Dartmoor BeastAuf einer Wanderung durch das südwestenglische Dartmoor geraten vier Freunde sich erst in die Haare und dann unter die Klauen einer mysteriösen Riesenkatze, die sie nunmehr nach Belieben durch die öde Landschaft jagt … – Inhaltlich lahme und missratene Mischung aus Komödie und Horror; die Gags sind plump, der sichtbare Grusel dauert ca. 2 Sekunden, die Figuren sind unsympathisch, und die Billig-Synchronfassung gibt dem Filmchen den Rest: Finger weg!

Das geschieht:

Die dem Geistesblitzschlag der Evolution stets erfolgreich ausgewichenen Freunde Spencer, Pete und Jason unternehmen eine Wanderung durch das südenglische Dartmoor. Spencer will heiraten und anschließend mit seiner Gattin in die USA auswandern. Pete plant deshalb die Wanderung als Outdoor-Junggesellenabschied, in dessen Verlauf Spencer allerlei geschmacklose Scherze erleiden soll.

Weil er bald sein Schwager sein wird, hat Spencer auch den dicken Andy eingeladen. Der fühlt sich zu Recht unwillkommen. Er wandert nicht gern, rastet umso lieber und hat einen gewaltigen Appetit. Der drahtige Pete hat eine anspruchsvolle Route ausgesucht und ärgert sich über die ständigen Pausen. Da er ständig stichelt und spottet, bricht bald Streit aus, der erst recht aufflammt, als sich herausstellt, dass der faule Pete die Wanderung nicht wirklich geplant hat.

Irgendwann steht man ratlos nicht nur tief im Moor, sondern auch an der Grenze eines militärischen Sperrgebiets, das man vorsichtshalber meidet. Der Proviant wird knapp, auch der Alkohol geht zur Neige. In der Nacht erregt lautstarkes Gebrüll die Aufmerksamkeit der Gruppe. Am nächsten Morgen findet sich nahe beim Lager ein in Stücke gerissenes Schaf. Jason erinnert sich an die alte Sage vom „Dartmoor-Biest“: In der Einsamkeit des Moores geht angeblich eine gewaltige, katzenähnliche Kreatur um, die nicht nur den Schafen, sondern auch unvorsichtigen Wanderern auflauert.

Aus Theorie wird rasch Praxis und Jason aus dem Hinterhalt attackiert. Danach ist er so übel zugerichtet, dass er nicht mehr laufen kann. Andy soll bei ihm bleiben, während Spencer und Pete versuchen, die Zivilisation zu erreichen, um Hilfe zu holen. Bei Anbruch der Nacht stolpern Spencer und Pete ins Moor, während Andy versucht, den langsam verblutenden Jason am Leben zu halten. Die ohnehin angespannte Lage eskaliert, als beide Teilgruppen unabhängig voneinander feststellen müssen, dass sie von der Bestie belauert werden …

Passende Landschaft für eine Bestie

Das Dartmoor im Südwesten Englands ist eine karge, seltsame Landschaft und hat die Fantasie derer, die hier leben, seit jeher angeregt. Vor allem in einer Vergangenheit ohne naturwissenschaftliche Kenntnisse aber im Glauben an Naturgeister und ähnliche Phänomene war das Moor – und dies galt nicht nur für das Dartmoor – die Heimat seltsamer Wesen, die vor allem in der Dualität von schlechter Sicht und gutem Whisky an Existenzrealität gewannen. Sie ‚erklärten‘ übel geendetes Abweichen von festen Wegen, seltsame Lichter und ebensolche Geräusche in der Nacht und ähnliche Ereignisse, die man lieber durch den Schutz der eigenen vier Wände ausschloss.

Die alten Legenden haben sich zum Teil erhalten, wobei sie durch den Filter der Moderne gingen und dies bemerkenswert gut überstanden. Das Dartmoor ist damals wie heute ein ebenso faszinierender wie unheimlicher Ort. Moderne Erkenntnis kann in einer Ausnahmesituation rasch in nur scheinbar überwundenem Aberglauben enden – eine Tatsache, die auch der Unterhaltungsindustrie nicht verborgen blieb. Im Moor-Grusel steckt Geld. Niemand würde das sicher lauter bejahen als Arthur Conan Doyle (1859-1930), der seinen berühmtesten Sherlock-Holmes-Roman im Dartmoor spielen ließ: „Der Hund der Baskervilles“!

Doyle ließ seine Leser nicht im Regen stehen. Er fand eine logische Auflösung für die grässliche Kreatur, die des Nachts ihr Unwesen trieb. Damit zog er sich besser aus der Affäre als mancher „Krypto-Zoologe“ der Gegenwart, der tatsächlich von der Existenz eines der Wissenschaft bisher unbekannten Tieres ausgeht, das im Moor herumgeistern soll. Für den Yeti ist Gelände zu flach, und dem Bigfoot fehlen die Wälder. Also ist es eine Art Katze. Die „Bestie von Dartmoor“ ist keine Erfindung des Drehbuch-Duos Neil Craske und James Shanks (vgl. beispielsweise hier); wer den (in der deutschen Fassung) gleichnamigen Film gesehen hat, würde ihnen das auch nie unterstellen: Wieso sollte dort, wo Inhaltsideen auf gesamter Filmlänge fehlen, ausgerechnet dieser Einfall gelungen sein?

Eine Idee verendet in der Umsetzung

Mit jenem Geld, das er aus einer umgefallenen Parkuhr bergen konnte, verwirklichte Shanks seinen zweiten Spielfilm. Zwölf Jahre hatte es gedauert, bis Gras über „Devil’s Harvest“, seinen nur unabsichtlich schrecklichen Erstling, gewachsen war. Diese Zeitspanne hat Shanks als Filmemacher nachweislich nicht wachsen lassen: „Dartmoor Beast“ ist je nach Betrachtungsstandort ein amateurhaftes Laienspiel oder eine bodenlose Unverschämtheit.

Anderthalb Stunden kann sich Shanks nicht entscheiden, ob er uns nun eine Gruselgeschichte oder eine Krawall-Komödie à la „Hangover“ präsentieren will. So muss sich das Publikum im wilden Wechsel fürchten oder amüsieren, wobei man die Verben im Konjunktiv verwenden sollte, da weder die eine noch die andere Reaktion selbstverständlich ist.

Ärger, Verdruss und Langeweile stellen sich dagegen problemlos ein. Schon die vier Protagonisten lassen nach kurzer Zeit den Zuschauer nach dem rettenden Prankenschlag der Bestie rufen. Shanks stellt uns vier Endzwanziger vor, die primär ihre Unausstehlichkeit eint; eine Verknüpfung, die durch Faktoren wie Dummheit, offensives Primatentum und Lernresistenz zementiert wird. Der Regisseur/Drehbuch-Mitautor setzt ausschließlich auf Klischees, denen weder er noch seine Darsteller Leben einhauchen können. Also ist Spencer der (halbwegs) ‚erwachsene“ Langweiler, Pete das großmäulige Arschloch, Jason der Schweigsame mit dem verborgenen Geheimnis (das er im Angesicht des Todes selbstverständlich ausführlich lüftet) und Andy der dicke Trottel, der im Alleingang den Proviant für vier Leute in einer Nacht frisst; wer lacht nicht Tränen ob solcher Perlen klassischen Humors? (Für ganz hartnäckige Spaßbremsen gibt es einen minutenlangen Furz-Wettbewerb.)

Bestie, wo bist du?

Eine gefühlte Ewigkeit schlurfen unsere vier Wanderer durch das Moor. Sie spielen einander kindische Streiche, zanken und vertragen sich wieder. Zwischendurch erfolgen Freundschaftsbekundungen unter Männern, d. h. verschleiert durch Beleidigungen und Albernheiten. Wir erfahren Details der jeweiligen Vergangenheiten sowie Larifari-Lebenslügen, die uns keinen Deut interessieren, und warten immer ungeduldiger, dass die eigentliche Geschichte endlich beginnt.

Damit hat es Shanks jedoch nicht eilig. Selbst als die Bestie sich endlich bemerkbar macht, ‚blickt‘ man höchstens durch ihre Augen (= die Kamera) auf ihre zukünftige Beute, die im Gelände steht und sich lautstark fragt, was denn da im Heidekraut raschelt und brüllt. Dann endlich schlägt das Biest zu – und taucht wieder ab, um unserem Quartett weiteren Raum für fruchtlose Diskussionen und pathetische Abschiedsbotschaften zu geben. Man sieht höchstens einen schwarzpelzigen Schwanz hinter einem Baumstamm und später eine Art Pantherfratze. Insgesamt summiert sich die Bildpräsenz der Mordkatze auf ca. 2 Sekunden, wodurch die Freigabe dieses Films (FSK 18) zum eigentlichen Mirakel gerät.

Trotzdem schafft es die Bestie, unsere vier Anti-Helden zu packen, durch das Moor zu schleppen, ordentlich zu zerschlitzen – und sie schließlich einfach liegenzulassen, statt ihnen den Rest zu geben. Eine Erklärung für diese Zurückhaltung gibt es nicht. Für Erstaunen sorgt im Gegenzug die Regenerationsfähigkeit der Opfer: Selbst Jason, dem nach der Attacke die Därme aus dem Bauch hängen, ist nach einer Reparatur mit Panzerband wenig später wieselflink dabei, als man sich Waffen bastelt und zur menschlichen Wagenburg zusammenrottet. Auch dabei leistet man schier Übermenschliches: Binnen weniger Minuten entsteht beispielsweise aus Kondomen und Sambuca das beinahe lebensgroße Modell eines Schafes, das als Köder und Bombe – nach Shanks Willen ist Likör brennbar, weshalb sich auch eine Wasserpistole zum Flammenwerfer umfunktionieren lässt – die Bestie in Stücke reißen soll. Man muss das sehen, um zu glauben, dass diese Szenen in der Tat so dämlich wirken wie sie hier beschrieben werden.

Der Dartmoor-Stadl spielt auf

Wie soll man den Darstellern gerecht werden? Sie werden durch ein Drehbuch sabotiert, das sie einerseits in Deppen verwandelt, während es andererseits die ohnehin flüchtige Figurenzeichnung ignoriert. So entdeckt der tumbe Andy irgendwann den wahren Kerl in sich und staucht den fiesen Pete eindrucksvoll zusammen. Wenig später ist diese Episode vergessen und Andy wieder der Trottel. Dafür tauschen Spencer und Pete kurzfristig die Rollen: Der Kotzbrocken ruft zur Rettungsdisziplin auf, während Spencer Unfug faselt. Auch das schlägt folgenlos wieder in den Urzustand zurück.

„Kontinuität“ ist ohnehin ein Wort, das Shanks unbekannt zu sein scheint. Der von einer Szene zur nächsten zwischen Wolken und klarem Himmel wechselnde Himmel sei angesichts des knappen Budgets entschuldigt. Weniger entschuldbar wirken Szenen wie diese: Gerade sind unsere Vier aus ihren Zelten gekrochen und beginnen ihre Tageswanderung, als Spencer darauf drängt ein Lager aufzuschlagen, weil es bereits dunkel werde …

Womöglich ist es besser, dass sich das Dartmoor-Biest so selten blickenlässt. So erspart uns Shanks ‚Action-Szenen‘ wie Andys endlosen ‚Sturz‘ von einem Hügel: Chris Rogers rollt sich ungelenk über einige Stücke Rasen, was Cutter Craske später plump hintereinander schnitt. (Immerhin fanden die Dreharbeiten wirklich im Dartmoor statt; in den Endtiteln bedankt sich Shanks bei diversen dort aktiven Umweltschutz- und Tourismuseinrichtungen, die spätestens jetzt bereuen dürften, dem Filmnachwuchs hilfreich zur Seite gestanden zu haben.)

Nicht verantwortlich ist Shanks für die erbärmliche Synchronfassung, für die offenbar vier taubstumme ‚Sprecher‘ gezwungen wurde, ihre Texte laut im Inneren einer nach außen schallgedämmten Litfaßsäule abzulesen. Auf diese Weise schließt sich der Kreis zu diesem Abschlussurteil: Diese „Hirschjagd“ – so lautet die korrekte Übersetzung des Originaltitels – ist eher das Hornberger Schießen!

DVD-Features

Extras gibt es nicht, womit der Feature-Teil mit dem Unterhaltungsgehalt des Hauptfilms gleichzieht.

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Originaltitel: Stag Hunt (GB 2015)
Regie u. Kamera: James Shanks
Drehbuch: Neil Craske u. James Shanks
Schnitt: Neil Craske
Musik: Edward Bradshaw
Darsteller: Mackenzie Astin (Spencer), Neil Cole (Pete), Chris Rogers (Andy), Donald Morrison (Jason) u. a.
Label: Kinokater
Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 17.02.2016
EAN: 4250128416757 (DVD)/4250128416764 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

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