Dark House

Originaltitel: Haunted (USA 2014)
Regie: Victor Salva
Drehbuch: Charles Agron u. Victor Salva
Kamera: Don E. FauntLeRoy
Schnitt: Ed Marx
Musik: Bennett Salvay
Darsteller: Luke Kleintank (Nick Di Santo), Alex McKenna (Eve), Anthony Rey Perez (Ryan), Zack Ward (Chris McCulluch), Lacey Anzelc (Lillith), Ethan S. Smith (Sam), Lesley-Anne Down (Lilian Di Santo), Tobin Bell (Seth), Charles Agron (Lucky), Daniel Ross Owens (Brian Maker), Max Gail (Scott), Patricia Belcher (Lee Knox) u. a.
Label: Pandastorm Pictures
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.03.2015
EAN: 4048317375639 (DVD)/4048317475636 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min. (Blu-ray: 102 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Nick Di Santo ist erst 23 Jahre alt und doch vom Leben kräftig gebeutelt: Seinen Vater hat er nie kennengelernt, und Mutter Lilian sitzt schon seit vielen Jahren im Irrenhaus. Zu allem Überfluss ist Nick mit der Gabe des Zweiten Gesichtes ‚gesegnet‘: Berührt er jemanden, weiß er, wann und wie diese Person sterben wird. Dies hat vor allem sein Liebesleben bisher stark beeinträchtigt. Erst die hübsche Eve lässt sich nicht in die Flucht schlagen.

Acht Monate später ist Lilian tot, Eve hochschwanger und Nick Eigentümer eines Hauses, von dem er seit Kindestagen besessen ist. Obwohl er es nie sah, verewigte er es auf unzähligen Zeichnungen. Nun hat er das Haus geerbt – angeblich von seiner Mutter, was eine Lüge ist. Schlimmer noch: In dem alten Gemäuer geht es um. Zudem ist es verschwunden – vor zwanzig Jahren von einer Jahrhundertflut davongespült.

Doch was immer noch im Keller lauert, seit es dorthin verbannt wurde, hat dafür gesorgt, dass dem Haus nichts geschah. Es trieb in ein Waldstück, bis es ein ehemaliger Galgenbaum zum Stehen brachte. Seitdem arbeitet sein dämonischer Bewohner daran, endlich die Freiheit wiederzuerlangen. Das ideale Instrument scheint ihm sein Sohn zu sein, der längst in einem enggeknüpften Netz willfähriger Bediensteter seines Vaters zappelt: Der bisher ahnungslose Pechvogel ist natürlich Nick!

Mit Eve und Kumpel Ryan fährt Nick ins Hinterland, um nach dem Haus zu suchen. Drei ‚zufällig‘ des Weges daherkommende Landvermesser können helfen, aber als das Haus gefunden ist, erhebt ein unheimlicher Waldschrat namens Seth eigene Besitzansprüche und jagt den entsetzten Eindringlingen eine Horde axtschwingender Unholde hinterher. Eine wilde Flucht beginnt – und endet wieder vor dem Haus: Nick und seine Gefährten sind im Bannkreis des Dämonen gefangen, der Zeit und Raum manipuliert, um endlich seinem Kerker zu entrinnen …

Getretener Quark mit kleinen Schokostückchen

Schon der Handlungsabriss dürfte nicht nur dem horrorerfahrenem Zuschauer klargemacht haben, dass ihm & ihr mit „Dark Haus“ wieder einmal keine neue Geschichte präsentiert wird. (Das Haus ist übrigens nicht annähernd so düster, wie der ‚deutsche‘ Filmtitel suggeriert; „Haunted“ – also „Besessen“ oder „Von Geistern bespukt“ heißt dieser Streifen im Original: nicht originell aber wenigstens zutreffend.) Die Erwartungen werden darob heruntergeschraubt bzw. verlagern sich: Das Garn vom Spukhaus ist so klassisch, dass es auch zum tausendsten Male gesponnen werden und immer noch ein Publikum begeistern an. Es kommt darauf an, wie man das nicht nur Bekannte, sondern auch Bewährte aufbereitet. Stimmt das Rezept (= das Drehbuch), kann das Ergebnis sehr unterhaltsam sein.

Nach Ansicht einer erstaunlich großen Zahl von Zuschauern ist Regisseur und Drehbuch-Hauptautor Victor Salva genau dies gelungen. Das Internet hallt von entsprechenden Lobliedern wider. Die Begründung erschließt sich zumindest diesem Rezensenten nicht, der weder „frischen Wind im Grusel-Genre“ noch die gepriesenen Schauwerte erkennen kann. Stattdessen stellt „Dark House“ sich ihm als Sammelsurium hinlänglich bekannter Elemente dar, die zudem schlampig getimt sind und in ein Last-Minute-Finale münden, das primär ausdrückt, dass dem Regisseur die Ideen und das Geld ausgegangen sind.

Nur hin und wieder kann Salva dem von seinen unzähligen Vorgängern tief ausgetretenen Pfad entwischen und kommt mit echten Einfällen. Dazu gehört eine in der Tat schön schaurige Vorgeschichte, dem das Geisterhaus zumindest optisch voll entspricht, wie es malerisch verfallen und deshalb umso gruseliger mitten im Wald an seinem Galgenbaum lehnt. Ebenfalls eine Überraschung ist jener Twist, der plötzlich Gut zu Böse und umgekehrt mutieren lässt: Solche Einfälle hätten „Dark House“ gutgetan!

Drehbuch oder loses Halteseil zwischen Logiklöchern?

Stattdessen verhebt sich Salva an einem Drehbuch, das vor Ehrgeiz förmlich aus den Nähten platzt sowie einen letztlich doch simplen heillos überfrachtet. Die Handlung könnte problemlos einsetzen, als Nick, Eve und Ryan sich in Richtung Erbhaus in Gang setzten. Doch da haben wir bereits eine lange Vorgeschichte hinter uns bringen müssen, die uns mit weitgehend überflüssigen Informationen versorgt hat. So haben wir Nick seine Mutter besuchen sehen, die viel redet aber kein klares Wort herausbringt, konnten beobachten, wie Nick vor seinem geistigen Auge einen (anschließend spurlos aus der Geschichte purzelnden) Pechvogel verenden sieht sowie seine Eve kennenlernt.

Ständig gerät Silva aus dem Erzähltakt. „Dark House“ soll eine altmodisch solide Geistergeschichte sein; ein nobles Vorhaben, dem sein Repräsentant jedoch nicht gewachsen ist. Salva dehnt nicht nur ‚ruhige‘ Zwischenszenen über Gebühr aus, sondern tritt sogar auf die Bremse, wenn der Teufel buchstäblich über Tisch & Bänke tanzt. Schreckliche Anblicke werden gern angekündigt, indem die Schauspieler entsetzt auf etwas schauen, das sich außerhalb des zuschauerlichen Blickfeldes befindet. Selbstverständlich erwarten wir nun einen Kameraschwenk, damit wir uns selbst ein Bild machen können. Manchmal kommt er, viel zu oft lässt Salva ihn aus. Offenbar war die Budgetbörse so finanzkraftlos gefüllt, dass für den entsprechenden Effekt kein Geld da war. Eine Auflistung entsprechender Szenen kann hier entfallen, denn das Finale steht beispielhaft für das Gesamtdesaster: Was im Keller des Geisterhauses sitzt, bekommen wir nie zu Gesicht. Stattdessen erzählt uns (bzw. Eve und Ryan) ein kunstblutüberströmter Nick, wie schrecklich die Kreatur da unten ist …

Zu allem Überfluss unterlaufen Salva Anschluss- und Logikfehler, die nicht nur den notwendigerweise hastigen Dreharbeiten anzulasten sind. Da flüchtet man vor den Axtmännern in den Van der Landvermesser, weil Ryans daneben abgestellter Wagen angeblich abgeschlossen ist. Später springen Eve und Lilith (im Rahmen einer weiteren Flucht) in genau dieses Auto, dessen Türen sich problem- und schlüssellos öffnen. So geht es wieder und wieder: Die Axtmänner werden aus dem Jenseits beschworen; Nick überfährt und überrollt sie mit dem Van, aber sie stehen – da bereits tot – sofort wieder auf und setzen die Verfolgung fort. Im Finale können sie plötzlich mit einem Hieb ‚getötet‘ werden. Kurioserweise hinken & hüpfen sie wie asiatische Vampire, sind aber eher Zombies. Seltsam mutet auch dies an: Wieso kann die Kreatur, die doch so fest in ihrem Keller sitzt, in den Wänden und Klimaschächten weit entfernter Häuser (Mutter Lilians Irrenhaus, Kanzlei des Anwalts, der Nicks Erbschaft regelt, etc.) präsent sein?

Marionetten an schlapp durchhängenden Fäden

Mitleidig beobachtet der Zuschauer die Darsteller: Sie legen sich durchaus ins Zeug, sind in ihren Rollen weder idiotische Teenies oder debile Berufsjugendliche sowie keine Anfänger oder Dilettanten (obwohl Anthony Rey Perez als ebenso glut- wie scheeläugiger Buddy hart an der Definitionsgrenze agiert). Luke Kleintank überzeugt als ahnungsloser Teufelssohn, bis Salva ihm das Drehbuch im Finale tückisch zwischen die Beine wirft. Alex McKenna ist durchweg zu bedauern, denn ihre Schwangerschaft ergibt bis zum großen Schluss- und Entscheidungskampf nie einen Sinn; erst dann verheizt Salva sie für eine seiner aus dem Hut gezogenen ‚schockierenden‘ Ideen. Bis dahin muss die arme Frau mit umgeschnallter Neun-Monats-Wölbung flink wie ein Wiesel durch dichte Wälder und dunkle Nächte bauchkugeln; kein Wunder, dass der entsetzte Insasse sie ständig tritt!

Als „Stargast“ hat Salva Tobin Bell engagiert. Den kennt man praktisch nur als genialisch-irren „Jigsaw“ aus sieben „Saw“-Filmen. Sein sonstiges Schaffen ist in der Tat mehrheitlich keine Erwähnung wert. Salva sieht in ihm einen Horror-Kultstar, gibt ihm aber keine echte Rolle, sondern lässt ihn nur sekundenkurz auftauchen und sinnfreie Unkereien aneinanderreihen. Für mehr als zwei oder drei Bell-Drehtage hat das Geld vermutlich nicht gereicht. Selbstverständlich taucht sein Name trotzdem ganz groß und oben auf dem Filmcover auf.

Besser aus der Affäre kann sich Lesley-Anne Down ziehen, deren große Tage augenscheinlich endgültig vorbei sind; vor allem jüngere Zuschauer dürften ihren Namen kaum noch kennen. Als Lilian, die trotz ihres Irrsinns den Sohn vor dem Vater schützen will, liefert sie ein Kabinettstückchen ab (und muss später für einen weiteren ‚Schockeffekt‘ kurz wiederkehren.)

Wieso ist „Dark House“ hierzulande erst ab 18 Jahren freigegeben? Hier dürfte das veröffentlichende Label wohl auf das Wunschdenken hoffnungsfroher (und kurzsichtiger) Horrorfreunde setzen, die noch immer an die Gleichung „Victor Salva = Jeepers Creepers“ glauben. Die Splatter-Effekte sind jedenfalls selten, vergleichsweise zahm und überwiegend ‚handgemacht‘, was von Vorteil ist, wenn man die Qualität der wenigen digitalen Tricks betrachtet.

Nein, „Dark House“ ist weder Victor Salvas Comeback noch eine Sternstunde des modernen Horrorfilms. Neben solide Filmarbeit treten (allzu) viele und deutliche Patzer. (Noch keine Erwähnung fand bisher die Musik, die schon nach wenigen, getösestarken oder schrillen Takten im Zuhörer den Wunsch aufkeimen lässt, dem ‚Komponisten‘ wenigstens einen der Axtmänner ins Haus zu schicken.) Man kann sich das anschauen, aber man muss es wirklich nicht! Erstaunt es, dass Salva als nächstes Projekt „Jeepers Creepers 3“ ankündigt?

DVD-Features

Bis auf einen Trailer gibt es keinerlei Extras zum Hauptfilm.

Kurzinfo für Ungeduldige: Nick erbt ein buchstäblich vom Teufel besetztes Haus, in dem er mit hochschwangerer Partnerin und bestem Kumpel festsitzt, als sich zu allem Überfluss axtschwingende Engel einmischen … – Was theoretisch irre genug ist, um Spaß zu versprechen, leidet unter der bierernsten, dazu lahmen Umsetzung und peinlichen Logiklöchern: da handwerklich solide gefilmt, ist bietet dieser Film gerade noch durchschnittliche Unterhaltung der Kategorie „Es gibt Schlimmeres“.

[md]

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