Ein Meteorit bringt aus dem All ein seltsames Gestein auf die Erde, das sich durch Wasserguss unkontrolliert ‚vermehrt‘, zu Riesengröße anschwillt und Silikon aus Menschenkörpern saugt; da die Felsen eine US-Kleinstadt bedrohen, müssen sie gestoppt werden … – Die ungewöhnliche Idee wird zügig und spannend umgesetzt, die Darsteller leisten solide Arbeit, die Spezialeffekte sind sorgfältig, der Film ein Beispiel für gutes, routiniertes B-Kino der 1950er Jahre und noch heute sehenswert.

Das geschieht:

Aus den Tiefen des Weltalls kam ein seltsamer Meteorit, der im Süden des US-Staates Kalifornien einschlägt. Diese Region ist eine Wüste, in der kaum Menschen unterwegs sind, weshalb zunächst niemand den Krater bemerkt. Ben Gilbert, ein Geologe aus dem Städtchen San Antonio, kommt zufällig an der Absturzstelle vorbei und steckt einen schwarzen, glänzenden Splitter ein, den er in seinem Labor untersuchen möchte.

Als Kollege Dave Miller am nächsten Tag von einer Dienstreise zurückkehrt, findet er das Labor verwüstet und voller Gesteinsbrocken vor. Ben lehnt tot an einer Wand; sein Körper hat sich praktisch in Stein verwandelt, was Stadtarzt Dr. Reynolds vor ein Rätsel stellt. Daves Freundin, die Lehrerin Cathy Barrett, erkennt bestürzt die Steinsplitter wieder; Bei einem Ausflug mit Schulkindern hat auch die junge Ginny Simpson so einen schwarzen Stein aufgelesen! Als sie und Dave (und Polizeichef Corey) zur Simpson-Farm hinausfahren, finden sie das Haus unter einer Steinlawine begraben, die Eltern tot und versteinert und Ginny in Schockstarre vor.

Wenig später beginnt der Körper des Mädchens zu erstarren. Spezialist Dr. Hendricks wird alarmiert, während Dave sich ratsuchend an seinen alten Mentor Professor Flanders wendet. Während Hendricks entdeckt, dass den Opfern sämtliches Silikat förmlich aus dem Körper gesaugt wurde, finden Dave und Flanders heraus, dass Wasser den mysteriösen Stein zum ‚Leben‘ erweckt: Er beginnt zu wachsen, sich zu ‚vermehren‘ und dem Boden, der Luft oder allen Lebewesen, die ihm zu nahe kommen, besagtes Silikat zu entziehen.

Ausgerechnet jetzt geht ein Regensturm über San Antonio nieder. Die in der Wüste verstreuten Splitter wuchern ins Gigantische. Sie folgen der Topografie der Landschaft und bewegen sich auf die Stadt zu, die sie schließlich unter sich begraben werden. Panik bricht aus, während Dave, Flanders, Cathy und ihre Mitstreiter fieberhaft nach einem Mittel fahnden, mit dem sich die marodierenden Monolithen stoppen lassen …

Der Meister und sein Stellvertreter

Einige der schönsten und noch heute unterhaltsamen Phantastik-Filme entstanden in den 1950er Jahren für das Hollywood-Studio „Universal“. Gedreht wurden sie oft von Jack Arnold (1916-1992), einem ungemein produktiven und gleichzeitig einfallsreichen Regisseur, der Budgetschwäche durch Einfallsstärke wettzumachen wusste. Was einst in möglichst kurzer Zeit heruntergekurbelt wurde, um in den Kinos Kasse zu machen, ist heute dort zum Klassiker gereift, weil Arnold es verstand, nicht nur zeitgenössischen Wünschen und Ängsten Film-Gestalt zu verschaffen, sondern zeitlos kollektives Gedankengut anzuzapfen.

„It Came from Outer Space“ (1953; „Gefahr aus dem Weltall“), „Creature from the Black Lagoon“ (1954; „Der Schrecken vom Amazonas“), „Tarantula“ (1955), „The Incredible Shrinking Man“ (1957; „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“): Arnold schuf kleine Meisterwerke, die handwerkliche Produktionssorgfalt mit interessanten und gut erzählten Geschichten verbanden und viele Klischees abmilderten, weshalb ihnen das Alter nur wenig anhaben konnte.

Auch „The Monolith Monsters“ hätte Arnold wohl selbst inszeniert, wäre der vielbeschäftigte Regisseur nicht mit dem Lana-Turner-Film „The Lady Takes a Flyer“ („Immer Ärger mit den Frauen“) beschäftigt gewesen. Er übergab die Regie deshalb erneut seinem Assistenten John Sherwood, der im Vorjahr die zweite Fortsetzung der „Creature“-Trilogie („The Creature Walks Among Us“/„Das Ungeheuer ist unter uns“) für Arnold realisiert hatte. Das Ergebnis zeugt davon, dass Arnold die Dreharbeiten trotzdem im Auge behielt.

Invasion der außerirdischen Steine

Von Jack Arnold (und Robert Fresco) stammt auch die Drehbuchvorlage. Sie belegt, dass Arnold mit scheinbar in Stein gehauenen, oft überstrapazierten Genre-Formeln experimentierte. Nicht nur in den 1950er Jahren ging in der Kino-Science-Fiction die Gefahr meist von intelligenten aber böswilligen Kräften aus, die durch das Weltall reisten, um ausgerechnet die Erde und ihre Bewohner heimzusuchen. Schon in „Gefahr aus dem Weltall“ hatte Arnold dies relativiert und Außerirdische vorgestellt, die nur zufällig auf der Erde strandeten und tunlichst vermieden, sich hilfesuchend den schießwütigen Einheimischen zu offenbaren.

Nun ging Arnold einen Schritt weiter: Die Gefahr ist ein seltsames aber natürliches Phänomen – eine chemische Reaktion, der keinerlei Bewusstsein zugrunde liegt. Die steinernen ‚Monster‘ sind ungeheuerlich groß, doch ansonsten sind und bleiben sie simple Steine. Leben bedrohen sie in erster Linie, weil sie unkontrolliert wachsen und ein Format erreichen, das jegliche Gegenwehr verhindert. Da keine Splitter verstreut werden dürfen, die ihrerseits zu Monolithen heranwuchern würden, verbietet sich auch das übliche Gegenmittel dieser Ära: der Wurf einer Atombombe.

Wenn niemand den Hauptfiguren wissentlich nach dem Leben trachtet, entfällt ein traditionelles Spannungselement: Wie heldenhaft ist es, hirnlosen Steinen die Stirn zu bieten? Dieser Vorwurf wurde und wird gegen diesen Film erhoben. Wer es schätzt, wenn alte Hüte einmal am Haken hängenbleiben, freut sich über eine Geschichte, die zielstrebig auf den Punkt kommt, statt sich in gefühlsduseligen Abschweifungen zu verlieren. Keine Filmminute wird vergeudet; als beispielsweise im Finale ein Staudamm gesprengt werden soll, der die örtlichen Zitronenplantagen wässert, wäre im ‚normalen‘ Hollywood-Film ein Aufstand wütender Zitrus-Farmer fällig, der die Detonation dramatisch aber künstlich hinauszögert. Hier wird der Entschluss gefasst, Dynamit besorgt und der Staudamm in die Luft gejagt.

Auch eine Liebesgeschichte, die zu Lasten der eigentlichen Handlung ginge, fällt aus. Geologe Dave und Lehrerin Cathy sind bereits zusammen, als das Geschehen einsetzt. Sie streiten nicht, sondern arbeiten in der Krise zusammen: Cathy ist keines der zeittypischen Hollywood-Weibchen, die entweder gerettet werden müssen oder in der Gefahr klammern. Die Abwesenheit einschlägiger Gefühlsduseligkeiten nimmt der Zuschauer wohlwollend zur Kenntnis.

Routine auf hohem Niveau

„Das Geheimnis …“ ist ein Film ohne großartiges Budget. Doch er entstand in einer Ära, als Hollywood einer gut geölten Fabrik glich, die Unterhaltung kostengünstig aber funktionstüchtig produzierte. Auch im „Universal“-Studio konnte man sich vor und hinter der Kamera auf Darsteller und Fachleute stützen, die es zwar nie zu Starruhm brachten aber trotzdem gute Arbeit leisteten.

Grant Williams, Lola Abright, Les Tremayne: Schon damals waren ihre Namen den meisten Zuschauern unbekannt oder gleichgültig. Schauspieler wie sie waren die Fließbandarbeiter des Filmgewerbes: Sie wurden besetzt und spielten ihre Rollen. Einprägen konnten sie sich außerhalb ‚ihrer‘ Studios nur wenigen Film-Nerds. Wer weiß daher, dass Grant Williams gerade die Hauptrolle in Jack Arnolds „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ gespielt hatte und der Regisseur noch Jahrzehnte später sein Talent lobte? Für „Das Geheimnis …“ waren schauspielerische Routinen wichtiger. Die Rollen boten wenig Profil, doch die Darsteller gaben wie üblich ihr Bestes. (In einer winzigen Rolle als akademisch fachsimpelnder Meteorologe, der unter Auskunftsdruck gesetzt heimlich aus dem Fenster schaut, um das Wetter ‚vorauszusagen‘, zeigt William Schallert, was er tatsächlich konnte.)

Die Spezialeffekte können mit dem CGI-Zauber des 21. Jahrhunderts einerseits natürlich nicht mithalten, während sie andererseits ihren Zweck weiterhin erfüllen. Auch hier waren Profis am Werk, die mit klassischen Matte- und Spiegeleffekten, Miniaturen oder Modellen überzeugende Illusionen schaffen konnten. Die ‚wachsenden‘ und umstürzenden Monolithen wurden mit einfachen Mitteln realisiert. Wie effektiv sie dennoch sind, belegt u. a. eine Panorama-Aufnahme, die über San Antonio dorthin in die Ferne geht, wo sich die Riesen-Felsen lawinenartig auf die Stadt zuwälzen. Die beinahe dokumentarische Schwarzweiß-Kamera unterstützt solche Eindringlichkeit; im Zeitalter allgegenwärtiger Farbe vergisst man, wie klar auf Licht und Schatten nicht reduzierte, sondern konzentrierte Bilder sein können.

Kritiker beanstanden die ansonsten eher effiziente als einfallsreiche Kameraarbeit, die flachen Figuren oder die Abwesenheit ‚großer‘ Gefühle. John Sherwood war seit 1936 als „Second Unit Director“ oder „Assistant Director“ beschäftigt: Er drehte jene Szenen, in denen die Hauptdarsteller nicht auftauchten, was seine Arbeit sicherlich prägte. „Das Geheimnis …“ war erst sein dritter Film als Hauptregisseur, und es blieb sein letzter, denn Sherwood starb bereits 1959 im Alter von nur 56 Jahren. Gerade die nüchterne Fokussierung auf die Story ist ein Pfund, mit dem „Das Geheimnis …“ trotz nicht zu leugnender Schwächen wuchern kann. Es ist auch in der Filmgeschichte keineswegs alles Gold was glänzt. Umgekehrt verbirgt sich hinter manchem scheinbar matten Kiesel wie dem „Geheimnis des steinernen Monsters“ eine angenehme Überraschung.

DVD-Features

In die deutschen Kinos hat es dieser Film seltsamerweise nie geschafft, während gleichzeitig entstandener grausiger Mist dort gern gezeigt wurde. Erst 1970 erfuhr „Das Geheimnis …“ seine deutsche Erstaufführung – im Fernsehen. In dieser Vergangenheit wurde noch Wert auf handwerkliche Qualität gelegt, weshalb der Film ausgezeichnet synchronisiert wurde.

2011 wurde „Das Geheimnis …“ in der dem unterhaltsamen Kino-Trash gewidmeten Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“ von Anolis-Entertainment als DVD herausgebracht. Während der Ton weiterhin schwachbrüstig blieb, wurde das Bild in vorzüglicher Qualität präsentiert. Hinzu kamen zahlreiche Extras, darunter zwei Audiokommentare, die interessante Hintergrundinformationen vermittelten, sowie ein zwölfseitiges Booklet.

2014 brachte Anolis eine in den Extras ‚abgespeckte‘ Version heraus, die allerdings auf Blu-ray erschien. Aufgespielt wurde dieses Mal nur die ‚neue‘ Widescreen-Version, die das Original-Studio „Universal“ produziert hatte. Der Hauptfilm wies zwar nun das Breitwandformat 16 : 9 auf, das jedoch nicht dem originalen Kino-Format entspricht und an den Seiten ‚beschnitten‘ ist. Die Bildqualität ist freilich Blu-ray-tauglich.

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Das Geheimnis des steinernen Monsters
Originaltitel: The Monolith Monsters (USA 1957)
Regie: John Sherwood
Drehbuch: Norman Jolley u. Robert M. Fresco (nach einer Story von Robert Fresco u. Jack Arnold)
Kamera: Ellis W. Carter
Schnitt: Patrick McCormack
Musik: Henry Mancini, Irving Getz u. Herman Stein
Darsteller: Grant Williams (Dave Miller), Lola Albright (Cathy Barrett), Les Tremayne (Martin Cochrane), Trevor Bardette (Prof. Arthur Flanders), Phil Harvey (Ben Gilbert), William Flaherty (Polizeichef Dan Corey), Harry Jackson (Dr. Steve Hendricks), Richard H. Cutting (Dr. E. J. Reynolds), Linda Scheley (Ginny Simpson), Steve Darrell (Joe Higgins), William Schallert (Meteorologe) u. a.
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment
Erscheinungsdatum: 08.07.2011 (DVD)/28.03.2014 (Blu-ray)
EAN: 4041036310240 (DVD)/4041036370107 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 74 min. (Blu-ray: 76 min.)
FSK: 12

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