haus-der-daemonenDas Haus der Dämonen

Originaltitel: The Haunting in Connecticut (USA/Kanada 2008)
Regie: Peter Cornwell
Drehbuch: Adam Simon u. Tim Metcalfe
Kamera: Adam Swica
Schnitt: Tom Elkins
Musik: Robert J. Kral
Darsteller: Virginia Madsen (Sara Campbell), Kyle Gallner (Matthew Campbell), Martin Donovan (Peter Campbell), Ty Wood (Billy Campbell), Erik Berg (Jonah), Elias Koteas (Reverend Popescu), Amanda Crew (Wendy), Sophi Knight (Mary), John Bluethner (Ramsey Aickman), D. W. Brown (Dr. Brooks), John B. Lowe (Mr. Sinclair) u. a.
Label: Falcom Media
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 12.11.2009 (Leih-DVD) bzw. 10.12.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4048317359004 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4048317459001 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Wir schreiben das Jahr 1987. Das Leben meint es nicht gut mit Sara Campbell: Geld ist knapp, Gatte Peter liebäugelt mit der Flasche, kürzlich sind die Nichten Wendy und Mary vor den Eltern zu ihnen geflohen, und jetzt leidet Matt, der älteste Sohn, unter einer Krebserkrankung, die ihn schnell und tückisch umbringt. Einzige Hoffnung ist eine kaum erprobte Therapie, die jedoch nur im weit entfernten Connecticut angeboten wird.

In ihrer Not beschließen die Campbells, unweit des Krankenhauses, in dem Matt behandelt wird, möglichst kostengünstig ein Haus zu mieten. Leider erweist sich das einzige Gebäude in ihrer Preisklasse als ehemaliges Bestattungsinstitut, dessen Balsamierungskeller nie richtig ausgeräumt wurde. Außerdem war Dr. Aickman, der frühere Hausherr, ein Satanist und Totenbeschwörer, der makabres Schindluder mit den ihm anvertrauten Leichen trieb.

Das muss zunächst vor allem Matt erkennen, dessen Krankheit ihn empfänglich für jene übersinnlichen Schwingungen macht, die das alte Haus erfüllen. Bald wird er aus dem Jenseits als Bezugsperson für widerlich anzusehende Geister angepeilt, unter denen sich einer sogar namentlich vorstellt: Jonah war einst Aickmans Star-Medium, doch als der Doktor es mit seinen nekromantischen Eskapaden übertrieb, wurde Jonah unfreiwillig derjenige, der die Geister, die sein Herr rief, über das Haus brachte.

Den Campbells wird bald Angst & Bange: Türen schlagen, Lampen knistern, Schatten huschen durch die Gänge, während „Buh!“-Musik ertönt und dem armen Matt der hässlich angekokelte Jonah im Nacken sitzt. Glücklicherweise hängt im Krankenhaus am Tropf neben ihm Reverend Popescu, ein Fachmann für das Übernatürliche. Im Bund mit Mutter Sara und Cousine Wendy nimmt Matt den Kampf gegen die Plagegeister auf, die daraufhin in Sachen Dämonenspuk tüchtig aufdrehen …

Spuk für Gläubige & unterhaltungswillige Skeptiker

„Nach einer wahren Begebenheit“: Die Verwendung dieses Prädikats kündet von der erstaunlichen Risikobereitschaft einer Produktionsfirma, die darauf hofft, durch die Nacherzählung einer echten Besessenheit noch einigen neugierigen Zuschauern mehr das sauer verdiente Geld aus der Tasche zu locken. Oder glaubt man sich auf das Wissen stützen zu können, dass weit mehr Menschen an störende Besuche aus dem Jenseits glauben, als sie öffentlich zugeben möchten?

Die Faktendecke ist ebenso bekannt wie fadenscheinig: 1986 zog die recht dysfunktionale Familie Snedeker ins Städtchen Southington, US-Staat Connecticut, und dort in das alte Hallahan-Haus, das sich als ehemaliges Bestattungsinstitut entpuppte. Diese Tatsache drückte zwar den Mietpreis, hatte aber zuvor nie für Aufregung der nun bald laut werdenden und von den Medien begierig aufgegriffenen Art gesorgt: Nach Auskunft der Eltern Carmen und Allen Snedeker, deren Aussagen von ihren Kindern und den ebenfalls eingezogenen Nichten bekräftigt wurden, trieben Poltergeister und/oder Dämonen ihr Unwesen in dem alten Gemäuer. Sie machten nachts Lärm, stahlen Kruzifixe und gingen schließlich erst Carmen und dann sogar Al an die Unterwäsche.

Mit den Medien erschienen ‚Parapsychologen‘. Unter ihnen: die selbst ernannten Top-Geisterjäger Ed und Lorraine Warren, die u. a. schon die Geheimnisse des Amityville-Spukhauses (nicht) gelüftet hatten, sowie der Buchautor Ray Garton, der ein zum Bestseller gewordenes ‚Sachbuch‘ über die Heimsuchung der Snedekers schrieb, für das er sich heute so schämt, dass er nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden möchte.

Nach zweieinhalb angeblich turbulenten Jahren zogen die Snedekers um, und in Southington kehrte (angeblich nach einem Exorzismus) schlagartig Ruhe ein. (Sieht man von der Invasion zahlreicher Geister-Touristen ab, die einen Blick auf das berüchtigte Spukhaus werfen wollten – und wollen.) Carmen Snedeker – inzwischen geschieden – ist heute als „Geist(er)führerin“ tätig.

Medienspuk hilft filmischem Durchschnitt

Diese Vorgeschichte macht aus dem Hallahan-Institut beim besten Willen kein zweites Amityville-Haus. Aber es bedarf nur einiger Dreistigkeit im Umgang mit der Wahrheit sowie der Arbeit zweiter routinierter Drehbuchautoren, um ein wenig Schwung in die Geschichte von der „Heimsuchung in Connecticut“ zu bringen.

Macht man so etwas richtig, kann man sogar auf Ideen verzichten. Genau das zeichnet „Das Haus der Dämonen“ denn auch aus: Adam Simon und Tim Metcalfe tun exakt das, was sie im Interview lächelnd leugnen, und klauben aus der Geschichte des Spukhaus-Films diejenigen Elemente hervor, die schon früher funktioniert haben. Der erfahrene Zuschauer mag sich den Spaß machen und die Titel der auf diese Weise ‚ausgeschlachteten“ Filme auflisten. Zwar ist solches Ausborgen ein traditionsreiches Vorgehen in Hollywood, doch die Gleichgültigkeit, mit der selbst junge Regisseure und Drehbuchautoren den Zuschauer mit Mittelmaß abspeisen, wirkt trotzdem erschütternd. Es gibt nicht einmal (bis auf die für den Horrorfilm immer nützliche Abwesenheit von Handys) einen guten Grund dafür, die Geschichte 1987 spielen zu lassen.

Womit keineswegs gesagt ist, dass dieser Film nicht unterhalten kann oder handwerklich schlecht geraten ist. Hollywood stößt sauber aus dem Klischeeblech gestanzten Durchschnitt quasi fabrikmäßig aus. „Das Haus der Dämonen“ ist zwar bar jedes originellen Einfalls, wurde aber flott und kundig inszeniert, routiniert gespielt und anständig getrickst.

Routinejob für echte Schauspieler

Manchmal ist das Glück auch mit dem nicht ganz so Tüchtigen. In unserem Fall beinhaltet das die Entscheidung, für die Hauptrolle der Sara Campbell eine echte und richtig gute Schauspielerin zu engagieren: Virginia Madsen ist eine Veteranin ihres Metiers und immer noch gut im Geschäft. In Hollywood, dem Mikrokosmos des Jugendwahns und der plastischen Chirurgie, wo ein Darsteller-Jahr etwa zehn Lebensjahren entspricht, ist das keine Selbstverständlichkeit, zumal Madsen zumindest im Hüftbereich keine Konzessionen an zwar ungeschriebene aber mehr oder weniger zementierte Regeln macht.

Die Sara Campbell spielt Madsen ohne Probleme und überzeugend, was besondere Anerkennung verdient, weil eine solche Rolle – in der Not religiös gewordenes Muttertier hält im Alleingang Problemfamilie auf Kurs und nimmt es auch noch mit Geistern auf – sehr schnell ins übertrieben Lächerliche abrutschen kann, wovor Madsen sie bewahrt.

Kyle Gallner profitiert von der Krankheit, die er mimen muss. Das mag zynisch klingen, doch da auch er trotz seiner Jugend ein erfahrener Schauspieler und seine Rolle sorgfältig ausgearbeitet ist, kann er recht gelassen den bleichen Todeskandidaten geben.

Weniger vom Glück & vom Drehbuch begünstigt sind die übrigen Darsteller. Martin Donovan fällt als hart geprüfter und für zu weich befundener Vater einmal in die Wodka-Flasche, aber nachdem Clan-Chefin Sara ihm dafür mächtig den Kopf gewaschen hat, findet er umgehend in die Nebenrolle des treusorgenden aber selten anwesenden Ernährers zurück.

Donovan kann sich noch glücklich schätzen, wie der arme Elias Koteas erfahren musste. Einmal abgesehen von der ziemlich geringen Chance, über einen Dämonen-Kundler und Exorzisten quasi zu stolpern, wirkt Koteas in der ausgelaugten Rolle des leicht überforderten aber in der Krise glaubensstarken Priesters (und unter seinem lächerlichen Pepita-Hütchen) eher von allen Geistern verlassen.

Überstunden für die Kulissenbauer

Obwohl „Das Haus der Dämonen“ in Connecticut spielt, wich das Drehteam in das kostengünstigere Filmland Kanada aus. In der Provinz Manitoba ließ sich im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets das Hallahan-Haus weitgehend originalgetreu nachbauen. Das Innere entstand im Filmatelier; es entspricht allen Klischees eines verwunschenen Hauses, was dieses Mal durchaus anerkennend gemeint ist.

Auch die Filmtricks sind gut geraten. Altmodische aber eindringliche Prothesen- und Maskentricks werden durch dosierte CGI-Hexereien ergänzt aber nicht verdrängt. Da auch möglichst junge Zuschauer für das Werk bezahlen sollen, hielten sich die Tricktechniker etwas zurück. So wirken die seit immerhin sechzig Jahren in den Wänden des Hauses verwesenden Leichen erstaunlich frisch.

Traurig aber heute üblich ist jene Bearbeitung, der sich darauf richtet, die sorgfältig in Szene gesetzten Unheimlichkeiten nachträglich zu entschärfen. Damit die rächenden Geister nicht gar zu gruselig wirken, wurden sie für die Kinofassung künstlich ‚entfärbt‘. Auf diese Weise verschwanden jugendgefährdende Blutflecken, die erst in der „Uncut“-Edition wieder rot zurückkehren. Solche Absurditäten sollte der Zuschauer mit Humor nehmen, da Ärger oder Grübeleien über die ‚Logik‘, die hinter solchen Entscheidungen stecken mag, ohnehin zwecklos bleiben.

DVD-Features

An Extras wurde lobenswerterweise nicht gespart. Freilich sind die meisten Features recht obskur. Immerhin beginnt es konventionell: mit einem „Making-Of“ zum Hauptfilm („Zwei tote Jungen“), das man gesehen haben muss, weil es erstaunlich ist, wie viel Unfug sich in nur einer Viertelstunde verzapfen lässt! Jenseits der lästigen aber üblichen gegenseitigen Lobhudeleien – wie der Zufall so spielte, sind sich nur die Besten ihrer Branchen und gleichzeitig liebeswertesten Menschen dieses Planeten auf dem Set begegnet – entblöden sich die interviewten Darsteller, Drehbuchautoren und sonstige Mitarbeiter nicht, von ‚unheimlichen‘ Vorfällen während der Filmarbeit zu munkeln: Mysteriöse Geräusche ertönten, der Fernseher sprang in der Nacht plötzlich an, es wurde schlagartig kalt in einer Ecke der Abstellkammer; die Peinlichkeiten wollen kein Ende nehmen.

Unter dem Titel „Bloße Einbildung? Was steckt hinter paranormalen Erscheinungen?“ dürfen Para-Psychologen u. a. ‚Experten‘ 13 (!) Minuten düster und unter sorgfältiger Umgehung nachprüfbarer Fakten über Geister und sonstige Repräsentanten jener Welt schwadronieren, die sich (nach Ansicht des Rezensenten) primär dort einstellen, wo die ärztlich verordnete Einnahme hilfreicher Psychopharmaka verweigert bzw. durch die Selbstkur mit Hilfe hochprozentiger Alkoholika ersetzt wird.

Dazu passt eine zweiteilige ‚Dokumentation‘ („Ein wahr gewordener Albtraum: Erneuerte Nachforschungen“), in der viele jener Zeitgenossen, die es 1986 ins wahre Haus der Dämonen verschlug, noch einmal ihre oft erprobten Geschichten erzählen dürfen. Eingeleitet wird dies durch eine Erklärung, aus der hervorgeht, dass sich die Firma Lionsgate, die „Das Haus der Dämonen“ vertreibt, keineswegs mit den nun folgenden Aussagen identifiziert, was sehr bezeichnend und schnell auch verständlich ist: Diverse Mitglieder der Familie Snedeker sowie die ‚Geisterforscherin‘ Lorraine Warren kochen den abgestandenen Brei vom Spuk im Hallahan-Haus auf, während die ehemaligen (und aktuellen) Nachbarn von keinerlei Auffälligkeiten, sondern höchstens von mentalen Dachschäden der Snedekers berichten.

Von allgemeinem Interesse ist endlich der Beitrag „‚Memento Mori‘: Die Geschichte der postmortalen Photographie“, die wohl als wissenschaftliches Feigenblatt für die anderen Features dient. Stanley Burns, ein ausgewiesener Experte für das Thema, berichtet elf Minuten über die Tradition der US-amerikanischen Gedenk-Fotografie des 19. Jahrhunderts: Trauernde Eltern, Familienangehörige oder Freunde ließen sich mit ihren verstorbenen Kindern, Brüdern usw., die dafür möglichst ‚lebensecht‘ hergerichtet wurden, fotografieren.

Die Features werden durch sechs „deleted scenes“ abgerundet, deren Tilgung Regisseur Peter Cornwell per Audio-Kommentar erläutert.

Hier ist „Das Haus der Dämonen“ im Internet präsent.

P. S.: „A Haunting in Connecticut“ spielte weltweit 76,5 Mio. Dollar ein – eine stolze Summe, die eine gesunde Gewinnmarge garantierte. Die Folge ist typisch für Hollywood: Man sieht sich 2010 in „The Haunting in Georgia“!

[md]

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Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
In welchem Jahr spielt die Geschichte des Films? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald dreissig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Gewonnen haben: Caroline Schleich, Mark Käumlin, René Rösner-Jansen, Werner Koblechner und Ulrich weber. Herzlichen Glückwunsch!