Crawlspace – Dunkle Bedrohung

Originaltitel: Crawlspace (Australien 2012)
Regie: Justin Dix
Drehbuch: Eddie Baroo, Justin Dix u. Adam Patrick Foster
Kamera: Simon Ozolins
Schnitt: Dave Redman
Musik: Jamie Blanks u. Jamie Murgatroyd
Darsteller: Ditch Davey (Romeo), Amber Clayton (Eve), Peta Sergeant (Wiki), Eddie Baroo (Fourpack), Nicholas Bell (Caesar), John Brumpton (Elvis), Samuel Johnson (Matthews), Fletcher Humphrys (Kid), Ngaire Dawn Fair (Emily) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.12.2013
EAN: 0888837092197 (DVD)/0888837092296 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

In der Einöde des nordaustralischen Outbacks liegt die unterirdisch angelegte Forschungsstation Pine Gap. Hier bastelt Dr. Caesar, ein moderner Frankenstein, am Super-Krieger der Zukunft. Dabei wurde gepfuscht; die ‚Versuchskaninchen‘ konnten sich befreien und streifen nun irre und rachedurstig durch die Gänge.

Die Regierung schickt Hilfe bzw. eine Einheit Elite-Soldaten. Sie sollen die wertvollen Wissenschaftler retten und ihre Geschöpfe – die zu lästigen Zeugen geworden sind – eliminieren. Diesen schmutzigen Job wird Teamleiter Romeo mit seiner kleinen aber bewährten Gruppe erledigen. Dass man auch ihnen beileibe nicht alles über Pine Gap erzählt hat, erleben die Soldaten, als sie unter der Erde auf übel zugerichtete Leichen stoßen. Kurz darauf ist ihnen ein bizarr mutierter Gorilla auf den Fersen, was ein erstes Opfer fordert.

Zu ihrem Missfallen müssen unsere Krieger entdecken, dass sie auch von Romeo getäuscht wurden. Er hatte vor dem Einsatz zufällig erfahren, dass seine vor Jahren während einer gemeinsamen Spionageoperation verschwundene Gattin Eve zu den Gefangenen gehört, mit denen in Pine Gap experimentiert wird. Romeo will sie befreien und kann seine Leute überreden, ihm dabei zur Seite zu stehen.

Wenig später stößt man auf Caesar, der sich mit einigen Überlebenden in einem Labor verbarrikadieren konnte. Seine nebulösen Äußerungen bezüglich der betriebenen ‚Forschungen‘ schüren den Zorn der Soldaten, denen nicht gefällt, was sie entdecken mussten. Immerhin erfahren sie Näheres über die Gefahr, die auf sie lauert: Caesar sucht gezielt nach übersinnlich begabten Menschen, deren Hirne er ‚stimuliert‘, um diese Kräfte zu steigern. Dass vor allem die frühen Probanden dabei dem Wahnsinn verfielen, nahm Caesar um der Sache willen in Kauf. Nun können die künstlichen Mutanten Trugbilder in die Gehirne ihrer Verfolger pflanzen oder diese buchstäblich explodieren lassen. Zu Caesars Meisterwerken gehört Eve. Die Konsequenzen ignoriert allzu treue Romeo mit hässlichen Folgen …

Das Böse (sowie nichts Neues) unter der Erde

Geheime Forschungsstationen werden in der Regel abseits sowie unterirdisch angelegt. Das erleichtert die Kontrolle, denn schließlich sollen weder Spione ein- noch Neuigkeiten herausdringen. Außerdem können die meist im Sold des Geheimdienstes oder Militärs stehenden Wissenschaftler jenseits der stets neugierigen Medien an Projekten tüfteln, die gern von Pazifisten, Moralisten und ähnlichen Schwächlingen verteufelt und verhindert werden.

Auch in Australien sind entsprechende Klischee bekannt und beliebt. Der Film bedient sich der skizzierten Konstellation zudem gern, weil sich der Kulissenaufwand in Grenzen hält. Pine Gap stellt sich als Gewirr klaustrophobisch enger, meist schlecht beleuchteter und feuchter Gänge heraus. Ecken und Winkel ermöglichen den überraschenden Zugriff lauernder Feinde, die den professionell gedrillten und schwerbewaffneten (aber notorisch die Schattenzonen ignorierenden) Eindringlingen stets überlegen sind.

Wie es das Klischee ebenfalls fordert, beinhaltet das Sicherheitsprotokoll den automatischen Verschluss sämtlicher Ein- und Ausgänge. Zusätzlich wird ein Selbstzerstörungsmechanismus aktiviert, dessen Countdown durch die Gänge hallt und den Protagonisten Beine machen soll. Traditionell wird mindestens ein Schlupfloch übersehen, das selbstverständlich dort liegt, wo die meisten Ungetüme umgehen.

Düsternis und Enge werden durch eine Kamera unterstützt, deren Bediener ständig gegen die Wände zu rennen scheint. Das Bild wackelt, die Belichtung ist beklagenswert. Glasklar ist nur jene Mischung aus gebellten Befehlen und hysterischem Geschrei, die den ungeordneten Rückzug orchestriert.

Das kommt uns sehr bekannt vor

Das Kriechen durch Gänge, Luftschächte und Röhren kennen wir aus „Alien“ (1979), die Beilegung einer Krise durch beinharte Elitekämpfer aus „Aliens“ (1986“). Seither wurden beide Konstellationen weidlich genutzt aber kaum variiert. Vor allem die Ausputzer/Kämpfer kommen offenbar aus ein und derselben Schmiede: Sie sind groß, grob, in mehrere Schichten schwerer Kampfmonturen gewandet, schleppen unzählige Waffen und Instrumente mit sich herum, können vor Kraft kaum laufen und unterdrücken ihre Gefühle, was sie durch einen ausgeprägten Hang zu plumpen, zotigen Witzen kompensieren. Da wir uns zumindest kalendarisch im 21. Jahrhundert befinden, dürfen sich auch weibliche Soldaten den Kriegern zugesellen; sie sind in der Regel noch taffer als ihre männlichen Kameraden.

Faktisch gehört diesen Landsknechten die Welt, die sie vor allem aus jenen Hubschraubern oder Kampffahrzeugen betrachten, die sie dorthin karren, wo ein Problem gewaltsam korrigiert werden soll. Nachgefragt wird nicht, denn ein guter Soldat tut, wie ihm geheißen wird. Nach und nach bröckelt die Schicht aus Professionalität und großmäuliger Überheblichkeit, wobei hilfreich ist, dass sämtliches antrainiertes Meuchelwissen im Kampf mit einem neuen, nicht im Militärhandbuch verzeichneten Gegner nutzlos bleibt. Diese Erkenntnis sorgt für hilfloses Entsetzen, das sich auch dem Zuschauer mitteilen soll.

Tatsächlich erfüllen Kraftbolzen Romeo und sein rabaukiges Team sämtliche Anforderungen. Das Drehbuch-Trio Eddie Baroo, Justin Dix und Adam Patrick Foster sah keinen Anlass, vom Bewährten abzuweichen. Zwischenmenschliche Momente sollen sekundenkurze Szenen generieren, in denen die Helden sich familienfreundlich (Soldat Fourpack) oder schwanger (Soldat Wiki) zeigen. Für solche Schwächen hassen sie sich, kauen anschließend umso heftiger auf Eisennägeln & spucken glühende „Vorwärts – gib’s ihnen!“-Parolen aus.

Kein Budget bedeutet eingebildete Schrecken

Regisseur und Drehbuch-Mitautor Justin Dix wandelt auf tief ausgetretenen Pfaden. Wer neu hinter der Kamera ist, dreht gern Horrorfilme. Für sie gibt es ein sicheres Publikum, das außerdem Kummer gewohnt ist und selbst schlechte Geschichten goutiert, wenn diese wenigstens durch ordentliche Metzel-Effekte aufgewertet werden.

„Crawlspace“ kann im Guten wie im Bösen als Schulbuchbeispiel dieses Mindestanforderungs-Kinos gelten. Für das Drehbuch ließ man sich durch gesehene & für gut befundene Vorgängerfilme ‚inspirieren‘, was notfalls als „Hommage“ auszugeben ist. Die Story selbst blieb simpel: Eine Gruppe will von Punkt A nach Punkt B und muss zwischen den Stationen diverse Hindernisse und Gegner beiseite räumen. Hängt man genug dieser Haudrauf-Szenen aneinander, reicht es irgendwann für einen Spielfilm.

Um gerecht zu bleiben: Mit einer nicht wirklich neuen aber gleichwohl eigenständig variierten Idee kann Dix doch dienen. Was unter der Erde in Pine Gap tückt, ist meist nicht real, sondern das Produkt übersinnlicher Hirnmanipulationen. Das wirkt doppelt unheimlich und hilft außerdem sparen: Wenn geklärt ist, dass die Monster nur eingebildet sind, kann man die Darsteller auch mit der leeren Luft raufen lassen.

Für ein gewisses Element der Unsicherheit sorgt die Figur der Eve. Sie ist womöglich nicht das Opfer, das sie zu sein vorgibt. Zumindest zeigt sie ein entsprechendes Verhalten, dessen Irrationalität allerdings auch durch den Wankelmut ihrer Begleiter – die sie mal retten, mal umlegen wollen – erklärt werden könnte. Wenigstens ist Hexenmeister Caesar das gängige Mastermind-Schwein, das mit Menschen spielt und sich der gruseligen Ergebnisse erfreut.

Köpfe rollen (manchmal)

Das Stichwort „Gewalt“ wurde bereits erwähnt. Justin Dix versucht durchaus, dem Splatter-Fan zu geben, was des Splatter-Fans ist. Das führte u. a. dazu, dass „Crawlspace“ hierzulande erst ab 18 Jahren freigegeben ist – eine der nicht gerade seltenen Fehlentscheidungen der „Freiwilligen Selbstkontrolle“, die eher zu würfeln als abzuwägen scheint, geht es in Pine Gap doch eher lautstark als blutig zu. Zwar wird hier ein Arm abgeschlagen oder dort ein Schädel angesägt, doch wirbelwindähnliche Schnitte u. a. Ablenkungen sorgen dafür, dass diese Ereignisse kaum explizit gezeigt, sondern nur angedeutet werden.

Ähnlich vorsichtig (oder zimperlich) setzt Dix diverse Leichen ins Bild, die in den Gängen herumliegen. Meist sind sie so zerschnetzelt, dass der ihnen innewohnende Schrecken buchstäblich weder Hand noch Fuß aufweist und als solcher schwer zu erkennen ist.

Im Finale soll eine Zeitschleife Originalität andeuten. Leider greift der Einfall ins Leere, da er der Handlung keine Richtungsänderung gibt. Diese geht höhepunktschwach genau so aus, wie der im Halbschlaf befindliche Zuschauer es sich gedacht hat – inklusive der Androhung einer Fortsetzung. Die dürfte allerdings angesichts einer Kritikerfront, die sich weltweit zu Recht übelmeinend über den „Crawlspace“ entladen und die erhofften Publikumsschwärme vertrieben hat, auf sich warten lassen.

DVD-Features

Zum Hauptfilm gibt es einen immerhin halbstündigen Blick „Behind the Scenes”. Man sollte freilich keine erhellenden Einblicke erwarten. Meist sitzen Darsteller, Regisseur, Drehbuchautoren oder Produzenten vor der Kamera und ringen sich lobende Worte über das großartige Werk ab, an dem sie dank der Gunst der Schicksal und getragen von einer Woge von Genialität und Kollegialität mitwirken durften.

Hin und wieder werden Bilder der Vorproduktion gezeigt, was wirklich interessant ist. Angesichts des überschaubaren Budgets hätte „Crawlspace“ ein deutlich miserablerer Film werden können. Organisationstalent und Einfallsreichtum fingen zumindest mögliche Fehler wie Wackelkulissen oder im Bild vergessene Farbeimer auf. Dass gleich drei Autoren und dem Regisseur vergleichsweise wenig einfiel, ist jedenfalls nicht denen anzulasten, die das Spielfeld schufen.

Ansonsten gibt es noch den Originaltrailer zu sehen, für den der Großteil der Action-Szenen ausgeschlachtet wurde. Vom deutschen Label wurde noch folgende Warnung auf das Cover geprägt: „Kick-Ass Action“. Zumindest dem ersten Teil dieser Aussage schließt sich der Rezensent an.

Kurzinfo für Ungeduldige: Als in einem ultrageheimen Forschungslabor etwas schiefgeht, sollen Elitesoldaten ‚aufräumen‘. Doch übersinnlich aufgerüstete sowie übergeschnappte Mutanten-Krieger erwarten sie und lassen sie Gespenster sehen … – Ambitionierte aber spannungsarme Mischung aus „Alien“-Film und Ballerspiel; die Figuren sind flach, das unterirdische Ambiente wirkt ärmlich: wirklich alles schon mal dagewesen.

[md]

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