Das Haus der Verfluchten

Originaltitel: The Haunting at the Beacon/The Beacon (USA 2009)
Regie u. Drehbuch: Michael Stokes
Kamera: Don Reddy
Schnitt: Stephen Lovejoy
Musik: John Majkut
Darsteller: Teri Polo (Bryn Shaw), David Rees Snell (Paul Shaw), Elaine Hendrix (Vanessa Carver), Jonny Cruz (Simon Valencia), Kelli Dawn Hancock (Officer Kit Karasic), Ken Howard (Officer Ford), Michael Ironside (Officer Ned Hutton), Kevin Scott Keating (James Nash), Austin Lux (Ronnie Nash), Ben Lux (Danny Shaw), Marnette Patterson (Christina Wade), Everett Sifuentes (Mr. Butters), Nick Sowell (Will Tyler) uva.
Label/Vertrieb: Savoy Film/Schröder Media (www.savoy-film.de)
Erscheinungsdatum: 20.05.2010 (DVD u.  Blu-ray)
EAN: 9120027344831 (DVD) bzw. 9120027345227 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,77 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch

DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Vor zwei Jahren haben Paul und Bryn Shaw ihren Sohn Danny bei einem tragischen Unfall verloren; die Leiche wurde nie gefunden. Bryn überlebte knapp einen Selbstmordversuch und muss noch immer Medikamente nehmen. Dennoch versucht das Paar einen Neuanfang, als Paul eine Dozenten-Stelle in der texanischen Großstadt Dallas angeboten wird. Das Glück scheint ihnen endlich zu winken, als sie eine schöne Wohnung für erstaunlich wenig Geld im alten aber vornehmen Beacon-Gebäude finden.

Nach dem Einzug freunden sich die Shaws mit den meisten Mietern schnell an. Bryn, die sich als Fotografin einen Namen gemacht hat, packt sogar ihre Kamera wieder aus. Allerdings scheint sie einen psychotischen Rückfall zu erleiden, als sie darauf besteht, Streitgeräusche aus der Nachbarwohnung gehört zu haben. Die alarmierte Polizei findet die Wohnung leer; die Familie Nash ist vor Monaten ausgezogen, seit Sohn Ronnie bei einem ‚Unfall‘ im Fahrstuhlschacht zu Tode kam.

Ronnie geistert im Beacon umher und sucht nach Rettung vor seinem bösen Vater James, der sich inzwischen umgebracht hat und ebenfalls spukt: Dies ist jedenfalls Bryns Meinung, der sich Schwester Christina und Gatte Paul wenig aufgeschlossen zeigen und vielsagend Bryns Pillenflasche schütteln. Paul ist ohnehin abgelenkt, denn die schöne Nachbarin Vanessa hat ein Auge auf ihn geworfen, der seine Rolle als Hüter der psychisch angeschlagenen Gefährtin längst satt ist. Zu allem Überfluss hat die geistig ebenfalls aus dem Lot geratene Polizistin Kit Karasic den Verdacht, dass Bryn ihren Sohn umgebracht hat, und beginnt sie zu beschatten.

Dass tatsächlich Geister im Beacon umgehen, wird Paul erst klar, als er selbst bespukt wird. Er begreift, dass es die Phantome auf seine Frau abgesehen haben. Mit der Polizei im Schlepptau rast er zum Beacon, wo alle Masken fallen und ein echter Gespenster-Sabbat losbricht …

So sollte es eigentlich ablaufen

Obwohl es gemeinhin etwas langsamer als sonst im Horrorfilm zur Sache geht, weiß die Mehrheit des Publikums einen guten Spuk zu schätzen. Es ist die Kunst der Andeutung, die den Unterschied zum Splatter markiert. Während dort im Vordergrund geschlachtet wird, bleibt der Spuk buchstäblich hintergründig. ‚Gute‘ Geister springen nicht aus Schränken oder hinter Büschen hervor. Zu den Regeln des Spuk-Genres gehört außerdem die allmähliche und sorgfältige Vorstellung des Ortes, an dem es umgeht. Anfänglich scheint alles in Ordnung zu sein, was der Filmprofi korrekt dechiffrieren kann: Diese Wohnung, dieses Haus ist viel zu günstig, zu groß, zu schön, um wahr zu sein.

In der Tat kommt es langsam aber sicher zu Brüchen. Schatten wabern, ominöse Geräusche erklingen; Gegenstände wechseln ihre Positionen, ohne berührt zu werden. Zunächst wiegen sich die Betroffenen in Sicherheit, reden von Täuschung und Irrtum. Nur widerwillig stellen sie sich der Tatsache, dass sie von unsichtbaren Mächten heimgesucht werden.

Auf die Akzeptanz folgt der Versuch der Gegenwehr. Schlaue Bücher werden gewälzt, Geisterjäger interviewt, Exorzismus-Riten geübt. Der Erfolg stellt sich ein, ist aber nur Illusion, der Rückschlag umso heftiger. Wenn das Finale naht, das hier gleichzeitig Höhepunkt ist, lassen die Geister alle Hemmungen fallen. Ein Hexensabbat bricht los. Der Ausgang ist ungewiss; der Spuk-Film benötigt kein Happy-end, sondern kann genauso mit dem Sieg des Jenseits‘ enden, was in der Regel das Ende der menschlichen Gegenseite bedeutet, die sich anschließend den Geistern anschließt.

Wie man alles falsch macht, was möglich ist …

Liest man diese Beschreibung des ‚typischen‘ Spukhaus-Films, meint man zunächst „Das Haus der Verfluchten“ darin wiederzufinden. Diese Aussage wird freilich jeder Zuschauer, der das Pech hatte, anderthalb Stunden im Beacon-Building verbringen zu müssen, eifrig (und zornig) verneinen. Regisseur und Drehbuchautor Michael Stokes beschränkt seine Job darauf, sämtliche Elemente des Genres zu zitieren, um sie dann in Klischees zu verwandeln. Er variiert sie nicht einmal, sodass weder Handlung noch Optik noch Darsteller für Überraschungen gut sind. Schon nach spätestens zehn Minuten weiß man, wie sich die Geschichte entwickeln wird.

Wobei hauptsächlich die Freunde des unfreiwilligen Humors auf ihre Kosten kommen werden. „Das Haus der Verfluchten“ präsentiert logische Lücken von einer Tiefe und Breite, die mit den Ozonlöchern über den irdischen Polen wetteifern. An dieser Stelle können nur einige Klopfer bloßgestellt werden. Ganz vorn auf der Liste steht sicherlich Stokes‘ Definition von ‚Geist‘. Grundsätzlich wären die Spukgestalten des Beacon gar nicht auf die durch das Drehbuch verordnete Dämlichkeit der menschlichen Darsteller angewiesen, denn Stokes definiert sie als Fleisch gewordene Seelen, die ihre Körper aufleben lassen und ihr ‚Leben‘ fortsetzen können. Was fehlt, sind die Emotionen, die sich die Geister über die Gefühlsreaktionen ihrer Mieter verschaffen müssen.

Weil dies ein Horrorfilm ist, fällt ihnen nicht etwa ein, ihre Opfer einfach zum Lachen zu bringen oder andere Freuden zu stimulieren. Stattdessen führen nur Schmerz und Leid zum gewünschten Mit-Gefühl. Also wird Angst eingejagt und auf Selbstmord gehofft. Wieso die damit verbundenen Darbietungen unbedingt im Beacon stattfinden müssen, bleibt unklar, denn die Geister können sich frank & frei und auch im hellen Sonnenschein ‚draußen‘ tummeln. Sie scheinen mit dieser gespenstischen Freiheit freilich selbst nicht zurechtzukommen; so greift sich Geist James Nash nicht einfach die allzu neugierige Christine, sondern erscheint dem Fahrer einer just des Weges daherkommenden Straßenkehrmaschine, der daraufhin so heftig erschrickt, dass er das Steuer verreißt und besagte Christine über den Haufen fährt. So umständlich von hinten durch die Brust ins Auge planen unsere Beacon-Phantome ständig.

Wer „Tohuwa“ sagt, muss auch „bohu“ sagen

Zwei Drittel der Handlung beobachten wir Bryn und Paul sowie Schwesterlein Christina dabei, wie sie sich um den verschwundenen Danny grämen und die Fallstudie einer aus der Bahn geworfenen Familie bieten. Schon dabei ärgert die Penetranz, mit der stets nur Bryn den Spuk bemerkt, während vor allem Paul mit emotionaler Blindheit geschlagen ist, seine arme Gattin allein lässt oder sie in psychiatrische Behandlung abschieben will. Dennoch funktioniert „Das Haus der Verfluchten diese eine Stunde wenigstens halbwegs.

Dann wirft Stokes das Steuer ruckartig herum. Aus einem Kammerspiel wird ein Spektakel – und damit geht dieser Film zum Teufel. Sämtliche ohnehin halbherzig eingefädelten Erklärungsversuche werden über den Haufen geworfen. Als Zuschauer hatte man nie wirklich eine Chance, sich selbst einen Reim auf das Geschehen zu machen. Stokes zieht plötzlich eine ‚sensationelle‘ Eröffnung nach der anderen aus dem Hut. In drei Sätzen bekommt das Beacon eine Jahrhunderte zurückreichende Geister-Geschichte verpasst. Aus einem simplen Spukhaus soll ein Tor zur Hölle werden. Überhastet und ärmlich begründet wie hier, kann dies nur schiefgehen.

Apropos ärmlich: Schon das Budget gibt entsprechende Effekte nicht her. Flackernde Lichter und aus dem Off eingespieltes Buh!-Gewinsel reizen den Zuschauer höchstens zum müden Grinsen. Wer Trash liebt, darf sich darüber hinaus über Geister-Fratzen freuen, die zum Lachhaftesten gehören, was die Make-up-Schmieden Hollywoods seit vielen, vielen Jahren verlassen hat. Wer nur den halbglatzigen James Nash mit russringschwarzen Augenringen durch eine Fensterscheibe stieren sieht (was er serientätergleich mehrfach wiederholt), ist als ‚ernsthafter‘ Zuschauer verloren. Wenn’s richtig faulig wird, wirken unsere Geister wie überlagerte Fische, die in zu enge Apfelsinennetze gepresst wurden. (Körperlicher Verfall beschränkt sich übrigens ausschließlich auf Gesichter und Hände; unsere Geister legen Wert darauf, nur in blitzsauberer Kleidung zu spuken!)

Die wahren Verfluchten des „Beacon“

TV-Fließbandarbeiter und Darsteller, die entweder zukünftigen Arbeitgebern beweisen wollten, wie belastbar sie (noch) sind, oder denen Stokes das Drehbuch erst nach Unterzeichnung des Vertrags zeigte, liefern ab, was zu erwarten war: Routine gemischt mit Missmut, Langeweile und Übertreibung. Teri Polo drückt auf die Tränendrüse, bis ihre Daumen zu brechen drohen. Heulend und wimmernd, sich in ihrer Trauer um den armen, armen Danny auf dem Badezimmerboden wälzend, versucht sie zudem auszugleichen, was ein holzklotzartiger David Rees Snell an Darstellerkunst erfolgreich unterdrückt.

Jonny Cruz muss den ulkigen Ektoplasma-Nerd mit komischem Akzent mimen, dessen Witzchen nur den Drehbuchautoren begeistern, während Marnette Patterson das Kunststück versucht, gleichzeitig als geile Schlampe und braves Mädchen zu überzeugen. Elaine Hendrix gibt eine blondierte Versuchung, auf die nur der schwerfällige Paul hereinfallen kann.

Über die Pechvögel, die es ansonsten in Beacon verschlagen hat, sei gnädig geschwiegen. Erwähnt werden muss allerdings das Erscheinen zweier Kino- und TV-Urgesteine: Ken Howard und Michael Ironside haben oft bewiesen, das sie ausgezeichnete Schauspieler sind. Offenbar haben beide aber ein Problem mit der Ablehnung von Rollen. Vor allem Ironside wirkt geradezu süchtig danach, in möglichst obskuren Filmen bizarre Figuren zu verkörpern.

DVD-Features

Nach anderthalb Stunden halbgaren „Beacon“-Geflimmers – Stokes schreckt selbst vor plumpen Wortspielen nicht zurück; ein „beacon“ ist ein Signalfeuer, das hier über einem Geisterhaus brennt –, ist zumindest der Rezensent dankbar für das Fehlen jeglicher Extras zum Hauptfilm. Für den ‚normalen‘ Zuschauer verdichtet sich indes ein Verdacht zur tragischen Erkenntnis: Er ist es, der verflucht ist, wenn er diesen Film gesehen hat! Die Darsteller wurden für ihr Leiden immerhin noch bezahlt …

[md]

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