Die grässlich umgekommenen Insassen eines heimlich recycelten Passagierflugzeugs kehren während des Fluges als Geister zurück, um ihre entsetzten ‚Nachfolger‘ ins Reich des Todes zu zerren … – Eine zwischen Grusel, Komödie und Melodrama schwankende Stumpf-Story, debil wirkende Darsteller und digitale Tricktechnik der besonders lachhaften Art sorgen für ein kopfschüttelndes, sich fremdschämendes und schließlich zu Recht verärgertes Publikum: ein filmischer Totalverlust.

Das geschieht:

Vor zehn Jahren brach in der Passagiermaschine SA 407 eine Seuche aus, die sämtliche Insassen in einen (selbst-) mörderischen Amoklauf trieb. Nur die junge Stewardess New überlebte das von der Fluggesellschaft vertuschte Drama. Da die Geschäfte aktuell gut laufen, holt man das seit der Tragödie stillgelegte Flugzeug aus dem Hangar. Ausgebeult, frisch angestrichen und innen sauber ausgefegt wird es wieder in Dienst gestellt. Unter denen, die ahnungslos an Bord gehen, gehört auch New, die noch immer von ihren Erinnerungen heimgesucht wird.

Von Anfang an sitzt der Wurm im Flugzeug 407, was zunächst nur Mechaniker Bank vom Bodenpersonal ahnt: Er wurde versehentlich im Laderaum der Maschine eingesperrt und erstickt dort beinahe nach dem Start. Dass ihm dabei diverse verbrannte und verstümmelte Gruselgestalten begegnen, führt er auf den Sauerstoffmangel zurück.

Doch Bank irrt, denn an Bord geht es wirklich um. Hoch in der Luft bemächtigen sich die Geister der vor zehn Jahren umgekommenen Passagiere und Besatzungsmitglieder des Flugzeugs. Sie sabotieren die Technik und beginnen sich dann in großer Zahl und erschreckenden Gestalten zu materialisieren. Schnell müssen erste Opfer beklagt werden, die ihrerseits von Geistern neu ‚belebt‘ die geschockten Überlebenden zu attackieren beginnen.

Hoch in der Luft beginnt eine aussichtslose Flucht, die auf die Kabine und den Frachtraum beschränkt bleiben muss. Der mangelnde Zusammenhalt der Passagiere erleichtert den Geistern ihr Werk. Dabei weiß New sehr gut, was die Geister wollen, aber sie hat gute Gründe, es für sich zu behalten. So nimmt das Verhängnis weiter seinen Verlauf, bis klar wird, welches spektakuläre aber abrupte Ende dieser Geisterflug nehmen soll …

Bauchlandung für erwartungsvolle Zuschauer

Es gibt bekanntlich Filme, die so unterhaltsam missraten sind, dass sie gerade wegen ihrer unfreiwilligen Komik ein Publikum begeistern. Leider die Regel ist allerdings, dass „missglückt“ eben doch „Bockmist“ bedeutet, der den Blutdruck zwar in die Höhe treibt, wobei freilich Ärger statt Schadenfreude den Treibstoff darstellt.

„Dark Flight“ ist ein Paradebeispiel für Film-Fallout der Kategorie 2. Dem deutschen Label, der ihn hierzulande herausbringt, ist das durchaus klar. Schon der Untertitel belegt den verzweifelten Versuch, die potenziellen Zuschauer = Käufer durch Rosstäuscherei zu narren: „Ghosts on a Plane“, liest man da; der denkbar plumpe Versuch, an ein anderes Machwerk – gemeint ist natürlich „Snakes on a Plane“ von 2006 – zu erinnern, der zumindest dort, wo der kollektive Publikums-IQ garantiert keine Rekordhöhen erreicht, einen gewissen Ruf als gelungenes Unterhaltungskino genießt.

Als weiteres Lockmittel wird die 3-D-Umsetzung angeführt, in deren Genuss allerdings nur der Blu-ray-Kunde kommt. Er dürfte nach den Schlusstiteln freilich auch nicht fröhlicher gestimmt als die Zuschauer auf den billigen DVD-Plätzen sein: Effekte bringen gar nichts, wenn sie miserabel sind – und hier sind sie es ohne Wenn & Aber.

„Dark Flight“ ist (u. a.) geradezu ein Kompendium einer aus dem Ruder gelaufenen Tricktechnik. Das wirkt sich besonders deshalb negativ aus, weil sich des Zuschauers Hoffnung auf Unterhaltung recht schnell auf diese Effekte reduziert und konzentriert: Höchstens eine halbe Stunde nach Filmstart hat er die Handlung zu Recht abgeschrieben. Obwohl sich gleich vier Drehbuchautoren an ihr versucht haben, stellt „Dark Flight“ auch auf dieser Ebene eine Unverschämtheit dar.

Andere Länder, andere Sitten

Oder gibt es eine Erklärung dafür, dass sich ernster Horror, klamaukige Komödie und schmachtendes Melodrama in rascher Folge manisch-depressiv abwechseln und den Zuschauer von einer Stimmung in die nächste (Erwartung – Verdruss – flammender Zorn) stürzen? „Dark Flight“ ist eine thailändische Produktion und deshalb von der asiatischen Darstellungskultur geprägt. Diese setzt nur bedingt auf Realismus, der stattdessen stark von Symbolen durch- und ersetzt wird. Das in diesem Kulturraum aufgewachsene Publikum kennt und schätzt den daraus resultierenden Stil, während sich der westliche Zuschauer systematisch in den Wahnsinn getrieben fühlt.

Logik ist ein Sekundärgut. Mechaniker Bank drängt es ständig in den Laderaum. Selbst wenn es dort nichts zu reparieren oder zu suchen gibt, vermutet er dort unten einen Lösungsansatz für das Geisterproblem. Ob dem so ist, bleibt unklar, denn sobald er im Laderaum angekommen ist, ertönt aus der Kabine ein wilder Schrei, woraufhin er umgehend oben nach dem Rechten sieht. Dort vergeht nur kurze Zeit, bis es ihn erneut in den Laderaum zieht.

Zu den Eigenarten des asiatischen Films gehören die irritierenden Bocksprünge durch diverse Genres. Deshalb ist es völlig normal, dass die Handlung minutenlang ausgesetzt wird, weil beispielsweise ein Familienkonflikt durchdiskutiert und beigelegt werden oder eine alte Frau stirbt und zuvor ausgiebig von ihrem verstorbenen Gatten Abschied nehmen muss. Sogar die Geister stellen das Spuken & Morden solange rücksichtsvoll ein.

Der Humor ist grob und simpel; er soll es sein, denn er signalisiert dem (asiatischen) Publikum, wann es zu lachen hat. Überhaupt werden Gefühle niemals nur angedeutet, sondern systematisch übertrieben; man könnte sagen, dass die Darsteller für die letzte, von der Bühne weit entfernte Zuschauerreihe spielen.

Schauspieler oder Grimassenschneider?

Nur wenn man dies alles berücksichtigt, lässt sich das Bedürfnis kontrollieren, die zwar ausgiebig bespukten aber dennoch von sämtlichen Geistern verlassenen Darsteller vor den Internationalen Gerichtshof nach Den Haag zu zitieren. Sie sollen nicht ‚spielen‘, sondern Rollen verkörpern, die sich in Wort und Tat niederschlagen – so bedingungslos, dass es aus westlicher Sicht zum Fremdschämen zwingt.

Noch am besten schneidet Peter Knight als Mechaniker Bank ab. Er gibt „den Helden“, weshalb er risikofreudig ist, sich aber bescheiden gibt, um dadurch seinen Mut umso intensiver unter Beweis zu stellen. Ihm zur Seite steht „die Heldin“, hier New, die nicht nur schön ist, sondern auch eine tragische Vergangenheit in ihrer Seele hütet, die nach und nach enthüllt wird.

Sämtliche Nebenrollen formieren sich zu einem Chor, der menschliche Alltäglichkeit demonstrieren soll. Da haben wir: die hochnäsige Karrierefrau, die ihre Pflichten als Ehefrau und Mutter vernachlässigt; den Vater, der sich dies gefallen lässt und deshalb „sein Gesicht“ = seinen Status längst verloren hat, die unverstandene und deshalb rebellische Teenie-Tochter“; die hübsche Solo-Reisende, den im Hintergrund herumschwänzelnden, großmäuligen Jung-Bock; die weise, kranke Oma; den Priester, der mit seinem Glauben hadert; das verliebte Paar; den Dickwanst, der die Nerven verliert u. a. Leihgaben aus den US-amerikanischen „Airport“-Filmen.

Sie werden hier nach oben skizziertem Muster bis weit hinter die Schmerzgrenze überzeichnet. Besonders verhasst machen sich dem (westlichen) Zuschauer der fromme Mönch, dem nur einfällt, die Hände zum Gebet zu falten, und Prince, der Steward, der mit abgewinkelten Handgelenken fuchtelt und laut kreischend die dauerpanische Super-Tucke mimt. Selbstverständlich werden sämtliche Stereotypen von den deutschen Synchronsprechern aufgegriffen, weshalb jeder ohnehin bis zur Banalität herunter gebrochene Dialog schmerzt wie Eiswasser auf offenliegenden Zahn-Nerven.

Die Abwesenheit der Gegenwart

„Dark Flight“ ist der erste thailändische 3-D-Film. Das macht ihn um keinen Deut besser, zumal der Löwenanteil des Budgets in der dritten Dimension verschwunden zu sein scheint. Hin und wieder manifestiert sich diese in jenen uralten Tricks, die schon das noch anaglyphe 3-D-Kino der 1950er Jahre überstrapazierte: Meist spitze Gegenstände werden in Zuschauerrichtung geworfen, und selbstverständlich brechen hässliche Geisterfratzen durch die Leinwand. Ersteres kennen wir aus dem fünften Teil der „Final-Destination“-Serie deutlich besser, und letzteres würde vielleicht sogar wirken, hätte man statt jenes Freiwilligen, der beim jährlichen „Fest der Elefanten“ im thailändischen Surin die teilnehmenden Dickhäuter kalkt, einen echten Maskenbildner engagiert.

Allerdings gilt auch hier: Wichtiger als das, was man sieht, ist das, was man sehen soll! Dies erklärt vermutlich auch, wieso die Mehrzahl der Geister heftig angekokelt spukt, obwohl die Maschine, in der sie umkamen, nicht abstürzte und mit einer frischen Lackschicht überzogen wieder in den Himmel aufsteigen konnte. Vielleicht geht es in der thailändischen Hölle, in der die Geister offensichtlich gelandet sind (obwohl sie an ihrem Tod unschuldig waren), besonders feurig zu. Ohnehin scheinen sich diesen Spukern noch andere Phantome angeschlossen zu haben; jedenfalls suchen so viele Geister Flug 407 ein, dass viele nur ihre Fratzen von außen an die Kabinenfenster pressen können.

Sehr geisterhaft wirkt auch das Flugzeug selbst: Sobald es sich in die Luft erhoben hat, existiert es nur noch als CGI-Abbild, das als solches jederzeit zu erkennen ist. Hier scheint denn doch übersteigerter Ehrgeiz und keine Symbolverschlüsselung verantwortlich zu sein. Wen wundert’s noch, dass dieses ‚Flugzeug‘ in seinem Inneren bloße Kulisse bleibt, selbst wenn Regisseur Nadee es hin und wieder von außen zeigt, um daran zu erinnern, dass man durch die Luft fliegt?

Auf diese Weise könnte man (bzw. dieser Rezensent) den Strom der Klagen unverändert breit weiterströmen lassen. Es soll an dieser Stelle mit der Feststellung genug sein, dass „Dark Flight“ als Film ungeachtet der Story inhaltlich wie formal niemals vom Boden abhebt. Das Grauen entsteht jederzeit ohne Absicht, aber es begleitet das Publikum durch das gesamte Trauerspiel, vor dem jeder potenzielle Zuschauer ein letztes Mal AUSDRÜCKLICH gewarnt sei!

DVD-Features

Die Extras sind kurz aber schmerzlos: Im Rahmen eines lieblos zusammengehauenen Kurz-Making-ofs müssen die ‚interviewten‘ Darsteller u. a. am Entstehen von „Dark Flight“ Mitschuldige Begeisterung für ihr Machwerk demonstrieren, was womöglich Strafe genug ist. Außerdem gibt es eine Bildgalerie, die wie üblich niemand sein will oder müsste.

Copyright © 2013/2017 by Michael Drewniok, all rights reserved

Dark Flight – Ghosts on a Plane
Originaltitel: 407 Dark Flight (Thailand 2012)
Regie: Isara Nadee
Drehbuch: Kongkiat Khomsiri, Chanin Panthong, Nattamol Peanthanom u. Nattapot Potchumnean
Kamera: Chatchai Kusonsincha
Schnitt: Phannipha Kabillikavanich
Musik: Vanilla Sky
Darsteller: Marsha Wattanapanich (New), Peter Knight (Bank), Paramej Noiam (Jamras), Patcharee Tubthong (Gift), Anchalee Hassadeevichit (Phen), Thiti Vechabul (Prince), Namo Tongkumnerd (Wave), Sisangian Sihalath (Ann), Jonathan Samson (John), Kristen Evelyn Rossi (Michelle) u. a.
Label/Vertrieb: KSM – Krause & Schneider Multimedia
Erscheinungsdatum: 11.03.2013
EAN: 4260318080675 (DVD)/426031808068 (Blu-ray/3D)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Thailändisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 100 min. (Blu-ray: 105 min.)
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Plane Dead – Der Flug in den Tod

Altitude – Tödliche Höhe

Abattoir – Er erwartet dich!

Nymph – Mysteriös. Verführerisch. Tödlich