Darkroom – Das Folterzimmer

Originaltitel: Darkroom (USA 2012)
Regie: Britt Napier
Drehbuch: Michaelbrent Collings
Kamera: Frederic Fasano
Schnitt: Jim Mol
Musik: Anthony Lledo
Darsteller: Kaylee DeFer (Michelle), Elisabeth Röhm (Rachel), Christian Campbell (Larry), Tobias Segal (Daniel), Britne Oldford (Jean), Geneva Carr (Mutter) u. a.
Label: Paragon Movies
Vertrieb: Edel (Horror Extreme Collection)
Erscheinungsdatum: 31.01.2014
EAN: 4036382502210 (DVD)/4036382502227 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (Blu-ray: 81 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Betrunken am Steuer hat Michelle drei Freunde zu Tode gebracht. Teil ihrer Rehabilitation ist der Aufenthalt in einer Suchtklinik. Dort soll Michelle sich im Rahmen von Therapiesitzungen zu ihrer Schuld bekennen, was sie störrisch verweigert, weshalb sie mit der zuständigen Psychologin oft in Streit gerät. Doch schließlich wird Michelle entlassen, und besagte Fachfrau steckt ihr sogar einen Zettel zu: Ihr Freund Larry beschäftigt gern hübsche Frauen als Models für ehrenhafte Werbespots.

Die dreht Larry in der einsam gelegenen, riesigen Familienvilla. Er bewohnt sie mit Schwester Rachel und Bruder Daniel. Leider haben die drei Geschwister einen mächtigen Riss in der Hirnwaffel, seit ihre fanatische Mutter sie zu moralisch ‚sauberen‘ Zeitgenossen erziehen wollte. Dabei setzte sie auf den Einsatz von Säure, Akkuschraubern oder Teppichmessern – Instrumente, die von den Kindern nach ihrem Tod in Ehren gehalten werden. Überhaupt eifern sie der Mutter nach und versuchen, die Welt von bösen Frauen zu reinigen. Diese werden in die Villa gelockt, dort im Keller eingesperrt und tüchtig gefoltert, bis sie ihre ‚Sünden‘ beichten, woraufhin Larry sie mit entschlossener Hand ins Jenseits befördert.

Nun sieht sich auch Michelle diesem Schicksal ausgeliefert. Allerdings haben sich die Geschwister dieses Mal eine Frau gefangen, die außerordentlich entschlossen ist, ihre ‚Reinigung‘ lebendig zu überstehen und ihren Peinigern zu entkommen. Siehe da, der intellektuell deutlich gedimmte Daniel macht der hübschen Gefangenen schöne Augen, was Michelle für ihre Zwecke auszunutzen gedenkt. Bis ihre entsprechenden Bemühungen Früchte tragen, muss sie allerdings ordentlich einstecken, denn Larry und Rachel weichen anders als der weichherzige Daniel nicht vom schmerzhaften Pfad zur Tugend ab. Außerdem entdeckt Michelle in einer Nachbarzelle eine gute Therapie-Freundin, die gerettet werden muss. Also ignoriert Michelle Fausthiebe, Messerschnitte und andere Prüfungen und beginnt mit der Planung eines Ausbruchs, der die Ausschaltung der Geschwister zwingend erforderlich macht …

Keine Idee + kein Geld = dieser Film!

Was hat das Genre Horrorfilm nur verbrochen, um so hart bestraft zu werden? Oder präziser gefragt: Was haben wir Freunde des Horrorfilms getan, dass wir derartig gefoltert werden? Ein ‚Film‘ wie „Darkroom“ hätte niemals zustande kommen dürfen. Damit es trotzdem soweit kam, bedurfte es eine Reihe unheilvoller Einzelereignisse, die sich zum traurigen Endergebnis fügen konnten.

Da haben wir eine Regisseurin, die wie so oft die Liebe zum genannten Genre als Erklärung und Ansporn offenbart. Britt Napier hat im Rahmen einiger Kurzfilme als Produzentin und Autorin gewirkt. Außerdem übernahm sie Kleinrollen in einigen kaum zur Kenntnis genommenen Filmen. Grundsätzlich hätte Napier also wissen müssen, was es vor und hinter der Kamera zu beachten gilt, um einen interessanten = unterhaltsamen Film zu drehen.

Dummerweise tat sie sich mit dem ‚Drehbuchautoren‘ Michaelbrent Collings zusammen – wohl ohne den von diesem mitverantworteten Mystery-Thriller „Barricade“ (2012) gesehen zu haben. Collings machte sich die Sache denkbar einfach und klitterte das Buch für „Darkroom“ aus bewährten Elementen des Torture-Porn-Kinos zusammen. Vor allem „Hostel“ scheint Collings gefallen zu haben, aber natürlich prägen unzählige andere Filme der Güteklassen B und C, in denen hübsche junge Frauen von Unholden malträtiert werden, „Darkroom“ mit.

Schuld und Sühne als Feigenblätter

Generell spielt sich in den Folterkellern der jüngeren Filmgeschichte wenig Neues ab. „Darkroom“ reiht sich da ideenlos ein. Hin und wieder kommt ein Akkuschrauber zweckentfremdet zum Einsatz, aber für einen Streifen, der großartig in eine Reihe namens „Horror Extreme Collection“ aufgenommen wurde, geht es eher blutarm zu. Für entsprechende Gräueleffekte gab es ohnehin kein Budget. Deshalb wird in der Regel im Off oder im Kellerdunkel gebohrt oder anderweitig geschnetzelt.

Selbst Minimaltalenten wie Napier und Collings war klar, dass sich mit Folter kein Film bestreiten lässt; es muss eine Rahmenhandlung geben. Die kommt unglaublich wichtig daher und spielt doch letztlich keine Rolle. Für Michelle dachte sich Collings eine gar tragische Vorgeschichte aus: Durch ihre Schuld sind drei Menschen umgekommen. An dieser Seelenlast trägt sie schwer, was Regisseurin Napier dadurch verdeutlicht, dass sie in der ersten Filmhälfte immer wieder Szenen aus Michelles Vergangenheit – der Abend des Unfalls, die Zeit in der Therapie – in das Hauptgeschehen schneidet. (Hinzu kommt als Prolog eine für die Story absolut bedeutungslose Traumsequenz.)

Soll Michelles Entführung und Folter also eine Prüfung sein? Von wegen! Michelle hätte auch auf die Straße spucken können – es hätte sie als ‚Sünderin‘ bereits für das Gruselkabinett der drei Geschwister qualifiziert! Die sind im Grunde nur daran interessiert, so viele ‚böse Mädchen‘ und ‚Schlampen‘ wie möglich auszurotten. In einer langen Szene werden sie selbst als Opfer ihrer verrückten Mutter dargestellt. Die Erkenntnis bleibt ohne Konsequenzen; Michelle schlägt weiterhin zurück, statt ihr Wissen psychologisch einzusetzen. Wer könnte es ihr verdenken?

Katz & Maus im morschen Haus

Wie es Michelle schafft, sich jene Handlungsfreiheit zu verschaffen, die eine entfesselte Torture-Porn-Heldin benötigt, um ihre Halsabschneider das Fürchten zu lehren, stellt ein weiteres trauriges, extrem spannungsarmes Kapitel dar. Offensichtlich seit langer Zeit üben die Geschwister ihr Strafregiment aus. Ausgerechnet Michelle findet die Schwachstellens des Systems. Sie kriecht zwischen doppelten Wänden und Böden herum, lässt aber deutlich erkennbare Leitungen unbeachtet: Wie stünde es wohl um das Überwachungssystem der Geschwister, wenn der Strom ausfiele? Oder wie wäre es, dorthin zu klettern, wo man durch ein Fenster flüchten könnte? Auf solche Gedanken lässt Collings Michelle lieber nicht kommen. Stattdessen klettert sie im Kreis herum und landet wieder im Keller.

Es gibt keinen echten Handlungsfaden, kein Timing, keine Drehung an der Spannungsschraube. Collings reiht Episoden aneinander, und Napier filmt sie. Kaum 60 Minuten nach Filmbeginn ist der Plot endgültig luftleer. Es kommt es zum Finale, und dem Zuschauer sei geraten, das Zwinkern einzustellen, weil plötzlich vorbei ist, was gerade noch dramatisch in Aufruhr schien. Der ‚Höhepunkt‘ ist zu allem Überfluss ein „deus-ex-machina“-Effekt, der so dreist aus der Luft gegriffen wird, dass zur Langeweile noch die Beleidigung des Zuschauers kommt.

Auf diese Delikte kommt es freilich längst nicht mehr an. Um überhaupt einigermaßen auf Spielfilmlänge zu kommen, zeigt uns Napier völlig sinnlos minutenlange Super-8-Filme aus der Vergangenheit der Geschwister. Es folgt ein in Zeitlupe ablaufender Abspann, der mehr als neun Minuten dauert! Immerhin bietet dies die Möglichkeit, sich genau die Namen derer einzuprägen, die uns hier um Unterhaltung und Lebenszeit geprellt haben.

Noch eine Woche bis zum Gehaltsscheck

Schauspieler sind auch Arbeitskräfte. Beileibe nicht selbstverständlich werden sie für von der Kritik wie vom Publikum geschätzte Filmkunst angeheuert. Zwischen solchen Rollen sind sie gezwungen, sich für die Britt Napiers und Michaelbrent Collings dieser Filmwelt zu prostituieren. Das gilt für starruhmfreie Darsteller natürlich erst recht.

Kaylee DeFer und Elisabeth Röhm treten primär im Fernsehen auf. Selbst im B-Kino sieht man sie höchstens in Nebenrollen. Sie sind fleißig, aber der echte Durchbruch zum Ruhm ließ bisher auf sich warten. Daran wird sich vermutlich auch nichts ändern. Doch zumindest für DeFer stellt „Darkroom“ ein Niveautief dar, das sie bisher meiden konnte. Offenbar hatte sie beschlossen, vor ihrer Babypause – Söhnchen Theodore Ignatius (tatsächlich!) wurde Ende September 2013 geboren – noch das „Darkroom“-Honorar mitzunehmen. Hoch dürfte es freilich nicht gewesen sein.

Elisabeth Röhm, die es aus dem deutschen Düsseldorf nach Hollywood verschlug, hat deutlich mehr Erfahrung, wenn es darum geht, in einem Trash-Movie hübsch auszusehen, wie sich der Liste der Filme entnehmen lässt, in denen sie mimte: „Lake Placid 4“ (2012) oder „Mega Shark vs. Mecha Shark“ (2014) sind keine Klassiker der Filmgeschichte. Über die darstellerischen Talente der übrigen „Darkroom“-Darsteller sei an dieser Stelle gnädig der Mantel des Schweigens gebreitet. Vor allem Tobias Segal dürfte sich dankbar und tief in dessen Falten verstecken.

Was kostet die (Film-) Welt?

„Darkroom“ ist keine kostspielige Produktion. Die Kulissen beschränken sich auf düstere, spärlich eingerichtete Kellerräume. Kaylee DeFers Garderobe erschöpft sich in einem grünen Kleid, das für die Geschwister einen Fetisch darstellt. Spezialeffekte lassen sich als solche nicht erkennen, was nicht an ihrer Brillanz, sondern (s. o.) an der miserablen und gleichzeitig tarnenden Ausleuchtung liegt.

Um letzte Schlupflöcher zu stopfen, die möglicherweise zu einem Unterhaltungseffekt führen könnten, heuerte das deutsche Label die ebenso bekannte wie gut beschäftigte und berüchtigte Nöhl-und-Knödeltruppe an, die hierzulande seit einiger Zeit ausgebildete Synchronsprecher ersetzt. Vor allem und ausgerechnet Kaylee DeFer bekam eine vom Klangvolumen an einen Pfau erinnernde Stimme verpasst, die Michelles Kellerkerkerhaft zumindest in der deutschen Fassung mehr als rechtfertigt.

So bleibt dem Zuschauer einmal mehr die deprimierende Erkenntnis, dass Schlagworte wie „Horror Extrem“ nicht unbedingt blutvolle Zerstreuung andeuten, sondern wörtlich als Hinweis auf außergewöhnlich schlechte Horror-Filme genommen werden müssen. Die Namen Britt Napier und Michaelbrent Collings wird man sich merken, denn das Gedächtnis ist bemüht, das Hirn vor weiteren Schäden zu schützen!

DVD-Features

Außer dem Trailer gibt es keine Extras. Dafür existiert eine offizielle Website.

Kurzinfo für Ungeduldige: Statt in erwünschten lukrativen Model-Job landet die psychisch angeknackste Michelle in einer alten Villa, die drei übergeschnappte Geschwister in eine Todesfalle für ‚Sünderinnen‘ umgebaut haben … – Michelle entkommt, wird gejagt, wieder gefangen, tüchtig ‚bestraft‘, vermag gegen alle Wahrscheinlichkeit wieder zu flüchten: Der Zuschauer kann die Handlung dieses Films im Schlaf verfolgen und täte gut daran, den Wachzustand zu vermeiden, um einem Überkochen der Galle entgegenzuwirken.

[md]

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