Darkest Hour

Originaltitel: The Darkest Hour (USA 2011)
Regie: Chris Gorak
Drehbuch: Jon Spaihts
Kamera: Scott Kevan
Schnitt: Priscilla Nedd-Friendly, Fernando Villena, Doobie White
Musik: Tyler Bates
Darsteller: Emile Hirsch (Sean), Olivia Thirlby (Natalie), Max Minghella (Ben), Rachael Taylor (Anne), Joel Kinnaman (Skyler), Veronika Ozerova (Vika), Dato Bakhtadze (Sergei), Gosha Kutsenko (Matvei), Nikolai Efremov (Sasha), Vladimir Jaglich (Boris) u. a.
Label/Vertrieb: 20th Century Fox Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 27.04.2012
EAN: 4010232056191 (DVD) bzw. 4010232056177 (Blu-ray) bzw. 4010232056184 (Blu-ray 2D u. 3D-Fassung sowie DVD inkl. Digital Copy)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min.
FSK: 12

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Das geschieht:

Die Freunde Sean und Ben fliegen nach Moskau, wo sie eine neue Software für Social Networker vorstellen und reich werden möchten. Vor Ort müssen sie feststellen, dass ihr lumpiger Geschäftspartner Skyler ihnen zuvorgekommen ist und das Geschäft schon gemacht hat. Frustriert wollen Sean und Ben sich in einem angesagten Nachtclub betrinken. Dort treffen sie auf die ebenfalls aus den USA angereisten Freundinnen Natalie und Anne. Man feiert gemeinsam weiter, bis der Strom ausfällt.

Aus dem Himmel fallen seltsame, kaum sichtbare Leuchtsphären. Als ein Polizist sich einem der gelandeten Objekte nähert, wird er buchstäblich in seine Einzelteile zerlegt: Hinter einem Energieschirm, der sie nicht nur verbirgt, sondern auch gegen beinahe jede irdische Waffe schützt, hocken außerirdische Invasoren. Sie wollen die Bodenschätze der Erde ausbeuten. Da die Menschen dabei stören, sollen sie ausgerottet werden.

Sean und Ben, Natalie und Anna sowie Skyler können den Kreaturen zunächst entkommen. Fünf Tage verbergen sie sich im Keller des Clubs. Als Nahrungsmangel sie an die Oberfläche zwingt, ist Moskau eine verwüstete, menschenleere Stadt, in der die wenigen Überlebenden von den Invasoren gejagt werden.

Als sie dennoch herausfinden, dass nicht nur Russland, sondern die gesamte Erde überfallen wurde, beschließen die Gefährten die Heimkehr in die USA. Da die Amerikaner sicherlich den Invasoren bereits den Marsch blasen, beschließt unser Quintett, sich zur US-Botschaft durchzuschlagen, wo man wie einst in Saigon zwecks Rettung gewiss auf sie u. a. amerikanische Bürger gewartet hat. Doch der Weg bis zur Botschaft ist lang. Überall lauern die bei Tag unsichtbaren Kreaturen, die bald herausfinden, dass ihnen einige Opfer durch die Lappen gegangen sind. Aber auch Außerirdische haben ihre Achillesferse. Die Jagd ist eröffnet, und Gefangene werden auf beiden Seiten nicht gemacht …

Viel Licht aber eine düstere Geschichte

„Globalisierung“ bedeutet, dass ursprünglich auf ein einzelnes Land begrenzte Projekte nunmehr international realisiert werden können. Man verspricht sich davon den Input neuer Ideen bei gleichzeitiger Kosteneinsparung. Auch und gerade im Filmgeschäft setzt man verstärkt auf diese Karte. Dem Zuschauer bringt dies die Erkenntnis, dass bei solcher Zusammenarbeit das Schwergewicht auf dem Faktor „Einsparung“ liegt, während der angebliche Ideenreichtum aufgrund interkultureller Befruchtung sich als Lügenmärchen erweist.

Das Ergebnis ist dieses Mal ein Film, der an einem thematisch sehr ähnlichen Rohrkrepierer des Jahres 2010 erinnert: „Skyline“ bot wie „Darkest Hour“ ein Nichts an logischer Handlung bei einem Minus an Figurenzeichnung. Erträglich werden beide Trauerspiele nur durch ihre optischen Effekte, die eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass begrenzte Budgets Action- und Zerstörungs-Fantasien nicht mehr verhindern – oder verhindern können: Vor dem CGI-Zeitalter wurde Geldmangel gern durch Ideenreichtum ausgeglichen. Darauf ist man leider nicht mehr angewiesen.

Angeblich hat der für das Drehbuch verantwortlich zeichnende Jon Spaihts die Story-Vorgaben gleich dreier Autoren verwurstet. Dabei passt der Plot auf die berühmte Rückseite einer Streichholzschachtel – und es bleibt noch viel Platz! Die Einleitung ist (s. u.) nur langweilig, die zweite Filmhälfte mutiert zum Hit-&-Run-Gewusel zu Lande, zu Wasser und (selten) in der Luft. Dabei erwischt es diverse Figuren; wen es trifft, wird durch die Handlung möglichst früh ‚angedeutet‘. Als das Finale naht, findet man heraus, wie man den Aliens in die Ärsche treten kann, was mit Genugtuung und viel Pathos zelebriert wird. Überraschungsfaktor? Null. (Nebenbei: Spaihts ist der Mann, der für Ridley Scott das „Alien“-Prequel „Prometheus“ schrieb! Dieses Wissen trübt etwaige Vorfreude melancholisch ein.)

Flach-Figuren im 3D-Getümmel

Wie übel es wirklich hätte werden können, belegt Regisseur Chris Gorak unfreiwillig in einer schier endlosen Einleitung, die zwei dümmliche US-Boys großspurig in Moskau einschweben lässt, wo sie ein etwas cleverer Kumpel übers Ohr haut. Das muss betrauert bzw. begossen werden. Auch Natalie und Anne scheinen vor allem deshalb um den halben Globus gereist zu sein, um in Moskau Party zu machen.

Dass Chris Gorak bisher als „Art Director“ und „Production Designer“ gearbeitet hat, sieht man „Darkest Hour“ deutlich an. Einen Spannungsbogen vermag er nicht zu errichten. Bis sich die Protagonisten endlich getroffen haben und die Aliens landen, vergeht eine öde halbe Stunde voller Klischees und Flachsinn. Mit den Figuren werden wir nicht warm, zumal sie das Drehbuch zu immer neuen Dämlichkeiten zwingt: Wenn die Erde erobert wird, schlage dich zur Botschaft deines Landes durch! Geht’s noch schlimmer? Aber klar: Dort angelangt – und nicht etwa an anderer, näher gelegener Stelle einer hochhausreichen Großstadt – steige aufs Dach, um dir „einen Überblick zu verschaffen“. Die Darsteller sind privat zu bedauern, während man sie in ihren Rollen zunehmend lieber im Mikrowellen-Todesstrahl der Aliens zerbröseln sehen möchte; immerhin erfüllt uns Autor Spaihts diesen Wunsch einige Male.

Der Gipfel des Schwachsinns ist erklommen, wenn das Schiff, das unsere Helden kurz vor Filmschluss zum rettenden Kanal-Hafen steuern, von den Aliens zerstört wird: Alle Insassen schwimmen verständlicherweise zum schon nahen U-Boot. Nur Natalie taucht zum anderen Ufer, durchquert einen Güterbahnhof und erreicht schließlich ein Depot, wo sie sich in einem wartungsreifen Autobus versteckt. Alleiniger Zweck dieser merkwürdigen Körperertüchtigung ist es, Sean und seine drei Russen-Kumpels zur dramatischen Final-Rettung ausschwärmen zu lassen.

Warum Moskau?

Was uns zu einer weiteren Frage bringt: Wieso spielt diese Geschichte in Moskau? Nachdem wir die Touristinnen Natalie und Anna über den Roten Platz haben schlendern sehen, wird der Ort des Geschehens völlig unwichtig. Folglich sieht ‚Moskau‘ wie jede andere Stadt aus: Häuser und Straßen dominieren die Szenen. Hin und wieder stolpern unsere Flüchtigen pflichtgemäß durch eine Sehenswürdigkeit, doch handlungsrelevant ist dies nie. Kein Wunder, dass die Kanal-Szenen, die das Finale einleiten, in Berlin entstehen konnten!

Praktischerweise sprechen alle für die Handlung notwendigen Russen Englisch. Trotzdem erfüllen sie ihre Hollywood-Klischee-Pflichten: Sie sehen martialisch aus, sind aber unter der rauen Schale sentimental sowie absolute Patrioten die sich nichtsdestotrotz einem US-Würstchen wie Sean unterordnen, um sich in absurde und gefährliche Situationen zu stürzen. Wer den charismatisch aufspielenden Gosha Kutsenko – ein russischer Jason Statham – in dem (ansonsten miserablen) „Paragraf 78“ gesehen hat, schämt sich für die lächerliche Rolle, die er hier mit aller möglichen Würde meistert.

Faktisch bleibt viel zu deutlich, dass „Darkest Hour“ in Moskau entstand, weil hier billiger gearbeitet wird und womöglich Fördergelder beansprucht werden konnten. Außerdem hatte Produzent Timur Bekmambetov mit „Nochnoi Dozor“ und „Nochnoi Dozor 2“ (dt. „Wächter der Nacht“, 2004, bzw. „Wächter des Tages“, 2006) unter Beweis gestellt, dass auch in Russland mittelmäßig getrickste SF- und Horrorfilme realisiert werden können, die auf dem Weltmarkt verkäuflich sind.

Reality bytes

In diesem Punkt sollte man wohl relativieren: Für 30 Mio. Dollar sind tricktechnisch nur Sprünge von begrenzter Höhe möglich. Eine Invasion aus dem All, die zudem in einer der größten Städte dieser Erde stattfindet, bildet da eine echte Herausforderung. Kneift man die Augen ein wenig zusammen, wirkt „Darkest Hour“ durchaus wuchtig: Ganze Häuserblöcke stürzen ein, Energiesäulen heben sich in den Himmel, Menschen (sowie ein Hund) werden in Stücke gesprengt.

Das wach geöffnete menschliche Auge ist allerdings schwerer auszutricksen. Längst hat es sich an den Illusionsluxus gewöhnt, den die großen Blockbuster bieten, und kann sehr wohl zwischen ‚Realität‘ und Spezialeffekten unterscheiden. Vor allem die digital erzeugten Tricks werden in „Darkest Hour“ als solche zuverlässig identifiziert. Dies unterstreicht ein gelungener Live-Effekt, der sicherlich ebenfalls den Einsatz vieler Spezialisten erforderte aber dennoch primär durch seine ‚Echtheit‘ imponiert: Der Schlusskampf zwischen Sean, Natalie und einem Alien findet im Inneren eines steuerlos durch die Straßen rasenden Busses statt, was für jenen „Speed“-Adrenalin-Schub sorgt, den die Geschichte bisher nie bieten konnte.

Die Aliens bleiben klug hinter ihren Schutzschilden. Als sie schließlich (halbwegs) zum Vorschein kommen, sehen sie nicht nur seltsam i. S. von komisch, sondern auch billig aus. (Fast) unsichtbar wirkten sie jedenfalls bedrohlicher. Dies endet, sobald die Kreaturen ihre Unverwundbarkeit verlieren. Leider fällt Spaihts dazu nichts Besseres ein als die aus der Luft gegriffene ‚Wunderwaffe‘, die ein genialer russischer Exzentriker in Heimarbeit gebastelt hat. Sie sieht zwar aus wie eine mit Schrott aufgerüstete Benzinzapfpistole, benötigt dafür aber nur Taschenlampen-Batterien, um Anti-Alien-Strahlen zu verschießen …

Der große 3D-Schwindel

Vermutlich ist es besser, „Darkest Hour“ in der 3D-Fassung zu sehen, um einem möglicherweise vorhandenen Zauber dieses Films zu erliegen. Das Konzept ist bekannt; „Zorn der Titanen“ oder „Ghost Rider 2“ belegen wie „Darkest Hour“ den Versuch, inhaltlichem Flachsinn wenigstens formal Tiefe zu geben. Das funktioniert in der Regel ebenso schlecht wie die meisten 3D-Effekte, die als solche entweder kaum wahrnehmbar sind oder reine, der Handlung aufgepfropfte Rummelplatz-Attraktionen bleiben.

Wenigstens wurde dem Film eine ansprechende Umsetzung für das Heimkino gegönnt. Die Bildqualität ist erstaunlich, während die Ohren am besten mit der Blu-ray-Fassung malträtiert werden können. Vielen Zuschauern genügt das zirzensische Element im modernen Unterhaltungsfilm. Schauspieler sind Figuren, die Waffen von Punkt A nach B und (höchstens) C tragen und sie dabei möglichst oft betätigen. Wer sich auf diesem Niveau amüsieren möchte (oder kann), ist mit „Darkest Hour“ gut bedient. Das etwas anspruchsvollere Publikum sei gewarnt: Sein Titel fasst diesen Film in nur zwei Worten perfekt zusammen, denn er bietet wahrlich eine dunkle Stunde für die Zuschauer!

DVD-Features

Einmal mehr nutzt ein Label die Gelegenheit, die geizigen DVD-User auf die Vergangenheit dieses Mediums hinzuweisen: In den Genuss von Extras kommen nur diejenigen, die zur Blu-ray greifen. Sie dürfen sich an Features mit verheißungsvollen Titeln („Die Überlebenden“, „Die Spezialeffekte im Film“, „Entfallene und erweiterte Szenen“ sowie „Live Extras“) erfreuen. Da dieser Rezensent zumindest technisch in der Vergangenheit lebt, blieben ihm die Extras verschlossen und können deshalb hier nicht vorgestellt werden.

[md]

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