Das Haus der Dämonen 2

Originaltitel: The Haunting in Connecticut 2: Ghosts of Georgia (USA 2012)
Regie: Tom Elkins
Drehbuch: David Coggeshall
Kamera: Yaron Levy
Schnitt: Tom Elkins u. Elliot Greenberg
Musik: Michael Wandmacher
Darsteller: Abigail Spencer (Lisa), Chad Michael Murray (Andy), Emily Alyn Lind (Heidi), Katee Sackhoff (Joyce), Grant James (Mr. Gordy), Morgana Shaw (Lisas/Joyces Mutter), Mary Louise Coffee, Lauren Whitney Pennington, Jaren Mitchell, Hunter Burke (Geister), Lance E. Nichols (Pastor Wells), Cicely Tyson (Mama Kay), Brad James (Prentiss) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 23.08.2013
EAN: 0888837119894 (DVD)/0888837119993 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min. (Blu-ray: 101 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Im Sommer des Jahres 1993 bezieht die Familie Wyrick – Vater Andy, Mutter Lisa und Töchterlein Heidi – ihr neues Haus irgendwo in der Wildnis des US-Staates Georgia. Tante Joyce, das schwarze Schaf der Familie, nistet sich ebenfalls ein. Lisa ist wie alle Frauen ihrer Familie mit dem Zweiten Gesicht geschlagen und sieht überall Geister; vor allem ihre Mutter will ihr aus dem Jenseits ständig etwas erzählen, doch Lisa hört nicht zu und schluckt Pillen. Ihre große (und selbstverständlich gerechtfertigte) Furcht ist, dass auch Heidi von Geistern belästigt wird.

Diese hat sich in der Tat mit Mr. Gordy, dem längst verstorbenen Vorbesitzer des Hauses, angefreundet. Der alte Mann sorgt sich um die neuen Eigentümer, denn auf dem Grundstück geht es mächtig um. Im 19. Jahrhundert verbarg ein älterer Mr. Gordy schwarze Sklaven, die aus den Südstaaten in den Norden und in die Freiheit flüchten wollten. Leider erwischten ihn die weniger liberalen Nachbarn und hängten ihn an einen Baum.

Irgendwas muss zusätzlich schiefgelaufen sein, denn seither huschen nächtlich schwarzhäutige Gestalten durch das Unterholz. Auch innerhalb des Wyrick-Hauses zeigen sich geisterhafte Gestalten, die mit entsprechenden Stimmen um Hilfe flehen. Leider drücken sie sich notorisch undeutlich aus und benehmen sich auch sonst beklagenswert planlos. Statt Mitleid wecken die Geister deshalb nur Verwirrung. Vor allem der arme weil gar nicht hellsichtige Andy rennt oft kopflos umher, weil wieder eine der Frauen angstvoll schreit.

Zu allem Überfluss stellt sich heraus, dass sich außer den Sklaven noch ein Gespenst ganz anderen Kalibers auf dem Grundstück herumtreibt: Ein untoter Serienkiller möchte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, die Wyrick-Frauen seiner schauerlichen Trophäensammlung einzuverleiben …

Geisterspuk als Lebensinhalt

Man hat sich als Zuschauer an viel Ungemach in Gestalt dreister Übertreibung oder plumpen Unvermögens gewöhnt. Gerade der Horrorfilm bietet in dieser Hinsicht zahllose Gelegenheiten, die persönliche Dicke des bereits angeschafften Fells zu überprüfen. Dennoch gibt es immer wieder Spitzen, die dorthin durchdringen, wo es immer noch wehtut.

2009 drehte Regisseur Peter Cornwell „A Haunting in Connecticut“, die Geschichte einer (angeblich) wahren Heimsuchung durch Geister, die noch eine Rechnung in der Welt der Lebenden offen hatten. Da dieser Film überraschend gut an den Kinokassen abschnitt, wurde rasch eine Fortsetzung geplant. Die Geschichte blieb dieselbe, nur das Haus und die belästigte Familie wechselten. Auch der Titel wurde beibehalten, obwohl es dieses Mal in einem gänzlich anderen US-Staat umging. Dies ergab in der Summe den absolut schwachsinnigen Titel „The Haunting in Connecticut 2: Ghosts of Georgia“.

„Schwachsinn“ ist ein gutes Stichwort, da es diesen Film sowohl inhaltlich als auch formal perfekt beschreibt. Tom Elkins, Cutter des originalen „Haunting“-Streifens, durfte dieses Mal auf dem Regie-Stuhl platznehmen. Zusammen mit Drehbuchautor David Coggeshall analysierte er das Genre Geistergeschichte und kam zu dem Schluss, dass es in erster Linie Tempo ist, das dieser fehlt.

Turbo-Spuk im Schnelldurchlauf

Folgerichtig hält sich Elkins nicht mit dem lästigen Vorlauf auf, der andere Spukfilme so zäh anlaufen lässt. Sobald seine Geister merken, dass die Wyricks eingezogen sind, geht es umgehend zur Sache. „Das Haus der Dämonen 2“ ist das reinste Höllenspektakel. Elkins zieht dem subtilem Schrecken den Schockeffekt jederzeit vor und lässt Unheimliches gern aus dem Off vor die Kamera und den Figuren ins Genick springen. Untermalt bzw. dem Zuschauer ins Hirn gefräst wird dies durch den Einsatz einer Musik, die in der Tat auch die Toten hören dürften; an Lautstärke und Wucht hat Komponist Michael Wandmacher jedenfalls nicht gespart!

Weil es unter Missachtung der klassischen Geisterstunde bei den Wyricks rund um die Uhr spukt, schleicht sich bald eine gewisse Langeweile ein. Die Geister von Georgia sind zahlreich aber einig in diesem Punkt: Sie rücken einfach nicht klar und deutlich damit heraus, was sie wollen. „Hilf uns“, hört man es immer wieder im Chor raunen. Was hilft dies, wenn die neuen Mieter entweder minderjährig oder schlicht dumm sind?

Irgendwann im letzten Drittel wird das Rätsel dennoch gelöst. Wer nun auf die Uhr schaut, weiß freilich genau, dass es dies nicht gewesen sein kann. In der Tat kommt hinter dem Spuk jetzt das eigentliche Grauen zum Vorschein. Es manifestiert sich – vermutlich weil böse – als faulige Leiche, ist aber ansonsten ebenso beschränkt wie seine Opfer. Also gibt es keine Überraschungen, sondern die übliche Verfolgungsjagd, bei der Daddy Andy sich einmal mehr im Wald verläuft, sodass Mutter Lisa und Tochter Heidi auf sich gestellt in der Höhle des Schurken um ihr Leben raufen müssen.

Gibt es echte Geister?

Die Frage ist sicher ähnlich alt wie die Menschheit selbst. Zweifelsfrei beantwortet durch eindeutige Beweise konnte sie bisher nicht. Anders steht es um die Frage, ob Spinner und Lügenbolde existieren. Sie kann definitiv bejaht sowie die Antwort durch die Information erweitert werden, dass auch Dummköpfe präsent sind. Nr. 1 und 2 geben an, von Geistern belästigt zu werden, Gruppe Nr. 3 glaubt daran. Wenn man es geschickt genug anstellt oder psychisch so derangiert ist, dass man in der Tat Gespenster sieht, lässt sich Profit aus dem Jenseits schlagen. Die Medien lieben entsprechende Geschichten, und ein Publikum, das entsprechende Zeitungsartikel und Bücher liest bzw. TV-‚Dokumentationen‘ und Filme anschaut, zahlt dafür.

Die Wyricks gerieten angeblich in den Bann übernatürlicher Kräfte, nachdem sie 1989 ein Häuschen in Ellerslie, einem Nest in Georgia, bezogen hatten. Zunächst gaben sich der freundliche Mr. Gordy sowie ein ähnlich friedlicher Geist namens „Con“ die Klinke des Hauses in die Hand. Ab 1993 gesellte sich ihnen ein weniger angenehmer Spukbold hinzu. An diesem Punkt hakt das Drehbuch ein, das die Ereignisse um der Unterhaltung willen auf die Spitze treibt. Die Wyricks waren klug genug, ihre Heimsuchungen zu dosieren, sodass sie noch heute Zeitgenossen finden, denen sie ihre Bären aufbinden können. Tom Elkins unterstützt dies gern und blendet im Nachspann die echten Wyricks ein; seinem Film kann es nur helfen, wenn er von geistergläubigen Zuschauern gestürmt wird.

Dazu ist es allerdings nicht gekommen. Die hanebüchene Story wurde allzu grob und ohne Gespür für Atmosphäre umgesetzt. „Das Haus der Dämonen 2“ erzählt keine Gespenstergeschichte, sondern ähnelt eher einer Kirmes-Geisterbahn, die ausschließlich auf den billigen Effekt setzt.

Verloren in Georgia

Leid können einem die Schauspieler tun. Elkins hat durchaus nicht in Hollywoods Bodensatz nach ihnen gefischt. Sie sind alle schon länger im Geschäft. Meist treten sie im Fernsehen auf oder lassen sich für jene Filme casten, die meist direkt auf DVD oder Blu-ray gebrannt werden. In diesem Umfeld gilt es rasch und präzise zu mimen, und auf diesem Niveau leisten die Darsteller im „Haus der Dämonen 2“ gute oder besser: handwerklich solide Arbeit.

Für das Drehbuch können sie nichts. Dies sollte sich vor allem Chad Michael Murray  immer wieder vor Augen führen, der einen Andy Wyrick gibt, der weder hellsichtig noch besonders schlau ist, um es freundlich auszudrücken. Zudem steht er von Anfang an auf verlorenem Posten, weil er allein unter gleich drei Frauen ist, die über das Zweite Gesichte verfügen. Erstaunlicherweise (oder versehendlich) bricht Autor Coggeshall mit einem hier eigentlich erwarteten Klischee, wenn er nicht Andy, sondern Lisa zur Zweiflerin erhebt.

Emily Alyn Lind gehört zu denjenigen Kinder-Schauspielern, die über echtes darstellerisches Talent verfügen. Elkins und Coggeshall bemühen sich zwar, dies zu torpedieren, indem sie Heidi u. a. ständig einen Teddybären herumschleppen lassen. Dennoch ist sie nicht ausschließlich das süße Objekt der Angst, sondern eine eigenständig denkende und handelnde Figur. Pech, dass sie mit beidem allen auf geisterreicher Flur steht! Vielleicht würde es sie trösten zu wissen, dass es wesentlich stärker schmerzt, für dumm verkauft zu werden, als von Spukgestalten geplagt zu werden; so denkt jedenfalls der ergrimmte Zuschauer.

P. S.: Dämonenspuk mag enden, fauler Zauber aber nicht: Auf Wiedersehen in „The Haunting in Connecticut 3: Ghosts of New York“ …

DVD-Features

Wie nicht nur aber vor allem im schlechten Film üblich wird das „Making Of“ eine zehnminütigen Hommage, in deren Verlauf sich Darsteller, Regisseur u. a. für diesen faulen Zauber verantwortliche Zeitdiebe gegenseitig hochleben lassen und sich artig bedanken, im dank der grandiosen Mitarbeit der Kolleginnen und Kollegen besten (Grusel-) Film aller Zeit mitgewirkt zu haben. Dazwischen werden stakkatoschnell geschnittene Szenen eingeblendet, die ebenfalls diesen Eindruck heraufbeschwören möchten.

Wer es witzig findet, wenn während der Dreharbeiten etwas schief geht, dürfte sich über vier Minuten „Outtakes“ freuen. Nüchtern betrachtet hält sich deren Humor in Grenzen, aber damit passen sie gut zu den „Deleted Scenes”, die man keineswegs kennen muss und die es zu Recht nicht in den fertigen Film geschafft haben. Dazu gibt Regisseur Tom Elkins weitschweifige Erklärungen ab.

Abschließend gibt es den trügerischen, weil Aufregung versprechenden Originaltrailer.

Kurzinfo für Ungeduldige: Die Familie Wyrick fällt in ihrem neuen Heim unter die Geister. Diese wurden hellhörig, weil Mutter, Tochter und Tante hellsichtig sind und sie erlösen könnten; leider ist auch ein untoter Mörder anwesend und ergreift Gegenmaßnahmen … – „Nach einer wahren Begebenheit“, d. h. erlogen von A bis Z und kein Film, sondern eher eine Geisterbahn, die lautstark und klischeestark jegliche Gruselstimmung im Keim erstickt: wahrlich ein Graus!

[md]

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