Untertitel wurden dem Film spendiert. Synchronisiert wurde „Contracted“ von der allseits bekannten und unbeliebten Nöhl-&-Nuschel-Truppe, die stets angeheuert wird, wenn ein (Horror-) Film ruiniert werden soll.

Kurzinfo für Ungeduldige: Kellnerin Samantha wird vergewaltigt und mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt; so denkt sie jedenfalls, bis ihr Körper buchstäblich zu zerfallen beginnt … – Die interessante, trügerisch ‚ruhig‘ in Szene gesetzte Geschichte leidet unter Drehbuchschwächen und einer verquasten Backgroundstory, was aber eine spielstarke Hauptdarstellerin größtenteils auffangen kann.

[md]

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