Darkest DayZu trantütigen Twentysomethings, die sich nach einer englandweiten Zombie-Epidemie in ihrem Heimatstädtchen verbarrikadiert haben, gesellt sich der gedächtnislose Dan, der von Soldaten verfolgt wird; bald muss die Gruppe eine gefährliche Flucht aus besagter Stadt versuchen … – Der praktisch ohne Budget gedrehte Film – ein Herzensprodukt des vor und hinter der Kamera allzu gegenwärtigen Dan Rickard – bietet inhaltlich ausschließlich Bekanntes, das formal dröge in Szene gesetzt wird, unter Leerlauf leidet und ausschließlich Als-ob-Schauspieler bietet: Wahrlich ein ganz düsterer Tag für den (Horror-) Film!

Das geschieht:

Dan erwacht an einem schlammigen englischen Strand. Er hat keine Ahnung, wie es ihn dorthin verschlagen hat. Eigentlich wollte er seine kranke Mutter besuchen. Damit enden seine Erinnerungen. Auf der Suche nach Hilfe steuert Dan eine nahe Kleinstadt an. Die Straßen sind verlassen und voller Müll. Als Dan endlich Menschen findet, greifen ihn gleichzeitig rasende Untote an: Während seines Blackouts wurde England von einer Seuche erfasst, die ihre Opfer in tollwütige Zombies verwandelt. Die meisten Überlebenden wurden evakuiert, aber einige Aussteiger haben sich in den verlassenen Städten eingenistet, weil sie der Regierung nicht trauen.

Der cholerische Sam und seine Gruppe nehmen Dan auf; die hübsche Kate verliebt sich sogleich in den Neuankömmling. Rasch kehrt für Dan der ‚Alltag‘ ein: Man hockt in einem gesicherten Haus beieinander, säuft, kifft und streitet sich. Zwischendurch werden gefährliche Streifzüge unternommen, um die Vorräte zu ergänzen. Nicht nur die menschenfleischhungrigen Zombies lauern überall. Die Regierung weiß von denen, die sich unerlaubt in der verbotenen Zone aufhalten, und schickt regelmäßig Militär dorthin, um die potenziell infizierten Verweigerer einzufangen.

Diese Gefahr steigt nun beträchtlich, denn Dan ist ein Versuchskaninchen, das seinen Ärzten entkam: Man hat ihm einen experimentellen Impfstoff injiziert, der entweder wirkt oder die Krankheit sogar noch übler mutieren lässt. Auf jeden Fall will man Dan wieder einfangen. Obwohl dieser weiterhin ohne konkrete Erinnerungen bleibt, hält ihn ein ungutes Gefühl seinen Häschern fern, die angewiesen sind, nicht nur Dan, sondern auch seine Begleiter zu töten. Als die Gruppe die Gefahr erfasst, ergreift sie die Flucht. Da die Zahl der Soldaten die der Zombies beinahe übertrifft, geraten sie immer wieder in gefährliche Situationen. Intern wird Dan von seinen Gefährten immer misstrauischer beäugt, denn sie fragen sich, ob sie ohne ihn nicht bessere Chancen hätten, zumindest den Soldaten zu entkommen …

Film: Traum und (böses) Erwachen

Das Phänomen ist verbreitet und deshalb auch hierzulande bekannt: Mancher Zuschauer wird so sehr von seiner Liebe zum Film erfasst, dass er sich selbst berufen fühlt, vor oder hinter die Kamera zu springen. Was er oft auf der großen Leinwand oder dem kleineren Bildschirm gesehen hat, kann er mindestens genauso gut!

In der Regel folgt das Ergebnis dem „Ed-Wood-Effekt“: Ed Wood jr. (1924-1978) gilt als unfähigster Filmemacher der Kino-Geschichte. Er hatte keine Ahnung von der Materie, filmte trotzdem voller Begeisterung und sah nicht das desaströse Ergebnis, sondern jenes Meisterwerk, das er hatte drehen wollen. Auf diese Weise entstanden krude Machwerke wie „Die Rache des Würgers“ (1955) oder „Plan 9 aus dem Weltall“ (1959), die gerade wegen ihrer vollständigen Missachtung von Inhalt und Form als Trash verehrt werden.

Doch auf jeden unfreiwillig unterhaltsamen Ed Wood kommen mindestens 99 Dan Rickards: Sie produzieren Film-Mist, der einfach nur stinkt und nicht einmal unfreiwillig komisch ist. Dabei entspricht Rickard zumindest in einem Punkt der Wood-Vorlage: Er ist quasi dauerpräsent als Regisseur, Kameramann, Cutter, Drehbuch-Mitautor und Hauptdarsteller. Auch diverse Spezialeffekte hat er verursacht. Zumindest hier legt er ein gewisses Handwerkstalent an den Tag, denn dies ist Rickards eigentliches Metier; er hat u. a. an dem Film „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (2015) mitgearbeitet, der eindeutig ein Blockbuster gewesen ist.

Schwarzer Tag für vertrauensselige Zuschauer

Ein Horrorfilm kann auf Genre-Publikum hoffen und ist relativ kostengünstig zu realisieren. Das Ergebnis ist eine Schwemme missratener Amateur-Produktionen, die höchstens einen harten Kern miteinander verwandter oder durch einen Teufelsbund verbundener Zeitgenossen begeistern können. Dabei erhebt sich Rickard durchaus ein Stück über jenen Bodensatz, dessen amöboide Bewohner „Horror“ primär bzw. ausschließlich über die Literzahl vergossenen Kunstbluts oder die Dezibelstärke ausgestoßener Todesschreie definieren: Obwohl es hin und wieder so drastisch zur Sache geht, dass die deutsche FSK das Ergebnis vorsichtshalber erst ab 18 Jahren freigab, legt Rickard das Schwergewicht auf die psychischen Befindlichkeiten seiner Protagonisten.

Keine gute Idee, da weder er hinter noch seine Darsteller dieser Herausforderung gewachsen sind. Selten hat man so eine Häufung akuten Untalents ertragen müssen. Überzeugend wirken Dans neue Freunde höchstens, wenn sie dauersaufend im eigenen Müll hocken und dummes Zeug faseln. Man muss sie nur einmal gesehen zu haben, um sie ebenso inbrünstig zu verabscheuen wie den mürrischen Dan mit seiner dauerzitternden Unterlippe.

Leider existiert keine Handlung, die spannend von diesem Missstand ablenkt. Damit wird nicht die Idee kritisiert, Dan gedächtnislos ins Geschehen zu werfen; mehrfach nennen ihn seine neuen Kumpane spöttisch „Jason Bourne“. Sie treffen damit den Nagel auf den Kopf und sorgen für einen der raren Gags, die kein Fremdschämen auslösen. Das Dan-Rätsel wird bald gelüftet; es teilt den Film in zwei Hälften: Hat man zunächst in genanntem Haus gehockt, flüchtet man nun durch verlassene Wohnsiedlungen. Zuvor waren es Zombies, die Dan & Co. ans Leder wollten, jetzt sind es Soldaten.

Das ist das Ende!

Die Reaktion ist freilich identisch: Man rennt davon, versteckt sich und schlägt in Notwehr zurück. Nicht nur die Wiederholung langweilt. Auch die Umsetzung bleibt farblos, obwohl das Blut durchaus spritzt. Rickard fiel keine Variation ein, die dem typischen Flucht/Gemetzel-Muster des Zombie-Horrors ein wenig Leben im Untod einhauchen konnte. Hinzu kam die eklatante Budgetschwäche dieses Films. Sie soll vor allem durch eine Kamera ausgeglichen werden, die unsere Anti-Darsteller im Dauerlauf begleitet und dabei heftiger hoppelt als ein panischer Karnickelbock. Dabei ist „Darkest Day“ kein „Found-Footage“-Film, in dem die Kamera quasi die Augen einer Figur ersetzt. Wieso sollten wir Zuschauer also hinnehmen, dass uns trotzdem übel wird?

Rickard verfügt offensichtlich über eine kopfstarke Freundesschar. Sie war bereit, sich als tollwütige Zombies einsetzen zu lassen. Da abermals das Budget keine aufwändig herbeigeschminkten Untod gestattete, orientierte sich Rickard an Danny Boyle, der 2002 ungleich effektvoller den modernen Horror-Klassiker „28 Days Later“ inszeniert hatte. Ein bisschen rote Farbe sorgt für ‚blutverschmierte‘ Angreifer, die in einer Szene sogar dutzendfach vor die müde knatternden Gewehre der Soldaten tollen.

Für das Finale fiel Rickard nichts ein als die Beschwörung ranziger Klischee-Tragik. Logik ist in diesem Zusammenhang abermals abwesend. Der Film (ver-) endet – Gott sei’s gedankt, denn längst hat man als Zuschauer nicht nur die bisher genannten Bockschüsse satt, sondern kann auch die ‚dramatisch‘ entfärbten Bilder nicht mehr ertragen, die entweder eine Welt in Auflösung darstellen sollen oder auf eine falsch eingestellte Digitalkamera zurückgehen. Jegliche Bereitschaft, einem jungen, bemühten Amateur gewisse Freiräume zuzugestehen, hat sich sowohl beim Filmkritiker als auch beim ‚normalen‘ Publikum nachhaltig verflüchtigt. Nach anderthalb Stunden Langeweile und Verdruss hat sich der Name „Dan Rickard“ ins Gedächtnis der Geschädigten förmlich eingraviert.

DVD-Features

„Darkest Day“ kommt nicht nur ohne (deutsche) Untertitel, sondern auch ohne jedes Feature aus. Ebenfalls abwesend blieben ausgebildete Synchronsprecher, weshalb der (Un-) Geist des großen Ed Wood noch dichter über dem Desaster schwebt, das ein Film sein soll.

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Darkest Day
Originaltitel: Darkest Day (GB 2015)
Regie u. Kamera: Dan Rickard
Drehbuch: Will Martin u. Dan Rickard
Schnitt: Sam Green u. Dan Rickard
Musik: Richard Wilkinson
Darsteller: Dan Rickard (Dan), Chris Wandell (Sam), Samantha Bolter (Kate), Richard Wilkinson (James), Christianne van Wijk (Lisa), Christian Wise (Stephen), Simon Drake (Will), Adrienne Wandell (Adi), Simon Bennett-Leyh (Satch), Matthew Dukes (Soldat) u. a.
Label/Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 19.08.2016
EAN: 4250128418171 (DVD)/4250128418188 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (Blu-ray: 94 min.)
FSK: 18

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