Days of Darkness

Originaltitel: Days of Darkness: Rise of the Flesheaters (USA 2007)
Regie u. Drehbuch: Jake Kennedy
Kamera: Brandon Trost
Schnitt: William Daniels
Musik: Jamey Scott
Darsteller: Travis Brorsen (Steve), Sabrina Gennarino (Lin), Tom Eplin (Chad), Roshelle Pattison (Mimi), Eric Stuart (DJ), John Lee Ames (Trent), Bryan Rasmussen (Slasher), Chris Ivan Cevic (Simon), Marian Tomas Griffin (Kylie), Ashley Elizabeth Pierce (Jane), William Cannon (Herbert) u. viele fröhliche Zombie-Statisten
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 09.07.2010 (DVD)
EAN: 4260191250103
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Nach einem ausgedehnten Campingausflug in die Santa Monica Mountains des südlichen Kaliforniens wollen Steve und Lin gerade in die Zivilisation zurückkehren, als ihnen ein Zombie vor die Kühlerhaube des Wagens torkelt. Weitere Untote folgen und drohen das Paar hungrig in Stücke zu reißen, als Chad auftaucht, die Zombies energisch zersäbelt und unsere ahnungslosen Ausflügler in eine verlassene Funkstation des US-Militärs eskortiert, die von einem hohen und nun sehr nützlichen Zaun umgeben ist.

Sieben weitere Flüchtlinge haben sich hier verbarrikadiert, nachdem ein Komet in der Erdatmosphäre zerplatzte, seine im Eis konservierte Fracht freigab und über alle Kontinente verstreute: außerirdische Parasiten. Sie nisten sich in den Hirnen und Unterleibern ihrer Opfer ein, die sich dabei nicht nur in angriffslustige Menschenfresser verwandeln, sondern auch Alien-Bastarde ausbrüten, die sich auf der Erde pudelwohl genug fühlen, um die Herrschaft zu übernehmen!

Diese Vermehrung funktioniert in den Körpern und Frauen und Männern gleichermaßen gut, was für entsprechendes Entsetzen sorgt. Der Stresspegel steigt, zumal die Gestrandeten dumm und streitlustig veranlagt sind und ihnen Lebensmittel und Wasser ausgehen. Dass Prediger Trent ein fundamentalistischer Wirrkopf ist, der nachts heimlich die Zombies einlässt, um die biblische Apokalypse zu beschleunigen, ist ebenso beunruhigend wie die Anwesenheit seines infizierten Bruders Herbert, der im Keller der Anlage nach Menschenfleisch giert.

Weil den Belagerten Wasser und Proviant ausgehen, muss ein Ausbruch geplant werden. Außerdem melden sich die noch ungeborenen Aliens gewalttätig zu Wort, indem sie ihre Wirte gegen die allzu unternehmungslustigen Mitglieder der Gruppe zu Felde ziehen lassen …

Frechheit kennt keine Grenzen

Der Regisseur und Drehbuchautor hatte keine eigenen Ideen, kein Geld und keinerlei Talent, sondern nur den verzweifelten (oder dreisten) Wunsch, einen Film zu drehen. Hinzu kam das Talent, einer Schar tief in der beruflichen Sackgasse steckenden Darsteller vorzugaukeln, sie würden in einem ‚richtigen‘ Spielfilm mimen dürfen: So können Kultfilme entstehen, aber in der Regel entsteht nur Bockmist. So auch in diesem traurigen Fall, der höchstens aufgrund der besonderen Frechheit der Beteiligten eines näheren Blickes würdig ist.

„Days of Darkness“ kann stellvertretend für die schon alte aber nie ehrwürdige Tradition des Trash-Kinos stehen; so wie sich der Straßenkot an das Rad und der Neid an die Größe heftet, wie bereits 1523 Martin Luther klagte, hängt sich der skrupelfreie Filmemacher an kassenerprobte Blockbuster, die er auf jene Elemente ausschlachtet, die das Publikum in besondere Begeisterung versetzt haben. Dies geschieht in der Hoffnung, den im Trash-Kino üblichen Geld- und Zeitmangel übertünchen zu können.

In unserem Fall wurden „Night of the Living Dead“ (1968), „Dawn of the Dead“ (1978) sowie „Alien“ – das Original von 1979 – gefleddert. Diese drei Filme werden nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal auf diese Weise recycelt, doch versuchen die meisten Filmemacher wenigstens, das Plagiat zur Hommage aufzuwerten.

Doch wie kann man Qualität von einem Film verlangen, dessen Budgetarmut sich u. a. darin zeigt, dass die ohnehin schäbigen Alien-Puppen sich nur ‚bewegen‘, wenn sie den Darstellern ins Gesicht geworfen werden? Wird gekämpft, müssen sich die jeweils Attackierten diverse Tentakel um Kopf und Leib schlingen, gut festhalten und dann so über den Boden rollen, dass es nach wüstem Getümmel auf Leben & Tod aussieht. Auf diese Weise wurde bereits 1955 das ‚spektakuläre‘ Finale von „Bride of the Monster“ (dt. „Die Rache des Würgers“) gestaltet, den Ed Wood jr. (1924-1978) inszenierte, der als „talentlosester Regisseur der Filmgeschichte“ in eben dieselbe eingegangen ist.

Apokalypse unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Damit schließt sich der Kreis perfekt, denn „Days of Darkness“ erinnert auch sonst stark an Woods Werke, die den Willen zum großen Kino durch einen monumentalen Dilettantismus in sämtlichen Produktionsdetails konterkarierten. Es beginnt mit der Kulisse: Sie beschränkt sich auf eine faktisch tatsächlich verlassene Sendestation in den südkalifornischen Topanga-Hügeln, die Regisseur und Drehbuchautor Jake Kennedy dankbar okkupierte. Offenbar wurde nicht nur auf dem öden Außengelände, sondern auch im engen und schmutzigen Inneren gedreht. Was vielleicht authentisch wirken könnte, verdeutlicht nur die Ärmlichkeit der Produktion. Anscheinend schrieb Kennedy sein Drehbuch, nachdem er die genannte Station aufgetan hatte, indem er sich vorstellte, was sich in ihren Räumen ereignen könnte: Die Story folgte damit der Form, was die krude Handlung mitbegründen könnte.

Wie es sich für ein Machwerk aus der unteren Schublade der Filmindustrie gehört, bleibt der Weltuntergang reine Behauptung. Kennedy verfügt nicht einmal über die Mittel, den Zombie-Sturm auf die Bergstation glaubhaft zu inszenieren. Noch weniger vermag er diese Ereignisse mit der angeblich globalen Katastrophe zu verknüpfen. Er vermeidet es deshalb tunlichst, seine Protagonisten aus den Hügeln in eine Stadt entkommen zu lassen, da dies mit seinem Budget nicht darzustellen ist.

Folgerichtig fällt es dem Zuschauer schwer, an eine epochale, niederschmetternde Bedrohung zu glauben. Dazu tragen sehr die ‚Zombies‘ bei, die Kennedy vermutlich gegen Freibier und mit dem Versprechen eines Kino-Auftritts in die kalifornische Wildnis gelockt hat. Schminken mussten sie sich vermutlich selbst, denn so sehen sie aus – niemals leichenhaft zerfallen, sondern nur mit feuerrotem Kunstblut getränkt. Auch wenn sie aus Leibeskräften heulen, grunzen und steifbeinig umher taumeln, sind sie eher komisch als bedrohlich, zumal ihre Zahl gar zu offensichtlich so gering ist, dass sie sich auf dem Stationsgelände verlieren.

Die Story dehnen – bis sie reißt

Der erfahrene (= leidgeprüfte) Horrorfilm-Freund weiß, wie sich Kennedy aus der Affäre zu ziehen versucht: Er widmet die Handlung großflächig in einen Krisen-Thriller um. Die Zombies bleiben draußen, während sich drinnen die Darsteller zanken. Ganz zufällig finden in von Zombies, Außerirdischen oder Indianern belagerten Schlupfwinkeln stets Vertreter möglichst unterschiedlicher Herkünfte und Gesellschaftsschichten zusammen. Kennedy trägt besonders dick auf: In seiner Festung hocken u. a. ein übergeschnappter und bigotter Prediger, ein Redneck mit Knarre, ein Schwuler, eine bärbeißige Porno-Actrice, ihre unglaubhaft jungfräuliche Tochter, der hünenhafte Alibi-Schwarze sowie die übliche Soldatenbraut im knappen Tank-Top. Pakte werden geschlossen und gebrochen, neue Koalitionen geschmiedet. Klischee fügt sich zu Klischee, bis sich „Days of Darkness“ im Bewusstsein des schläfrigen Zuschauers beinahe zur Illusion eines echten Spielfilms mausert.

Genau jetzt setzt die eigentliche Handlung wieder ein: Die Zombies entpuppen sich als Wirte parasitischer Aliens! Wenigstens weiß man nun, wieso der gebissene Steve nicht zum Untoten mutiert oder die Zombies tot in den Staub purzeln, auch wenn sie ein Flintenschuss nicht in den Schädel trifft. Kennedy investiert weitere zwei Dollar in Spezialeffekte und inszeniert eine Zombie-Alien-Autopsie, die einerseits lächerlich und andererseits unappetitlich ist.

Effekte aus dem Hobbykeller

„Unappetitlich“ ist das Stichwort für die sich nun anschließenden Splattereien. Kennedy lässt das Kunstblut fontänengleich hochschießen und schwelgt ausgiebig in der Darstellung dessen, was die Aliens in den Unterleibern ihrer weiblichen Opfer anstellen. Aber Feministinnen mögen sich beruhigen: Die Männer trifft es ebenso! Ihnen fallen zusätzlich die Genitalien ab, und aus dem entstehenden Loch wächst ein kleiner, mit Kleister gefüllter Beutel, in dem ein außerirdischer Embryo döst. (Dies beschert uns übrigens folgende Szene, die typisch für die ‚Qualität‘ dieses Films ist: Steve beobachtet, wie dem im Keller gefangenen Herbert das untote Gemächt durch sein Hosenbein rutscht. Wie jeder normale Mensch es sicher tun würde, klaubt er es vom Boden auf, wickelt es in sein Taschentuch und stopft es in eine Tasche seiner Jeans. Die Handlung schreitet voran, bis Steve viel später seinen Leidensgenossen eröffnet, er müsse ihnen „etwas zeigen“. Er bringt sein inzwischen blutrot verfärbtes Taschenbuch zum Vorschein und wirft den schleimig-schlaffen Inhalt triumphierend auf einen gut beleuchteten Tisch, womit er – ja, was bezweckt er damit eigentlich, außer dem Filmpublikum einen Ekel-Schock zu versetzen?)

Auch sonst soll Gore richten, was Kennedy nicht stimmungsvoll zu inszenieren weiß. Leider sind die einschlägigen Effekte jederzeit so stümperhaft geraten, dass sich der diesbezüglich erpichte Zuschauer auch schwer betrunken keineswegs unterhalten fühlen wird.

„Betrunken“ ist ein gutes weiteres Stichwort, birgt es doch den Schlüssel zur Vernichtung der Aliens. Mit einem guten Schluck Selbstgebranntem im Leib wird der Mensch immun, und der Zombie-Alien zerspringt in Stücke. Man kann den Darstellern nur wünschen, dass ihnen der Alkohol ebenfalls half, die Dreharbeiten zu diesem Machwerk zu überstehen. Mehr als ein Wochenende dürfte die Qual nicht gedauert haben, aber was die Männer und Frauen, die sich nicht als Zombies maskieren durften, in dieser Zeit tun mussten und welche Worte ihnen per Drehbuch dabei in die Münder gelegt wurden, wird ihnen sicherlich schamvoll im Gedächtnis brennen, solange sie karg entlohnt ihren Jobs als Aushilfsmimen und besseren Statisten nachgehen werden!

DVD-Features

Um ihr Elend nicht weiter publik werden lassen, konnte das Team von „Days of Darkness“ verhindern, dass ihr Gestümper durch ein „Making of“ für die Nachwelt dokumentiert wurde. Auch Interviews oder Features über die ‚Spezialeffekte‘ verkniff man sich tunlichst. Der Moment dieser Erkenntnis ist der einzige, der im Zuschauer einen Anflug von Dankbarkeit aufkeimen lässt.

Abschließend zwei Ratschläge: Sollten Sie mit ihrem Auto im Schritttempo eine Horde bissiger Zombies passieren wollen, handeln sie schlauer als unsere Darsteller – kurbeln sie vorher die Scheiben hoch! Handeln sie ebenso, wenn die Zombies Sie nicht fressen, sondern Ihnen DVDs des gerade vorgestellten Films verkaufen möchten!

[md]

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